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Was schön war (3): Eine Urlaubswoche mit japanischem Filmfestival

Ich hatte ja schon erzählt, dass mein Mann die letzte Mai-/erste Juniwoche Urlaub hat und wir diese Zeit nutzen werden, um möglichst viele Filme bei der Nippon Connection zu sehen. Angefangen hat das Filmfest für uns am Dienstagabend mit dem Eröffnungsfilm „Mori – The Artist’s Habitat“. Ich muss gestehen, dass ich schon das Schlimmste befürchtete, weil sich im vergangenen Jahr die Eröffnungsreden direkt vor dem Film nicht nur endlos hingezogen haben, sondern sich auch extrem wiederholten, da wirklich jeder Redner jeden anwesenden Ehrengast begrüßen, jedem Helfer danken und jede Fördersumme inklusive Quelle aufführen musste. In diesem Jahr war es nicht ganz so schlimm, trotzdem hätte man gut ein Trinkspiel aus den sich wiederholenden Elementen der verschiedenen Reden machen können. 😉 Auch war es ein bisschen schade, dass die wirklich hervorragende Dolmetscherin, die die Redebeiträge der verschiedenen Sprecher im fließenden Wechsel zwischen Japanisch und Deutsch übersetzte, nach dem Film nicht mehr für die Q&A-Runde mit dem Regisseur zur Verfügung stand. Ihre Kollegin war jetzt nicht wirklich schlecht, aber eben nicht genauso gut – so dass man regelmäßig das Gefühl hatte, man würde Details der Antworten verpassen. (Allerdings finde ich es lustig, dass ich inzwischen genügend japanische Wörter erkenne, um festzustellen, dass mir beim Übersetzen etwas vorenthalten wurde.)

Der Film selbst war einfach nur wunderbar! „Mori – The Artist’s Habitat“ dreht sich um einen (fiktiven) Tag im Leben des zu dieser Zeit 94jährigen Malers Morikazu Kumagai (1880 – 1977). Der Maler war nicht nur für seine Kunstwerke berühmt, sondern auch für die Tatsache, dass er die letzten dreißig Jahre seines Lebens nicht mehr sein Grundstück verlassen hat. Seine Zeit verbrachte er wohl vor allem damit, in seinem kleinen Garten die Natur (in erster Linie Insekten und Amphibien, aber auch Vögel und Katzen) zu beobachten – was natürlich auch großen Einfluss auf seine Kunst hatte. Im Film selbst bekommt man von Morikazu Kumagai eigentlicher Kunst relativ wenig mit, wenn man von den regelmäßigen Besuchern absieht, die von dem Maler etwas wollen. Stattdessen wechselt der Film von wunderschönen Naturaufnahmen und sehr ruhigen Momenten, in denen der Maler (gespielt von Tsutomu Yamazaki) sich in seinem Garten aufhält, zu amüsanten – stellenweise schon fast slapstickartigen – Szenen, in denen es um die Familie, die vielen Besucher und das Unverständnis gegenüber der sehr reduzierten Kunst von Morikazu Kumagai geht. Von dem Regisseur (und Drehbuchautor) Shuichi Okita haben wir schon die DVD von „The Woodsman and the Rain“ in unserem Besitz und ich hoffe sehr, dass auch dieser Film demnächst auf DVD zu kaufen sein wird, denn ich bin mir sicher, dass wir auch daran langfristig Freude haben werden.

Der zweite Film, „Destiny – The Tale of Kamakura“, ist eine Manga-Realverfilmung und erzählt eine wirklich wunderschöne und witzige Geschichte voller fantastischer Elemente. Die Handlung dreht sich um den Schriftsteller Masakazu und seine junge Frau Akiko. Direkt nach der Hochzeit zieht Akiko zu Masakazu in den kleinen Ort Kamakura. Die Alterspanne zwischen den beiden ist recht groß, aber es wird von Anfang an deutlich, wie sehr die beiden einander zugetan sind. Erst nach ihrem Umzug findet Akiko heraus, dass Kamakura voller magischer Energie ist – was bedeutet, dass sich allerlei übernatürliche Kreaturen von diesem Ort angezogen fühlen. Während dieses Zusammenleben mit Naturgeistern, Göttern und ähnlichen Wesen für Masakazu eine relativ alltägliche Sache ist, ist Akiko anfangs eher erschrocken über die ungewöhnlichen Nachbarn.

Der Regisseur Takashi Yamazaki gilt als einer der führenden Special-Effects-Experten in Japan, und so ist es kein Wunder, dass dieser Film voller seltsamer Kreaturen und magischer Orte war. Aber für mich waren es vor allem die wunderbaren Charaktere und die vielen kleinen, amüsanten oder berührenden Momente, die den Film zu einem solchen Genuss gemacht haben. Der Großteil der Geschichte spielt in Kamakura und so gibt es viele kleine Szenen, in denen Akiko auf übernatürliche Wesen trifft, wodurch sich ihre anfängliche Angst über Neugier in begeisterte Faszination für all diese magischen Aspekte des Lebens in Kamakura wandelt. Obwohl sich viele dieser magischen Elemente rund um den Tod drehen, ist „Destiny“ kein trauriger Film. So ist es zum Beispiel sehr lustig, als Akiko am Anfang eine Nachbarin von Masakazu kennenlernt und er ihr (mehr oder weniger) behutsam beibringen muss, dass die Dame schon vor einem Jahr verstorben ist. Dieser wunderbare Humor, die ganzen fantastischen Elemente und die wirklich hervorragend ausgewählten Schauspieler haben den Film für mich zu einem Wohlfühlfilm gemacht, der mir – trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden – viel Spaß gemacht hat. Das Ende hätte man zwar etwas raffen und mit ein paar weniger Wiederholungen bei den Effekten erzählen können, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt, der mir dazu einfällt, – was erschreckenderweise bedeutet, dass es einen weiteren Film gibt, bei dem ich auf eine DVD-Veröffentlichung hoffen muss.

Beim dritten Film, den ich in dieser Woche gesehen habe, besteht immerhin nicht die Gefahr, dass ich ihn auch für unsere private Sammlung haben will. „Oh Lucy!“ hatte ich – obwohl die Hauptdarstellerin Shinobu Terajima in diesem Jahr mit dem Nippon Honor Award des Filmfests ausgezeichnet wird – eigentlich nicht auf meinem Plan, aber unsere ehemalige Nachbarin schlug den Film für einen gemeinsamen Kinobesuch vor. Laut Ankündigung sollte „Oh Lucy!“ eine mit „einem außerordentlichen Gespür für komisches Timing“ erzählte Geschichte mit „bezauberndem Gefühlswirrwarr“ sein. Aber ich fand den Film rund um eine einsame und unglückliche Frau, die sich innerhalb kürzester Zeit in ihren amerikanischen Englischlehrer John verliebt, am Ende eher deprimierend.

