Schlagwort: Becky Chambers

Lese-Eindrücke Oktober 2025

Dank der Herbstlesen-Wochenenden habe ich im Oktober trotz einiger stressiger Wochen nicht gerade wenig Bücher gelesen. Nicht alle davon geben genug Stoff für eine ausführliche Rezension, aber einen Lese-Eindruck möchte ich hier trotzdem noch festhalten.

You Yeong-Gwang: The Rainfall Market

„The Rainfall Market“ habe ich am zweiten Herbstlesen-Sonntag gelesen und konnte schon da nicht viel mehr zu dem Roman sagen, als dass ich ihn genossen habe. Die Handlung dreht sich um die ca. 16jährige (ich schätze das Alter anhand der Schuljahre in Südkorea) Serin, deren Leben in den letzten Jahren ziemlich hart war. Ihr Vater ist früh verstorben und ihre Mutter schafft es kaum, mit ihrem Einkommen die Familie über Wasser zu halten. Vor einem Jahr ist auch noch Yerin weggelaufen, die nicht nur Serins kleine Schwester, sondern auch ihre beste Freundin war. Der Zugang zum magischen Rainfall Market soll Serins Leben eine ganz neue Wendung geben, was dafür sorgt, dass sie dort so einige Abenteuer erlebt. Das Ganze war wirklich sehr nett zu lesen, vor allem, da die Dokkaebi (Bewohner des Rainfall Markets) alle ihre ganz besonderen Eigenarten haben. Erwartbarerweise bringt jede Begegnung mit den koboldartigen Wesen Serin eine neue Erkenntnis, auch wenn ihr erst am Ende aufgeht, was sie alles während ihrer Zeit im Rainfall Market gelernt hat. Das ist sehr vorhersehbar, aber eben auch sehr süß zu lesen, wobei es mich überrascht hat, dass sich die Geschichte anfühlte, als wäre sie eher für ein Middle-Grade-Publikum geschrieben worden. Obwohl ich das nicht erwartet hatte, habe ich meinen Tag mit diesem Buch sehr genossen – es war genau das Richtige für einen entspannten Sonntag.

Claire Trella Hill: Black and Deep Desires – A Gothic Vampire Romance (Bonds of Blood 1)

Ich muss zugeben, dass ich den Titel „Black and Deep Desires“ eher abschreckend finde. Da die Autorin Claire Trella Hill aber schon seit einiger Zeit immer wieder von unterschiedlichen Autorinnen empfohlen wird, habe ich mir im Oktober mal die Leseprobe dieses Romans angeschaut – nur um dann direkt das Buch zu kaufen und zu lesen. Die Geschichte hat eine wunderbare „Gothic“-Atmosphäre mit einer neunzehnjährigen Protagonistin, die – seit einer Krankheit in ihrer Kindheit – behindert ist, von ihrem Vater und ihren Brüdern vernachlässigt wird und trotzdem versucht, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Doch dann entdeckt sie, dass ihr wissenschaftlich interessierter Vater und ihre Brüder (von denen einer ein sadistisches Arschloch ist) eine Person für Experimente im Keller gefangen halten. Da unsere Heldin Claire nicht nur weichherzig, sondern auch mutig ist, führt das zu einer überraschend süßen Liebesgeschichte mit einem Vampir – ohne dass der Gothic-Anteil, die Kämpfe gegen die Bösewichte und all die anderen unterhaltsamen Elemente zu kurz kommen. Ich habe mich wirklich sehr gut mit der Geschichte unterhalten gefühlt, ich mochte die Charaktere und ich habe nun definitiv Lust, mehr von Claire Trella Hill zu lesen. (Was bedeutet, dass ich inzwischen nicht nur eine Kurzgeschichte rund um zwei Nebenfiguren, die ich in „Black and Deep Desires“ schon mochte, gelesen habe, sondern auch die Fortsetzung „Every Longing Heart“ vorbestellt hatte. Die hebe ich mir dann aber für Dezember auf, um das Weihnachtsthema richtig zu genießen. *g*)

Becky Chambers: A Closed and Common Orbit (Wayfarers 2)

