Schlagwort: Liebe und Romantik

Lese-Eindrücke November 2024

Nachdem ich in den ersten zwei Novemberwochen so gut wie gar nicht gelesen hatte, habe ich es in der zweiten Monatshälfte immerhin noch geschafft, mich in ein paar Bücher zu vertiefen und dementsprechend auch ein paar Lese-Eindrücke zu sammeln.

W.R. Gingell: The Clockwork Magician (The Two Monarchies 4)

Erst einmal ging es für mich weiter mit der „Two Monarchies“-Serie von W.R. Gingell, und ich muss zugeben, dass mir dieser Band nicht so gut gefallen hat wie all die anderen zuvor. Das lag vor allem daran, dass der Protagonist Peter mir entsetzlich auf die Nerven ging. Das war schon so, als er nur eine Nebenfigur in „Blackfoot“ war, aber da spielte er keine so große Rolle und die Geschichte wurde aus Annabels Perspektive erzählt, was sein Verhalten erträglicher machte. Auf der anderen Seite lagen meine Probleme mit „The Clockwork Magician“ daran, dass es fast durchgehend um das Thema Zeitreise und die dahinterstehende Magietheorie ging – und ich bin weder ein Fan von Zeitreisegeschichten, noch verfügte ich beim Lesen über die notwendige Geduld und Konzentration, um mich mit Magietheorie zu beschäftigen. Außerdem wusste ich durch die ganzen Andeutungen in den vorhergehenden Romanen schon, wie Peters Geschichte enden wird, was dazu führte, dass ich nicht einmal darauf neugierig war. Lieber hätte ich die Ereignisse aus der Perspektive der Person gelesen, die von Peter in die ganze Angelegenheit hineingezogen wurde, das hätte es vermutlich für mich amüsanter gemacht. Nur gut, dass beim nächsten Band der Serie Annabels Freundin Isabella im Mittelpunkt steht, die ich bislang bei jedem ihrer Auftritte sehr mochte!

Lyssa Kay Adams: The Bromance Book Club

Auf der Suche nach einem netten, unterhaltsamen Roman, der von mir nicht viel Denkfähigkeit erfordert, bin ich bei „The Bromance Book Club“ gelandet. Die Geschichte beginnt damit, dass der Baseballspieler Gavin Scott von seiner Frau Thea um die Scheidung gebeten wird. Er ist total verzweifelt und will alles tun, um seine Ehe zu retten, und zum Glück eilen ihm einige andere Männer (u.a. aus seinem Team) zur Hilfe. Diese anderen Männer sind Mitglieder eine Buchclubs, in dem sie Liebesromane lesen, weil diese in der Regel von Frauen für Frauen geschrieben werden und sie so herausfinden können, was die Frauen in ihrem Leben wirklich wollen. Ich muss zugeben, dass mir Gavin und Thea als Figuren ziemlich egal waren, außerdem fand ich es ziemlich nervig, dass die beiden nicht nur ständig auf die körperlichen Vorzüge des anderen fixiert waren, sondern auch im Rahmen des Liebesromanlesens lauter Klischees reproduziert wurden, die mich irritierten. Aber es gab auch so einige Szenen mit den Buchclub-Mitgliedern, die ich überraschend amüsant oder gar berührend fand. Alles in allem kein Roman, den ich weiterempfehlen würde (wo kommen all die guten Bewertungen dafür her?!), aber ich ärgere mich jetzt auch nicht übermäßig über die damit verbrachte Zeit.

W.R. Gingell: Masque (The Two Monarchies 5)

Wie erwartet hat mir dieser Band wieder deutlich besser gefallen als „The Clockwork Magician“! In „Masque“ ermittelt Isabelle in einer Reihe von rätselhaften (und vermutlich magisch ausgeführten) Morden, was zu einem überraschend spannenden fantastischen Kriminalroman führt. Eigentlich wollte Isabelle nur ihren Vater, der der Abgesandte der neuen Königin von New Civet ist, unterstützen, während dieser mit dem Nachbarland einen Kooperationsvertrag aushandelt. Aber da sie nicht nur diejenige ist, die während eines Balls das erste Opfer des Mörders entdeckt, sondern dieses Opfer auch noch ihr Kindheitsfreund war, mischt sie sich – entgegen aller Vorbehalte des örtlichen Anführers der Wache – in die Ermittlungen ein. Ich fand es nicht nur überaus unterhaltsam, aus Isabelles Sicht die ganze Geschichte zu verfolgen, sondern habe mich auch darüber amüsiert, dass W. R. Gingell es geschafft hat, diese Handlung in eine „Beauty and the Beast“-Variante einzubetten. Besonders unterhaltsam war, dass das dazu führte, dass Isabelle einen nicht unerheblichen Teil der Handlung als Gefangene der Wache verbringt – und diese Zeit erst reicht nutzt, um mehr über die Morde und die verschiedenen Verdächtigen herauszufinden. Oh, und dann gibt es da noch die Liebesgeschichte mit dem Anführer der Wache … Jetzt finde ich es wieder sehr schade, dass ich nur noch einen einzigen Teil der Reihe vor mir habe, freue mich aber darüber, dass dieser Band dann aus der Perspektive von Isabelles jüngerer Schwester erzählt wird.

Zayaan Schroeder: A Grumpy Witch’s Guide to Finding Love (Hemlock Harbor 1)

Ein Fall von „ich mag den Titel, ich mag (oft genug) paranormal romance – mal schauen, was das für eine Geschichte ist“. „A Grumpy Witch’s Guide to Finding Love“ dreht sich um die Hexe Zoe und den Werwolf Daniel. Zoe ist vor einiger Zeit von ihrem Coven verbannt worden, weshalb ihre Magie kurz davor ist zu verschwinden, während Daniel gerade erst (nach einem Vorfall mit seiner Familie) von London in die kleine amerikanische Hafenstadt Hemlock Harbor gezogen ist. Beide fühlen sich von Anfang an zueinander hingezogen, aber natürlich gibt es Gründe, wieso sie dieser Anziehung nicht nachgeben können. Puhhh … Ich mochte die Grundidee, ich mochte sehr viele der (Neben-)Figuren, ich kann im Prinzip sagen, dass ich all die Urban-Fantasy-Elemente in der Geschichte mochte, auch wenn die nicht immer besonders gründlich/logisch ausgearbeitet wurden. Eigentlich war sogar die Liebesgeschichte ganz nett zu lesen, abgesehen davon, dass mich (mal wieder) die ganzen Szenen, in denen sich Zoe und Daniel über die körperlichen Vorzüge der anderen Person Gedanken machten, ebenso wie der größte Teil der Sexszenen genervt haben. Das alles gab mir das Gefühl, dass für die beiden Protagonisten die Persönlichkeit des anderen eher Nebensache neben all den sexy Äußerlichkeiten war. Vor allem aber wäre es eher nach meinem Geschmack gewesen, wenn all der Aufwand der Autorin, der in die unterschiedlichen Beschreibungen von Muskelpaketen und sexy Körperteilen geflossen ist, stattdessen in Weltenbau und stimmigere Fantasyelemente investiert worden wären.