Weder die Hauptfigur Setsuko (von besagtem Amerikaner für den Unterricht kurzerhand in „Lucy“ umgetauft), noch ihre Nichte (die mit dem Amerikaner liiert ist und mit ihm in die USA verschwindet) oder Setsukos Schwester scheinen am Ende eine Aussicht auf ein einigermaßen gutes Leben zu haben. Alle sind voneinander enttäuscht, zutiefst verletzt und fast noch einsamer als zuvor – selbst wenn Setsuko am Ende einem Menschen begegnet, der ihre Einsamkeit zu verstehen scheint. Da hilft es mir als Zuschauer auch nicht, dass die Besetzung von Shinobu Terajima bis Josh Hartnett (der den John spielt) wirklich gut ausgewählt war und sehr, sehr gute Leistung zeigte oder dass es anfangs wirklich einige amüsante Szenen gab (bei denen allerdings auch oft genug eine deutliche Spur von Fremdscham mitschwang).
(Nachtrag: Sonntag wurde der Film dann – für mich nicht ganz nachvollziehbar, weil ich die anderen Filme deutlich besser fand – noch mit dem Publikumspreis Nippon Cinema Award ausgezeichnet. Aber Geschmäcker sind nun mal sehr unterschiedlich. *g*)

Film Nummer vier war für uns die Dokumentation „Ramen Heads“, die sich vor allem um die Arbeit von Osamu Tomita, eines der besten Ramen-Köche Japans, dreht, aber auch die Schwerpunkte anderer berühmter japanischer Ramen-Köche aufgreift und mehr über die verschiedenen Varianten von Ramen und die unterschiedlichen Herangehensweisen beim Kochen erzählt. Ich muss gestehen, dass ich durch die verschiedenen Filme, Manga und Romane Ramen mit „Wohlfühlessen“ assoziiere, obwohl ich selbst nie japanische Ramen – egal welcher Variante – essen könnte, weil dieses Gericht definitv nicht für Vegetarier geeignet ist. So gab es auch relativ zu Beginn des Films eine Szene, in der man das Geheimnis der berühmten Brühe von Osamu Tomita erfuhr, für die 27 Stunden lang sehr viele unterschiedliche Fleischsorten (inklusive einem vollständigen Schweinekopf, Schweine- und Hühnerfüßen) mit Gemüse gekocht werden, um später mit verschiedenen Sorten Trockenfisch weitergekocht zu werden. Von diesen für mich wenigen appetitlichen Szenen abgesehen war die Dokumentation wirklich spannend, weil es ja nicht nur verschiedene „Grundsorten“ von Ramen (abhängig von der Basis für die Brühe) gibt, sondern auch innerhalb dieser Ramen-Arten verschiedene Herangehensweisen und Philosophien bei den unterschiedlichen Köchen.

Es war nicht nur spannend, mehr über die verschiedenen Köche zu erfahren, sondern auch über die Entstehung von Ramen an sich (vor allem die Erfolgsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg) und die Gedanken, die sich die (moderneren) Köche über ihre Zutaten, den individuellen Touch ihres Restaurants und den Service gemacht haben. Ebenso fand ich es interessant, einen kleinen Einblick darin zu bekommen, wie es wohl für einen Auszubildenden in einem so berühmten Restaurant ist, oder wie das berühmte Schlangestehen von Osamu Tomita für sein Lokal (das gerade mal zehn Sitzplätze hat und bei mir für Beklemmungen sorgen würde) perfektioniert wurde. Da Osamu Tomita vier Jahre in Folge den Preis für den besten Ramen-Kochs Japans gewonnen hat, war diese Perfektionierung auch notwendig – wenn man nicht morgens um 6:30 Uhr seinen Sitzplatz reserviert, wird es schwierig mit dem Essen für diesen Tag. Am Ende des Films habe ich mir fast gewünscht, ich hätte nicht solche Probleme mit Fisch und Fleisch (und Soja) und könnte mir auch mal eine schöne Schale mit Ramen gönnen. 🙂
(Nachtrag: Der Film hat dann auch am Sonntag den Nippon Visions Audience Award gewonnen – beim Thema Essen waren sich die Zuschauer anscheinend schnell einig, dass sie das gut fanden. 😉 )

Am Sonntag haben wir dann noch „Recall“ gesehen, in dem sich die Handlung rund um eine kleine Transportfirma dreht, die in eines Tages in einen Unfall verwickelt wird. Anfangs wirkt es noch so, als ob die Mechaniker der kleinen Firma Akamatsu Schuld daran wären, dass sich ein Reifen von einem fahrenden LKW löste und eine Frau – vor den Augen ihres kleinen Sohnes – erschlug. Aber dann können die Mechaniker nachweisen, dass sie wesentlich gründlicher gearbeitet haben, als es der Gesetzgeber überhaupt von ihnen verlangt hat. Um herauszufinden, was diesen Unfall verursachen hat, und natürlich auch, um seine Transportfirma und somit die Arbeitsplätze seiner 80 Angestellten zu retten, wendet sich der Chef an die Herstellerfirma des LKWs – und obwohl er langjähriger treuer Kunde ist, bekommt er keinerlei Hilfe oder Antworten.

Es ist für den Zuschauer natürlich schnell klar, dass die Herstellerfirma Hope Motors was zu verbergen hat, aber die Frage, ob und wie Akamatsu herausfindet, was die Firma vertuschen will, und ob es ihm gelingt, gegen den mächtigen Konzern (und dessen diverse „Verbündete“) vorzugehen, sorgt für einen sehr fesselnden Film. Die Handlung wird in vielen kurzen und eindringlichen Szenen erzählt und beleuchtet die Motivation der verschiedensten Beteiligten. Dabei war es für mich sehr spannend, dass ich einige Elemente sehr „japanisch“ fand, wie die Ergebenheit gegenüber der Firma, das „Zusammenspiel“ zwischen den diversen Beteiligten oder die Bemühungen, sein Gesicht zu wahren. Auf der anderen Seite kann ich mir vorstellen, dass die Reaktionen bei dem meisten Großkonzernen (auch außerhalb Japans) vergleichbar wären (gerade wenn ich an den einen oder anderen aktuelleren Skandal in der Autodindustrie denke). Ein sehr guter Film mit fantastischen Schauspielern und einer spannenden – wenn auch vielleicht wenig überraschenden – Handlung.

