Alle Artikel von Konstanze

Jane Harper: Hitze (Aaron Falk 1)

In den letzten Monaten bin ich mehrmals bei Neyasha über Bücher gestolpert, die ich interessant fand, so auch „Hitze“ von Jane Harper, das ich in der Onleihe ausleihen konnte. Der Kriminalroman beginnt mit der Beerdigung von Luke Hadler, der erst seine Frau und seinen Sohn und dann sich selbst umgebracht haben soll. Der Polizist Aaron Falk, Lukes Freund aus Kindertagen, kommt zu diesem Anlass zurück in seinen Geburtsort Kiewarra, obwohl er mit dem Ort keine guten Erinnerungen verknüpft. So ist es kein Wunder, dass Aaron eigentlich so schnell wie möglich wieder verschwinden will, doch Lukes Mutter ist sich sicher, dass ihr Sohn niemals seine Familie umgebracht hätte, und auch den örtlichen Polizisten Sergeant Raco beschäftigen rund um Lukes Tod noch einige unbeantwortete Fragen.

Von Anfang an bekommt man als Leser mit, dass für Aaron die Rückkehr nach Kiewarra nicht so einfach ist, da er vor vielen Jahren verdächtigt wurde, seine Freundin Ellie ermordet zu haben. Luke hatte ihm zwar damals für den Nachmittag, an dem Ellie verschwand, ein Alibi gegeben, aber so richtig wollte niemand in der kleinen Stadt glauben, dass der (oder gar beide) Teenager unschuldig an dem Tod der Sechzehnjährigen waren. Je mehr Aaron sich mit dem Tod von Luke beschäftigt, desto mehr Erinnerungen kommen auch an ihre gemeinsame Jugendzeit und natürlich Ellie hoch. Jane Harper lässt sich Zeit beim Erzählen der beiden Handlungsstränge rund um den Mord an Luke und seiner Familie sowie um den Tod von Ellie, der zwar offiziell als Selbstmord zu den Akten gelegt wurde, aber in den Augen der Bewohner von Kiewarra bis heute ungeklärt blieb. Ich mochte diese eher gemächliche Erzählweise der Autorin, weil sie einem so nicht nur die Gelegenheit gab, die verschiedenen Charaktere gut kennenzulernen, sondern damit auch eine ungemein atmosphärische Stimmung für ihre Geschichte kreiert hat.

Das Leben in Kiewarra war noch nie einfach, die Menschen dort leben von der Landwirtschaft und der australische Boden ist weder gnädig zu den Pflanzen noch zu den Nutztieren. Doch in den vergangenen Jahren wurde die Situation in dem kleinen Ort noch angespannter. Zwei Jahre Dürre haben die Felder verdorren und die letzten Wasserreserven verschwinden lassen. Viele Farmen in Kiewarra ringen um ihr Überleben oder mussten sich den extremen Wetterbedingungen geschlagen geben, was natürlich auch Auswirkungen auf alle anderen Geschäfte im Ort hat. Durch Aarons Augen erlebt man als Leser diese Veränderungen hautnah. Er hat schon als Kind gesehen, wie schwierig das Leben von der Landwirtschaft ist und welche Abhängigkeiten sich innerhalb der Nachbarschaft unter solchen Bedinungen entwickeln (und wie unmöglich das Leben an einem solchen Ort wird, wenn die Nachbarn beschließen, dass man in ihren Reihen keinen Platz mehr hat). Doch die Stimmung im heutigen Kiewarra ist noch angespannter, die Verzweiflung und Armut der Menschen an allen Ecken zu spüren, ebenso wie die Gewissheit, dass (im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinne) ein Funke genügt, um eine Katastrophe auszulösen.

