Dank der Herbstlesen-Wochenenden habe ich im Oktober trotz einiger stressiger Wochen nicht gerade wenig Bücher gelesen. Nicht alle davon geben genug Stoff für eine ausführliche Rezension, aber einen Lese-Eindruck möchte ich hier trotzdem noch festhalten.
You Yeong-Gwang: The Rainfall Market
„The Rainfall Market“ habe ich am zweiten Herbstlesen-Sonntag gelesen und konnte schon da nicht viel mehr zu dem Roman sagen, als dass ich ihn genossen habe. Die Handlung dreht sich um die ca. 16jährige (ich schätze das Alter anhand der Schuljahre in Südkorea) Serin, deren Leben in den letzten Jahren ziemlich hart war. Ihr Vater ist früh verstorben und ihre Mutter schafft es kaum, mit ihrem Einkommen die Familie über Wasser zu halten. Vor einem Jahr ist auch noch Yerin weggelaufen, die nicht nur Serins kleine Schwester, sondern auch ihre beste Freundin war. Der Zugang zum magischen Rainfall Market soll Serins Leben eine ganz neue Wendung geben, was dafür sorgt, dass sie dort so einige Abenteuer erlebt. Das Ganze war wirklich sehr nett zu lesen, vor allem, da die Dokkaebi (Bewohner des Rainfall Markets) alle ihre ganz besonderen Eigenarten haben. Erwartbarerweise bringt jede Begegnung mit den koboldartigen Wesen Serin eine neue Erkenntnis, auch wenn ihr erst am Ende aufgeht, was sie alles während ihrer Zeit im Rainfall Market gelernt hat. Das ist sehr vorhersehbar, aber eben auch sehr süß zu lesen, wobei es mich überrascht hat, dass sich die Geschichte anfühlte, als wäre sie eher für ein Middle-Grade-Publikum geschrieben worden. Obwohl ich das nicht erwartet hatte, habe ich meinen Tag mit diesem Buch sehr genossen – es war genau das Richtige für einen entspannten Sonntag.
Claire Trella Hill: Black and Deep Desires – A Gothic Vampire Romance (Bonds of Blood 1)
Ich muss zugeben, dass ich den Titel „Black and Deep Desires“ eher abschreckend finde. Da die Autorin Claire Trella Hill aber schon seit einiger Zeit immer wieder von unterschiedlichen Autorinnen empfohlen wird, habe ich mir im Oktober mal die Leseprobe dieses Romans angeschaut – nur um dann direkt das Buch zu kaufen und zu lesen. Die Geschichte hat eine wunderbare „Gothic“-Atmosphäre mit einer neunzehnjährigen Protagonistin, die – seit einer Krankheit in ihrer Kindheit – behindert ist, von ihrem Vater und ihren Brüdern vernachlässigt wird und trotzdem versucht, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Doch dann entdeckt sie, dass ihr wissenschaftlich interessierter Vater und ihre Brüder (von denen einer ein sadistisches Arschloch ist) eine Person für Experimente im Keller gefangen halten. Da unsere Heldin Claire nicht nur weichherzig, sondern auch mutig ist, führt das zu einer überraschend süßen Liebesgeschichte mit einem Vampir – ohne dass der Gothic-Anteil, die Kämpfe gegen die Bösewichte und all die anderen unterhaltsamen Elemente zu kurz kommen. Ich habe mich wirklich sehr gut mit der Geschichte unterhalten gefühlt, ich mochte die Charaktere und ich habe nun definitiv Lust, mehr von Claire Trella Hill zu lesen. (Was bedeutet, dass ich inzwischen nicht nur eine Kurzgeschichte rund um zwei Nebenfiguren, die ich in „Black and Deep Desires“ schon mochte, gelesen habe, sondern auch die Fortsetzung „Every Longing Heart“ vorbestellt hatte. Die hebe ich mir dann aber für Dezember auf, um das Weihnachtsthema richtig zu genießen. *g*)