Für sechs Tage Filmfestival scheinen fünf Kinofilme nicht so viel zu sein, aber auf der einen Seite hat uns die Hitze (und der daraus resultierende Schlafmangel) wirklich fertiggemacht und auf der anderen Seite haben wir uns in dieser Urlaubswoche auch relativ viel Restaurantessen gegönnt und die eine oder andere Erledigung auf die Reihe bekommen, so dass wir für unsere Verhältnisse verflixt viel unterwegs waren. Außerdem bedeutet Großstadt nicht unbedingt, dass der Nahverkehr auch optimal läuft, und so konnte es schon mal passieren, dass wir für einen 1 1/2stündigen Film mit An- und Heimfahrt insgesamt fünf Stunden unterwegs waren. Das sorgte bei Christie in den letzten Tagen auch für unangenehm viel Alleinsein und so brauchte sie nach unserer Heimkehr abends immer extra viel Betreuung und Aufmerksamkeit. Da heute der letzte Urlaubstag meines Mannes ist, beginnt für uns morgen wieder der Alltag. Und für das kommende Jahr ist die Urlaubswoche zur Nippon Connection schon wieder fest eingeplant … 🙂

Vicki Grant: 36 Fragen an dich

Ich weiß nicht mehr, wo ich über „36 Fragen an dich“ von Vicki Grant gestolpert bin. Ich weiß aber noch, dass ich das Buch nach dem Lesen einer Rezension spontan in der Bibliothek vorgemerkt hatte, in der Hoffnung, dass mir da eine „nette“ Geschichte erzählt wird. Die Grundidee basiert auf einem Experiment mit dem Titel „The Experimental Generation of Interpersonal Closeness: A Procedure and Some Preliminary Findings“, das von Arthur Aron entwickelt wurde und davon ausgeht, dass es möglich ist, dass sich zwei Menschen sehr nahe zu kommen (bzw. sich verlieben), wenn diese zwei Menschen einander 36 vorgegebene Fragen so ehrlich wie möglich gegenseitig beantworten. Wer mehr dazu wissen will, kann gern einmal online nach dem Experiment suchen, da findet man in diversen Artikeln auch alle Fragen und Details zum Experimentaufbau aufgeführt.

In „36 Fragen an dich“ erzählt Vicki Grant nun die Geschichte zweier fiktiver Experimentteilnehmer, die von ihrer Art und Herkunft unterschiedlicher nicht sein könnten. Hildy (eigentlicht Hilda, aber den Namen mag sie nicht) kommt aus einem Akademikerhaushalt, hat lauter musische Extrafächer belegt, wirft mit Fremdwörtern um sich und versucht, sich jederzeit korrekt zu verhalten. Paul hingegen hat die Schule vorzeitig abgebrochen, wirkt geldgierig (die Geldprämie ist der einzige Grund, warum er an der Studie teilnimmt) und abweisend und macht sich regelmäßig über Hildys Gedanken und Gefühle lustig. Aber natürlich hat jeder der beiden Probleme und deutlich mehr Tiefgang, als man auf den ersten Blick annehmen soll, und je besser sie sich kennenlernen, desto mehr mögen sie sich.

Ich hatte gar keine so großen Erwartungen an die Geschichte gesetzt, wollte nur eine nette und unterhaltsame Lektüre für einen viel zu heißen Nachmittag und dann habe ich mich beim Lesen ständig geärgert. Vicki Grant nimmt zwei klischeeüberfrachtete Achtzehnjährige, garniert Hildys Leben mit einem besten schwulen Freund und einer Freundin, deren einzige Charakterisierung darin besteht, dass sie 1. bei einem Cafébesuch nur ein halbes Croissant isst und 2. in einen Straßenmusiker verknallt ist, und mischt das Ganze noch mit zwei von Anfang an vorhersehbaren Dramen im Leben der Protagonisten. Für mich war die Geschichte zu absehbar, zu sehr künstlich gestreckt durch die 36 Fragen (das gegenseitige Kennenlernen habe ich in anderen Romanen schon deutlich glaubwürdiger und unterhaltsamer gelesen) und die Hälfte der Zeit hätte ich Hildy gern aus den unterschiedlichsten Gründen heraus geschüttelt.

Einer der Gründe ist, dass sie ständig Paul berichtigt, seine Rechtschreibung verbessert und darauf besteht, dass er nicht flucht, dass sie aber – trotz all ihrer „politisch korrekten“ Verhaltensweise – seine abweisende und verschlossene Art als „maskulin“ bezeichnet, während er auf einmal – laut ihrer Wortwahl – seine „feminine Seite“ zeigt, wenn er über Gefühle redet. Eine junge Frau, die sich mit allen möglichen Themen auseinandersetzt, die sich angeblich für diverse gute Zwecke einsetzt und die einen „schwulen besten Freund“ hat, sollte meiner Meinung nach schon mal darüber nachgedacht haben, dass dieses Schubladendenken von den „emotionalen Frauen“ und den „zurückhaltenden, introvertierten“ Männern gefährlicher und schädlicher ist als ein spontanes Schimpfwort. Aber Hildy wiederholt trotz ihres Beteuerns, wie wichtig ihr die Rolle der Frau und Feminismus sei, regelmäßig ihre ungute Wortwahl, und sie findet Pauls „maskuline Art“ total cool, obwohl sie doch sonst angeblich so ein aufmerksamer und nachdenklicher Mensch ist.

Paul selbst ist als Figur ganz in Ordnung (was auch daran liegt, dass man von ihm nur seine Dialoge mit Hildy mitbekommt) und ich mochte die kleinen Zeichnungen, die immer wieder im Buch zu finden waren, weil Paul bei Gesprächen nebenbei „kritzelt“, um seine Stimmung und seine Gedanken auszudrücken. Auch die letzten Kapitel waren eigentlich nett zu lesen inklusive des großen Missverständnisses und der daraus folgenden Bemühungen Hildys, alles wieder gutzumachen. Aber ich muss zugeben, dass ich an diesem Punkt schon so grummelig wegen der klischeeüberfrachteten Handlung und der Vorhersehbarkeit all der „überraschenden“ Wendungen und Enthüllungen war, dass ich mich darauf gar nicht mehr einlassen konnte. Mir ist bewusst, dass ich bei einem Jugendbuch nicht zur eigentlichen Zielgruppe gehöre, aber das ändert nichts daran, dass ich mir bei einer solchen Geschichte eine sympathische Erzählstimme, amüsante Dialoge oder zumindest die eine oder andere überraschende Wendung wünsche.

Juni-SuB 2018

Spätestens Mitte Mai wurde es bei mir schon wieder Zeit für mein übliches Sommerjammern. Es war zu heiß, ich habe nicht gut geschlafen, war dauermüde und hatte zusätzlich noch den Kopf voll mit allerlei Kram. Oh, und ich verbringen gerade eine tolle Urlaubswoche mit meinem Mann und den (bislang geschauten) japanischen Filmen und freue mich auf die kommenden Tage und Filme – lustigerweise schließt das eine das andere nicht aus. 😉 All das hat dazu geführt, dass ich im Mai überraschend viele Manga gelesen habe, was sich zwar nicht auf meinem SuB niederschlägt, aber definitiv auf meine Wunschliste. In den nächsten Tagen muss ich dringend mal wieder eine Mangabestellung aufgeben. *g*

Für den Juni habe ich (von den Filmvorstellungen an diesem Samstag und Sonntag abgesehen) bislang keine Pläne. Ich werde weiter mit meinen Altbeständen „spielen“ und schauen, wie ich all die Bücher in die Regale gepackt bekommen, ohne dass diese zusammenbrechen, und weiterhin ganze Buchstapel vor dem Bett stehen haben, um mich zu entscheiden, ob ich diese Titel nun aussortiere oder doch weiter behalte. Bis August (wenn wir Besuch bekommen) will ich das Chaos aber endlich bewältigt haben …