Lese-Eindrücke März 2024

Eigentlich wollte ich im März keine neuen eBooks kaufen, aber das ist irgendwie nach hinten losgegangen. Ich habe nicht nur einen Haufen (14! *uff*) Romane von W. R. Gingell angeschafft, damit ich die „The City Between“-Reihe am Stück lesen kann, sondern bin auch bei ein paar weiteren eBooks schwach geworden. Nur gut, dass ich insgesamt so viel gelesen habe, dass ich diese Käufe (irgendwie) vor mir rechtfertigen konnte. 😉

Sierra Cross: Fangs and Frenemies (Blue Moon Bay Witches 1)

„Fangs and Frenemies“ habe ich mal bei einer Aktion mit kostenlosen ersten Bänden mitgenommen. Die Geschichte wird aus Sicht der Hexe Hazel Greenwood erzählt, die in einer netten, kleinen Stadt ein – scheinbar – perfektes Leben führt. Hazel wohnt in einem hübschen, kleinen Haus, ist beruflich vollkommen zufrieden und seit ein paar Monaten ist sie mit einem wirklich netten Mann zusammen. Allerdings verschwindet dann eine Frau, mit der Hazel zur Highschool ging, und sie muss sich mit zwei ihrer „Frenemies“ zusammentun, um dieses Verschwinden aufzuklären. Ich mochte es, dass sich die Handlung sehr darum dreht, wie Hazel im Rahmen ihrer Ermittlungen herausfindet, was zu einem Bruch mit ihrer ehemals besten Freundin geführt hat. Der Schwerpunkt der Handlung war definitiv die Beziehung dieser drei Frauen zueinander. Für mich war es angenehm und unterhaltsam zu lesen, wie sich die drei Frauen (erneut) anfreunden, ein paar (fantastische/magische) Geheimnisse klären und sich gegenseitig unterstützen. Allerdings gab es auch viele sehr vorhersehbare Elemente in der Geschichte, was dazu führt, dass ich das Ganze zwar sehr nett fand, aber nicht so gut, dass ich für die weiteren Bände den vollen Preis zahlen wollen würde.

Lydia Sherrer: Love, Lies and Hocus Pocus – Beginnings (A Lily Singer Cozy Fantasy Adventure 1)

„Love, Lies and Hocus Pocus – Beginnings“ wurde mir in den vergangenen Wochen von mehreren Seiten empfohlen, und den Klappentext klang nett genug, dass ich spontan zugeschlagen habe. Die Protagonistin Lily Singer ist eine (magische) Bibliothekarin, ihr bester Freund Sebastian ist das personifizierte (ebenfalls magische) Chaos, und gemeinsam versuchen die beiden zu Beginn der Geschichte einen Fluch aufzuheben, was natürlich ein paar weitere Abenteuer zur Folge hat. Die Handlung wird in drei Teilen erzählt – der erste und der letzte Part aus der Sicht der Protagonistin Lily, der mittlere Teil aus der Sicht ihres „Sidekicks“ Sebastian. Grundsätzlich fand ich es eine gute Idee der Autorin, dass Lily zu den Personen gehört, die mit Magie geboren wurden, während Sebastian nur Magie wirken kann, wenn er auf (nicht immer ganz legale) Tricks zurückgreift, weil das dazu führte, dass die Autorin verschiedene Magievarianten in ihre Geschichte einbauen konnte, die ich interessant und unterhaltsam fand.

Überhaupt mochte ich die Grundidee für diese Geschichte mit einem Fluch, der auf einem Herrenhaus lag, und einem Geist, der in diesem Haus spukt, weil er verhindern will, dass andere Personen dem Fluch zum Opfer fallen, wirklich sehr. Auch fand ich Sebastian – gerade in dem Teil, der aus seiner Perspektive geschrieben wurde – sehr sympathisch und habe mich über ihn immer wieder gut amüsiert. Dummerweise habe ich die Passagen, die aus Lilys Sicht geschrieben wurden (und die den Großteil der Geschichte ausmachten) relativ ungern verfolgt, weil sie sich für mich nicht wie eine „reale Person“ anfühlte, sondern wie der Prototyp einer „überkorrekten und von Regeln besessenen Bibliothekarin, die besser mit Büchern als mit Menschen umgehen kann“. Mal davon abgesehen, dass Bibliothekarinnen bei der Arbeit fast mehr Zeit mit Menschen als mit Büchern verbringen müssen, ist so eine Perspektive nicht gerade unterhaltsam für mich zu verfolgen, wenn mir die Protagonistin mit ihren Gedankengängen das Gefühl gibt, dass sie sich sicher ist, dass sie allen anderen Personen überlegen sei.

R. L. Medina: The Fae’s Bride (Silveri Sisters 1)

„The Fae’s Bride“ ist schon im vergangenen Jahr erschienen, kam mir aber erst im vergangenen Monat vor die Nase (vermutlich weil der vierte Band gerade erschienen ist). Die Grundidee der Serie mit „cozy Liebesgeschichten in einem italienisch inspirierten Fantasy-Setting“ fand ich sehr ansprechend. Ebenso gefiel mir die Idee, dass ein Graf, der aufgrund seiner zweifelhaften Fae-Herkunft eher gemieden wird, sich in eine – ebenfalls von der Gesellschaft wenig geachtete – Hexe verliebt. Ich mochte die Welt und fand einen Haufen Charaktere sehr sympathisch, auch gefiel es mir, dass die Handlung abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptfiguren erzählt wurde. Seine Perspektive habe ich wirklich gern gelesen, bei ihrer Perspektive hatte ich aber das Gefühl, dass es immer wieder Widersprüche gab, unter anderem bei dem, was über eine Nebenperson gesagt/gedacht wurde und was von dieser Person gezeigt wurden. Alles in allem war der kurze Roman unterhaltsam zu lesen (und einige Szenen erinnerten mich an „Encanto“-Fanfiction, was ich auch nett fand), aber irgendwie hat das Ganze bei mir keinen besonders großen Eindruck hinterlassen, weshalb ich nach diesem ersten Teil nicht das Bedürfnis habe, weitere Bände der Reihe zu lesen.

Mara Webb: Cakes to Die For/A Brunch With Death (Compass Cove 1+2)

Den ersten Band der „Compass Cove“-Mysteries hatte ich vor ungefähr einem Jahr schon mal gelesen, als ich einen ganzen Haufen Paranormal-Cozy-Mysteries umsonst bei einer Werbeaktion heruntergeladen hatte. Da ich die Geschichte damals ganz nett fand, habe ich mir vor Kurzem gleich die gesamte zehnteilige Reihe als Bundle für 99 Cent gekauft und Band 1 und 2 gelesen, während ich bei meiner aktuellen Serie („The City Between“) zum Hörbuch wechseln musste, weil es beim neunten eBook ein Problem beim Kauf in Deutschland gab. In „Cake to Die For“ erbt die Protagonistin Zora Wick eine Bäckerei von einer verstorbenen Tante, wobei sie von der Existenz dieser Tante (und den verschiedenen anderen Familienangehörigen) erst durch dieses Erbe erfährt. Außerdem lernt Zora, dass sie eine Hexe ist (ebenso wie die anderen Mitglieder der Familie Wick), dass sie auch den – ziemlich sarkastischen – Familiar ihrer Tante geerbt hat und dass sie herausfinden soll, wer ihre Tante ermordet hat.

Auch wenn ich den Humor manchmal etwas arg überzogen fand, so war der Mystery-Anteil in der Geschichte ganz unterhaltsam und ich mochte, dass sich ein großer Teil der Handlung darum drehte, dass Zora ihre neuen Familienmitglieder kennenlernt. Es gibt im ersten Band einen Hauch von „Romance“, der allerdings nur darin besteht, dass Zora einen der Verdächtigen sehr attraktiv findet und es genießt, wenn er mit ihr flirtet. Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, obwohl es ein paar Szenen gab, die mir etwas zu albern waren. In „A Brunch With Death“ hingegen wird Zora Wick verdächtigt, einen ihrer Kunden vergiftet zu haben, und muss nun ihren Namen reinwaschen – was ein häufig verwendetes Motiv in Cozy Mysteries ist, das ich wirklich nicht leiden kann. Außerdem konzentriert sich die Autorin noch mehr auf die „lustigen“ Elemente in ihrer Geschichte, ebenso wie auf die Rivalität zwischen zwei Männern, mit denen Zora häufig zu tun hat – was bedeutet, dass sich für mich mit diesem Band die Reihe in eine Richtung entwickelt hat, die mir eigentlich nicht gefällt. Das Buch war immer noch nett genug, dass ich es beendet habe (und für 99 Cent bereue ich den Kauf auch nicht), aber ich werde mir gut überlegen, ob und wann ich zum dritten Teil greife.

