Schlagwort: Liebe und Romantik

Lese-Eindrücke Februar 2024

Ich habe im vergangenen Monat definitiv zu viele (kostenlose/günstige) eBooks gelesen und deshalb viel zu wenig SuB-Abbau betrieben. 😉 Damit diese eBooks nicht einfach aus meiner Erinnerung schwinden, gibt es hier ein paar Lese-Eindrücke dazu (plus eine Anmerkung zum aktuellen Band einer seit Längerem laufenden Reihe).

Leslie Gail: The Magic of Death (Dead End Witches 1)

Das war ein sehr netter cozy mystery rund um eine Frau Ende Dreißig mit dem Namen Star Bell, in deren Familie (fast) alle Personen übernatürliche Fähigkeiten haben. Stars Fähigkeit besteht darin, die Geister von Verstorbenen zu sehen, was für sie okay wäre, wenn sich nicht ausgerechnet der Geist ihrer jüngeren Schwester vor ihr zu verstecken scheinen würde. Als ihre Nichte, die von Star nach dem Tod ihrer Schwester aufgezogen worden war, in einen Mordfall verwickelt wird, nutzt sie ihre Fähigkeit, um mehr über die ermordete Person und ihr Umfeld herauszufinden. Ich mochte die Charaktere (auch wenn manche Eigenheit der älteren Generation etwas arg überzogen war), ich mochte den Mordfall und die Ermittlungen, und mir gefiel der kleine Ort, der seinen Namen „Dead End“ nutzt, um Touristen anzuziehen. Einzig die Tatsache, dass Leslie Gail noch keinen weiteren Roman veröffentlicht hat, hält mich davon ab, weitere Bände rund um die Dead-End-Witches zu lesen.

Seanan McGuire: Mislaid in Parts Half-Known (Wayward Children)

Schon der neunte „Wayward Children“-Band, und so langsam fühlt es sich für mich an, als ob Seanan McGuire sich auf das Ende der Serie vorbereiten würde. „Mislaid in Parts Half-Known“ ist eine der Geschichten, die in „Eleanor West’s Home For Wayward Children“ starten und eine Gruppe von Schüler*innen in verschiedene Welten führt. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass es erstmals durchdachtere und ausführlichere Erklärungen zu den Türen, die in die magischen Welten führen, gibt, ebenso wie zu den „Auswahlkriterien“ für Kinder, die ihren Weg in diese Welten finden. Außerdem bringt dieser Band erstaunlich viele Personen nach Hause und gibt mir zum ersten Mal das Gefühl, dass Seanan McGuire so langsam die Geschichte von Kade einleitet. Am Schluss bin ich etwas zwiegespalten, weil ich diese Welt(en) noch lange nicht verlassen will, es aber auch immer sehr befriedigend finde, wenn eine Reihe, die ich so sehr mag, ein gutes Ende findet. Mal schauen, wie viele Bände hier noch veröffentlicht werden …

Sarah Painter: The Night Raven (Crow Investigations 1)

„The Night Raven“ von Sarah Painter habe ich schon ziemlich lange auf meinem eReader und bin irgendwie nie dazu gekommen, das Buch zu lesen, obwohl ich immer wieder auf der Suche nach Urban-Fantasy-Geschichten „für zwischendurch“ bin. Als ich im Februar dann feststellte, dass es die Reihe für Audible-Abonnenten umsonst zu hören gibt, habe ich mir dann doch mal den Roman vorgenommen und mich überraschend gut damit unterhalten gefühlt. Die Protagonistin Lydia Crow gehört zu einer von fünf Familie, die eine Art „magische Mafia“ bilden, die früher London beherrschte. Lydia selbst hat mit dem Familiengeschäft nichts zu tun und die letzten Jahre als Privatdetektivin in Edinburgh gearbeitet. Doch nun ist ihre Cousine Maddie verschwunden, und Lydia versucht herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Ich mochte diese Mischung aus klassischer Kriminalgeschichte plus Mafia-Familienmitgliedern und einem Hauch von Magie. Lydia hat nicht viel von den magischen Fähigkeiten ihrer Familie mitbekommen, aber es reicht, um mit ihrem geisterhaften Mitbewohner zu kommunizieren und den einen oder anderen extra Hinweis zu bekommen. Insgesamt habe ich mich von „The Night Raven“ gut unterhalten gefühlt und werde die Reihe wohl demnächst mit den Hörbüchern fortsetzen.

Hanna Sandvig: The Frost Gate (Faerie Tale Romances)

Hanna Sandvig habe ich im vergangenen Frühling für mich entdeckt und ihre Märchen-Neuerzählungen ziemlich zügig hintereinander verschlungen. „The Frost Gate“ ist der fünfte Band ihrer „Faerie Tale Romances“, und obwohl die Geschichte für sich stehend gelesen werden kann, gibt es so viele Verweise auf vorhergehende Ereignisse, dass ich das Lesen in der Veröffentlichungsreihenfolge empfehlen würde. Die Handlung ist dieses Mal an das Märchen „Schneewittchen“ angelehnt, und die Protagonistin Neve ist nicht gerade begeistert, als sie erfährt, dass sie die Thronprinzessin eines magischen Landes ist. Noch weniger gefällt es ihr, dass von ihr erwartet wird, eine böse Hexe zu besiegen, um ihre Untertanen zu retten, während sie doch eigentlich nur das Café ihrer Adoptiveltern betreiben möchte. Ich mag diese Mischung aus Charakteren, die sich – statt nach der Schule zum College zu gehen – in einem magischen Land wiederfinden und in der Regel recht pragmatisch damit umgehen, aus erster (und überraschend unkitschiger „ewiger“) Liebe und amüsantem Geplänkel. Dazu gefällt es mir, wie Hanna Sandvig die diversen Märchenelemente in ihre Geschichten einbaut und wie ihre Feenwelt mit jeder Veröffentlichung ein bisschen runder wirkt. Für mich sind diese Jugendbücher die perfekte Entspannungslektüre, wenn mein Kopf voll ist und ich Erholung suche!

Tansy Rayner Roberts: Die Teacup-Magic-Reihe

Nachdem ich in den vergangenen Tagen die fünf Teacup-Magic-Titel von Tansy Rayner Roberts gelesen und dann festgestellt habe, dass ich hier noch gar nichts dazu geschrieben hatte, gibt es hier eine (kleine) Vorstellung der Reihe. Bislang hat die Autorin fünf Titel in dieser Reihe veröffentlicht (im August erscheint der sechste Teil). Die ersten drei Bände („Tea and Sympathetic Magic“, „The Frost Fair Affaire“ und „Spellcrackers Honeymoon“) werden aus der Perspektive von Mnemosyne Seabourne erzählt, die zu Beginn von „Tea and Sympathetic Magic“ die Nase voll hat von der Saison und der Suche nach einem passenden Ehemann. Doch dann kommt es während einer Hausparty, die von ihrem Cousin Henry (dem Duke of Storm) veranstaltet wird, zu einer Entführung. Gemeinsam mit Henrys Spellcracker Thornbury (und diversen jungen Damen der Gesellschaft) macht sich Mneme zur Rettung des Entführungsopfers auf und beweist dabei eine Menge Einfallsreichtum.

Das Land, in dem Tansy Rayner Roberts ihre Teacup-Magic-Geschichten spielen lässt, besteht aus einem Haufen Inseln, die in vielen Aspekten sehr an die Regency-Zeit erinnern und auf denen die Anwendung von Magie zum Alltag gehört. So reisen die Herren der Gesellschaft per magischem Portal von einem Ort zum anderen (während die Damen für ihre Reisen auf Schwanenboote und Kutschen angewiesen sind), beim Versuch, einen potenziellen Ehemann für sich zu gewinnen, werden Zauber eingesetzt, die größere Sympathie erzeugen sollen, und natürlich wird mit Magie dafür gesorgt, dass der Tee immer die richtige Temperatur hat. Während die Geschichten sich anfangs noch um relativ „übliche“ Themen drehen wie die Suche einer Dame der Gesellschaft nach einem Ehemann, wird die Reihe im Laufe der Zeit immer absurder (und somit auch amüsanter). Mnemosyne versucht im zweiten Band etwas für die Rechte der Frauen zu erreichen und bekommt es dabei mit dem Geheimdienst der Königin zu tun, und im dritten Band ist sie an der Aufklärung eines magischen Mords – auf einer angeblich magiefreien Insel – beteiligt.

