Schlagwort: Megan Bannen

Lese-Eindrücke November 2025

Während ich mich im Oktober noch fragte, ob das mit mir und dem Lesen im November überhaupt klappen würde, muss ich nun zugeben, dass die Zugfahrten und das ganze Drumherum für sehr, sehr viele gelesene Seiten im vergangenen Monat gesorgt haben. Das bedeutet natürlich auch, dass ich wieder ein paar Lese-Eindrücke festhalten konnte.

Laura Greenwood: Cauldron Coffee Shop Vol. 1 (abgebrochen)

Bei diesem Sammelband, der die ersten drei Bände der Cauldron-Coffee-Shop-Reihe enthält, dachte ich anhand der Inhaltsangabe, dass das doch bestimmt eine nette Lektüre für zwischendurch wäre, mit der ich nicht viel falsch machen kann. Tja, und dann habe ich nicht mal den ersten Band („Pumpkin Spice and All Things Nice“) beendet, weil mir der Schreibstil so auf die Nerven ging. Ich habe ja häufig ein Problem, wenn eine Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird, aber hier fand ich es besondern unangenehm. Die Protagonistin begründet ständig in Gedanken ihr Verhalten, und behauptet dabei die ganze Zeit, dass ihre Handlungen gegenüber den diversen Personen zwar unnatürlich vertrauensselig/zu gutgläubig/zu großzügig sind, dass sie aber genau weiß, dass sie damit richtig liegt. Währenddessen macht sie sich gleichzeitig überhaupt keine Gedanken über das Verhalten anderer Personen, die sich definitiv verdächtig gemacht haben. Aber ein zu frühes Hinterfragen dieser Figuren hätte ja auch dazu geführt, dass die Geschichte ein vorzeitiges Ende gefunden und noch weniger Umfang als eh schon gehabt hätte. Dadurch bekam ich den Eindruck, dass die Autorin genau wusste, dass ihre Handlung absolut unausgegoren ist, aber trotzdem von mir erwartete, dass ich die diversen Probleme schon ignorieren werde, weil ja alles soooo cozy ist. Das Frustrierende ist, dass aus der Grundidee so eine nette Geschichte hätte werden können …

Casey Blair: Take Back Magic (Diamond Universe: Sierra Walker 1)

Noch eine Geschichte, bei der es mir lieber gewesen wäre, wenn sie mir nicht von einer Ich-Erzählerin präsentiert worden wäre. Trotzdem habe ich mich mit „Take Back Magic“ von Casey Blair gut unterhalten gefühlt. Der Roman reicht zwar leider nicht an die Tea-Princess-Bücher der Autorin heran, aber ich bin neugierig darauf, mehr über das Diamond Universe zu erfahren, in der unsere Welt über keinerlei Magie verfügt, weil diese von anderen Welten abgezogen und genutzt wird. Die Protagonistin Sierra Walker ist zwar eine dieser Urban-Fantasy-Heldinnen, die viel zu genial sind, um mir wirklich sympathisch zu sein (und ich könnte wirklich darauf verzichten, ihre Gedanken zu verfolgen). Aber ich mochte die Nebenfiguren, finde die Idee mit den verschiedenen Welten faszinierend, habe mich mit den magischen Kämpfen gut amüsiert und möchte wissen, was passiert, wenn Sierra versucht, den weiteren Diebstahl von Magie durch die anderen Welten zu verhindern. Deshalb werde ich mir definitiv auch den nächsten Band der Reihe holen.