Lese-Eindrücke Februar 2024

Ich habe im vergangenen Monat definitiv zu viele (kostenlose/günstige) eBooks gelesen und deshalb viel zu wenig SuB-Abbau betrieben. 😉 Damit diese eBooks nicht einfach aus meiner Erinnerung schwinden, gibt es hier ein paar Lese-Eindrücke dazu (plus eine Anmerkung zum aktuellen Band einer seit Längerem laufenden Reihe).

Leslie Gail: The Magic of Death (Dead End Witches 1)

Das war ein sehr netter cozy mystery rund um eine Frau Ende Dreißig mit dem Namen Star Bell, in deren Familie (fast) alle Personen übernatürliche Fähigkeiten haben. Stars Fähigkeit besteht darin, die Geister von Verstorbenen zu sehen, was für sie okay wäre, wenn sich nicht ausgerechnet der Geist ihrer jüngeren Schwester vor ihr zu verstecken scheinen würde. Als ihre Nichte, die von Star nach dem Tod ihrer Schwester aufgezogen worden war, in einen Mordfall verwickelt wird, nutzt sie ihre Fähigkeit, um mehr über die ermordete Person und ihr Umfeld herauszufinden. Ich mochte die Charaktere (auch wenn manche Eigenheit der älteren Generation etwas arg überzogen war), ich mochte den Mordfall und die Ermittlungen, und mir gefiel der kleine Ort, der seinen Namen „Dead End“ nutzt, um Touristen anzuziehen. Einzig die Tatsache, dass Leslie Gail noch keinen weiteren Roman veröffentlicht hat, hält mich davon ab, weitere Bände rund um die Dead-End-Witches zu lesen.

Seanan McGuire: Mislaid in Parts Half-Known (Wayward Children)

Schon der neunte „Wayward Children“-Band, und so langsam fühlt es sich für mich an, als ob Seanan McGuire sich auf das Ende der Serie vorbereiten würde. „Mislaid in Parts Half-Known“ ist eine der Geschichten, die in „Eleanor West’s Home For Wayward Children“ starten und eine Gruppe von Schüler*innen in verschiedene Welten führt. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass es erstmals durchdachtere und ausführlichere Erklärungen zu den Türen, die in die magischen Welten führen, gibt, ebenso wie zu den „Auswahlkriterien“ für Kinder, die ihren Weg in diese Welten finden. Außerdem bringt dieser Band erstaunlich viele Personen nach Hause und gibt mir zum ersten Mal das Gefühl, dass Seanan McGuire so langsam die Geschichte von Kade einleitet. Am Schluss bin ich etwas zwiegespalten, weil ich diese Welt(en) noch lange nicht verlassen will, es aber auch immer sehr befriedigend finde, wenn eine Reihe, die ich so sehr mag, ein gutes Ende findet. Mal schauen, wie viele Bände hier noch veröffentlicht werden …

Sarah Painter: The Night Raven (Crow Investigations 1)

„The Night Raven“ von Sarah Painter habe ich schon ziemlich lange auf meinem eReader und bin irgendwie nie dazu gekommen, das Buch zu lesen, obwohl ich immer wieder auf der Suche nach Urban-Fantasy-Geschichten „für zwischendurch“ bin. Als ich im Februar dann feststellte, dass es die Reihe für Audible-Abonnenten umsonst zu hören gibt, habe ich mir dann doch mal den Roman vorgenommen und mich überraschend gut damit unterhalten gefühlt. Die Protagonistin Lydia Crow gehört zu einer von fünf Familie, die eine Art „magische Mafia“ bilden, die früher London beherrschte. Lydia selbst hat mit dem Familiengeschäft nichts zu tun und die letzten Jahre als Privatdetektivin in Edinburgh gearbeitet. Doch nun ist ihre Cousine Maddie verschwunden, und Lydia versucht herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Ich mochte diese Mischung aus klassischer Kriminalgeschichte plus Mafia-Familienmitgliedern und einem Hauch von Magie. Lydia hat nicht viel von den magischen Fähigkeiten ihrer Familie mitbekommen, aber es reicht, um mit ihrem geisterhaften Mitbewohner zu kommunizieren und den einen oder anderen extra Hinweis zu bekommen. Insgesamt habe ich mich von „The Night Raven“ gut unterhalten gefühlt und werde die Reihe wohl demnächst mit den Hörbüchern fortsetzen.

Hanna Sandvig: The Frost Gate (Faerie Tale Romances)

Hanna Sandvig habe ich im vergangenen Frühling für mich entdeckt und ihre Märchen-Neuerzählungen ziemlich zügig hintereinander verschlungen. „The Frost Gate“ ist der fünfte Band ihrer „Faerie Tale Romances“, und obwohl die Geschichte für sich stehend gelesen werden kann, gibt es so viele Verweise auf vorhergehende Ereignisse, dass ich das Lesen in der Veröffentlichungsreihenfolge empfehlen würde. Die Handlung ist dieses Mal an das Märchen „Schneewittchen“ angelehnt, und die Protagonistin Neve ist nicht gerade begeistert, als sie erfährt, dass sie die Thronprinzessin eines magischen Landes ist. Noch weniger gefällt es ihr, dass von ihr erwartet wird, eine böse Hexe zu besiegen, um ihre Untertanen zu retten, während sie doch eigentlich nur das Café ihrer Adoptiveltern betreiben möchte. Ich mag diese Mischung aus Charakteren, die sich – statt nach der Schule zum College zu gehen – in einem magischen Land wiederfinden und in der Regel recht pragmatisch damit umgehen, aus erster (und überraschend unkitschiger „ewiger“) Liebe und amüsantem Geplänkel. Dazu gefällt es mir, wie Hanna Sandvig die diversen Märchenelemente in ihre Geschichten einbaut und wie ihre Feenwelt mit jeder Veröffentlichung ein bisschen runder wirkt. Für mich sind diese Jugendbücher die perfekte Entspannungslektüre, wenn mein Kopf voll ist und ich Erholung suche!

Tansy Rayner Roberts: Die Teacup-Magic-Reihe

Nachdem ich in den vergangenen Tagen die fünf Teacup-Magic-Titel von Tansy Rayner Roberts gelesen und dann festgestellt habe, dass ich hier noch gar nichts dazu geschrieben hatte, gibt es hier eine (kleine) Vorstellung der Reihe. Bislang hat die Autorin fünf Titel in dieser Reihe veröffentlicht (im August erscheint der sechste Teil). Die ersten drei Bände („Tea and Sympathetic Magic“, „The Frost Fair Affaire“ und „Spellcrackers Honeymoon“) werden aus der Perspektive von Mnemosyne Seabourne erzählt, die zu Beginn von „Tea and Sympathetic Magic“ die Nase voll hat von der Saison und der Suche nach einem passenden Ehemann. Doch dann kommt es während einer Hausparty, die von ihrem Cousin Henry (dem Duke of Storm) veranstaltet wird, zu einer Entführung. Gemeinsam mit Henrys Spellcracker Thornbury (und diversen jungen Damen der Gesellschaft) macht sich Mneme zur Rettung des Entführungsopfers auf und beweist dabei eine Menge Einfallsreichtum.