Bei den folgenden Bänden wechseln dann die Protagonistinnen. Der vierte Band („Lady Liesl’s Seaside Surprise“) wird aus der Sicht von Lady Liesl erzählt, die in vorherigen Geschichten schon als Nebenfigur auftauchte. Lady Liesl versucht darin einen Diamantendiebstahl zu klären, um die zweite Ehe ihres Vaters zu retten. Dabei begibt sich Liesl in die Gesellschaft von freigeistigen Künstlern und ungewöhnlichen Dienstboten, sie schreibt Unmengen von Briefen an diverse Freunde und Verwandte (lebende und tote! – was ich sehr amüsant fand) und findet nebenbei noch heraus, was sie eigentlich mit ihrem Leben anfangen will. Mit dem bislang aktuellsten Titel („Have Spirit, Will Duchess“) gibt es überaus überraschende Informationen über das Vorleben der aktuellen Duchess of Storm, einen Haufen Geister (besonders beeindruckend ist dabei die verstorbene Duchess of Storm – und ja, das ist definitiv eine Herzogin zu viel!), einen Assassinen und ein Schiff voller Freibeuter. Außerdem brachte die fünfte Geschichte einige Andeutungen für den sechsten Band mit sich, so dass ich es kaum erwarten kann, dass „This Entchanted Island“ endlich im Spätsommer erscheint.

Ich gebe zu, dass keine dieser (zwischen 80 und 190 Seiten langen) Geschichten so sehr herausstechend ist, dass sie einen lang anhaltenden Eindruck bei mir hinterlässt, der über „das war so nett!“ hinausgeht. Aber auf der anderen Seite sind die Teacup-Magic-Titel so wunderbar absurd und amüsant, dass ich immer wieder darauf zurückkomme, wenn ich den Kopf abschalten und mich erholen will. Außerdem mag ich die Charaktere und ihre Erzählstimmen wirklich gern, und es macht mir Spaß, meine Zeit mit ihnen zu verbringen. Die ersten drei Teacup-Magic-Bände gibt es inzwischen auch als Bundle (und aktuell kostet das gerade mal 99 Cent), und im August, wenn der sechste Band erscheint, wird es auch noch ein zweites Bundle mit den restlichen drei Geschichten geben.

Lese-Eindrücke Januar 2024

Winter Tales from Cozy Vales (A Cozy Fantasty Collection 1)

Cozy Vales ist eine „shared world“, in der die Autor*innen L. A. Scott, Rebecca Buchanan, Selina J. Eckert, Deanna Stuart, Angela Stuart, Cassandra Stirling, K. M. Jackways, G. Glatworthy, Nathaniel Webb und Bonnie Axton schreiben. „Winter Tales from Cozy Vales“ ist eine (kostenlose) Sammlung von Geschichten, die diese Welt und ihre Bewohner vorstellen, und war für mich die perfekte Entspannung zum Jahresanfang. Nicht alle der neun Geschichten haben mir gleichermaßen gut gefallen, aber in allen davon habe ich Elemente gefunden, die mich erfreut haben, und bei überraschend vielen Texten gehe ich davon aus, dass ich weitere Cozy-Vales-Veröffentlichungen der Autor*innen lesen werde.

Alle Beiträge in dieser Collection drehen sich rund um die „Lantern Night“, die in dieser fantastischen Welt begangen wird (wobei die verschiedenen Regionen auch unterschiedliche Traditionen rund um diesen Feiertag haben), und ich mochte die winterliche Atmosphäre ebenso wie die vielen kleinen und großen magischen Elemente und Personen. Einige dieser Geschichten haben bei mir ein ähnliches Gefühl hervorgerufen wie „Legends & Lattes“, wobei es in dieser Welt grundsätzlich mehr Alltagsmagie und weniger Abenteuer zu geben scheint. Für mich die perfekte Lektüre, um abends entspannt ein bisschen zu lesen und mir dann beim Einschlafen auszumalen, wie es mit den Charakteren wohl weitergehen könnte. 😉

Lauren Gilley: Heart of Winter (Drake Chronicles 1)

„The Heart of Winter“ von Lauren Gilley ist schon vor längerer Zeit auf meinem eReader gelandet, und erst beim Erstellen meiner „Winter-Leseliste“ habe ich wieder an den Titel gedacht. Inzwischen habe ich nicht nur diesen ersten Band der „Drake Chronicles“, sondern auch den zweiten und dritten Teil gelesen, weil ich mich davon so gut unterhalten fühle. Am Anfang dreht sich die Handlung vor allem um Oliver Meacham (Bastardsohn eines Adeligen) und seine Cousine Tessa Drake, die von ihm in den Norden begleitet wird, wo sie den „barbarischen“ König Erik heiraten soll. Diese Heirat soll dafür sorgen, dass das Herzogtum Drakewell militärische Unterstützung gegen die einfallenden Sels erhält. Doch Erik ist nicht an einer Heirat interessiert und bietet Tessa stattdessen die Hand eines seiner Neffen (und Erben) an, während sich gleichzeitig eine Liebesgeschichte zwischen dem König und Oliver entwickelt.

Es gibt in diesen Romanen so einige Elemente, bei denen ich nicht genauer über den Weltenbau nachdenken darf – vor allem, wenn es um die Tiere in den verschiedenen Regionen, die Logistik beim Reisen oder gar um das Thema Nahrungsmittelanbau, -import oder -export geht. Außerdem hätte es für mich die Menge an Sex- und Schmachtszenen (m/m und f/m) nicht unbedingt benötigt, aber ich kann damit leben, weil es dabei auch immer wieder – zum Teil wirklich wichtige – Dialoge gab. Vor allem aber habe ich diese Bücher mit so großem Vergnügen gelesen, weil ich die Figuren und die Art und Weise, wie sie mit ihren Familienmitgliedern und Freunden umgehen, mochte. Für Oliver führt die Reise in den Norden nicht nur dazu, dass er Gefühle für König Erik entwickelt, sondern auch dazu, dass er zum ersten Mal mehr als nur „der Bastard“ ist.

Er und Tessa finden eine überraschend herzliche neue Familie, und auch wenn es aufgrund von unterschiedlichen Temperamenten oder kulturellen Missverständnisse mal knirscht, so reden diese Figuren doch miteinander und versuchen gemeinsam ihre Probleme zu lösen. Das ist so wohltuend zu lesen, dass die (ab dem Ende des ersten Bands) auftauchenden dramatischen Elemente wie Krieg, Nekromanten, Clan-Politik und natürlich politische Schachzüge und Verrat den wohltuenden Teil für mich nicht überschatten. So haben die ersten drei Teile der „Drake Chronicles“ bei mir für überraschend entspannte Lesestunden gesorgt und ich musste beim abendlichen Lesen aufpassen, dass ich meine Schlafenszeit nicht zu sehr in die Nacht verschob. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann auch noch die letzten beiden Teile der Reihe lesen werde.

Catie Murphy: Death by Irish Whiskey (The Dublin Driver 5)

„Death by Irish Whiskey“ ist der fünfte Band der „Dublin Driver Mysteries“ und ich mag die Reihe so sehr, dass ich den Krimi direkt nach Erscheinen (am 23. Januar) gelesen habe. Protagonistin der Bücher ist Megan Malone, eine Amerikanerin, die seit fünf Jahren in Dublin lebt und dort als Limousinen-Chauffeurin arbeitet. Im Rahmen ihrer Arbeit lernt sie nicht nur die ungewöhnlichsten Personen kennen, sondern stolpert auch immer wieder über Leichen. Dieses Mal ist sie allerdings privat unterwegs, als bei einem Wettbewerb, bei dem der vielversprechendste „Newcomer Whiskey“ des Jahres gekürt werden soll, einer der Teilnehmer ermordet wird. Obwohl Megan ihrer Freundin Jelena versprochen hatte, dass sie in Zukunft die Finger von den Mordermittlungen lässt, kann sie auch dieses Mal nicht einfach zuschauen, wie die Polizei ermittelt – schließlich gehört auch ihr Onkel Rabbie zu den Teilnehmern des Wettbewerbs und könnte deshalb in Gefahr schweben.