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  3. Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)
  4. Janine Beacham: Rose Raventhorpe Investigations 1 – Black Cats and Butlers
  5. Elizabeth Bear: Karen Memory
  6. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  7. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  8. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  9. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  11. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  12. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  13. Jim Butcher u.a.: Urban Enemies (Anthologie)
  14. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  15. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  16. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  17. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  18. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  19. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  20. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  21. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  22. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  23. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  24. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  25. Rachel Hartman: Seraphina
  26. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  27. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  28. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  29. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  30. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  31. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  32. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  33. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  34. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  35. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  36. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  37. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  38. Jennifer Mathieu: Moxie – Moxie Girls Fight Back
  39. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  40. Kate Milford: The Boneshaker
  41. Bishop O’Connell: The Stolen
  42. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  43. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  44. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  45. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  46. Cindy Pon: Serpentine
  47. Cherie Priest: I am Princess X
  48. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  49. Philip Reeve: Larklight
  50. John Scalzi: Fuzzy Nation
  51. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  52. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  53. Robin Stevens: Arsenic for Tea (Murder Most Unladylike 2)
  54. Robin Stevens: First Class Murder (Murder Most Unladylike 3)
  55. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  56. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  57. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  58. Charles den Tex: Die Zelle
  59. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  60. Sarah Tolcser: Song of the Current
  61. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  62. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  63. Xinran: Gerettete Wort
  64. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

61 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

So wenig Beiträge …

… schreibe ich sonst nur, wenn ich mich für einen Teil des Monats „offiziell“ abmelde, weil wir Besuch erwarten oder etwas Gravierendes passiert ist. Beides ist in diesem Mai nicht der Fall, aber ich fürchte, sehr viel mehr Beiträge werden es in diesem Monat trotzdem nicht mehr werden.

Auf der einen Seite war ich in den vergangenen Wochen mit dem Blogumzug und dem Überarbeiten alter Beiträge (womit ich noch nicht fertig bin) beschäftigt, auf der anderen Seite hat mein Mann in der kommenden Woche Urlaub und wir werden von Dienstag bis Sonntag so intensiv wie möglich das Angebot der Nippon Connection nutzen.

Außerdem lese ich gerade relativ wenig Bücher, die ich auch rezensieren mag, weil ich auf meinem Lesestapel lauter Titel habe, die ich lese, um zu entscheiden, ob ich den Autor oder die Reihe überhaupt weiter in meinem Bestand haben will. Nach neun Jahren feiere ich zwar eine Menge fröhlicher Wiedersehen, aber manchmal stellt sich auch die Frage, wieso ich gerade diese Buchreihe oder diesen Autor/diese Autorin behalten habe. Der eine oder andere ältere Krimi ist es zwar dann trotzdem wert besprochen zu werden, aber viele andere Romane lese ich nur an oder nur mit sehr viel Kopfschütteln zu Ende und dann wandern sie in den öffentlichen Bücherschrank um die Ecke.

Zum Ausgleich gibt es für mich Comics und Manga, aber auch da lohnt sich in der Regel keine Rezension, weil ich entweder zum ersten Band schon alles gesagt hatte oder so weit in der Reihe vorangeschritten bin, dass ich nicht mit Band 83 auf einmal etwas dazu auf dem Blog erzählen mag. 😉

Lese-Sonntag im Mai

Es ist 0:30 Uhr und somit schon Pfingssonntag und da das in diesem Jahr auch der dritte Sonntag im Monat ist, starte ich einfach schon mal in den Lese-Sonntag. 😉 Da ich gerade erst geduscht habe, brauchen meine Haare eh noch eine Stunde Trocknungszeit, bevor ich ins Bett kann – die Stunde kann ich dann auch zum Lesen nutzen. In den letzten Wochen ist bei mir sehr viel Zeit dafür draufgegangen alte Beiträge zu bearbeiten, die nach dem Blogumzug etwas aus der Form geraten waren oder deren Verlinkungen nicht mehr stimmten. Da blieb nicht gerade viel Luft für neue Blogbeiträge oder um den Stapel mit „etwas mehr Aufmerksamkeit erfordernden“ Bibliotheksbüchern in Angriff zu nehmen. Stattdessen habe ich mir die fünf Elemental-Assassin-Romane von meinem SuB geschnappt und mich beim Lesen in der Regel wunderbar entspannt. Vor allem ist es schön, dass ich die Geschichten problemlos an jeder Stelle unterbrechen kann, ohne den Faden zu verlieren. 😉

Bevor ich also ins Bett gehe, werde ich noch die letzten Seiten von „Snared“ lesen, auch wenn das bedeutet, dass ich mich morgen früh auf die Suche nach der nächsten Lektüre machen muss. So unterhaltsam ich die Elemental-Assassin-Bücher finde, so gibt es doch einen Punkt, der mich seit dem ersten Band stört und von dem ich mir so sehr wünschte, die Autorin hätte da ein besseres Händchen bewiesen. Dieser Punkt ist, dass Gin Blanco dafür, dass sie eine so erfolgreiche und erfahrene Assassine ist, einfach viel zu oft unprofessionell, impulsiv, emotional und leider auch regelmäßig zu dumm handelt. Das ändert nichts daran, dass ich die Charaktere in der Reihe eigentlich mag, ebenso wie die von Jennifer Estep entworfene Welt, die vielen Koch- und Essensbeschreibungen und die vielen Morde. Aber ich fände das Lesen eben noch befriedigender, wenn Gin nicht immer wieder die offensichtlichsten Sachen übersehen würde …

Nach dem Aufstehen gibt es dann das erste Update von mir – mal schauen, wie spät das sein wird. 😉

Update 10:00 Uhr

Nachdem wir gestern dann wirklich erst gegen zwei Uhr im Bett waren, bin ich immerhin schnell eingeschlafen (und habe nicht mal von misshandelten Frauen und Mordplänen geträumt 😉 ). Dafür bin ich heute morgen mit einem Ohrwurm aufgewacht, den ich einerseits niedlich finde, auf der anderen Seite jetzt schon gern los wäre. Genau genommen handelt es sich um das Lied der Rettungshilfsvereinigung aus „Bernard und Bianca“ (mein Dank gilt Sarah Burrini, die das Lied vor kurzem bei Twitter verlinkt hatte *seufz*). Immerhin hat mich das schnell aus dem Bett getrieben und so backen nicht nur schon Brötchen im Ofen (ich experimentiere mit einem Rezept mit Quarkteig, der keine Gehzeit braucht vor dem Backen), sondern es steht auch schon ein Milchkaffee vor meiner Nase und wird mir hoffentlich beim Wachwerden helfen. Nebenbei lese ich den gestern Nacht noch angefangenen „Detektiv Conan“-Band (Nr. 80) von Gosho Aoyama – nachdem mein Mann vor Kurzem beim Switchen in einem Detektiv-Conan-Film gelandet war, habe ich richtig Lust darauf gehabt die Reihe weiterzulesen.