Das Land, in dem Tansy Rayner Roberts ihre Teacup-Magic-Geschichten spielen lässt, besteht aus einem Haufen Inseln, die in vielen Aspekten sehr an die Regency-Zeit erinnern und auf denen die Anwendung von Magie zum Alltag gehört. So reisen die Herren der Gesellschaft per magischem Portal von einem Ort zum anderen (während die Damen für ihre Reisen auf Schwanenboote und Kutschen angewiesen sind), beim Versuch, einen potenziellen Ehemann für sich zu gewinnen, werden Zauber eingesetzt, die größere Sympathie erzeugen sollen, und natürlich wird mit Magie dafür gesorgt, dass der Tee immer die richtige Temperatur hat. Während die Geschichten sich anfangs noch um relativ „übliche“ Themen drehen wie die Suche einer Dame der Gesellschaft nach einem Ehemann, wird die Reihe im Laufe der Zeit immer absurder (und somit auch amüsanter). Mnemosyne versucht im zweiten Band etwas für die Rechte der Frauen zu erreichen und bekommt es dabei mit dem Geheimdienst der Königin zu tun, und im dritten Band ist sie an der Aufklärung eines magischen Mords – auf einer angeblich magiefreien Insel – beteiligt.

Bei den folgenden Bänden wechseln dann die Protagonistinnen. Der vierte Band („Lady Liesl’s Seaside Surprise“) wird aus der Sicht von Lady Liesl erzählt, die in vorherigen Geschichten schon als Nebenfigur auftauchte. Lady Liesl versucht darin einen Diamantendiebstahl zu klären, um die zweite Ehe ihres Vaters zu retten. Dabei begibt sich Liesl in die Gesellschaft von freigeistigen Künstlern und ungewöhnlichen Dienstboten, sie schreibt Unmengen von Briefen an diverse Freunde und Verwandte (lebende und tote! – was ich sehr amüsant fand) und findet nebenbei noch heraus, was sie eigentlich mit ihrem Leben anfangen will. Mit dem bislang aktuellsten Titel („Have Spirit, Will Duchess“) gibt es überaus überraschende Informationen über das Vorleben der aktuellen Duchess of Storm, einen Haufen Geister (besonders beeindruckend ist dabei die verstorbene Duchess of Storm – und ja, das ist definitiv eine Herzogin zu viel!), einen Assassinen und ein Schiff voller Freibeuter. Außerdem brachte die fünfte Geschichte einige Andeutungen für den sechsten Band mit sich, so dass ich es kaum erwarten kann, dass „This Entchanted Island“ endlich im Spätsommer erscheint.

Ich gebe zu, dass keine dieser (zwischen 80 und 190 Seiten langen) Geschichten so sehr herausstechend ist, dass sie einen lang anhaltenden Eindruck bei mir hinterlässt, der über „das war so nett!“ hinausgeht. Aber auf der anderen Seite sind die Teacup-Magic-Titel so wunderbar absurd und amüsant, dass ich immer wieder darauf zurückkomme, wenn ich den Kopf abschalten und mich erholen will. Außerdem mag ich die Charaktere und ihre Erzählstimmen wirklich gern, und es macht mir Spaß, meine Zeit mit ihnen zu verbringen. Die ersten drei Teacup-Magic-Bände gibt es inzwischen auch als Bundle (und aktuell kostet das gerade mal 99 Cent), und im August, wenn der sechste Band erscheint, wird es auch noch ein zweites Bundle mit den restlichen drei Geschichten geben.

Lese-Eindrücke Januar 2024

Winter Tales from Cozy Vales (A Cozy Fantasty Collection 1)

Cozy Vales ist eine „shared world“, in der die Autor*innen L. A. Scott, Rebecca Buchanan, Selina J. Eckert, Deanna Stuart, Angela Stuart, Cassandra Stirling, K. M. Jackways, G. Glatworthy, Nathaniel Webb und Bonnie Axton schreiben. „Winter Tales from Cozy Vales“ ist eine (kostenlose) Sammlung von Geschichten, die diese Welt und ihre Bewohner vorstellen, und war für mich die perfekte Entspannung zum Jahresanfang. Nicht alle der neun Geschichten haben mir gleichermaßen gut gefallen, aber in allen davon habe ich Elemente gefunden, die mich erfreut haben, und bei überraschend vielen Texten gehe ich davon aus, dass ich weitere Cozy-Vales-Veröffentlichungen der Autor*innen lesen werde.

Alle Beiträge in dieser Collection drehen sich rund um die „Lantern Night“, die in dieser fantastischen Welt begangen wird (wobei die verschiedenen Regionen auch unterschiedliche Traditionen rund um diesen Feiertag haben), und ich mochte die winterliche Atmosphäre ebenso wie die vielen kleinen und großen magischen Elemente und Personen. Einige dieser Geschichten haben bei mir ein ähnliches Gefühl hervorgerufen wie „Legends & Lattes“, wobei es in dieser Welt grundsätzlich mehr Alltagsmagie und weniger Abenteuer zu geben scheint. Für mich die perfekte Lektüre, um abends entspannt ein bisschen zu lesen und mir dann beim Einschlafen auszumalen, wie es mit den Charakteren wohl weitergehen könnte. 😉

Lauren Gilley: Heart of Winter (Drake Chronicles 1)

„The Heart of Winter“ von Lauren Gilley ist schon vor längerer Zeit auf meinem eReader gelandet, und erst beim Erstellen meiner „Winter-Leseliste“ habe ich wieder an den Titel gedacht. Inzwischen habe ich nicht nur diesen ersten Band der „Drake Chronicles“, sondern auch den zweiten und dritten Teil gelesen, weil ich mich davon so gut unterhalten fühle. Am Anfang dreht sich die Handlung vor allem um Oliver Meacham (Bastardsohn eines Adeligen) und seine Cousine Tessa Drake, die von ihm in den Norden begleitet wird, wo sie den „barbarischen“ König Erik heiraten soll. Diese Heirat soll dafür sorgen, dass das Herzogtum Drakewell militärische Unterstützung gegen die einfallenden Sels erhält. Doch Erik ist nicht an einer Heirat interessiert und bietet Tessa stattdessen die Hand eines seiner Neffen (und Erben) an, während sich gleichzeitig eine Liebesgeschichte zwischen dem König und Oliver entwickelt.

Es gibt in diesen Romanen so einige Elemente, bei denen ich nicht genauer über den Weltenbau nachdenken darf – vor allem, wenn es um die Tiere in den verschiedenen Regionen, die Logistik beim Reisen oder gar um das Thema Nahrungsmittelanbau, -import oder -export geht. Außerdem hätte es für mich die Menge an Sex- und Schmachtszenen (m/m und f/m) nicht unbedingt benötigt, aber ich kann damit leben, weil es dabei auch immer wieder – zum Teil wirklich wichtige – Dialoge gab. Vor allem aber habe ich diese Bücher mit so großem Vergnügen gelesen, weil ich die Figuren und die Art und Weise, wie sie mit ihren Familienmitgliedern und Freunden umgehen, mochte. Für Oliver führt die Reise in den Norden nicht nur dazu, dass er Gefühle für König Erik entwickelt, sondern auch dazu, dass er zum ersten Mal mehr als nur „der Bastard“ ist.