Nachdem ich den vierten Teil der Reihe etwas enttäuschend fand, weil es mich so genervt hat, dass Megans Liebste Jelena so extrem darauf reagierte, dass Megan immer wieder über Leichen stolperte, hat mich „Death by Irish Whiskey“ wieder rundum gut unterhalten. Jelena kommt zu dem Schluss, dass das Schicksal bestimmt hat, dass Megan Morde aufklärt, und Megan plaudert mit den diversen Personen und findet einen Hinweis nach dem anderen. Dabei finde ich es immer wieder spannend, wie Catie Murphy Megans Verhältnis zur Polizei darstellt: Auf der einen Seite besteht Megan auf ihre Rechte und lässt den Polizisten keinen (versuchten) Regelverstoß durchgehen. Auf der anderen Seite berichtet sie jede relevante Information, damit die Ermittler ihrer Arbeit in vollem Umfang nachgehen können. Vor allem aber mag ich Megan und ihren Freundeskreis und all die kleinen Beobachtungen der geborenen Amerikanerin rund um das Leben in Irland. Außerdem finde ich die vielen verschiedenen Charaktere, die sie im Laufe der Mordfälle kennenlernt, interessant und amüsiere mich immer wieder sehr über die Dialoge. Ich hoffe sehr, dass C. E. Murphy noch so einige Dublin-Driver-Krimis schreiben wird.

Faith Erin Hicks: Hockey Girl Loves Drama Boy (Comic)

Nachdem mir die „The Nameless City“-Comics von Faith Erin Hicks so gut gefallen hatten, hatte ich mir im vergangenen Jahr zu Weihnachten „Hockey Girl Loves Drama Boy“ gewünscht. Die Handlung dreht sich um Alix und Ezra, die beide auf dieselbe kanadische Highschool gehen. Während Ezra im Theaterclub aktiv ist, gehört Alix zum erfolgreichen Eishockey-Team der Schule. Zu Beginn der Geschichte gerät Alix in Schwierigkeiten, als sie Lindsay, die Kapitänin ihres Teams, angreift, nachdem diese sie zum wiederholten Male vor den Augen ihrer Mitspielerinnen verbal fertiggemacht hat. Als sie am nächsten Tag in der Schule mitbekommt, wie Ezra überraschend lässig und schlagfertig auf den homofeindlichen Mobbingversuch eines Mitschüler reagiert, hofft Alix, dass er ihr beibringen kann, weniger aggressiv mit Lindsays Lästereien umzugehen.

Ich mochte es sehr mitzuverfolgen, wie Alix und Ezra sich immer besser kennenlernen, wie sie sich über persönliche Dinge unterhalten und sich Mühe geben, füreinander da zu sein. Dabei spricht Faith Erin Hicks viele verschiedene Themen an, angefangen bei Ezras Aussage „I’m attracted to lots of different people, not just guys“ über Alix‘ Probleme mit ihren (geschiedenen) Eltern und ihrer Überzeugung, dass sie keinerlei Fähigkeiten außer Eishockey spielen hat, bis zu traumatischen Erlebnissen in Ezras Vergangenheit. Sowohl Alix als auch Ezra – der nur zu Beginn ein bisschen zu perfekt wirkt – sind Charaktere, die sich für mich wie realistische Teenager angefühlt haben. Gerade Alix mit all ihren Unsicherheiten, ihren Temperamentausbrüchen und den vielen unbeantworteten Fragen konnte mich überzeugen. Aber ich fand auch Ezra glaubwürdig in seinen Bemühungen, sich aufmerksam und respektvoll zu verhalten, nur um dann festzustellen, dass er trotzdem Menschen verletzt, die ihm am Herzen liegen.

Die Zeichnungen von Faith Erin Hicks sind auch in diesem Comic wieder geprägt von sehr harten Outlines und ebenso hart schraffierten Schatten, was ich normalerweise nicht so ansprechend finde, was aber bei dieser Künstlerin inzwischen für mich funktioniert. Wirklich beeindruckend fand ich die Dynamik in den Eishockey-Szenen, die einen wirklich hervorragenden Eindruck von der Schnelligkeit (und Härte) des Spiels vermittelten. Aber mir gefielen auch die vielen ruhigeren Zeichnungen, in denen sich Alix und Ezra miteinander oder mit anderen Personen unterhalten haben und in denen sehr viel über Gestik und Mimik erzählt wurde. Bei diesen Szenen fand ich es auch immer wieder beeindruckend, auf wie viele kleine Dinge Faith Erin Hicks bei ihren Zeichnungen achtet, so dass es selbst in den – auf den ersten Blick – eher übersichtlicheren Panels immer wieder liebevolle Details rund um die Charaktere zu entdecken gibt.

Noch ein Hinweis zu „Hockey Girl Loves Drama Boy“: Es gibt zwei verschiedene Taschenbuchausgaben des Comics! Einmal eine US-Ausgabe, die mit dem Verlagsnamen „St. Martin’s Press“ veröffentlicht wurde, und dann eine UK-Ausgabe, die unter „Macmillan“ veröffentlicht wurde (St. Martin’s Press gehört zur Macmillan Verlagsgruppe). Da mir nicht bewusst war, dass es Unterschiede zwischen den Ausgaben gibt, hatte ich die Ausgabe von Macmillan auf meinen Wunschzettel gesetzt. Aber bei diesem Taschenbuch sind die Zeichnungen nur schwarz-weiß(-grau) gehalten, während die Zeichnungen in der US-Version blaue Akzente aufweisen. Ich finde es nicht schlimm, dass ich die „farblosere“ Variante habe, aber wenn ich vorher von diesem Unterschied gewusst hätte, hätte ich mir die lebhafter wirkende US-Ausgabe gewünscht.

Ann Aguirre: The Only Purple House in Town

Über „The Only Purple House in Town“ von Ann Aguirre bin ich vor ein paar Tagen zufällig gestolpert, und ich fand die Inhaltsangabe nett genug, um die Leseprobe zu lesen. Danach habe ich mir dann das eBook gekauft und ein paar nette Abende mit der Geschichte verbracht. Erzählt wird die Handlung aus den Perspektiven von Iris Collins und Eli Reese, die sich vor fünfzehn Jahre (Eli war zehn und Iris war zwölf Jahre alt) kurz begegneten, als Iris Eli vor einem Mitschüler beschützte. Seitdem hat sich das Leben der beiden Figuren sehr unterschiedlich entwickelt: Iris ist hoch verschuldet, steht kurz vor der Obdachlosigkeit und hat das Gefühl, dass alles, was sie in die Hand nimmt, schief läuft. Eli hat hingegen als App-Entwickler so viel Erfolg, dass er sich problemlos ein paar Wochen Urlaub gönnen kann, um seiner Großmutter bei einem Start in ein neues Leben zu helfen.