Becky Chambers: A Closed and Common Orbit (Wayfarers 2)
Nachdem ich „The Long Way to a Small, Angry Planet“ gelesen hatte, war ich ein bisschen enttäuscht, als ich feststellte, dass mir „A Closed and Common Orbit“ nicht mehr über die Crew der Wayfarer erzählen würde. Deshalb bin ich froh, dass ich das Buch erst einmal zur Seite gelegt und abgewartet habe, bis ich grundsätzlich in der richtigen Stimmung für diesen Roman war. Das war am dritten Herbstlesen-Sonntag im Oktober der Fall, und gerade mal drei Tage später hatte ich die Geschichte beendet. Es gibt in dem Roman zwei Handlungsstränge. Der eine begleitet Sidras aktuelle Erlebnisse, der andere erzählt die Geschichte von Jane 23, die mit zehn Jahren aus einer Fabrik flüchtete, in der sie arbeitete, um von da an auf einem riesigen Schrottplatz zu leben. Faszinierenderweise fand ich beide Handlungsstränge gleich fesselnd, obwohl ich bei Jane 23 schon wusste, dass sie irgendwann dem Schrottplatz entkommen wird. Aber ich wusste nicht genau, wie es dazu kommen würde und welche Herausforderungen Jane 23 in der Zwischenzeit bewältigen musste … Ich will eigentlich gar nicht mehr zu dem Roman schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass es besser ist, ohne großes Vorwissen in die Geschichte zu gehen. Aber Becky Chambers‘ Erzählweise hat mich wieder gut unterhalten, und ich finde es großartig, wie sie mich beim Lesen dazu gebracht hat, darüber nachzudenken, was eine Person ausmacht, und mitzufühlen, was Sidra und Jane 23 jeweils durchmachen. Schön, dass ich noch drei weitere Titel der Autorin auf meinem SuB habe.
Jane Glatt: Lost and Found (Wrap-It-Up Magic 1)
„Lost and Found“ von Jane Glatt war mir als ungewöhnlicher Cozy-Mystery empfohlen worden, und da ich mir nach dem Klappentext so gar nicht vorstellen konnte, worum es genau in dem Roman geht, habe ich (mal wieder) zur Leseprobe gegriffen, was dann zum Kauf führte. Die Geschichte dreht sich um die 62jährige Barbara, die vor einigen Monaten feststellen musste, dass ihr Mann ein Betrüger im ganz großen Stil ist. Während er vor Beginn der Ermittlungen flüchten konnte, wurde Barbara verdächtigt, seine Komplizin zu sein. Auch wenn sie nicht verurteilt wurde, hat sie den Großteil ihres Besitzes, ihr Haus und die Beziehung zu ihren beiden Söhnen verloren. Die einzige Person, die noch an Barbaras Seite steht, ist ihre Freundin Kat, bei der sie zu Beginn des Romans auch einzieht. Kurz darauf stellt Barbara fest, dass sie unter ganz bestimmten (magischen) Umständen verlorene Dinge/Personen/Tiere finden kann – was ein wirklich seltsames, aber unterhaltsames Element in einem ansonsten durchgehend realistischen Roman ist. Ich mochte Barbara, die wild entschlossen ist, diesen Schicksalsschlag als Chance zu sehen, sehr gern, ebenso wie ihre Freundin Kat und deren Tochter, die beide Barbara unterstützen. Ich fand die Art und Weise, in der Barbara ihr übernatürliches Talent entdeckt, unterhaltsam, und es war erfrischend ungewöhnlich, dass sich die Handlung weniger um ein aktuelles Verbrechen und große Dramen dreht als darum, dass Barbara mehr über ihr Talent herausfindet – und dann versucht, diese Gabe dazu zu nutzen ihren Mann der Justiz zu übergeben. Das war auf genau die richtige Weise eine wirklich „nette“ Geschichte.