Megan Bannen: The Undercutting of Rosie and Adam

Nachdem ich „The Undertaking of Hart and Mercy“ vor drei Jahren so sehr genossen hatte, fand ich den zweiten Roman von Megan Bannen („The Undermining of Twyla and Frank“) im Vergleich eher enttäuschend, weshalb ich nur zögerlich zu „The Undercutting of Rosie and Adam“ gegriffen habe. Am Anfang war ich etwas verwirrt, weil die Geschichte zehn Jahre nach „The Undertaking of Hart and Mercy“ spielte und ich das Gefühl hatte, ich hätte zu viele Veränderungen in der Welt verpasst. Auf der anderen Seite passte das sehr gut zur Perspektive von Rosie, die 175 Jahre alt und unsterblich ist. Wobei unsterblich nicht ganz das richtige Wort ist. Rosie kann sterben, sie bleibt nur nicht tot, sondern wird wieder lebendig, sobald ihr Körper alle Schäden behoben hat, die zu ihrem Tod führten. Was zu einem überraschend einsamen Leben führt … Ich mochte es sehr, zu verfolgen, wie Rosie und Adam sich langsam nähergekommen sind und wie Megan Bannen darüber schreibt, welche Auswirkungen ein unendlich langes Leben auf die Personen hat, die davon betroffen sind. Dazu gibt es unglaublich viele neue Hintergründe zu den Alten Göttern dieser fantastischen Welt und zu den Göttern, deren Kinder als Halbgötter ihr Leben in dieser Welt führen müssen. Am Ende kann ich sagen, dass mir dieser Band mindestens so gut gefallen hat wie „The Undertaking of Hart and Mercy“, und ich bin sehr gespannt, was Megan Bannen als Nächstes schreiben wird.

Casualfarmer: Beware of Chicken – A Xianxia Cultivation Novel

„Beware of Chicken“ gehört zu den Titeln, die immer wieder empfohlen werden, wenn es um isekai-Geschichten geht. Aber so richtig hat mich der Roman nicht gereizt, bis ich Ende November dann doch mal die Leseprobe angeschaut hatte. Was dann dazu führte, dass ich die fünf bisher erschienenen Bücher (insgesamt über 2500 Seiten) hintereinander verschlungen habe, weil ich wissen wollte, wie es all den Figuren so ergeht. Inhaltlich geht es um … „Jin Rou wanted to be a cultivator. A man powerful enough to defy the heavens. A master of martial arts. A lord of spiritual power. Unfortunately for him, he died, and now I’m stuck in his body. Arrogant Masters? Heavenly Tribulations? All that violence and bloodshed? Yeah, no thanks. I’m getting out of here. Farm life sounds pretty great. Tilling a field by hand is fun when you’ve got the strength of ten men …“ Unter dem Decknamen Rou Jin lässt sich der Protagonist in dem entlegensten Gebiet des Kaiserreichs nieder, um ein friedliches Farmleben zu führen. Aber all das Wissen, das er während seiner Ausbildung zum Cultivator gesammelt hat, führt dazu, dass seine Farm übermässig produktiv ist, seine Nutztiere sich zu Spirit Beasts entwickeln und er dann doch deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, als ihm lieb ist. Ich muss zugeben, dass mir die Spirit Beasts der Farm besonders ans Herz gewachsen sind und ich wirklich gespannt bin, wie es mit ihnen weitergeht. Außerdem ist es sehr amüsant zu lesen, wenn der Protagonist (der vor seinem Tod ein junger Kanadier war und nun in Jin Rous Körper wiedergeboren wurde) mit all den mächtigen Personen interagiert, die an strenge Protokolle und Hierachien gewöhnt sind. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang die Erzählweise nicht so überzeugend fand. Aber die Figuren und die absurden Situationen, in denen sie sich stets aufs Neue wiederfinden, genieße ich sehr. Nicht alles an der Geschichte ist heiter und amüsant, und ich habe schon einige Tränen beim Lesen vergossen, aber insgesamt ist es so eine wohltuende Lektüre, dass ich die Augen nach weiteren Bänden aufhalten werde.

Megan Bannen: The Undertaking of Hart and Mercy

Laut Klappentext ist „The Undertaking of Hart and Mercy“ von Megan Bannen eine Mischung aus „The Princess Bride“ und „You’ve Got Mail“, und Ursula Vernon hat in ihrem letzten Newsletter über den Roman gesagt: „sort of like if You’ve Got Mail was set in the old west with zombies and dead gods and the protagonists were a bounty hunter and an undertaker. So a fun romance closely centered on corpse disposal!“. Was es ziemlich gut auf den Punkt trifft, auch wenn es sich für mich beim Lesen weniger nach „Old West“ angefühlt hat. Erzählt wird die Handlung auf der einen Seite aus der Perspektive von Mercy Birdsall, die als Bestatterin nach einer Erkrankung ihres Vaters das Familiengeschäft „Birdsall & Son“ am Laufen hält. Auf der anderen Seite geht es um Hart Ralson, einen Marshal, der im Rahmen seiner Arbeit regelmäßig unidentifizierte Leichen zu den verschiedenen Bestattungsinstituten bringen muss.

