Hilary McKay: The Time of Green Magic

Hilary McKay gehört zu den Autor*innen, über die ich immer wieder stolpere und von denen ich auch den einen oder anderen Titel interessant finde, die dann aber aus irgendeinem Grund auf der Merkliste versauern. Zumindest war das so, bis ich über „The Time of Green Magic“ gestolpert bin, das ich dann auch – nach gerade mal drei Jahren auf dem SuB – in diesem Sommer gelesen habe. (Nur gut, dass ich inzwischen versuche, meine Neuzugänge zeitnäher zu lesen. Wenn es jetzt noch mit dem zeitnahen Rezensieren klappen würde …) „The Time of Green Magic“ ist eigentlich die perfekte Geschichte für den Spätherbst, falls ihr dafür noch ein Kinderbuch mit einem Hauch von Magie suchen solltet. Die Handlung wird aus der Perspektive der elfjährigen Abi erzählt, deren Leben in den vergangenen Monaten ziemlich auf den Kopf gestellt wurde, nachdem ihr verwitweter Vater Theo sich verliebt und erneut geheiratet hat.

Abis geliebte Granny Grace nahm diese Heirat zum Anlass, um nach all den Jahren, die sie sich in London um ihre Enkelin gekümmert hat, nach Jamaika zu reisen, während Abi und ihr Vater nach der Hochzeit mit seiner neuen Frau Polly und ihren beiden Söhnen Max (13 Jahre) und Louis (6 Jahre) in ein gemeinsames Haus ziehen und sich alle erst einmal an die veränderten Umstände gewöhnen müssen. Schnell stellen Abi und Louis fest, dass etwas an dem kleinen efeu-überwachsenen Haus ungewöhnlich ist: Abi hat zwar schon immer in Büchern eine Zuflucht vor der realen Welt gefunden, aber noch nie zuvor haben sich die Ereignisse in den Geschichten so real angefühlt. Für Louis hingegen bietet der Einzug in das neuen Haus die Gelegenheit, sich mit einem ganz besonderen vierbeinigen Besucher anzufreunden. Doch als dieser Freund immer größer wird, müssen sich Abi und Max zusammentun, um Louis vor seinem mysteriöse Besucher zu beschützen.

Hilary McKay nimmt sich in „The Time of Green Magic“ viel Zeit, um die verschiedenen Figuren und ihre Reaktion auf die neuen Familienverhältnisse zu beschreiben. Während Theo und Polly mit viel Optimismus an die Sache herangehen und dabei schon mal übersehen, welche Herausforderungen das Leben in einer Patchwork-Familie für die Kinder mit sich bringt, müssen die Kinder sich erst einmal gut genug kennenlernen, um herauszufinden, wie sie überhaupt in diese neue Familie passen. Dabei ziehen sich die ganze Zeit über kleine Elemente durch die Handlung, bei denen lange Zeit nicht ganz sicher ist, ob sie auf die Fantasie der Kinder oder auf einen Hauch von Magie zurückzuführen sind. Ich persönlich mochte diese Mischung aus fantastischen und realen Momenten, mit denen sich Abi, Louis und (später auch) Max auseinander setzen müssen.

Dabei muss ich zugeben, dass sich „The Time of Green Magic“ beim Lesen überraschend vertraut angefühlt hat und mich immer wieder an (britische) Kinderbuchklassiker erinnert hat, die ich als Kind gelesen habe. Obwohl die Handlung in der aktuelle Zeit spielt, fühlt sich die Geschichte mit ihrem Schwerpunkt auf dem Verhältnis der Kinder zueinander und dem Mangel an Erklärungen rund um die fantastischen Ereignisse überraschend altmodisch an und erinnerte mich immer wieder an Geschichten von Edith Nesbit. Ich fand das anfangs ziemlich überraschend, habe es aber genossen, über so eine ungewöhnliche Mischung aus „traditionellen fantastischen Kinderbuch-Elementen“ und modernen, chaotischen Familienverhältnissen inklusive all der Herausforderungen, die das für Abi, Louis und Max mit sich bringt, zu stolpern.

So dreht sich die Handlung eben nicht nur um die ungewöhnlichen Ereignisse in dem neuen Haus, sondern auch darum, dass Abi ihre Großmutter vermisst und es ihr schwerfällt, ihren Vater mit den neuen Familienmitgliedern zu teilen. Auch für Louis, der anfangs derjenige zu sein scheint, der am besten mit der neuen Situation klarkommt, gibt es so einige Herausforderungen, während Max nicht nur damit kämpft, dass er nun Teil einer Patchwork-Familie ist, sondern auch mit dem ersten Verliebtsein und einem ernsthaften Streit mit seinem besten Freund. Das alles führt dazu, dass in Hillary McKays „The Time of Green Magic“ gar nicht so viel Großes und Dramatisches passiert, aber all die kleinen Wendungen dafür sorgten, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte und immer wieder noch ein paar Seiten gelesen habe, um herauszufinden, wie eine Situation für die Figuren ausgeht.

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