Obwohl die Stimmung in der Stadt schrecklich ist, fand ich die Geschichte nicht deprimierend. Ich mochte Aaron Falk, der mit all seinen Stärken und Schwächen einen sympathischen und glaubwürdigen Protagonisten abgab, und ich mochte es vor allem, dass er so gut mit dem örtlichen Polizisten Sergeant Raco zusammenarbeitete. Es gab kein Kompetenzgerangel zwischen den beiden – was auch daran lag, dass beide inoffiziell in einem eigentlich schon abgeschlossenen Fall ermittelten -, stattdessen entwickelt sich aus dem gemeinsamen Bedürfnis, die Wahrheit über die entsetzlichen Morde zu erfahren, eine relativ entspannte Freundschaft und ein überraschend belastbares Vertrauensverhältnis. Am Ende werden beide Fälle gelöst, wobei die Hintergründe rund um Ellies Tod schon relativ lange auf der Hand lagen, während mich die Autorin rund um den Tod von Luke und seiner Familie erfolgreich von meinem anfänglichen (richtigen) Verdacht ablenken konnte. Insgesamt bin ich wirklich beeindruckt davon, dass Jane Harper mit ihrem Debütroman eine so überzeugende und faszinierend Kriminalgeschichte geschaffen hat. Mir hat „Hitze“ sogar so gut gefallen, dass ich schon während des Lesens „Ins Dunkel“, den zweiten Band rund um Aaron Falk, in der Onleihe vorgemerkt habe, um ihn dann hoffentlich bald lesen zu können.

Seanan McGuire: Deadlands 3 – Boneyard

Ich muss zugeben, dass ich das Weird-West-RPG „Deadlands“ nicht kannte, bevor ich diesen Roman in die Finger bekam, aber nach dem Lesen kann ich behaupten, dass man die Hintergründe des Games oder der ersten beiden Bände („Ghostwalkers“ von Jonathan Maberry und „Thunder Moon Rising“ von Jeffrey Mariotte) auch nicht benötigt, um diese Geschichte genießen zu können. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht von Annie Pearl, die beim Blackstone Familiy Circus – dem sie gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Tochter Adeline angehört – für die Pflege der Kuriositäten zuständig ist. Schon früh lernt man, dass Annie in deutlich wohlhabenderen Umständen aufgewachsen ist und dass sie vor Jahren auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit beim Zirkus landete, als verzweifelte Frau mit einem Kleinkind auf der Hüfte und einem noch nicht ausgewachsenem Luchsweibchen auf den Schultern.

Die Geschichte beginnt im Herbst: Der Zirkus benötigt dringend noch einen guten Halt vor dem Winter, um genügend Geld für die kommenden Monate zu verdienen. Die Situation ist so angespannt, dass Jonathan Blackwood beschließt, mit seinem Zirkus nach „The Clearing“ zu reisen – eine kleine Stadt tief in der Wildnis von Oregon, wo die Menschen freundlich und der Profit groß sein sollen. Ihm ist, ebenso wie allen anderen Mitgliedern seines Zirkus, durchaus bewusst, dass eine Gelegenheit, die sich so gut anhört, einen Haken haben muss. Doch um all seine Angestellten (inklusive der diversen Waisenkinder, die ihren Weg zum Zirkus gefunden haben) über den Winter bringen zu können, muss er dieses Riskio eingehen.

Seanan McGuire lässt in „Boneyard“ die Handlung sehr langsam anlaufen, man lernt als Leser den Zirkus und die diversen Personen, die mit ihm verbunden sind, kennen, man erfährt ein wenig über Annies Alltag mit ihren Kuriositäten und welche Gefahren der Umgang mit diesen Wesen mit sich bringt. Mir hat es gut gefallen, wie die Autorin die diversen Charaktere vorstellt und wie sie die aktuelle Situation (und Vergangenheit) der verschiedenen Figuren durch kleine Beschreibungen und Szenen andeutet. Allerdings muss ich zugeben, dass dieses langsame Herantasten an die Geschichte auch dazu geführt hat, dass ich den Roman anfangs auch gut aus der Hand legen und mich mit etwas Anderem beschäftigen konnte. Dabei mochte ich grundsätzlich das Setting mit seinen Western-Steampunk-Horror-Elementen und fühlte mich von der Erzählweise stellenweise an die Jonathan-Healey-und-Frances-Brown-Kurzgeschichten aus Seanan McGuires InCryptid-Serie erinnert.

Als der Zirkus dann in „The Clearing“ ankommt, zieht die Handlung endlich an. Schnell wird klar, dass mit dem Ort wirklich etwas nicht in Ordung ist, und so findet sich Annie bald in einem Kampf um das Überleben ihrer Tochter und all der anderen Personen, die dem Zirkus angehören, wieder. Auch hier zieht das Tempo nicht besonders stark an, aber diese eher gemächliche Erzählweise passt zu dem Grauen, das in den Wäldern rund um „The Clearing“ heimisch ist. Das Warten darauf, dass man endlich die bedrohlichen Kreaturen zu Gesicht bekommt, die zwischen den Bäumen lauern, die Stunden, die sich Annie im Dunkeln durch den Wald bewegt, ohne zu wissen, ob sie Adeline jemals wieder zu Gesicht bekommen wird, die grauenhafte Geschichte, die der allein in einer Hütte in den Wäldern hausende Hal zu erzählen hat – all das sorgt für wunderbar atmosphärische Lesestunden, bei denen man die ganze Zeit darauf wartet, dass die Protagonisten endlich aktiv gegen die Bedrohung angehen können.