Mercy und Hart kennen sich seit über vier Jahren und hassen sich seit ihrer ersten Begegnung. Doch als Hart eines Tages vor lauter Einsamkeit einen Brief an einen „Freund“ schreibt, landet dieser Brief bei Mercy, die sich ebenso einsam fühlt wie der unbekannten Schreiber und ihm deshalb antwortet. Die Anonymität, die mit dieser Brieffreundschaft einhergeht, sorgt dafür, dass beide überraschend offen und ehrlich miteinander umgehen, was dazu führt, dass sich sowohl Mercy als auch Hart bald fragen, ob aus dieser Brieffreundschaft vielleicht mehr werden könnte, wenn sie sich nur trauen würden, einander zu treffen. Ich muss gestehen, dass ich die Geschichte nicht so bezaubernd gefunden hätte, wenn nicht die Welt, die sich Megan Bannen für „The Undertaking of Hart and Mercy“ ausgedacht hat, so faszinierend gewesen wäre. Obwohl ich mich während der ersten Seiten ziemlich verloren fühlte, weil die Autorin anfangs wenig zu dieser Welt erklärt, fand ich es doch spannend, mehr über die Insel, auf der Mercy lebte, über die Alten und die Neuen Götter, über die Demigods (zu denen auch Hart gehört) und die zombiehaften Drudges zu erfahren.

Außerdem mochte ich es sehr, wie professionell und liebevoll Mercy ihrem Job nachgeht. Megan Bannen gelingt es, die Arbeit als Bestatterin – mit all den Besonderheiten, die in dieser fantastischen Welt notwendig sind – so zu beschreiben, dass es fast schon heimelig ist, mitzuverfolgen, wie Mercy eine Leiche herrichtet. Und obwohl Mercy von einem Haufen liebevoller Familienmitglieder umgeben ist, wird schnell deutlich, wieso sie sich so einsam fühlt, dass sie eine Brieffreundschaft mit einem vollkommen Fremden beginnt. Bei Hart hingegen ist von Anfang an unübersehbar, dass er einsam ist und dass das ein Zustand ist, an dem er zum Großteil selbst Schuld ist. Umso wunderbarer ist es mitzuverfolgen, wie er im Laufe der Geschichte – auch dank der Briefe, die er mit Mercy austauscht – versucht, wieder mehr auf andere Personen zuzugehen und alte Freundschaften wiederzubeleben. Überhaupt macht es Spaß zu sehen, wie sich die beiden Protagonisten im Laufe der Zeit weiterentwickeln und wie sich das dann auch auf all die anderen Personen in ihrem Umfeld auswirkt.

Ich finde es gerade überraschend schwierig, all die Dinge, die diesen Roman für mich ausgemacht haben, in Worte zu fassen. „The Undertaking of Hart and Mercy“ ist wundervoll romantisch und sehr oft sehr lustig, doch dabei ist das Leben, das die Charaktere führen nicht gerade einfach. Geldsorgen, Krankheit, Todesfälle, Drudges und Geschäftskonkurrenten, die zu unfairen Mitteln greifen, spielen deshalb keine unerheblichen Rollen in der Handlung, aber trotzdem hat Megan Bannen dafür gesorgt, dass ich als Leserin die ganze Zeit die Gewissheit hatte, dass am Ende alles gut ausgehen würde. Was dafür gesorgt hat, dass ich selbst die dramatischeren Szene rundum „genießen“ (und die etwas vorhersehbareren Wendungen verzeihen) konnte. Ich gebe zu, dass ich eine ganz besondere Schwäche für „Cozy Fantasy“ rund um eigentlich nicht so gemütliche Themen habe, weshalb dieser Roman genau in mein Beuteschema fällt, aber ich denke, dass auch Personen, die normalerweise nur romantische oder nur fantastische Geschichten mögen, Spaß mit „The Undertaking of Hart and Mercy“ haben würden.