Update 12:45 Uhr

Nach zwanzig Minuten Backzeit waren die Brötchen fertig – und nach einem Blick auf den Bräunungsgrad kann ich nun sagen, dass die fehlende Angabe im Rezept der Hinweis auf die Ofeneinstellung war. Beim nächsten Mal also Ober-/Unterhitze und nicht Umluft … Auch hatte die Bloggerin, wo ich das Rezept gefunden hatte, ganz viele Varianten erwähnt, aber nicht gesagt, ob sie dafür den Teig abändert oder einfach nur die variablen Zutaten zufügt – was mich ja immer ganz kirre macht, wenn ich so was lese. Nach dem Probieren der Brötchen kann ich sagen, dass ich das Rezept an sich gut finde. Man bekommt mit sehr wenig Arbeit und ohne Gehzeiten innerhalb von dreißig Minuten frische Brötchen auf den Tisch (muss dafür allerdings Quark und Ei im Haus haben), allerdings würde ich das Rezept beim nächsten Mal noch weiter verändern und mit Salz und Zucker „spielen“, um das unserem Geschmack anzupassen.

Dummerweise entdeckte mein Mann während des Frühstücks, dass gerade „Treffpunkt Flughafen“ im Fernsehen lief und somit bin ich nach dem Essen mit meiner Lektüre ins Schlafzimmer gewandert, um in Ruhe weiterlesen zu können. Ich mag die Detektiv-Conan-Geschichten wirklich, weil sie trotz aller „fantastischen“ Elemente solide in der Regel solide Kriminalfälle bieten, bei denen man gut mitermitteln kann. Obwohl „Detektiv Conan“ mit dem ersten Kapitel eines neuen Mordfalls endete, habe ich danach erst einmal zu „Im Eisland 2 – Gefangen“ von Kristina Gehrmann gegriffen. In den letzten Tagen war mir eigentlich nicht nach einer so deprimierenden Geschichte, aber da der Comic demnächst wieder zurück in die Bibliothek muss und ich gerade grundsätzlich Lust aufs Comiclesen habe, bot er sich an.

Update 18:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich in erster Linie „Küchenkram“ gemacht (Katze gefüttert, Näpfe gereinigt, Teig angesetzt) und natürlich Gloomhaven gespielt. Letzteres war heute wirklich anstrengend, da ich mit einem neuen Charakter gespielt habe. Der „Mindthief“ ist relativ schwach, hat dafür aber die Möglichkeit andere Mitspieler oder Gegner zu beeinflussen oder „andauernde Statusveränderungen“ zu bewirken.

Das erfordert nicht nur ein ordentliches Umdenken von meiner Seite, sondern hätte auch einiges an Glück benötigt, damit der Anfang nicht so frustrierend gewesen wäre. Aber immer, wenn ich gerade alles so hingedreht hatte, dass z.B. jeder meiner Nahkampfangriffe den Gegner zusätzlich vergiften und verwirren würde, hatte ich in den folgenden Runden keine Chance mehr überhaupt einen Nahkampfangriff zu machen. Überhaupt ist er mit diesen Statusveränderungen im Nahkampf erstaunlich erfolgreich, kommt aber aufgrund mangelnder Schrittzahl kaum in den Nahkampf – und wenn er nah genug am Gegner ist, muss ich aufpassen, dass er nicht sofort getötet wird, denn seine Lebenspunkte sind auch nicht gerade hoch. Ich hoffe, er spielt sich im Laufe der Zeit besser, sonst würde ich es wirklich bereuen, dass ich meinen Spellweaver für den Mindthief in Rente geschickt habe.

Immerhin haben wir am Ende (in der letzten Runde haben wir erstaunlich oft Glück, weil wir dann wirklich alles auf die letzte Karte setzen, was wir uns früher nicht trauen, weil die guten Karten dann zu schnell für den Rest des Spiels verloren wären) zwei neue Gebiete (Nr. 24 und 25 😀 ) freigeschaltet. Wir müssen aber noch mal nachschauen, ob wir eine bestimmte Eigenschaft des Mindthiefs richtig interpretiert haben. Zum Glück gibt es im Brettspielforum diverse Diskussionen mit Beteiligung des Spieleentwicklers, so dass solche Fragen relativ einfach zu klären sind.

Jetzt wandere ich erst einmal wieder in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten, und während die Quiche im Ofen ist, schaue ich nach den anderen Blogs. 🙂

Update 20:30 Uhr

Inzwischen habe ich meine Blog- und Kommentarrunde nachgeholt (irgendwie bin ich heute wohl doch etwas zu übermüdet, um das „richtig“ auf die Reihe zu bekommen *g*) und die Quiche ist auch fertig. Dank eines Rechenfehlers auf meiner Seite (das nächste Mal merke ich mir hoffentlich, dass ein halbes Pizzateigrezept vollkommen reicht) und dank des von meinem Mann gekauften und wirklich monströs großen Blumenkohls, ist die Quiche etwas ausladender geworden als geplant. Aber da das eh ein „zwei bis drei Tage“-Essen ist, werden wir damit wohl fertig. 😉

Während des Essens lief schon „Team Ninja Warrior“ und dabei werden wir bleiben, während wir nebenbei mit dem DS spielen (und in meinem Fall später weiter Comic lesen). Es gibt auf jeden Fall noch ein Update von mir und eine Kommentarrunde werde ich vor dem Schlafengehen auch noch drehen. Schließlich habe ich bislang noch nicht so viel zu meinen Comics geschrieben … 😉

Update 23:30 Uhr

So, das letzte Update des Tages. Heute war wirklich ein Comic-Lesetag für mich, da ich inzwischen nicht nur den zweiten Teil von „Im Eisland“ beendet, sondern danach direkt zu „Malcolm Max 1 – Body Snatchers“ von Peter Menningen und Ingo Römling gegriffen habe. Bei „Im Eisland“ bleibt es eigentlich bei den Kritikpunkten, die ich schon zum ersten Band hatte. Mich machen einige Aspekte bei den Zeichnungen wirklich kirre, weil die Figuren so sind, die Köpfe häufig wie aufgesetzt wirken und eine Alterseinschätzung erschreckend oft einfach nicht möglich ist. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie überrascht ich war, als der kleine Junge aus dem ersten Band nach gerade mal einem Winter im Eis seinen neunzehnten Geburtstag feierte (und prompt im selben Panel so an den unteren Rand gequetsch wurde, dass er schon allein aufgrund der Perspektive wieder wie ein Kind wirkte). Die Geschichte an sich ist bedrückend, die Landschaften atmosphärisch, die Dialoge informationsreich – das reicht, dass ich auch noch den dritten Teil lesen möchte, aber ich werde auch dabei vermutlich wieder regelmäßig vor mich hingrummeln.