Er und Tessa finden eine überraschend herzliche neue Familie, und auch wenn es aufgrund von unterschiedlichen Temperamenten oder kulturellen Missverständnisse mal knirscht, so reden diese Figuren doch miteinander und versuchen gemeinsam ihre Probleme zu lösen. Das ist so wohltuend zu lesen, dass die (ab dem Ende des ersten Bands) auftauchenden dramatischen Elemente wie Krieg, Nekromanten, Clan-Politik und natürlich politische Schachzüge und Verrat den wohltuenden Teil für mich nicht überschatten. So haben die ersten drei Teile der „Drake Chronicles“ bei mir für überraschend entspannte Lesestunden gesorgt und ich musste beim abendlichen Lesen aufpassen, dass ich meine Schlafenszeit nicht zu sehr in die Nacht verschob. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann auch noch die letzten beiden Teile der Reihe lesen werde.

Catie Murphy: Death by Irish Whiskey (The Dublin Driver 5)

„Death by Irish Whiskey“ ist der fünfte Band der „Dublin Driver Mysteries“ und ich mag die Reihe so sehr, dass ich den Krimi direkt nach Erscheinen (am 23. Januar) gelesen habe. Protagonistin der Bücher ist Megan Malone, eine Amerikanerin, die seit fünf Jahren in Dublin lebt und dort als Limousinen-Chauffeurin arbeitet. Im Rahmen ihrer Arbeit lernt sie nicht nur die ungewöhnlichsten Personen kennen, sondern stolpert auch immer wieder über Leichen. Dieses Mal ist sie allerdings privat unterwegs, als bei einem Wettbewerb, bei dem der vielversprechendste „Newcomer Whiskey“ des Jahres gekürt werden soll, einer der Teilnehmer ermordet wird. Obwohl Megan ihrer Freundin Jelena versprochen hatte, dass sie in Zukunft die Finger von den Mordermittlungen lässt, kann sie auch dieses Mal nicht einfach zuschauen, wie die Polizei ermittelt – schließlich gehört auch ihr Onkel Rabbie zu den Teilnehmern des Wettbewerbs und könnte deshalb in Gefahr schweben.

Nachdem ich den vierten Teil der Reihe etwas enttäuschend fand, weil es mich so genervt hat, dass Megans Liebste Jelena so extrem darauf reagierte, dass Megan immer wieder über Leichen stolperte, hat mich „Death by Irish Whiskey“ wieder rundum gut unterhalten. Jelena kommt zu dem Schluss, dass das Schicksal bestimmt hat, dass Megan Morde aufklärt, und Megan plaudert mit den diversen Personen und findet einen Hinweis nach dem anderen. Dabei finde ich es immer wieder spannend, wie Catie Murphy Megans Verhältnis zur Polizei darstellt: Auf der einen Seite besteht Megan auf ihre Rechte und lässt den Polizisten keinen (versuchten) Regelverstoß durchgehen. Auf der anderen Seite berichtet sie jede relevante Information, damit die Ermittler ihrer Arbeit in vollem Umfang nachgehen können. Vor allem aber mag ich Megan und ihren Freundeskreis und all die kleinen Beobachtungen der geborenen Amerikanerin rund um das Leben in Irland. Außerdem finde ich die vielen verschiedenen Charaktere, die sie im Laufe der Mordfälle kennenlernt, interessant und amüsiere mich immer wieder sehr über die Dialoge. Ich hoffe sehr, dass C. E. Murphy noch so einige Dublin-Driver-Krimis schreiben wird.

Faith Erin Hicks: Hockey Girl Loves Drama Boy (Comic)

Nachdem mir die „The Nameless City“-Comics von Faith Erin Hicks so gut gefallen hatten, hatte ich mir im vergangenen Jahr zu Weihnachten „Hockey Girl Loves Drama Boy“ gewünscht. Die Handlung dreht sich um Alix und Ezra, die beide auf dieselbe kanadische Highschool gehen. Während Ezra im Theaterclub aktiv ist, gehört Alix zum erfolgreichen Eishockey-Team der Schule. Zu Beginn der Geschichte gerät Alix in Schwierigkeiten, als sie Lindsay, die Kapitänin ihres Teams, angreift, nachdem diese sie zum wiederholten Male vor den Augen ihrer Mitspielerinnen verbal fertiggemacht hat. Als sie am nächsten Tag in der Schule mitbekommt, wie Ezra überraschend lässig und schlagfertig auf den homofeindlichen Mobbingversuch eines Mitschüler reagiert, hofft Alix, dass er ihr beibringen kann, weniger aggressiv mit Lindsays Lästereien umzugehen.

Ich mochte es sehr mitzuverfolgen, wie Alix und Ezra sich immer besser kennenlernen, wie sie sich über persönliche Dinge unterhalten und sich Mühe geben, füreinander da zu sein. Dabei spricht Faith Erin Hicks viele verschiedene Themen an, angefangen bei Ezras Aussage „I’m attracted to lots of different people, not just guys“ über Alix‘ Probleme mit ihren (geschiedenen) Eltern und ihrer Überzeugung, dass sie keinerlei Fähigkeiten außer Eishockey spielen hat, bis zu traumatischen Erlebnissen in Ezras Vergangenheit. Sowohl Alix als auch Ezra – der nur zu Beginn ein bisschen zu perfekt wirkt – sind Charaktere, die sich für mich wie realistische Teenager angefühlt haben. Gerade Alix mit all ihren Unsicherheiten, ihren Temperamentausbrüchen und den vielen unbeantworteten Fragen konnte mich überzeugen. Aber ich fand auch Ezra glaubwürdig in seinen Bemühungen, sich aufmerksam und respektvoll zu verhalten, nur um dann festzustellen, dass er trotzdem Menschen verletzt, die ihm am Herzen liegen.

Die Zeichnungen von Faith Erin Hicks sind auch in diesem Comic wieder geprägt von sehr harten Outlines und ebenso hart schraffierten Schatten, was ich normalerweise nicht so ansprechend finde, was aber bei dieser Künstlerin inzwischen für mich funktioniert. Wirklich beeindruckend fand ich die Dynamik in den Eishockey-Szenen, die einen wirklich hervorragenden Eindruck von der Schnelligkeit (und Härte) des Spiels vermittelten. Aber mir gefielen auch die vielen ruhigeren Zeichnungen, in denen sich Alix und Ezra miteinander oder mit anderen Personen unterhalten haben und in denen sehr viel über Gestik und Mimik erzählt wurde. Bei diesen Szenen fand ich es auch immer wieder beeindruckend, auf wie viele kleine Dinge Faith Erin Hicks bei ihren Zeichnungen achtet, so dass es selbst in den – auf den ersten Blick – eher übersichtlicheren Panels immer wieder liebevolle Details rund um die Charaktere zu entdecken gibt.

Noch ein Hinweis zu „Hockey Girl Loves Drama Boy“: Es gibt zwei verschiedene Taschenbuchausgaben des Comics! Einmal eine US-Ausgabe, die mit dem Verlagsnamen „St. Martin’s Press“ veröffentlicht wurde, und dann eine UK-Ausgabe, die unter „Macmillan“ veröffentlicht wurde (St. Martin’s Press gehört zur Macmillan Verlagsgruppe). Da mir nicht bewusst war, dass es Unterschiede zwischen den Ausgaben gibt, hatte ich die Ausgabe von Macmillan auf meinen Wunschzettel gesetzt. Aber bei diesem Taschenbuch sind die Zeichnungen nur schwarz-weiß(-grau) gehalten, während die Zeichnungen in der US-Version blaue Akzente aufweisen. Ich finde es nicht schlimm, dass ich die „farblosere“ Variante habe, aber wenn ich vorher von diesem Unterschied gewusst hätte, hätte ich mir die lebhafter wirkende US-Ausgabe gewünscht.