Erst als Iris das Haus „Violet Gables“ in dem kleinen Ort St. Claire (und etwas Bargeld) von ihrer Großtante Gertie erbt, scheint sich ihr Glück zu wenden. Nach und nach vermietet sie immer mehr Zimmer in ihrem Haus an die unterschiedlichsten Personen, und so versammelt sich unter Iris‘ Dach im Laufe der Zeit eine ungewöhnliche found family. Auch Eli gehört zu den Personen, die von Iris ein Zimmer mieten – was ihm nicht nur die Möglichkeit bietet, mehr Zeit mit der Frau zu verbringen, an die er fünfzehn Jahre lang immer wieder gedacht hat, sondern ihn auch zum ersten Mal in seinem Leben engere Freundschaften knüpfen lässt. Ich fand es sehr wohltuend, von all den Personen zu lesen, die sich in „Violet Gables“ zusammengefunden haben, und zu sehen, wie sie alle in einem Umfeld aufblühen, in dem rücksicht- und respektvoll mit ihnen umgegangen wird. Dabei ist das Leben für Iris und ihre Mitbewohner nicht ohne Probleme, aber egal ob es sich dabei um die fürchterliche Nachbarin, Reparaturen am Haus oder Dramen mit den Familienmitgliedern der jeweiligen Personen handelt, als Leserin hatte ich nie das Gefühl, dass irgendwas davon nicht gut ausgehen würde.

Was mich zu dem größten Kritikpunkt an der Geschichte bringt: „Elis Geheimnis“! Eli zieht aufgrund eines Missverständnisses in Iris‘ Haus ein (sie denkt, er spricht sie an, weil er sich für ein Zimmer bewerben will, und er ist zu schüchtern und zu glücklich über das Wiedersehen, um das aufzuklären). Statt das Ganze nach den ersten Tagen, als sich alle besser kennenlernen, anzusprechen, macht Eli daraus ein großes Geheimnis – ebenso wie aus der Tatsache, dass er mehr Geld hat als alle anderen zusammen. Was natürlich dazu führt, dass es gegen Ende des Romans erst einmal ein großes Drama geben muss, als Iris herausfindet, was Eli alles verschwiegen hatte. Das war vollkommen unnötig (es gibt noch andere Punkte, die zum dramatischen Höhepunkt der Handlung beitragen und die vollkommen ausgereicht hätten), es war von Anfang an abzusehen und es passte nicht zu dem Charakter, den Ann Aguirre mit Eli geschaffen hatte.

Außerdem finde ich es lustig, dass ich bislang die fantastischen Elemente in „The Only Purple House in Town“ gar nicht erwähnt habe, obwohl ich sie wirklich nett fand. Aber wenn ich genau bin, dann spielen sie eigentlich keine wichtige Rolle in der Handlung. Es ist egal, dass Iris‘ Eltern Vampire sind und sich von negativen Gefühlen ernähren, denn das ist nicht der Grund, wieso Iris in der Gesellschaft ihrer Mutter und ihrer Schwestern unglücklich ist. Es hilft bei der Renovierung, dass später eine Person ins Haus zieht, die mit Magie Materialien auffrischen kann, aber einer der anderen Mitbewohner hatte vorher schon mit seinen handwerklichen Kenntnissen alles Wichtige repariert. Vor allem sind die fantastischen Elemente in dem Roman also vorhanden, um Gespräche anzustoßen, Probleme mit der konservativen Nachbarin zu verursachen oder für amüsante Momente zu sorgen – all das wäre auch ohne Gestaltwandler*innen, Vampir*innen oder Hexen möglich, aber vermutlich nicht ebenso unterhaltsam gewesen.

Alles in allem habe ich mich mit der Geschichte wirklich wohlgefühlt, auch wenn das Ende von „The Only Purple House in Town“ etwas arg kitschig war und ich eine weniger magische Lösung für das größte Problem der Hausgemeinschaft schöner gefunden hätte. Es gibt in dem Roman so viele zauberhafte Momente, in denen Iris und all die anderen Charaktere aufmerksam miteinander umgehen, in denen deutlich wird, dass sie auf die Eigenheiten der anderen Rücksicht nehmen, damit alle gut und sicher zusammen leben können. Ich mochte die verschiedenen Figuren mit all ihren Eigenarten wirklich gern, ich habe über diverse Szenen geschmunzelt und regelmäßig „nur noch ein weiteres Kapitel“ gelesen. Überhaupt hätte ich nichts dagegen, weitere solche Geschichten von der Autorin zu lesen. Es gibt von ihr auch noch die Fix-It-Witches-Trilogie, die in dem gleichen Ort spielt wie dieser Roman, aber die Tatsache, dass das eBook des ersten Bands („Witch Please“) aktuell über 13 Euro kostet, hält mich davon ab, ein paar weitere entspannte Stunden in St. Claire zu verbringen.

Sangu Mandanna: The Very Secret Society of Irregular Witches (Hörbuch)

In der vergangenen Woche habe ich das von Samara MacLaren gelesene Hörbuch „The Very Secret Society of Irregular Witches“ gehört. Die Geschichte ist von Sangu Mandanna (von der ich gerade erst das Jugendbuch „Kiki Kallira Breaks a Kingdom“ gelesen habe) und wird aus der Sicht von Mika Moon erzählt. Von Anfang an steht fest, dass Mika ein recht einsamer Mensch ist. Sie ist eine Waise, die als Baby von Indien nach London gebracht wurde und dort unter der Obhut von ständig wechselnden Kindermädchen und Erziehern aufwuchs. Für ihr finanzielles Wohlergehen und die Anstellung der ganzen Kindermädchen war Primrose verantwortlich, die Mika von klein auf auch all die Regeln eingeprägt hat, die sie als Hexe einzuhalten hat. Primrose ist es auch, die die Gruppe von Hexen leitet, mit der sich Mika alle paar Wochen im Geheimen an den unterschiedlichsten Orten trifft, um sich über Zaubersprüche und Ähnliches auszutauschen. Außerhalb dieser seltenen Treffen gibt es niemanden, mit dem Mika über ihre Magie reden darf, was mit zu ihrer großen Einsamkeit beiträgt.

Mikas einziger Ausweg ist ihr Youtube-Kanal, auf dem sie Videos veröffentlicht, in denen sie „zaubert“ – wobei sie natürlich darauf achtet, dass niemals der Verdacht aufkommen könnte, dass sie echte Magie wirkt. Trotzdem ist es dieser Youtube-Kanal, der dafür sorgt, dass die Bewohner des Nowhere House mit Mika Kontakt aufnehmen, weil sie dringend jemanden benötigen, der drei jungen und unerfahrenen Hexen den Umgang mit ihrer Magie beibringt. Auch wenn sich Mika durchaus der Gefahren bewusst ist, die entstehen, wenn vier Hexen (drei davon auch noch ohne jegliche Beherrschung ihrer Magie) sich an einem Ort versammeln, beschließt sie, den drei Mädchen Magie-Unterricht zu geben. Schnell fühlt sie sich im Nowhere Hause mit all seinen liebenswürdigen Bewohnern wohl und entwickelt sogar intensivere Gefühle für den grumpigen Bibliothekar Jamie. Doch alles, was Mika in ihrem bisherigen Leben gelernt hat, sagt ihr, dass sie nicht riskieren kann, langfristig im Nowhere House zu bleiben, ohne ihr eigenes Wohlergehen und das aller anderen Bewohner in Gefahr zu bringen.

Ich muss gestehen, dass ich „The Very Secret Society of Irregular Witches“ wirklich sehr nett und süß fand, was auch daran lag, dass ich den Teil rund um die „Gefahren“, die den Hexen drohen, wenn ihre Existenz bekannt würde, nicht so recht ernst nehmen konnte. So waren die Magie-Elemente in der Handlung zwar ein hübsches Extra, konnten mich aber nicht davon ablenken, dass Mikas Geschichte vor allem eine niedliche Liebesgeschichte mit einem etwas konstruierten „Problem“ für die Beziehung zwischen der Protagonistin und Jamie war. Es gab zwar kaum überraschende Wendungen und ich würde nicht mit allen Bewohnern des Nowhere House auf einem Grundstück leben wollen, aber es war nett, von den exzentrischen Einfällen dieser Figuren und ihrem liebevollen Miteinander zu lesen, und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Die drei Mädchen, denen Mika Magie-Unterricht erteilte, waren einfach nur süß, Jamie war der typische „raue Schale, weicher Kern“-Love-Interest, den es so häufig in dieser Art von Liebesgeschichten zu finden gibt, und so war dieses Hörbuch so entspannend und erholsam wie ein heißes Bad am Ende eines anstrengenden Tages. Dabei hat die Sprecherin Samara MacLaren für mich sehr zum Hörvernügen beigetragen, auch wenn ich ihre Betonung manchmal etwas zu flapsig fand, um wirklich zu Mika zu passen, wobei ich zugeben muss, dass das vor allem daran liegen könnte, dass manche britische Dialekte so auf mich wirken. Aber ich fand, dass sie die Männerstimmen überraschend überzeugend betont hat und auch bei den Kindern musste ich mich nie fragen, welches der drei Mädchen gerade redete, weil Samara MacLaren ihnen so viel Individualität verliehen hatte.