Während ich „Im Eisland“ problemlos nutzen konnte, um die Werbepausen und die Moderatoren bei „Team Ninja Warrior“ auszublenden (wenn nicht so viele Teilnehmer wirklich beeindruckend wären, wäre das Drumherum gar nicht zu ertragen), funktioniert „Malcolm Max“ aufgrund der Textlastigkeit besser ohne jegliche Ablenkung. Den ersten Band habe ich allerdings schon damals beim Erscheinen gelesen und da ich nun endlich auch die beiden Fortsetzungen lesen will, habe ich den nur zum Erinnerungauffrischen noch einmal aus dem Regal gezogen. Die Story ist unterhaltsam mit einem düsteren viktorianischen Urban-Fantasy-Setting und die Dialoge sind stellenweise (gerade am Anfang) viel zu sperrig und gekünstelt (und damit meine ich nicht den Versuch sich „historisch korrekt“ auszudrücken), während die Zeichnungen so atmosphärisch und wunderbar kantig sind mit angenehm individuellen Charakteren. Ich hoffe, ich finde morgen Zeit, um die letzten Seiten von „Body Snatchers“ zu lesen und mit dem zweiten Album weiter zu machen.

Jetzt ist es aber wirklich Zeit für heute Schluss zu machen! Es war wieder schön mit euch! Ich wünsche euch morgen noch einen geruhsamen Tag und denjenigen, die einen weiteren Lesetag einlegen, viel Spaß mit der Lektüre! 🙂

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Heutige Mitleser:

Natira

Sayuri

Neyasha

„Kleine Weltreise“-Challenge

Beim Überarbeiten meiner alten Blogbeiträge bin ich über Natiras „Weltreise“-Challenge gestolpert, die sie 2010 gestartet hatte, um ihren TuB (Turm ungelesener Bücher) zu verkleinern. Damals war ich an der Challenge hoffnungslos gescheitert, weil ich zwar die erforderliche Anzahl von Büchern gelesen, aber nur eins davon rezensiert hatte. Aber nun hatte ich beim Lesen des alten Challenge-Beitrags spontan Lust, eine ähnliche Challenge noch einmal in Angriff zu nehmen. Deshalb nehme ich mir vor, dass ich vom 1. Juni bis zum 31. Dezember 2018 mindestens fünf Bücher lesen und rezensieren möchte, die in unterschiedlichen Ländern spielen.

Mein Wertungskriterum für Romane (oder Comics) liegt hier eindeutig auf dem Handlungsort, an dem die Geschichte zum Großteil spielt, und auch bei Sachbüchern muss sich das Thema speziell um ein bestimmtes Land drehen. Wenn ich so sehe, was für Bücher noch auf meinem SuB liegen, was für Sachbücher schon seit Längerem aufs Lesen warten und welche Leihgaben in meinem Regal stehen oder schon in der Bibliothek vorgemerkt sind, sollte das eigentlich ohne jeglichen Stress zu schaffen sein.

Willkommen bei „Alles außer Lyrik“

Nachdem ich seit dem 5. August 2009 bei Blogspot auf „Winterkatzes Buchblog“ meine Rezensionen, Katzenfotos und Gedanken online geteilt habe, hat mich die DSGVO (wie so viele andere Blogger) nun zu WordPress wechseln lassen.

Da ich mit dem alten Buchblog auch die „Winterkatze“ abgestreift habe, heißt es also ab heute:

Herzlich Willkommen auf „Alles außer Lyrik“

von Konstanze

Abgesehen von dem Umzug, der Änderung des Blognamens und der Tatsache, dass ich nun hier unter meinem Vornamen schreibe, wird sich auf meinem Blog nichts ändern. Weiterhin veröffentliche ich hier Rezensionen zu meinen gelesenen Büchern (Comics, Hörbüchern usw.), erzähle von meinen Lesetagen und zeige euch ab und an ein Katzenfoto.

Mein Dank für all die Hilfe beim Umzug gilt vor allem Elena von Gedankenfunken, die mir nicht nur aktiv beim Umgang mit den unvertrauten WordPress-Elementen geholfen hat, sondern auch tapfer all meine Anfälle von Frustration ertrug und dafür sorgte, dass ich am Ball blieb. (Überhaupt war es toll zu sehen, wie viele WP-Blogger ihre Hilfe angeboten haben, als ich meine ersten Umzugsgedanken äußerte! Dankeschön!)

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Oh, und weil ich Zahlen so mag, gibt es hier als Abschied vom alten Blog ein paar Daten:

„Winterkatzes Buchblog“ startete am 5. August 2009 und war somit 8 Jahre, 9 Monate und 6 Tage online – nicht gerade eine runde Zahl 😉 . In all den Jahren gab es insgesamt 1581 veröffentlichte Beiträge und 16831 Kommentare. Ich muss gestehen, dass mich die Kommentar-Menge recht sprachlos gemacht hat, als ich sie beim Übertragen der Daten sah. Ich bin ein bisschen stolz und sehr froh darüber, dass in den vergangenen Jahren so viele Leute sich mit mir auf meinem Blog über die Dinge, die mich beschäftigt haben, oder die Bücher, die ich gelesen habe, unterhalten haben.

Also vielen lieben Dank an all jene, die in den letzten Jahren meinen Blog gelesen und mit ihren Kommentaren dazu beigetragen haben – ich hoffe, ich treffe euch hier ab und an wieder!

Keigo Higashino: Unter der Mitternachtssonne

„Unter der Mitternachtssonne“ von Keigo Higashino ist in diesem Jahr in Deutschland erschienen, wobei das Original schon 1999 in Japan veröffentlicht wurde. Die Handlung in diesem Kriminalroman zieht sich über fast zwanzig Jahre hin und beginnt im Jahr 1973, als der Pfandleiher Yosuke Kirihara ermordet wird. Anfangs verfolgt der Leser die Ermittlungen in diesem Mord aus der Sicht des Kommissars Sasagaki, aber im Laufe des Romans erlebt man die Handlung aus vielen verschiedenen Perspektiven. Diese Perspektivwechsel waren für mich anfangs gewöhnungsbedürftig, vor allem, da ich mich immer fragte, ob ich der Person schon mal im Laufe der Geschichte begegnet bin und mich nur nicht erinnern kann oder ob das jetzt ein neu eingeführter Charakter war. (In der Regel war Letzteres der Fall und ich hätte einfach weiterlesen können, weil man die neue Figur in den meisten Kapiteln schnell in der Gesamthandlung unterbringen konnte.)

Schon früh steht fest, dass der Mord an Yosuke Kirihara nicht so einfach zu klären ist. Es gibt einige Verdächtige, aber entweder lässt sich kein ausreichendes Motiv ermitteln oder die Alibis der Verdächtigen können nicht erschüttert werden. Außerdem ist sich Kommissar Sasagaki sicher, dass ihm irgendein wichtiger Aspekt im Leben des Yosuke Kirihara entgangen ist bzw. nicht von seinen Familienmitgliedern und Bekannten erwähnt wurde, der ihn auf die richtige Fährte hätte bringen können. All diese Ungereimtheiten sorgen dafür, dass der Fall Kommissar Sasagaki auch in den kommenden Jahren nicht loslässt. Und auch den Leser, der – nicht nur dank des unglücklich formulierten deutschen Klappentextes – schon früh einen Verdacht bezüglich des bzw. der Täter hat, beschäftigt die Durchführung dieses ersten Verbrechens bis zum Ende des Romans. Wie so oft bei Keigo Higashino befasst man sich als Leser weniger mit der Frage, wer eine Tat begangen hat, sondern damit, wie genau der Mord verübt wurde und wie die Spuren verwischt wurden, die zur Überführung des Verbrechers hätten führen können. Dabei geht der Autor in diesem Roman sogar noch ein Stück weiter als in den anderen bisher von ihm übersetzten Titeln und lässt den Leser den weiteren Weg der betreffenden Personen verfolgen.