Allerdings gab es in „Boneyard“ auch Elemente, die ich nicht ganz so überzeugend fand und bei denen ich vermute, dass es zum Teil daran lag, dass ich mit „Deadlands“ nicht vertraut bin. So fand ich zwar die Beschreibungen von Annies Ehemann und seinem gottlosen Tun angemessen abstoßend, hatte aber das Gefühl, ich könnte seine Rolle in der Welt und die Position, die sein Mentor Dr. Hellstromme einnimmt, nicht richtig einschätzen. Auch hätte ich normalerwiese bei Seanan McGuire eine besser ausgebaute Hintergrundgeschichte zu „The Clearing“ erwartet, denn auch wenn sie durch die Einführung von Hal und seinen Erfahrungsbericht mit dem Ort und seinem Bürgermeister da noch einige Details nachgeliefert hat, so konnte mich das doch nicht ganz überzeugen. Alles in Allem hat mir das Lesen von „Boneyard“ aber sehr viel Spaß gemacht, und wenn ich wieder auf der Suche nach einer relativ ruhig erzählten Horrorgeschichte für einen dunklen und unheimlichen Herbsttag bin, dann werde ich „Boneyard“ gewiss noch einmal aus dem Regal ziehen.

Barbara Achermann: Frauenwunderland – Die Erfolgsgeschichte von Ruanda

Auf den Titel „Frauenwunderland – Die Erfolgsgeschichte von Ruanda“ von Barbara Achermann bin ich bei Neyasha gestoßen, die das Buch während des Herbstlesens erwähnt hatte. In diesem Sachbuch konzentriert sich die Autorin vor allem darauf, Frauen aus Ruanda vorzustellen, wie die über hundertjährige Zula, die nicht nur die Kolonialzeiten miterlebt hat, sondern auch während des Völkermords unzählige Menschen in ihrem Haus versteckt und so deren Leben gerettet hat. Oder die junge Musikerin Teta, die früh beide Eltern verlor und nun neben der Musik verschiedene Geschäftsideen ausprobiert, um über die Runden zu kommen und für Notfälle ein zweites Standbein parat zu haben. Einige der vorgestellten Frauen haben einflussreiche Positionen wie Espérance Nyirasafari, die zum Zeitpunkt des Interviews als Ministerin für „Gender and Family Promotion“ verantwortlich war (und inzwischen Sport- und Kulturministerin ist), doch fast alle von ihnen haben gemeinsam, dass sie nach dem Völkermord ohne Ehemänner oder Väter dastanden, die ihr Leben bestimmten, und deshalb aus eigener Kraft (und im besten Fall mit anderen Frauen zusammen) einen Weg finden musste, um zu (über)leben.

Mithilfe dieser vielen verschiedenen Frauen beschreibt Barbara Achermann ein Land, das in den vergangenen 20 Jahren unglaubliche Fortschritte erzielt hat, auch wenn man nicht verschweigen darf, dass die autoritäre Regierung in Ruanda alles andere als vorbildlich ist, wenn es um das Thema Menschenrechte, um eine eventuelle Opposition und Ähnliches geht. Was natürlich die Frage aufwirft, wie sehr man die Entwicklung Ruandas loben darf, wenn ihre Schattenseiten in der Unterdrückung (und Ermordung) von Oppositionspolitikern und kritischen Journalisten besteht oder wenn all die schönen sauberen Straßen vermutlich nur deshalb so vorbildlich ausschauen, weil jeder Mensch, der dort Anstoß erregen könnte, inhaftiert wurde. Spannend fand ich auch die Passagen, in denen über die Folgen der unübersehbaren Emanzipierung der Frauen auf die Männer geschrieben wurde und wie schwer es für einen Teil von ihnen ist, dass ihre Frauen nun auch Raum in der Berufswelt einnehmen und über mehr Bildung und Selbstbewusstsein verfügen.