Ich glaube nicht, dass ich hier groß über dieses wirklich nette Hörbuch geschrieben hätte, wenn mich nicht zwei Dinge seit dem Hören beschäftigt hätten. Auf der einen Seite gibt es unfassbar viele begeisterte Rezensionen zu „The Very Secret Society of Irregular Witches“, die ich nicht ganz nachvollziehen kann, weil es zwar eine süße Geschichte mit sympathischen Charakteren ist, sich die Handlung aber nicht so groß von anderen „netten“ Liebesromanen unterscheidet. Und auf der anderen Seite ist da eben die Tatsache, dass ich kurz vorher erst „Kiki Kallira Breaks a Kingdom“ gelesen hatte und das Buch mich so viel mehr berührt hatte als Mikas Geschichte, und natürlich habe ich mich gefragt, wieso das der Fall ist. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mich Kiki und ihre Entwicklung viel mehr mitgerissen haben, weil Sangu Mandanna mich davon überzeugen konnte, wie schwierig Kikis Probleme für sie sind. Obwohl die Handlung zum Großteil in einer fantastischen Welt spielt, die sich Kiki selber ausgedacht hatte, sind ihre psychischen Probleme real und sie beeinflussen Kikis Leben rund um die Uhr. Es gibt für Kiki kein Entkommen vor ihren Ängsten und von den Auswirkungen, die ihre Gedankenspiralen auf sie und ihr Leben haben.

Bei Mika hingegen spielt die Handlung in „unserer Welt“, und obwohl es Sangu Mandanna meinem Gefühl nach gelungen ist, all die kleinen magischen Elemente stimmig in die Geschichte einzuflechten, fühlte es sich für mich nie so an, als ob Mika wirklich in Gefahr schweben würde. Ihr Leben wird vor allem davon bestimmt, dass „früher“ Hexen verfolgt wurden und dass es „früher“ gefährlich war, wenn jemand eine andere Person beschuldigte/in Verdacht hatte, eine Hexe zu sein. Aber jedes Mal, wenn in der Handlung darauf verwiesen wurde, wie wichtig es sei, die Regeln einzuhalten, damit niemand herausfindet, dass Mika und die anderen Hexen sind, stand ich da und dachte, dass es so viele Möglichkeiten gäbe, um damit anders umzugehen. Außerdem habe ich mich ständig gefragt, wieso Mika, wenn sie denn solch eine Sehnsucht nach einem „Zuhause“ hat, nicht größere Anstrengungen unternimmt, um sich ein Zuhause zu suchen. So wie ihr Charakter im Umgang mit den Mädchen und den anderen Bewohnern des Nowhere House dargestellt wurde, fiel es mir schwer zu glauben, dass sie in all den Jahren zuvor keinen Weg gefunden hätte, um sich selbst ein Zuhause zu schaffen. Ich habe mich mit „The Very Secret Society of Irregular Witches“ wirklich gut unterhalten gefühlt, aber es ist für mich definitiv eine Geschichte, bei der ich nicht zu genau über den einen oder anderen Aspekt nachdenken darf.

Megan Bannen: The Undertaking of Hart and Mercy

Laut Klappentext ist „The Undertaking of Hart and Mercy“ von Megan Bannen eine Mischung aus „The Princess Bride“ und „You’ve Got Mail“, und Ursula Vernon hat in ihrem letzten Newsletter über den Roman gesagt: „sort of like if You’ve Got Mail was set in the old west with zombies and dead gods and the protagonists were a bounty hunter and an undertaker. So a fun romance closely centered on corpse disposal!“. Was es ziemlich gut auf den Punkt trifft, auch wenn es sich für mich beim Lesen weniger nach „Old West“ angefühlt hat. Erzählt wird die Handlung auf der einen Seite aus der Perspektive von Mercy Birdsall, die als Bestatterin nach einer Erkrankung ihres Vaters das Familiengeschäft „Birdsall & Son“ am Laufen hält. Auf der anderen Seite geht es um Hart Ralson, einen Marshal, der im Rahmen seiner Arbeit regelmäßig unidentifizierte Leichen zu den verschiedenen Bestattungsinstituten bringen muss.

Mercy und Hart kennen sich seit über vier Jahren und hassen sich seit ihrer ersten Begegnung. Doch als Hart eines Tages vor lauter Einsamkeit einen Brief an einen „Freund“ schreibt, landet dieser Brief bei Mercy, die sich ebenso einsam fühlt wie der unbekannten Schreiber und ihm deshalb antwortet. Die Anonymität, die mit dieser Brieffreundschaft einhergeht, sorgt dafür, dass beide überraschend offen und ehrlich miteinander umgehen, was dazu führt, dass sich sowohl Mercy als auch Hart bald fragen, ob aus dieser Brieffreundschaft vielleicht mehr werden könnte, wenn sie sich nur trauen würden, einander zu treffen. Ich muss gestehen, dass ich die Geschichte nicht so bezaubernd gefunden hätte, wenn nicht die Welt, die sich Megan Bannen für „The Undertaking of Hart and Mercy“ ausgedacht hat, so faszinierend gewesen wäre. Obwohl ich mich während der ersten Seiten ziemlich verloren fühlte, weil die Autorin anfangs wenig zu dieser Welt erklärt, fand ich es doch spannend, mehr über die Insel, auf der Mercy lebte, über die Alten und die Neuen Götter, über die Demigods (zu denen auch Hart gehört) und die zombiehaften Drudges zu erfahren.

Außerdem mochte ich es sehr, wie professionell und liebevoll Mercy ihrem Job nachgeht. Megan Bannen gelingt es, die Arbeit als Bestatterin – mit all den Besonderheiten, die in dieser fantastischen Welt notwendig sind – so zu beschreiben, dass es fast schon heimelig ist, mitzuverfolgen, wie Mercy eine Leiche herrichtet. Und obwohl Mercy von einem Haufen liebevoller Familienmitglieder umgeben ist, wird schnell deutlich, wieso sie sich so einsam fühlt, dass sie eine Brieffreundschaft mit einem vollkommen Fremden beginnt. Bei Hart hingegen ist von Anfang an unübersehbar, dass er einsam ist und dass das ein Zustand ist, an dem er zum Großteil selbst Schuld ist. Umso wunderbarer ist es mitzuverfolgen, wie er im Laufe der Geschichte – auch dank der Briefe, die er mit Mercy austauscht – versucht, wieder mehr auf andere Personen zuzugehen und alte Freundschaften wiederzubeleben. Überhaupt macht es Spaß zu sehen, wie sich die beiden Protagonisten im Laufe der Zeit weiterentwickeln und wie sich das dann auch auf all die anderen Personen in ihrem Umfeld auswirkt.

Ich finde es gerade überraschend schwierig, all die Dinge, die diesen Roman für mich ausgemacht haben, in Worte zu fassen. „The Undertaking of Hart and Mercy“ ist wundervoll romantisch und sehr oft sehr lustig, doch dabei ist das Leben, das die Charaktere führen nicht gerade einfach. Geldsorgen, Krankheit, Todesfälle, Drudges und Geschäftskonkurrenten, die zu unfairen Mitteln greifen, spielen deshalb keine unerheblichen Rollen in der Handlung, aber trotzdem hat Megan Bannen dafür gesorgt, dass ich als Leserin die ganze Zeit die Gewissheit hatte, dass am Ende alles gut ausgehen würde. Was dafür gesorgt hat, dass ich selbst die dramatischeren Szene rundum „genießen“ (und die etwas vorhersehbareren Wendungen verzeihen) konnte. Ich gebe zu, dass ich eine ganz besondere Schwäche für „Cozy Fantasy“ rund um eigentlich nicht so gemütliche Themen habe, weshalb dieser Roman genau in mein Beuteschema fällt, aber ich denke, dass auch Personen, die normalerweise nur romantische oder nur fantastische Geschichten mögen, Spaß mit „The Undertaking of Hart and Mercy“ haben würden.