So spielt Keigo Higashino über den Großteil des Buches sehr schön mit dem, was man als Leser über diese Personen weiß, und dem, was die Charaktere, aus deren Perspektive man den entsprechenden Abschnitt liest, über sie denken. So wird die Spannung in „Unter der Mitternachtssonne“ weniger durch die Frage erzeugt, wie die Verdächtigen am Ende vielleicht doch noch überführt werden, sondern wie viele Leben sie auf ihrem weiteren Weg noch zerstören und zu welchen Mitteln sie greifen, um ihre Pläne zu verwirklichen. Gerade wenn man diese Passagen aus der Sicht einer Person liest, die in einem der Verdächtigen einen Freund sieht, bangt man schnell um das weitere Schicksal dieses – häufig recht jungen und naiven – Charakters. Dabei sorgt der zurückhaltende Erzählstil des Autors dafür, dass man selbst beim Lesen der wirklich dramatischen Ereignisse weniger emotional betroffen ist, als dass man fasziniert ist von den Wendungen, die die Geschichte nimmt, und den skrupelosen Methoden, die immer wieder angewandt werden.

Trotz dieser relativ großen Distanz zu den Charakteren gefällt es mir immer wieder, wie Keigo Higashino Menschen darstellt. Seine Figuren sind selten schwarz-weiß gezeichnet, sondern Personen mit Stärken und Schwächen, mit Ängsten, die ihr Handeln bestimmen, und mit Wünschen und Träumen, die man als Leser nachvollziehen kann. Doch bei „Unter der Mitternachtssonne“ beweist der Autor nicht nur ein gutes Händchen für die Charaktere, sondern auch für all die Elemente, die so typisch für ihre jeweilige Zeit sind. Im Laufe der Kapitel erlebt man als Leser (noch einmal) die technische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung von 1973 bis 1992 mit, während sich zum Beispiel eine Gruppe von Schülern über einen Kinofilm unterhält, ein Spieleentwickler sich Gedanken über das Copyright macht oder ein Liebhaber seine Frau nicht verlässt, weil er das während des Wirtschaftsbooms gekaufte Apartment nicht ohne das Geld ihres Vaters abbezahlen kann. Dieses gekonnte Einfangen des jeweiligen Zeitgeists hat für mich bei „Unter der Mitternachtssonne“ einen fast ebenso großen Anteil am Lesevergnügen gehabt wie die sich über beinahe zwanzig Jahre hinziehenden und überraschend detailliert erzählten Folgen des Mordes an dem Pfandleiher. Ich weiß nicht, ob Keigo Higashino weitere Romane von diesem Umfang und dieser Komplexität geschrieben hat, aber wenn dies der Fall sein sollte, dann hoffe ich sehr, dass davon noch mehr ins Deutsche übersetzt werden.

Laura Powell: The Lost Island (Silver Service Mystery 2)

Nachdem mir „The Last Duchess“ von Laura Powell im Januar so gut gefallen hatte, habe ich mir zeitnah zum Erscheinungsdatum die Fortsetzung „The Lost Island“ besorgt und gelesen. Obwohl die Protagonistin Pattern nach ihren Abenteuern im ersten Band der Serie finanziell gut abgesichert ist und sich keine Gedanken mehr über ihren Platz in der Gesellschaft machen müsste, hat sie sich dem „Silver Service“ verpflichtet. Der Silver Service ist eine Ermittlungsagentur, die sich darauf spezialisiert hat, ihre Mitarbeiter als Bedienstete einzuschleusen, um verdächtige Vorfälle mit vermutlich magischem Hintergrund zu lösen. Ihr erster Auftrag führt Pattern als drittes Hausmädchen in den Haushalt von Lady Cecily Hawk, wo sie herausfinden soll, was im vergangenen Jahr auf dem Besitz der Lady mit dem Mündel von Sir Whitby passiert ist und warum sich keiner der damals anwesenden Gäste an Details zu ihrem Aufenthalt erinnern kann.

Ich hatte Pattern ja schon in „The Last Duchess“ ins Herz geschlossen, aber in „The Lost Island“ gefiel sie mir noch besser. Hier ist sie nicht nur selbstbewusst bezüglich ihrer Fähigkeiten als Dienstmädchen, sondern sie wird auch gut ausgerüstet und bewaffnet mit vielen wertvollen Informationen auf ihren ersten Fall im Auftrag des Silver Service angesetzt. Nach all den Abenteuern in Elffinheim ist Pattern bereit für weitere magische Auseinandersetzungen, denn egal, wie anstrengend ihre Tage als drittes Hausmädchen bei Lady Hawk sind, sie freut sich über die neue Herausforderung und all die ungewöhnlichen Dinge, denen sie auf der verlorenen Insel begegnen wird. Dabei ist es Pattern durchaus bewusst, dass ihre Tätigkeit gefährlich ist und dass auf ihren Schultern die Verantwortung für die Sicherheit der gesamten Gesellschaft liegt. Am Ende dauert es dann doch eine ganze Weile, bis Pattern dahinterkommt, was auf der Insel schiefläuft und auf welche Weise die Magie der Lady Hawk funktioniert. Schließlich wäre es nicht so unterhaltsam zu lesen, wenn Pattern problemlos mit all den Herausforderungen umgehen könnte. Doch glücklicherweise steht ihr einer ihrer neuen Kollege zur Seite, der sich ebensowenig von der Magie der Insel einwickeln lässt wie sie.

Neben Patterns Entwicklung, den üblichen Beschreibungen des Dienstbotenalltags in einem solch herrschaftlichen Haus und all den kleinen zwischenmenschlichen Elementen, die nun einmal dazugehören, wenn so viele Personen auf so begrenztem Raum zusammenarbeiten müssen, hat mich vor allem die Insel fasziniert. Von Anfang an steht fest, dass Cull Island keine normale felsige Insel vor der walisischen Küste sein kann. Nicht nur gibt es ungewöhnlich viele südländische Fruchtbäume auf der Insel, sondern auch die Jahreszeiten scheinen ein wenig durcheinander zu sein, so dass man auf der einen Seite blühende Schneeglöckchen und auf der anderen Seite reife Zitrusfrüchte pflücken kann. Auch nimmt sich Laura Powell viel Zeit, um die Landschaft und die Gartengestaltung – inklusive all der ungewöhnlichen Statuen – zu beschreiben, was einen nur noch neugieriger darauf macht, hinter das Geheimnis der Insel und ihrer Besitzerin zu kommen.

