„The Honjin Murders“ ist ein Kriminalroman des japanischen Autors Seishi Yokomizo, der im Original im Jahr 1973 veröffentlicht wurde. Erzählt wird die Handlung von einem (namenlosen) Schrifsteller, der viele Jahre später die rätselhaften Ereignisse, die im November 1937 stattfanden, für die Leser festhält. Diese Erzählweise sorgt für eine relativ sachliche, chronologische Darstellung der verschiedenen Vorkommnisse vor dem Mord, der anschließenden Ermittlungen und der Auflösung des Falls durch den Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. So bekommen die verschiedenen Charaktere zwar nicht gerade viel Tiefe, aber es ermöglicht ein faszinierendes Mitermitteln beim Lesen. Seishi Yokomizo erwähnt in dem Roman immer wieder klassische US-amerikanische und britische Kriminalroman-Autor*innen, die vom Anfang bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts den Markt beherrschten und die für ihre unterschiedlichen „locked-room“-Mysteries berühmt waren. Deren Romane werden von seinem Erzähler zum Vergleich für den vorliegenden Fall herangezogen.
Schauplatz des Verbrechens ist das Anwesen der wohlhabenden Familie Ichiyanagi, deren ältester Sohn Kenzo am 25. November 1937 die deutlich jüngere Katsuko heiratet. In der Hochzeitsnacht werden die Familienmitglieder des Brautpaars (ebenso wie die Bediensteten) durch schreckliche Schreie und den Klang einer Koto aus dem Schlaf gerissen. Wenig später werden Kenzo und Katsuko tot aufgefunden – ihre Körper weisen Wunden auf, die von einem Katana verursacht wurden. Der Mord selbst fand in einem von innen fest verschlossenem Nebengebäude des ziemlich großen Anwesens der Ichiyanagi statt.
Zu Beginn der Geschichte scheint es fast zu viele verschiedene Details rund um den Verlauf der Tat zu geben. Aber nachdem ich mich einfach darauf eingelassen hatte und gemeinsam mit den Polizisten (und etwas später mit Kosuke Kindaichi) die verschiedenen Informationen betrachten konnte, gab es so einige interessante Hinweise. Insgesamt hat das dafür gesorgt, dass ich als Leserin ständig das – sehr befriedigende – Gefühl hatte, ich wäre bei der Auflösung immer einen kleinen Schritt weiter als die Polizei. Es macht sich schon deutlich bemerkbar, dass „The Honjin Murders“ kein aktueller Kriminalroman ist, und ich vermute, dass jemand, der keine Freude an dieser Art von (inzwischen) altmodischen Krimis hat, auch mit diesem Titel nichts anfangen kann.
Ich persönlich brauche jedoch keine detailiert ausgearbeiteten Charaktere, wenn ich so wie hier beim Lesen ein kniffliges Rätsel vorgelegt bekomme, obwohl ich zugeben muss, dass einige Elemente – eben weil sie immer wieder in dieser Art von „locked-room“-Geschichten vorkommen – für mich wenig überraschend waren. Aber ich fand es faszinierend herauszufinden, wo ihr Platz in dieser Handlung war. Was für mich diesen Roman von vergleichbaren Titeln seiner Zeit definitiv unterscheidet, ist die Tatsache, dass die Geschichte in Japan spielt und von einem japanischen Autor geschrieben wurde. Seishi Yokomizo hat die Zeit selbst erlebt, die er in seinen Romanen beschreibt, und es gab für mich beim Lesen immer wieder kleine Details rund um das Leben in Japan in den 1930er Jahren zu entdecken. Mich unterhielt diese Mischung aus solider „locked-room“-Mystery-Handlung und kleinen Einblicken in das Leben in Japan wirklich sehr, und ich bin froh, dass schon fünf weitere Kosuke-Kindaichi-Romane ins Englische übersetzt wurden. Wer hingegen lieber die deutsche Übersetzung lesen würde, findet immerhin schon drei veröffentlichte Titel, und ein vierter Band ist für das Frühjahr 2025 angekündigt.

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