Lish McBride: A Little Too Familiar (Uncanny Romance 1)

„A Little Too Familiar“ von Lish McBride habe ich schon vor einigen Wochen gelesen, aber da ich in meiner Twitter-Timeline regelmäßig über Empfehlungen des Romans als „Wohlfühlbuch“ stolpere, wollte ich doch noch etwas zu dem Titel schreiben. Die Handlung wird aus der Sicht von Lou und Declan erzählt. Lou (eigentlich Louise) ist ein animal mage und darauf spezialisiert, die Verbindung zwischen Familiar und Menschen zu stärken. Declan hingegen ist ein Werwolf und sucht zu Beginn der Geschichte eine Neuanfang, nachdem sich seine Freundin Sidney und seine kleine Schwester Zoey ineinander verliebt haben. Damit die beiden Frauen ohne schlechtes Gewissen miteinander leben können, beschließt Declan, von Portland nach Seattle in die Wohngemeinschaft von seinem Freund Trick zu ziehen. Tricks WG besteht aus einem bunten Haufen von Personen, zu denen neben Lou auch noch ihre beste Freundin Van(essa) und deren Schwester Juliet mit ihrer kleinen Tochter gehören. Außerdem gibt es einige Freunde wie zum Beispiel den Minotaurus Jim, die eigentlich täglich in der WG vorbeischauen.

Es gibt wirklich sehr, sehr viele Szenen in diesem Roman, die einen wunderbar warmherzigen, aufmerksamen und liebevollen Umgang der verschiedenen WG-Mitbewohner miteinander zeigen. Und auch mit Lous Familie gibt es sehr viele amüsante Szenen, die zeigen, dass diese Personen einander mögen und jederzeit unterstützen, was wunderschön zu lesen ist. Trotzdem habe ich ein Problem damit, „A Little to Familiar“ uneingeschränkt als Wohlfühlbuch zu bezeichnen, da es so einige Elemente in der Geschichte gibt, die alles andere als gemütlich sind. Declan zum Beispiel hat als Kind in einem sektenähnlichem Umfeld gelebt und dort physischen und psychischen Missbrauch erfahren, der bis heute sein Leben prägt. Das führt dazu, dass er, als er zum ersten Mal in der WG auf Lou trifft, eine Panikattacke erleidet. Die Tatsache, dass Lou ein animal mage ist, weckt bei dem Werwolf Ängste, mit denen er kaum fertig werden kann, und das ist wirklich schmerzhaft zu lesen. Auch das familiäre Umfeld von Van und Juliet ist nicht gerade liebevoll und beeinflusst immer wieder das Leben dieser Figuren, außerdem gibt es am Ende des Romans eine ziemlich blutige Schlacht zwischen einer Gruppe, die eine Person aus der WG entführt hat, und den restlichen WG-Mitbewohnern und ihren Freunden und Familienmitgliedern.

Ich persönlich mochte diese Mischung aus „klassischen Urban-Fantasy-Elementen“ und den wunderbar wohltuenden und gemütlichen Szenen rund um die WG-Mitglieder. Ich fand es wirklich süß zu verfolgen, wie Lou und Declan damit umzugehen versuchen, dass sie sich auf der einen Seite zueinander hingezogen fühlen und dass er auf der anderen Seite Panikattacken bekommt, wenn er an ihre Magie denkt. Außerdem gibt es wirklich sehr viele überaus amüsante Szenen in dem Roman, wenn zum Beispiel Declan als Alphawolf dafür sorgt, dass seine WG-Mitglieder gut versorgt sind (was in diesem Fall auch bedeutet, dass er den halben Tag in der Küche steht, damit all seine „Rudel-Mitglieder“ sich gut ernähren) oder die Momente, in denen Lou sich mit Tauben streitet oder mit den Besitzern von Familiars auseinandersetzen muss. Für mich funktionierte dieser Gegensatz aus traumatischer Vergangenheit/aktueller Bedrohung und all den vielen kleinen amüsanten und/oder wohltuenden Szenen sehr gut, und ich freue mich jetzt schon darauf, irgendwann eine Fortsetzung zu lesen, in der vermutlich ein anderes WG-Mitglied im Mittelpunkt stehen wird. Aber ich würde „A Little Too Familiar“ nicht ohne Warnung bezüglich der Passagen, die eben nicht so gemütlich zu lesen sind, weiterempfehlen wollen, weshalb ich wirklich sauer bin, dass dieser Roman ohne weiteren Hinweis als „Wohlfühlbuch“ empfohlen wird.

Kate Stayman-London: One to watch

Von „One to watch“ von Kate Stayman-London hatte ich mir – nachdem ich über mehrere Empfehlungen des Titels gestolpert war – eine amüsante Liebesgeschichte mit einer dicken Protagonistin und einer ungewöhnlichen Grundidee erhofft. Bekommen habe ich stattdessen ein Buch, das ich fast durchgehend gehasst habe und bei dem es mich wirklich wundert, dass ich es bis zur letzten Seite gelesen habe. Ein Teil von mir hatte wohl gehofft, dass ich irgendwann noch auf den „amüsanten“ Teil der Geschichte stoßen würde, aber dazu kam es dann leider doch nicht. Stattdessen hätte ich bei diesem Roman gern vorher eine Warnung bezüglich einiger Elemente gehabt, die zwar für prominente (dicke) Frauen zum Alltag gehören, aber in einer „unterhaltsamen“ Geschichte vielleicht etwas weniger triggernd eingebracht hätten werden können. Bevor ich hier weiter auf Details eingehe, sollte ich aber wohl erst einmal etwas über die Handlung sagen …

Die Geschichte in „One to Watch“ dreht sich um die dreißigjährige Plus-Size-Modebloggerin Bea. Bea lebt in LA, ist ziemlich erfolgreich in ihrem Job und wird kurzfristig ziemlich berühmt, als sie sich in einem Blogpost darüber aufregt, dass die beliebte Show „Main Squeeze“ (so etwas wie „The Bachelor“) immer nur sportliche und dünne Personen zeigt, obwohl der Großteil der Bevölkerung/Zuschauer*innen nicht diesen Kriterien entspricht. Kurz darauf bekommt sie die Chance, selber zur Hauptfigur in „Main Squeeze“ zu werden. Sie sieht darin eine Möglichkeit, nicht nur über ihren eigenen akuten Liebeskummer hinwegzukommen, sondern auch ganz Amerika zu zeigen, dass auch dicke Frauen es verdient haben, eine liebevolle Beziehung zu finden. Dabei ist Bea wild entschlossen, sich selbst nicht zu verlieben, sondern sich nur von dem Mann ablenken zu lassen, den sie seit Jahren hoffnungslos liebt und der sie nach einer einzigen gemeinsamen Nacht kommentarlos verlassen hat, um zu seiner Verlobten zurückzukehren.