Obwohl ich schon früh einen Verdacht hatte, wohin der eine oder andere vermisste Verehrer von Lady Hawks Tochter verschwunden war, hat mich der Einfallsreichtum der Autorin am Ende doch überrascht. Nach dem eher dezenten Einsatz von Magie im ersten Band greift Laura Powell in „The Lost Island“ tief in die Mythologie-Kiste und erschafft eine Geschichte voller Verzauberungen und klassischer Herausforderungen, die ich einfach nur wundervoll, amüsant und spannend zu lesen fand. Ich hoffe sehr, dass Pattern noch so einige Aufträge für den Silver Service annimmt und dabei ebenso unterhaltsame Abenteuer erlebt wie in diesem Teil der Reihe.

Dorothy Cannell: Die dünne Frau (Ellie Haskell 1)

Anfang der 1990er erschien „Die dünne Frau“, der erste Ellie-Haskell-Roman von Dorothy Cannell, auf Deutsch und wenig später hatte ich damals die Reihe für mich in der Bibliothek entdeckt. Dass mich diese amüsanten Krimis schon damals nicht vollkommen überzeugt haben, kann ich schon allein daran festmachen, dass ich mir den ersten Teil irgendwann einmal gebraucht gekauft habe. Hätte ich den Titel unbedingt haben wollen, hätte ich mir das Buch direkt bei meinem Buchhändler bestellt. Allerdings finde ich die Handlung auch heute noch unterhaltsam genug, dass ich mit den Eigenheiten der Protagonistin Ellie leben und mich beim Lesen gut amüsieren kann. Ellie ist siebenundzwanzig Jahre alt, Innenarchitektin und dick – letzteres beherrscht ihr Leben so sehr, dass sie seit zwei Jahren zu keinem Familientreffen gegangen ist, weil sie sich neben ihrer dünnen und schönen Cousine Vanessa wie eine hässliche Versagerin fühlt.

Als nun eine schriftliche Einladung von ihrem Großonkel Merlin eintrifft, beschließt Ellie, dass sie sich für diesen Termin einen attraktiven Mann bei „Kultivierte Herrenbegleitung“ mieten muss, um genügend Selbstbewusstsein für das Zusammentreffen mit dem Rest der Familie zusammenkratzen zu können. So richtig gut läuft es dann trotz des angemieteten (angehenden) Autors Bentley „Ben“ Haskell nicht, aber trotzdem hat dieses Familientreffen zur Folge, dass Ellie und Ben im Testament des wenige Wochen später verstorbenen Großonkel Merlins bedacht werden. Genau genommen sieht das Testament vor, dass die beiden sechs Monate lang in dem alten und vernachlässigten Herrenhaus von Großonkel Merlin leben. Während dieser Zeit muss Ben ein (nichtpornografisches!) Manuskript beenden, während Ellie testamentarisch dazu gezwungen wird, 30 Kilo abzunehmen – außerdem müssen die beiden gemeinsam ein Geheimnis lüften, das ihnen Großonkel Merlin hinterlassen hat.

Ich muss gestehen, dass ich immer wieder amüsiert darüber bin, dass sich diese Art von „Kriminalroman“ im Laufe der Jahrzehnte kaum verändert hat. Abgesehen von den beschriebenen Frisuren, Einrichtungsgegenständen und Kleidern scheint sich im Bereich der „unterhaltsamen und gewaltfreien Frauenkrimis“ nicht viel zu bewegen. Dabei wäre ich so froh, wenn nicht so viele Autorinnen eine Protagonistin wählen würden, deren Gedanken sich ständig um ihre Figur drehen. Ellie (und ein Großteil ihrer Umgebung) denkt nur über ihr Übergewicht nach und darüber, wie sie an die nächste Mahlzeit kommt. Ich bin mir relativ sicher, dass die Menschen in ihrem Umfeld gar kein so großes Problem mit ihren Pfunden hätten, wenn sie nicht ständig selbst darauf aufmerksam machen würde. Die Masse an „ich bin hässlich und wenig liebenswert, weil ich so dick bin“-Bemerkungen wäre unerträglich, wenn nicht zwischendurch immer wieder sympathische Nebenfiguren, skurrile Momente mit anderen Personen oder – zumindest bei der Protagonistin – doch so etwas wie Interesse für andere Menschen oder Ellies Arbeit auftauchen würden.

Diese Aspekte sind es dann auch, die dafür gesorgt haben, dass ich nicht nur „Die dünne Frau“ unterhaltsam fand, sondern mir damals auch noch weitere Bände der Reihe besorgt habe. Solange ich mich auf die Handlung und weniger auf Ellies Selbstsicht konzentriere, fühle ich mich sehr wohl mit der gemischten Gemeinschaft, die sich im Laufe der Zeit in dem alten Herrenhaus sammelt. Neben Ellie und Ben (die theoretisch von Anfang an ein Paar hätten sein können, wenn sie nur einmal über ihre Gefühle geredet hätten) gehören noch Dorcas (eine energische ehemalige Sportlehrerin) und Jonas (der ca. 70jährige Gärtner des Anwesens) zum Haus. Dazu kommen die diversen Verwandten, die immer wieder in der Nähe des Anwesens auftauchen und die zwar nicht sympathisch sind, aber für die eine oder andere amüsante Szene sorgen, der gutaussehende Pfarrer, der doch nur hilfreich sein will, und diverse Bewohner des naheligenden Städtchens, die alle ihre ganz eigene Meinung über das Herrenhaus und dessen aktuelle und frühere Bewohner haben.

Außerdem gibt es natürlich noch das zu lösende Geheimnis, mit dem sich Ellie und Ben in den sechs Monaten mehr oder weniger intensiv beschäftigen. Diesen Teil mag ich an der Geschichte besonders gern, denn hier beweist die Autorin ein Händchen für alltägliche, kleine Dinge, die sehr viel über einen Menschen aussagen. Auch wenn Ellie und Ben nicht genau wissen, worum es bei diesem Geheimnis geht, konzentrieren sich viele ihrer Fragen auf Merlins Mutter. So studieren sie intensiv die wenigen erhaltenen Briefe, das Haushaltsbuch und die Rezeptsammlung dieser längst verstorbenen Frau und lernen erstaunlich viel über ihr Leben und ihre unglückliche Ehe. Ein paar der „überraschenden“ Elemente in der Geschichte sind zwar für den aufmerksamen Leser sehr vorhersehbar, aber das macht sie nicht weniger unterhaltsam. „Die dünne Frau“ ist also kein Meisterwerk der Krimiliteratur, aber ein netter und unterhaltsamer Roman, der für ein paar kurzweilige Lesestunden sorgt. (Und im Gegensatz zu den meisten anderen meiner immer noch als unterhaltsam empfundenen „älteren“ Krimis, gibt es bei diesem Roman sogar eine aktuelle deutsche Ausgabe.)