Ann Aguirre: The Only Purple House in Town

Über „The Only Purple House in Town“ von Ann Aguirre bin ich vor ein paar Tagen zufällig gestolpert, und ich fand die Inhaltsangabe nett genug, um die Leseprobe zu lesen. Danach habe ich mir dann das eBook gekauft und ein paar nette Abende mit der Geschichte verbracht. Erzählt wird die Handlung aus den Perspektiven von Iris Collins und Eli Reese, die sich vor fünfzehn Jahre (Eli war zehn und Iris war zwölf Jahre alt) kurz begegneten, als Iris Eli vor einem Mitschüler beschützte. Seitdem hat sich das Leben der beiden Figuren sehr unterschiedlich entwickelt: Iris ist hoch verschuldet, steht kurz vor der Obdachlosigkeit und hat das Gefühl, dass alles, was sie in die Hand nimmt, schief läuft. Eli hat hingegen als App-Entwickler so viel Erfolg, dass er sich problemlos ein paar Wochen Urlaub gönnen kann, um seiner Großmutter bei einem Start in ein neues Leben zu helfen.

Erst als Iris das Haus „Violet Gables“ in dem kleinen Ort St. Claire (und etwas Bargeld) von ihrer Großtante Gertie erbt, scheint sich ihr Glück zu wenden. Nach und nach vermietet sie immer mehr Zimmer in ihrem Haus an die unterschiedlichsten Personen, und so versammelt sich unter Iris‘ Dach im Laufe der Zeit eine ungewöhnliche found family. Auch Eli gehört zu den Personen, die von Iris ein Zimmer mieten – was ihm nicht nur die Möglichkeit bietet, mehr Zeit mit der Frau zu verbringen, an die er fünfzehn Jahre lang immer wieder gedacht hat, sondern ihn auch zum ersten Mal in seinem Leben engere Freundschaften knüpfen lässt. Ich fand es sehr wohltuend, von all den Personen zu lesen, die sich in „Violet Gables“ zusammengefunden haben, und zu sehen, wie sie alle in einem Umfeld aufblühen, in dem rücksicht- und respektvoll mit ihnen umgegangen wird. Dabei ist das Leben für Iris und ihre Mitbewohner nicht ohne Probleme, aber egal ob es sich dabei um die fürchterliche Nachbarin, Reparaturen am Haus oder Dramen mit den Familienmitgliedern der jeweiligen Personen handelt, als Leserin hatte ich nie das Gefühl, dass irgendwas davon nicht gut ausgehen würde.

Was mich zu dem größten Kritikpunkt an der Geschichte bringt: „Elis Geheimnis“! Eli zieht aufgrund eines Missverständnisses in Iris‘ Haus ein (sie denkt, er spricht sie an, weil er sich für ein Zimmer bewerben will, und er ist zu schüchtern und zu glücklich über das Wiedersehen, um das aufzuklären). Statt das Ganze nach den ersten Tagen, als sich alle besser kennenlernen, anzusprechen, macht Eli daraus ein großes Geheimnis – ebenso wie aus der Tatsache, dass er mehr Geld hat als alle anderen zusammen. Was natürlich dazu führt, dass es gegen Ende des Romans erst einmal ein großes Drama geben muss, als Iris herausfindet, was Eli alles verschwiegen hatte. Das war vollkommen unnötig (es gibt noch andere Punkte, die zum dramatischen Höhepunkt der Handlung beitragen und die vollkommen ausgereicht hätten), es war von Anfang an abzusehen und es passte nicht zu dem Charakter, den Ann Aguirre mit Eli geschaffen hatte.

Außerdem finde ich es lustig, dass ich bislang die fantastischen Elemente in „The Only Purple House in Town“ gar nicht erwähnt habe, obwohl ich sie wirklich nett fand. Aber wenn ich genau bin, dann spielen sie eigentlich keine wichtige Rolle in der Handlung. Es ist egal, dass Iris‘ Eltern Vampire sind und sich von negativen Gefühlen ernähren, denn das ist nicht der Grund, wieso Iris in der Gesellschaft ihrer Mutter und ihrer Schwestern unglücklich ist. Es hilft bei der Renovierung, dass später eine Person ins Haus zieht, die mit Magie Materialien auffrischen kann, aber einer der anderen Mitbewohner hatte vorher schon mit seinen handwerklichen Kenntnissen alles Wichtige repariert. Vor allem sind die fantastischen Elemente in dem Roman also vorhanden, um Gespräche anzustoßen, Probleme mit der konservativen Nachbarin zu verursachen oder für amüsante Momente zu sorgen – all das wäre auch ohne Gestaltwandler*innen, Vampir*innen oder Hexen möglich, aber vermutlich nicht ebenso unterhaltsam gewesen.

Alles in allem habe ich mich mit der Geschichte wirklich wohlgefühlt, auch wenn das Ende von „The Only Purple House in Town“ etwas arg kitschig war und ich eine weniger magische Lösung für das größte Problem der Hausgemeinschaft schöner gefunden hätte. Es gibt in dem Roman so viele zauberhafte Momente, in denen Iris und all die anderen Charaktere aufmerksam miteinander umgehen, in denen deutlich wird, dass sie auf die Eigenheiten der anderen Rücksicht nehmen, damit alle gut und sicher zusammen leben können. Ich mochte die verschiedenen Figuren mit all ihren Eigenarten wirklich gern, ich habe über diverse Szenen geschmunzelt und regelmäßig „nur noch ein weiteres Kapitel“ gelesen. Überhaupt hätte ich nichts dagegen, weitere solche Geschichten von der Autorin zu lesen. Es gibt von ihr auch noch die Fix-It-Witches-Trilogie, die in dem gleichen Ort spielt wie dieser Roman, aber die Tatsache, dass das eBook des ersten Bands („Witch Please“) aktuell über 13 Euro kostet, hält mich davon ab, ein paar weitere entspannte Stunden in St. Claire zu verbringen.

Sangu Mandanna: The Very Secret Society of Irregular Witches (Hörbuch)

In der vergangenen Woche habe ich das von Samara MacLaren gelesene Hörbuch „The Very Secret Society of Irregular Witches“ gehört. Die Geschichte ist von Sangu Mandanna (von der ich gerade erst das Jugendbuch „Kiki Kallira Breaks a Kingdom“ gelesen habe) und wird aus der Sicht von Mika Moon erzählt. Von Anfang an steht fest, dass Mika ein recht einsamer Mensch ist. Sie ist eine Waise, die als Baby von Indien nach London gebracht wurde und dort unter der Obhut von ständig wechselnden Kindermädchen und Erziehern aufwuchs. Für ihr finanzielles Wohlergehen und die Anstellung der ganzen Kindermädchen war Primrose verantwortlich, die Mika von klein auf auch all die Regeln eingeprägt hat, die sie als Hexe einzuhalten hat. Primrose ist es auch, die die Gruppe von Hexen leitet, mit der sich Mika alle paar Wochen im Geheimen an den unterschiedlichsten Orten trifft, um sich über Zaubersprüche und Ähnliches auszutauschen. Außerhalb dieser seltenen Treffen gibt es niemanden, mit dem Mika über ihre Magie reden darf, was mit zu ihrer großen Einsamkeit beiträgt.