Doch vor allem interessierten mich die verschiedenen Personen, die im Rahmen dieses Buches vorgestellt werden, ebenso wie die Folgen, die dieser (kommerzielle) Erfolg der Frauen auf die gesellschaftliche und politische Situation von Ruanda hatte und bis heute hat. Allerdings liegt mir der Stil, in dem Barbara Achermann die verschiedenen Personen vorstellt, nicht, was natürlich mein ganz eigenes Problem ist. Dieser ganz spezielle journalistische Stil soll dafür sorgen, dass der Journalist den Leser auf seine Reise mitnimmt und ihm so das Recherchierte und Erlebte näherbringt. Doch bei mir führt diese Schreibweise immer nur dazu, dass ich das Gefühl habe, ich würde mindestens ebenso viel über die Befindlichkeiten und Abneigungen des Autors/der Autorin erfahren wie über das eigentliche Thema. Am Ende werde ich dann nur ungeduldig mit dem Buch und mit Barbara Achermann, mit ihrer Sicht auf Afrika, mit den Untertönen, die bei ihren Beschreibungen oft mitschwingen, und wünschte mir, dass das Thema, um das es sich doch eigentlich dreht, mehr Raum in der Veröffentlichung bekommen hätte.

Obwohl ich viele der vorgestellten Frauen vorher nicht kannte, hatte ich beim Lesen nicht das Gefühl, ich hätte so viel Neues über Ruanda erfahren. Dabei muss ich erwähnen, dass ich in den vergangenen Jahren regelmäßig Artikel (zum Großteil aus dem englischsprachigen Raum) gelesen habe, in denen von Unternehmerinnen in Ruanda erzählt wurde und davon, welche Auswirkungen ihr geschäftlicher Erfolg auf das Land hat. Wer aber keinerlei Vorwissen hat, wenn es um dieses Land geht, um die Folgen der Kolonialisierung (durch Deutschland und Belgien), um den Völkermord, der 1994 an den Tutsi begangen wurde, darüber, wie die Rolle der Frau vor gerade mal zwei Jahrzehnten in Ruanda noch ausschaute und wie sehr sich die Frauen in den vergangenen 25 Jahren emanzipiert haben, der ist mit „Frauenwunderland – Die Erfolgsgeschichte Ruandas“ sehr gut bedient. Das Buch bietet einen leicht zu lesenden Einstieg in die Geschichte des Landes, konzentriert sich dann auf all die Frauen, die in den vergangenen Jahren – mithilfe einer autoritären Regierung – zum Motor eines tiefgehenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Fortschritts von Ruanda wurden, und lässt auch die Schattenseiten dieser an sich großartigen Entwicklung nicht aus.

Laura Andersen: Das geheime Turmzimmer

Über „Das geheime Turmzimmer“ von Laura Andersen bin ich bei Neyasha gestolpert, die den Roman als „Eine sehr schöne Mischung aus Schauerroman, Krimi, Liebesgeschichte und Familiensaga – und deutlich düsterer als man bei dem lieblichen Cover vermuten würde bezeichnet und mich so neugierig auf die Geschichte gemacht hat. Erzählt wird die Geschichte zum größten Teil aus der Perspektive von Carragh Ryan, einer Bibliothekarin, die die Privatbibliothek der Familie Gallagher katalogisieren soll, bevor die Familie ihr Anwesen Deeprath Castle inklusive der darin befindlichen Bibliothek dem National Trust überschreiben wird. Aber man wirft auch immer wieder durch die Augen von Lord Aidan Gallagher, seiner (inzwischen verstorbenen) Mutter Lily und Inspector Sibéal McKenna sowie vLon ady Jenny Gallagher und Evan Chase, der im Jahr 1880 Jenny geheiratet hatte, einen Blick auf die aktuellen und vergangenen Ereignisse rund um Deeprath.