Ich muss zugeben, dass ich den Prolog dieses Buches mochte, weil der wunderbar unrealistisch und ein bisschen märchenhaft war und erklärte, wie sich eine Studentin, die voller Minderwertigkeitskomplexe ist, mit etwas Hilfe einer großzügigen Verkäuferin zu einer Mode-Bloggerin entwickeln konnte. Aber während Kate Stayman-London in den folgenden Kapiteln lang und breit erklärt, wie selbstbewusst Bea geworden ist, wie stolz sie auf die Fotos ist, die sie in ihren verschiedenen Outfits zeigen, und wie erfolgreich sie als Mode-Bloggerin mit hundertausenden Followern ist, gelingt es der Autorin nicht, mich das alles auch glauben zu lassen. Stattdessen begegnet mir eine Frau, die fünf Jahre lang darauf wartet, dass der eine Mann in ihrem Leben, der ihr das Gefühl gibt, witzig und begehrenswert zu sein, zu ihr zurückkommt. Dabei betont sie immer wieder, dass er ihr bester Freund sei und es vor fünf Jahren nur einen einzigen Kuss zwischen ihnen gegeben hat – und ich stehe da und frage mich: Wie sehr muss sich eine Figur selbst betrügen, um daraus abzuleiten, dass dieser Mann die Liebe ihres Lebens ist und dass es okay ist, mit ihm ins Bett zu springen, nur weil er nach all der Zeit für eine Nacht in der Stadt ist?! Wenn es Kate Stayman-London darum ging, in mir Mitleid zu wecken, weil ihre Protagonistin nicht richtig geliebt wurde, dann hat sie leider ihr Ziel verfehlt. Mich haben diese ersten Kapitel, die sich alle nur um diesen einen – in meine Augen wirklich fürchterlichen – Typen drehten und in denen sich Bea in Selbstmitleid wälzte, regelrecht wütend gemacht.

Als es dann um Beas Auftreten in „Main Squeeze“ geht, gibt es so einige Passagen, in denen Kate Stayman-London auf body positivity eingeht und darauf, was die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber dicken Frauen bzw. dicken Menschen für den Alltag dieser Personen bedeuteten. Grundsätzlich bin ich sehr dafür, dass häufiger über all diese Dinge geredet wird, denn so wie gender bias unser Leben in allen möglichen Bereichen bis hin zur korrekten medizinischen Versorgung beeinflusst, so spielen natürlich auch die Vorurteile, die es gegenüber dicken Personen gibt, eine große negative Rolle in unserer Gesellschaft. Aber bei „One to Watch“ hatte ich das Gefühl, dass die Protagonistin Bea zwar all die Daten und Fakten zu diesen Themen parat hat, aber dass sie selbst nichts aus all den von ihr erwähnten wissenschaftlichen Studien gelernt hat. Während auf der einen Seite ständig betont wird, dass Bea der Welt zeigen will, dass auch dicke Personen ein Recht auf ein erfülltes Liebesleben hätte, glaubt die Protagonistin selbst nicht, dass sie trotz ihres Körpergewichts begehrt und geliebt werden könnte. Was zu Dutzenden Szenen mit all den verschiedenen Kandidaten führt, die ihr deutlich signalisieren, dass sie an ihr interessiert sind, während Bea selbst jeden einzelnen Satz seziert, jede Geste hinterfragt und auf jedes Kompliment fast panisch reagiert.

Dazu kommt, dass Bea und die diversen potenziellen Partner nicht gerade viel Zeit miteinander verbringen und die gemeinsamen Stunden von Kamerateams begleitet werden, so dass es für mich ziemlich schwierig war zu glauben, dass sich da wirklich so etwas wie Interesse zwischen der Protagonistin und den verschiedenen Männern entwickelt. Ich gebe zu, dass so eine geskriptete Fernsehserie vielleicht nicht gerade die ideale Umgebung ist, wenn ein Charakter die wahre Liebe sucht. Aber Kate Stayman-London hat sich dieses Setting nun einmal ausgesucht. Hätte sie das Ganze so gestaltet, dass es auch gemeinsame Zeit ohne Kameras zwischen den Kandidaten und Bea gegeben hätte, dann hätte ich am Ende vielleicht glauben können, dass die Protagonistin sich in einen der Männer verliebt und deshalb eine gefühlsmäßige Achterbahn erlebt. Überhaupt, die Kandidaten in dieser Sendung … es gibt so viele Männer in diesem Buch, die sich nicht nur grundsätzlich frauenfeindlich benehmen, sondern noch mal eine ganze Ecke unangenehmer werden, wenn es um dicke Frauen geht, und das war definitiv nicht unterhaltsam zu lesen.

Auch wenn es wichtig ist, in einer Geschichte mit einer dicken Protagonistin zu erwähnen, dass sie tagtäglich mehr als nur den üblichen frauenfeindlichen Kram erlebt, so hätte es durchaus gereicht, wenn das allgemeiner eingeflossen wäre. Stattdessen gibt es nicht nur lauter unangenehme Situationen mit dem einen oder anderen Kandidaten, sondern auch vollkommen unzensierte Tweets mit Vergewaltigungsdrohungen gegenüber Bea, die ohne Vorwarnung inmitten anderer Twittergespräche über die „Main Squeeze“-Ausstrahlungen innerhalb der Handlung auftauchen. Nichts daran ist amüsant oder unterhaltsam oder trägt irgendwie zur Geschichte bei, auch wenn es vielleicht weiter begründen soll, wieso die Protagonistin so unsicher ist und nicht glauben kann, dass sie jemand lieben und begehren könnte. Aber ganz ehrlich, als (dicke) Frau gehören viele dieser Dinge zu meinem ganz persönlichen Alltag und ich muss darüber nicht aufgeklärt oder belehrt werden. Außerdem möchte ich definitiv nicht beim Lesen eines „unterhaltsamen“ Romans immer wieder ohne jede Vorwarnung über Elemente stolpern, die einen Haufen unangenehmer Erinnerungen in mir wecken. Vor allem aber hasse ich es, dass Kate Stayman-London zwar ihre Protagonistin ständig betonen lässt, dass es okay ist, dick zu sein und dass auch dicke Frauen schön sein können, aber auf der anderen Seite mit Beas Handeln sämtliche Vorurteile untermauert, die behaupten, dass dicke Frauen nicht glücklich mit sich und ihrem Körper sein können und deshalb selbst schuld sind, wenn es in ihrem Leben nicht rund läuft.

Ich kann Kate Stayman-London zugute halten, dass sie sich Mühe gegeben hat, ein realistisches Bild vom Alltag einer (berühmten) dicken Frau zu zeichnen. Außerdem hat sich die Autorin bemüht, eine relativ diverse Ansammlung von Charakteren (eine lesbische beste Freundin für Bea, Kandidaten mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und ein Kind, das gender fluid ist) in ihre Geschichte einzubauen. Aber ein Roman, der damit beworben wird, dass er eine unterhaltsame und romantische Geschichte erzählt, sollte in mir beim Lesen nicht so viel Frustration und Wut erzeugen. „One to Watch“ ist leider ein besonders deutliches Beispiel dafür, dass „gut gemeint“ noch lange nicht „gut gemacht“ bedeuten muss. Wenn Kate Stayman-London mit ihrer Geschichte gegen all die Vorurteile, die gegenüber dicken Frauen bestehen, ankämpfen wollte, dann hätte sie keine Protagonistin erschaffen dürfen, die all diese Vorurteile gleich mehrfach untermauert. Für mich bleibt am Ende nur das Fazit, dass ich nach diesem Leseerlebnis zu keinem weiteren Roman von Kate Stayman-London greifen würde. Stattdessen würde ich, wenn ich Bedarf an einer romantischen und positiven Geschichte rund um eine dicke Frau hätte, einfach erneut zu den Brown-Schwestern von Talia Hibbert greifen, um Beschreibungen von liebevollen und empowernden Beziehungen zu genießen.