Mikas einziger Ausweg ist ihr Youtube-Kanal, auf dem sie Videos veröffentlicht, in denen sie „zaubert“ – wobei sie natürlich darauf achtet, dass niemals der Verdacht aufkommen könnte, dass sie echte Magie wirkt. Trotzdem ist es dieser Youtube-Kanal, der dafür sorgt, dass die Bewohner des Nowhere House mit Mika Kontakt aufnehmen, weil sie dringend jemanden benötigen, der drei jungen und unerfahrenen Hexen den Umgang mit ihrer Magie beibringt. Auch wenn sich Mika durchaus der Gefahren bewusst ist, die entstehen, wenn vier Hexen (drei davon auch noch ohne jegliche Beherrschung ihrer Magie) sich an einem Ort versammeln, beschließt sie, den drei Mädchen Magie-Unterricht zu geben. Schnell fühlt sie sich im Nowhere Hause mit all seinen liebenswürdigen Bewohnern wohl und entwickelt sogar intensivere Gefühle für den grumpigen Bibliothekar Jamie. Doch alles, was Mika in ihrem bisherigen Leben gelernt hat, sagt ihr, dass sie nicht riskieren kann, langfristig im Nowhere House zu bleiben, ohne ihr eigenes Wohlergehen und das aller anderen Bewohner in Gefahr zu bringen.

Ich muss gestehen, dass ich „The Very Secret Society of Irregular Witches“ wirklich sehr nett und süß fand, was auch daran lag, dass ich den Teil rund um die „Gefahren“, die den Hexen drohen, wenn ihre Existenz bekannt würde, nicht so recht ernst nehmen konnte. So waren die Magie-Elemente in der Handlung zwar ein hübsches Extra, konnten mich aber nicht davon ablenken, dass Mikas Geschichte vor allem eine niedliche Liebesgeschichte mit einem etwas konstruierten „Problem“ für die Beziehung zwischen der Protagonistin und Jamie war. Es gab zwar kaum überraschende Wendungen und ich würde nicht mit allen Bewohnern des Nowhere House auf einem Grundstück leben wollen, aber es war nett, von den exzentrischen Einfällen dieser Figuren und ihrem liebevollen Miteinander zu lesen, und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Die drei Mädchen, denen Mika Magie-Unterricht erteilte, waren einfach nur süß, Jamie war der typische „raue Schale, weicher Kern“-Love-Interest, den es so häufig in dieser Art von Liebesgeschichten zu finden gibt, und so war dieses Hörbuch so entspannend und erholsam wie ein heißes Bad am Ende eines anstrengenden Tages. Dabei hat die Sprecherin Samara MacLaren für mich sehr zum Hörvernügen beigetragen, auch wenn ich ihre Betonung manchmal etwas zu flapsig fand, um wirklich zu Mika zu passen, wobei ich zugeben muss, dass das vor allem daran liegen könnte, dass manche britische Dialekte so auf mich wirken. Aber ich fand, dass sie die Männerstimmen überraschend überzeugend betont hat und auch bei den Kindern musste ich mich nie fragen, welches der drei Mädchen gerade redete, weil Samara MacLaren ihnen so viel Individualität verliehen hatte.

Ich glaube nicht, dass ich hier groß über dieses wirklich nette Hörbuch geschrieben hätte, wenn mich nicht zwei Dinge seit dem Hören beschäftigt hätten. Auf der einen Seite gibt es unfassbar viele begeisterte Rezensionen zu „The Very Secret Society of Irregular Witches“, die ich nicht ganz nachvollziehen kann, weil es zwar eine süße Geschichte mit sympathischen Charakteren ist, sich die Handlung aber nicht so groß von anderen „netten“ Liebesromanen unterscheidet. Und auf der anderen Seite ist da eben die Tatsache, dass ich kurz vorher erst „Kiki Kallira Breaks a Kingdom“ gelesen hatte und das Buch mich so viel mehr berührt hatte als Mikas Geschichte, und natürlich habe ich mich gefragt, wieso das der Fall ist. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mich Kiki und ihre Entwicklung viel mehr mitgerissen haben, weil Sangu Mandanna mich davon überzeugen konnte, wie schwierig Kikis Probleme für sie sind. Obwohl die Handlung zum Großteil in einer fantastischen Welt spielt, die sich Kiki selber ausgedacht hatte, sind ihre psychischen Probleme real und sie beeinflussen Kikis Leben rund um die Uhr. Es gibt für Kiki kein Entkommen vor ihren Ängsten und von den Auswirkungen, die ihre Gedankenspiralen auf sie und ihr Leben haben.

Bei Mika hingegen spielt die Handlung in „unserer Welt“, und obwohl es Sangu Mandanna meinem Gefühl nach gelungen ist, all die kleinen magischen Elemente stimmig in die Geschichte einzuflechten, fühlte es sich für mich nie so an, als ob Mika wirklich in Gefahr schweben würde. Ihr Leben wird vor allem davon bestimmt, dass „früher“ Hexen verfolgt wurden und dass es „früher“ gefährlich war, wenn jemand eine andere Person beschuldigte/in Verdacht hatte, eine Hexe zu sein. Aber jedes Mal, wenn in der Handlung darauf verwiesen wurde, wie wichtig es sei, die Regeln einzuhalten, damit niemand herausfindet, dass Mika und die anderen Hexen sind, stand ich da und dachte, dass es so viele Möglichkeiten gäbe, um damit anders umzugehen. Außerdem habe ich mich ständig gefragt, wieso Mika, wenn sie denn solch eine Sehnsucht nach einem „Zuhause“ hat, nicht größere Anstrengungen unternimmt, um sich ein Zuhause zu suchen. So wie ihr Charakter im Umgang mit den Mädchen und den anderen Bewohnern des Nowhere House dargestellt wurde, fiel es mir schwer zu glauben, dass sie in all den Jahren zuvor keinen Weg gefunden hätte, um sich selbst ein Zuhause zu schaffen. Ich habe mich mit „The Very Secret Society of Irregular Witches“ wirklich gut unterhalten gefühlt, aber es ist für mich definitiv eine Geschichte, bei der ich nicht zu genau über den einen oder anderen Aspekt nachdenken darf.

Megan Bannen: The Undertaking of Hart and Mercy

Laut Klappentext ist „The Undertaking of Hart and Mercy“ von Megan Bannen eine Mischung aus „The Princess Bride“ und „You’ve Got Mail“, und Ursula Vernon hat in ihrem letzten Newsletter über den Roman gesagt: „sort of like if You’ve Got Mail was set in the old west with zombies and dead gods and the protagonists were a bounty hunter and an undertaker. So a fun romance closely centered on corpse disposal!“. Was es ziemlich gut auf den Punkt trifft, auch wenn es sich für mich beim Lesen weniger nach „Old West“ angefühlt hat. Erzählt wird die Handlung auf der einen Seite aus der Perspektive von Mercy Birdsall, die als Bestatterin nach einer Erkrankung ihres Vaters das Familiengeschäft „Birdsall & Son“ am Laufen hält. Auf der anderen Seite geht es um Hart Ralson, einen Marshal, der im Rahmen seiner Arbeit regelmäßig unidentifizierte Leichen zu den verschiedenen Bestattungsinstituten bringen muss.

Mercy und Hart kennen sich seit über vier Jahren und hassen sich seit ihrer ersten Begegnung. Doch als Hart eines Tages vor lauter Einsamkeit einen Brief an einen „Freund“ schreibt, landet dieser Brief bei Mercy, die sich ebenso einsam fühlt wie der unbekannten Schreiber und ihm deshalb antwortet. Die Anonymität, die mit dieser Brieffreundschaft einhergeht, sorgt dafür, dass beide überraschend offen und ehrlich miteinander umgehen, was dazu führt, dass sich sowohl Mercy als auch Hart bald fragen, ob aus dieser Brieffreundschaft vielleicht mehr werden könnte, wenn sie sich nur trauen würden, einander zu treffen. Ich muss gestehen, dass ich die Geschichte nicht so bezaubernd gefunden hätte, wenn nicht die Welt, die sich Megan Bannen für „The Undertaking of Hart and Mercy“ ausgedacht hat, so faszinierend gewesen wäre. Obwohl ich mich während der ersten Seiten ziemlich verloren fühlte, weil die Autorin anfangs wenig zu dieser Welt erklärt, fand ich es doch spannend, mehr über die Insel, auf der Mercy lebte, über die Alten und die Neuen Götter, über die Demigods (zu denen auch Hart gehört) und die zombiehaften Drudges zu erfahren.