Nachdem ich „The Long Way to a Small, Angry Planet“ gelesen hatte, war ich ein bisschen enttäuscht, als ich feststellte, dass mir „A Closed and Common Orbit“ nicht mehr über die Crew der Wayfarer erzählen würde. Deshalb bin ich froh, dass ich das Buch erst einmal zur Seite gelegt und abgewartet habe, bis ich grundsätzlich in der richtigen Stimmung für diesen Roman war. Das war am dritten Herbstlesen-Sonntag im Oktober der Fall, und gerade mal drei Tage später hatte ich die Geschichte beendet. Es gibt in dem Roman zwei Handlungsstränge. Der eine begleitet Sidras aktuelle Erlebnisse, der andere erzählt die Geschichte von Jane 23, die mit zehn Jahren aus einer Fabrik flüchtete, in der sie arbeitete, um von da an auf einem riesigen Schrottplatz zu leben. Faszinierenderweise fand ich beide Handlungsstränge gleich fesselnd, obwohl ich bei Jane 23 schon wusste, dass sie irgendwann dem Schrottplatz entkommen wird. Aber ich wusste nicht genau, wie es dazu kommen würde und welche Herausforderungen Jane 23 in der Zwischenzeit bewältigen musste … Ich will eigentlich gar nicht mehr zu dem Roman schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass es besser ist, ohne großes Vorwissen in die Geschichte zu gehen. Aber Becky Chambers‘ Erzählweise hat mich wieder gut unterhalten, und ich finde es großartig, wie sie mich beim Lesen dazu gebracht hat, darüber nachzudenken, was eine Person ausmacht, und mitzufühlen, was Sidra und Jane 23 jeweils durchmachen. Schön, dass ich noch drei weitere Titel der Autorin auf meinem SuB habe.

Jane Glatt: Lost and Found (Wrap-It-Up Magic 1)

„Lost and Found“ von Jane Glatt war mir als ungewöhnlicher Cozy-Mystery empfohlen worden, und da ich mir nach dem Klappentext so gar nicht vorstellen konnte, worum es genau in dem Roman geht, habe ich (mal wieder) zur Leseprobe gegriffen, was dann zum Kauf führte. Die Geschichte dreht sich um die 62jährige Barbara, die vor einigen Monaten feststellen musste, dass ihr Mann ein Betrüger im ganz großen Stil ist. Während er vor Beginn der Ermittlungen flüchten konnte, wurde Barbara verdächtigt, seine Komplizin zu sein. Auch wenn sie nicht verurteilt wurde, hat sie den Großteil ihres Besitzes, ihr Haus und die Beziehung zu ihren beiden Söhnen verloren. Die einzige Person, die noch an Barbaras Seite steht, ist ihre Freundin Kat, bei der sie zu Beginn des Romans auch einzieht. Kurz darauf stellt Barbara fest, dass sie unter ganz bestimmten (magischen) Umständen verlorene Dinge/Personen/Tiere finden kann – was ein wirklich seltsames, aber unterhaltsames Element in einem ansonsten durchgehend realistischen Roman ist. Ich mochte Barbara, die wild entschlossen ist, diesen Schicksalsschlag als Chance zu sehen, sehr gern, ebenso wie ihre Freundin Kat und deren Tochter, die beide Barbara unterstützen. Ich fand die Art und Weise, in der Barbara ihr übernatürliches Talent entdeckt, unterhaltsam, und es war erfrischend ungewöhnlich, dass sich die Handlung weniger um ein aktuelles Verbrechen und große Dramen dreht als darum, dass Barbara mehr über ihr Talent herausfindet – und dann versucht, diese Gabe dazu zu nutzen ihren Mann der Justiz zu übergeben. Das war auf genau die richtige Weise eine wirklich „nette“ Geschichte.

Lese-Eindrücke Mai 2025

Anscheinend hatte ich in diesem Mai das Gefühl, ich müsste so viel wie möglich lesen, bevor das Wetter (noch) heißer wird – was dazu geführt hat, dass ich auch wieder ein paar Lese-Eindrücke sammeln konnte …

T. Kingfisher: The Seventh Bride

Ich habe mir vor einiger Zeit alle (märchenhaften) Backlist-Titel von T. Kingfisher (Ursula Vernon) als eBook zugelegt, damit ich darauf zurückgreifen kann, wenn ich Lust auf diese besondere Art von Geschichten habe. „The Seventh Bride“ ist eine Blaubart-Variante und wird aus der Perspektive der fünfzehnjährigen Rhea erzählt. Rhea ist eine Müllerstochter und ziemlich überrascht, als Lord Crevan um ihre Hand anhält. Noch schockierter ist sie, als sie beim Eintreffen auf seinem Anwesen feststellt, dass sie die siebte Braut von Lord Crevan ist – und nicht alle seine vorherigen Ehefrauen sind schon verstorben. Wie bei den vorher schon von mir gelesenen Märchenvarianten von T. Kingfisher habe ich hier wieder den Pragmatismus der Protagonistin, die überbordende (und häufig Horrorelemente aufgreifende) Fantasie der Autorin und ihren ungewöhnlichen Humor genossen. Ich mag es sehr, dass ich – bei aller Vertrautheit mit Märchen – bei T. Kingfisher nie vorhersagen kann, in welche Richtung sich eine Geschichte entwickelt und was für seltsame Dinge sie als Nächstes aufgreifen wird.