Ein paar Leseeindrücke

Da ich in diesem Monat bislang vor allem zu sehr kurzen Büchern, Comics und Manga und „netten“ Romanen gegriffen habe, komme ich zahlenmäßig in den ersten zwei Februarwochen sogar auf eine ganz befriedigende Anzahl an gelesenen Titeln. (Ich darf nur nicht so genau hinschauen, wenn es um die Seitenzahlen geht. *g*) Allerdings bieten diese Titel nur selten genügend Stoff für eine richtige Rezension, obwohl ich es schade fände, wenn sie keine Erwähnung auf dem Blog bekommen würden. Also gibt es hier nach sehr langer Zeit mal wieder eine Sammlung von Leseeindrücken:

W. R. Gingell: Gothel and the Maiden Prince
Im vergangenen Jahr habe ich von R. W. Gingell schon die „Shards of a Broken Sword“-Trilogie gelesen und war fasziniert davon, wie die Autorin mit klassischen Fantasy-/Märchenthemen umgeht. Ich mochte ihre Figuren und die ungewöhnlichen Wendungen, die ihre Geschichten nahmen, weshalb einige andere Bücher von der Autorin auf dem Merkzettel gelandet sind. „Gothel and the Maiden Prince“ ist eine Rapunzel-Variante, bei der Prinz Lucien (von seinem Vater und seinen Brüdern nur verächtlich Maiden Prince genannt, weil er ihnen nicht „männlich“ genug ist) sich aufmacht, um eine Prinzessin aus dem magischen Turm einer bösen Zauberin zu befreien. Doch da Lucien jemand ist, der Fragen stellt und zuhört, findet er schnell heraus, dass die Zauberin gar nicht so böse ist, und dass die Prinzessin wild entschlossen ist in der Obhut ihrer Entführerin zu bleiben. Die gerade mal 131 Seiten lange Geschichte dreht sich vor allem darum, wie sich Prinz Lucien und die Zauberin Gothel besser kennenlernen, wobei es so einige amüsante Szenen zwischen den beiden, aber auch mit den Bewohnern eines angrenzenden Dorfes gibt. Abgesehen von einigen (sehr vagen) Erwähnungen rund um Kindesmissbrauch (der in der Vergangenheit liegt und dessen Opfer inzwischen in Sicherheit ist) ist „Gothel and the Maiden Prince“ einfach nur eine wunderbar wohltuende Geschichte, die mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Lydia M. Hawke: A Gathering of Crones (Crone Wars 2)
„A Gathering of Crones“ ist die Fortsetzung von „Becoming Crone“ das mir im vergangenen Sommer viel Freude bereitet hatte. Während die Protagonistin Claire im ersten Band damit fertig werden muss, dass sie eine Hexe ist, muss sie nun damit umgehen lernen, dass ihre Magie nicht wie erwartet funktioniert und dass ihre Position sie in das Zentrum eines Krieges rückt. Außerdem lernt Claire ihre Kolleginnen kennen und hier mochte ich es sehr, dass all diese Frauen schon älter sind, mitten im Leben stehen und gelernt haben mit Rückschlägen und sich nicht erfüllenden Erwartungen umzugehen. Dieser Band ist weniger ruhig als der erste Teil, da das Leben für Claire inzwischen deutlich gefährlicher ist, aber ich mochte es all die Details zur Magie zu lesen und zu sehen wie die Protagonistin so langsam in ihre Rolle hineinfindet. Auch wenn ihr letzteres nicht gerade einfach gemacht wird, weil ihre Position sehr ungewöhnlich ist und die Personen um sie herum nicht so recht wissen, wie sie mit ihr umgehen sollen. Und weil ich diesen Band so gern gelesen habe und sehr neugierig auf die weiteren Entwicklungen bin, habe ich prompt gleich den dritten Teil vorbestellt, auch wenn er erst im Herbst erscheinen wird.

Farrah Rochon: The Boyfriend Project
Über „The Boyfriend Project“ von Farrah Rochon bin ich gestolpert, weil die Autorin und ihre Romane mit Talia Hibbert verglichen wurden. „The Boyfriend Project“ dreht sich um Samiah, die dank einer Frau, die ihr aktuelles Date auf Twitter live kommentiert, herausfindet, dass ihr Freund Craig sich auch noch mit anderen Frauen trifft. Genau genommen trifft sich Craig auch noch mit Taylor und London (die mit ihren Tweets das Ganze angestoßen hatte). Was mir an der Geschichte gut gefiel, ist, dass Craig danach eigentlich kein Thema mehr ist, wenn man davon absieht, dass die Konfrontationsszene mit ihm im Restaurant auf Youtube viral ging und so Samiah, Taylor und London zu einer kurzzeitigen und ungewollten Berühmtheit verhilft. Stattdessen freunden sich die drei Frauen an und beschließen sich gegenseitig dabei zu helfen, sich in den kommenden Monaten um sich selbst zu kümmern, die Suche nach einem Freund sein zu lassen und dafür Dinge zu tun, die sie bislang immer aufgeschoben haben. Was natürlich bedeutet, dass Samiah kurz darauf einen neuen Arbeitskollegen kennenlernt, der einfach perfekt zu sein scheint … Alles in allem fand ich „The Boyfriend Project“ wirklich nett, ich mochte die Figuren, ich mochte die Grundidee und es gab tolle Szenen zwischen Samiah und ihrem Arbeitskollegen Daniel, in denen sich die beiden besser kennenlernten und langsam aufeinander zugingen. Trotzdem muss ich sagen, dass Farrah Rochon für mich nicht an Talia Hibbert herankommt, denn ich fühlte mich zwar ganz gut unterhalten von ihrem Roman, aber ich war nicht emotional involviert. Ich war nicht wirklich gespannt darauf, wie die Handlung weitergeht, ich habe nicht um die Beziehung von Samiah und Daniel gebangt und ich bin nicht wirklich neugierig darauf, wie es mit Taylor und London in den nächsten Bänden weitergehen wird.

Bali Rai: The Royal Rebel – The Life of Suffragette Princess Sophia Duleep Singh
„The Royal Rebel“ ist ein biografischer Roman für Kinder über das Leben von Prinzessin Sophia Duleep Singh. Sophia Alexandra Duleep Singh war die jüngste Tochter des letzten Sikh-Maharadschas von Punjab und wuchs in Großbritannien auf, wo sie vor allem für ihr Engagement für die Gleichberechtigung von Frauen bekannt wurde. „The Royal Rebel“ erzählt in einfachen und kindgerechten Sätzen die Lebensgeschichte der Prinzessin. Angefangen bei ihrer Kindheit in dem luxuriösen Anwesen Elveden, über die Zeit, in der die Schulden ihres Vaters die Familie außer Landes trieb, über ihre Suche nach ihren Wurzeln in Indien bis zu dem Tag, an dem Großbritannien Frauen das Wahlrecht gewährt. Dabei lässt Bali Rai zwar sehr viele Details über das Leben von Sophia Duleep Singh aus, bietet aber meinem Gefühl nach für junge Leser.innen einen guten und altersgemäßen Einblick in das Leben der Prinzessin, die Folgen, die die britische Herrschaft für Indien hatte, und in die Herausforderungen, die die Frauen, die für ihre Rechte kämpften, zu bewältigen hatten. Ich mochte, wie viele kritische Themen in dem Buch angeschnitten werden, obwohl es für jüngere Kinder geschrieben wurde und nicht sehr umfangreicht ist.

K. O’Neill: The Tea Dragon Society 2 – The Tea Dragon Festival (Comic)
Im Prinzip könnte ich zu „The Tea Dragon Festival“ einfach meine Rezension zum ersten Tea-Dragon-Comic kopieren, denn dieser Band ist genauso bezaubernd, wohltuend und hübsch gezeichnet wie der erste. Die Handlung spielt deutlich vor „The Tea Dragon Society“ und dreht sich um Eriks Nichte Rinn, die gemeinsam mit ihrer Großmutter in einem kleinen Dorf in den Bergen lebt und hofft, dass sie eines Tages eine Ausbildung als Köchin beginnen kann. Die Tea Dragons spielen in dieser Geschichte keine so große Rolle, dafür gibt es eine andere Drachen-Variante und einen Einblick in das Leben von Erik und Hesekiel, als diese noch als Kopfgeldjäger aktiv waren. Hach, ich mag die Tea-Dragon-Geschichten und da es noch eine Weile dauern wird, bis auch der dritte Comic als Taschenbuch erscheint, muss ich mich wohl damit begnügen, dass ich in den nächsten Tagen den ersten Band mal wieder aus dem Regal ziehe.