Außerdem mochte ich es sehr, wie professionell und liebevoll Mercy ihrem Job nachgeht. Megan Bannen gelingt es, die Arbeit als Bestatterin – mit all den Besonderheiten, die in dieser fantastischen Welt notwendig sind – so zu beschreiben, dass es fast schon heimelig ist, mitzuverfolgen, wie Mercy eine Leiche herrichtet. Und obwohl Mercy von einem Haufen liebevoller Familienmitglieder umgeben ist, wird schnell deutlich, wieso sie sich so einsam fühlt, dass sie eine Brieffreundschaft mit einem vollkommen Fremden beginnt. Bei Hart hingegen ist von Anfang an unübersehbar, dass er einsam ist und dass das ein Zustand ist, an dem er zum Großteil selbst Schuld ist. Umso wunderbarer ist es mitzuverfolgen, wie er im Laufe der Geschichte – auch dank der Briefe, die er mit Mercy austauscht – versucht, wieder mehr auf andere Personen zuzugehen und alte Freundschaften wiederzubeleben. Überhaupt macht es Spaß zu sehen, wie sich die beiden Protagonisten im Laufe der Zeit weiterentwickeln und wie sich das dann auch auf all die anderen Personen in ihrem Umfeld auswirkt.

Ich finde es gerade überraschend schwierig, all die Dinge, die diesen Roman für mich ausgemacht haben, in Worte zu fassen. „The Undertaking of Hart and Mercy“ ist wundervoll romantisch und sehr oft sehr lustig, doch dabei ist das Leben, das die Charaktere führen nicht gerade einfach. Geldsorgen, Krankheit, Todesfälle, Drudges und Geschäftskonkurrenten, die zu unfairen Mitteln greifen, spielen deshalb keine unerheblichen Rollen in der Handlung, aber trotzdem hat Megan Bannen dafür gesorgt, dass ich als Leserin die ganze Zeit die Gewissheit hatte, dass am Ende alles gut ausgehen würde. Was dafür gesorgt hat, dass ich selbst die dramatischeren Szene rundum „genießen“ (und die etwas vorhersehbareren Wendungen verzeihen) konnte. Ich gebe zu, dass ich eine ganz besondere Schwäche für „Cozy Fantasy“ rund um eigentlich nicht so gemütliche Themen habe, weshalb dieser Roman genau in mein Beuteschema fällt, aber ich denke, dass auch Personen, die normalerweise nur romantische oder nur fantastische Geschichten mögen, Spaß mit „The Undertaking of Hart and Mercy“ haben würden.

Lish McBride: A Little Too Familiar (Uncanny Romance 1)

„A Little Too Familiar“ von Lish McBride habe ich schon vor einigen Wochen gelesen, aber da ich in meiner Twitter-Timeline regelmäßig über Empfehlungen des Romans als „Wohlfühlbuch“ stolpere, wollte ich doch noch etwas zu dem Titel schreiben. Die Handlung wird aus der Sicht von Lou und Declan erzählt. Lou (eigentlich Louise) ist ein animal mage und darauf spezialisiert, die Verbindung zwischen Familiar und Menschen zu stärken. Declan hingegen ist ein Werwolf und sucht zu Beginn der Geschichte eine Neuanfang, nachdem sich seine Freundin Sidney und seine kleine Schwester Zoey ineinander verliebt haben. Damit die beiden Frauen ohne schlechtes Gewissen miteinander leben können, beschließt Declan, von Portland nach Seattle in die Wohngemeinschaft von seinem Freund Trick zu ziehen. Tricks WG besteht aus einem bunten Haufen von Personen, zu denen neben Lou auch noch ihre beste Freundin Van(essa) und deren Schwester Juliet mit ihrer kleinen Tochter gehören. Außerdem gibt es einige Freunde wie zum Beispiel den Minotaurus Jim, die eigentlich täglich in der WG vorbeischauen.

Es gibt wirklich sehr, sehr viele Szenen in diesem Roman, die einen wunderbar warmherzigen, aufmerksamen und liebevollen Umgang der verschiedenen WG-Mitbewohner miteinander zeigen. Und auch mit Lous Familie gibt es sehr viele amüsante Szenen, die zeigen, dass diese Personen einander mögen und jederzeit unterstützen, was wunderschön zu lesen ist. Trotzdem habe ich ein Problem damit, „A Little to Familiar“ uneingeschränkt als Wohlfühlbuch zu bezeichnen, da es so einige Elemente in der Geschichte gibt, die alles andere als gemütlich sind. Declan zum Beispiel hat als Kind in einem sektenähnlichem Umfeld gelebt und dort physischen und psychischen Missbrauch erfahren, der bis heute sein Leben prägt. Das führt dazu, dass er, als er zum ersten Mal in der WG auf Lou trifft, eine Panikattacke erleidet. Die Tatsache, dass Lou ein animal mage ist, weckt bei dem Werwolf Ängste, mit denen er kaum fertig werden kann, und das ist wirklich schmerzhaft zu lesen. Auch das familiäre Umfeld von Van und Juliet ist nicht gerade liebevoll und beeinflusst immer wieder das Leben dieser Figuren, außerdem gibt es am Ende des Romans eine ziemlich blutige Schlacht zwischen einer Gruppe, die eine Person aus der WG entführt hat, und den restlichen WG-Mitbewohnern und ihren Freunden und Familienmitgliedern.

Ich persönlich mochte diese Mischung aus „klassischen Urban-Fantasy-Elementen“ und den wunderbar wohltuenden und gemütlichen Szenen rund um die WG-Mitglieder. Ich fand es wirklich süß zu verfolgen, wie Lou und Declan damit umzugehen versuchen, dass sie sich auf der einen Seite zueinander hingezogen fühlen und dass er auf der anderen Seite Panikattacken bekommt, wenn er an ihre Magie denkt. Außerdem gibt es wirklich sehr viele überaus amüsante Szenen in dem Roman, wenn zum Beispiel Declan als Alphawolf dafür sorgt, dass seine WG-Mitglieder gut versorgt sind (was in diesem Fall auch bedeutet, dass er den halben Tag in der Küche steht, damit all seine „Rudel-Mitglieder“ sich gut ernähren) oder die Momente, in denen Lou sich mit Tauben streitet oder mit den Besitzern von Familiars auseinandersetzen muss. Für mich funktionierte dieser Gegensatz aus traumatischer Vergangenheit/aktueller Bedrohung und all den vielen kleinen amüsanten und/oder wohltuenden Szenen sehr gut, und ich freue mich jetzt schon darauf, irgendwann eine Fortsetzung zu lesen, in der vermutlich ein anderes WG-Mitglied im Mittelpunkt stehen wird. Aber ich würde „A Little Too Familiar“ nicht ohne Warnung bezüglich der Passagen, die eben nicht so gemütlich zu lesen sind, weiterempfehlen wollen, weshalb ich wirklich sauer bin, dass dieser Roman ohne weiteren Hinweis als „Wohlfühlbuch“ empfohlen wird.