Seishi Yokomizo: Death on Gokumon Island

Nach „The Honjin Murders“ ist „Death on Gokumon Island“ der zweite Kriminalroman von Seishi Yokomizo rund um den Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Im Gegensatz zu dem Vorgängerroman spielt dieser hier nach dem Zweiten Weltkrieg, und so ist es auch ein Versprechen, dass Kosuke seinem verstorbenen Kameraden Chimata gegeben hatte, das ihn auf die Insel Gokumon bringt. Kurz nach Kosukes Eintreffen werden die drei jüngeren Schwestern von Chimata eine nach der anderen auf außergewöhnliche Weise ermordet, und natürlich versucht der Detektiv herauszufinden, wer der Mörder ist. Wie schon bei „The Honjin Murders“ sind die Figuren in der Geschichte nicht besonders detailiert ausgearbeitet, was mich aber wirklich nicht stört.

Es geht mir bei diesen Romanen vor allem darum, all die kleinen Hinweise in der Handlung zu sammeln und mitzuermitteln. Dabei finde ich es spannend, dass mir auch bei dieser Geschichte viele Elemente vor der Auflösung aufgefallen waren – und dass es trotzdem immer wieder Dinge gab, die mich überraschten. Das ist etwas, was ich bei dieser Art von Kriminalroman sehr mag. Weniger nett fand ich ein (zum Glück nur sehr kurzes) Gespräch zwischen einer Handvoll junger Männer (die keine nennenswerte Rolle in der Geschichte hatten), in der sie sich auf eine Art und Weise über Frauen und Sex unterhielten, die ich abstoßend fand. Da machte es sich leider bemerkbar, dass der Roman nicht nur Anfang der 1970er Jahre, sondern auch von einem männlichen Autor geschrieben wurde. Trotzdem wird mich dieser Punkt nicht davon abhalten, auch noch den nächsten Kosuke-Kindaichi-Roman zu lesen, denn ich mag die Herausforderung, die mir diese Geschichten beim Lesen bieten, ebenso wie den Einblick in ein vergangenens Japan.

Annie Bellet: The Gryphonpike Chronicles (Complete series)

Die kompletten „Gryphonpike Chronicles“ von Annie Bellet umfassen insgesamt 224 Seiten, so dass es sich hier eher um eine Reihe von aufeinanderfolgenden Kurzgeschichten handelt als um eine Romanserie. Die Geschichten werden aus der Perspektive von „Killer“ erzählt – einer Elfe, die von ihrem eigenen Volk verflucht wurde und deshalb mit niemandem (verbal oder per Gestik/Mimik) kommunizieren kann. Der Fluch wird erst aufgehoben, wenn sie 1001 gute Tat vollbracht hat, weshalb sie sich einer Gruppe von Abenteurern angeschlossen hat. Der Weltenbau und ähnliches gehen nicht sehr tief, aber ich habe mich mit dieser Sammlung von D&D-artigen Geschichten sehr gut unterhalten gefühlt und hätte gern auch noch mehr von Killer und den anderen Abenteurern gelesen.

Becky Chambers: Monk and Robot

Mit den „Monk and Robot“-Romanen von Becky Chambers ging es mir wie mit den Murderbot-Geschichten von Martha Wells: Solange gefühlt jeder begeistert darüber redete, hatte ich keine Lust, diese Titel zu lesen, obwohl ich mir sicher war, dass sie auch mir gefallen würde. Da jetzt aber „A Psalm for the Wild-Built“ und „A Prayer for the Crown-Shy“ in einem Taschenbuch zusammen veröffentlicht wurden, habe ich die Gelegenheit genutzt und das Buch dann auch direkt nach Erhalt gelesen. Wie erwartet habe ich die Geschichte rund um Sibling Dex und Roboter Mosscap sehr genossen. Es gab in der Handlung einige berührende Momente, Denkanstöße zu den verschiedensten Themen und nicht wenige amüsante Szenen. Jetzt werde ich wohl doch mal schauen müssen, ob mir auch die Wayfarers-Serie gefallen könnte …