Ich mochte, dass die Handlung in „Das geheime Turmzimmer“ auf drei Zeitebenen spielt. Auf der einen Seite bekommt man Stück für Stück erzählt, wie sich Jenny und Evan kennengelernt haben und wie damals die Situation in Deeprath war, andererseits lernt man durch Carragh die aktuellen Gallagher-Familienmitglieder kennen und erfährt, wie sehr die Familie durch den gewaltsamen Tod von Lily und ihrem Mann Cillian, der vor zwanzig Jahren passierte, zerrüttet wurde. Und zuletzt gibt es noch Passagen, in denen Lily im Jahr 1992 von ihrer Suche nach einem Familiengeheimnis erzählt. Diese verschiedenen Ebenen und Perspektiven sorgen für eine spannende und sehr unterhaltsame Geschichte, auch weil die vielen Figuren einem schnell ans Herz wachsen und man ihnen (selbst wenn man schon weiß, dass ihr Leben nicht glücklich endete) nur das Beste wünscht. Mir gefielen auch die vielen Schilderungen der Region rund um Deeprath Castle und die Beschreibungen des Gebäudes, das eine wunderbare Kulisse für eine solche Geschichte voller Geheimnisse, Dramen, Geister und Stromausfälle bildet.

Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings an der Geschichte, wobei ich den einen der Autorin problemlos verzeihen kann, während mir der andere eine Wendung zu viel brachte. Das Zuviel bezieht sich dabei auf eine Beziehung, die Carragh zu einem der Familienmitglieder hat (und damit meine ich nicht Aidan). Die Handlung hätte sehr gut ohne diese Extra-Entwicklung funktioniert, die keinen Mehrwert für die Geschichte gebracht hat, sondern mir vor allem das Gefühl gab, Laura Andersen hätte damit die Auflösung all der Geheimnisse künstlich verzögert. Was mich zum zweiten Punkt bringt: Das Motiv und die Identität der Person, die für den Tod von Lily und ihrem Mann Cillian verantwortlich war. Beides lässt sich relativ früh erahnen, was ich grundsätzlich nicht schlimm finde, denn in vielen Krimis geht es ja mehr um die Frage, wie der Täter gestellt wird, als um die Frage, wer der Täter überhaupt ist. Ich hätte mir aber schon gewünscht, dass Laura Andersen am Ende die eine oder andere Wendung weniger eingebaut hätte, weil all diese Extraszenen für mich zu Lasten der Spannung gingen. Trotzdem habe ich mich insgesamt mit „Das geheime Turmzimmer“ gut unterhalten gefühlt und hatte Spaß dabei, die vielen verschiedenen Charaktere besser kennenzulernen und mir Gedanken über die Familie Gallagher und ihre Geheimnisse zu machen.

November-SuB 2019

Im Oktober hatte ich das Gefühl, ich würde trotz einer (für mich) riesigen Anzahl an Terminen richtig viel zum Lesen kommen, auch wenn ich die Herbstlesen-Wochenenden auch noch mit einigen anderen Sachen gefüllt habe und insgesamt nicht auf meine „Wohlfühlgesamtseitenzahl“ gekommen bin. Aber Zahlen sind ja schließlich auch egal, wenn ich am Ende zufrieden mit meinem Lesemonat war und das war ich definitiv.

Der November bringt mehr Arbeit, aber dafür weniger Termine (in der Woche) mit sich als der Oktober, da muss ich mal schauen, wie sich das auf meine Lesezeit auswirkt. Aktuell habe ich gerade sehr, sehr große Lust auf Lesestunden auf dem Sofa, schön eingemuckelt mit heißem Tee, Decke und einem der Bücher, die ich seit Wochen unbedingt „sofort“ lesen will. Grundsätzlich wäre es nicht schlecht, wenn ich in den kommenden drei Wochen meinen SuB noch etwas reduzieren würde, bevor der große Schwung an Neuzugängen reinkommt, der mich zu jedem Jahresende erreicht. Außerdem will ich mir endlich mal all die alten Beiträge vornehmen, die ich seit dem Blogumzug im vergangenen Jahr nicht wieder mit Fotos und angepasster Formatierung ausgestattet hatte. Das ist nur Fleißarbeit, aber schrecklich lästig. 😉

 

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Kelly Armstrong: Bitten (Otherworld 1)
  4. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  5. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (Jumbies 2)
  6. Tracy Baptiste: The Jumbie God’s Revenge (Jumbies 3)
  7. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  8. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  9. Juliet Blackwell: Bewitched and Betrothed (Witchcraft Mystery 10)
  10. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  11. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  12. Rhys Bowen: Royal Blood (Royal Spyness 4)
  13. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  14. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Speyness 6)
  15. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  16. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  17. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  18. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  19. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  20. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  21. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  22. Stephanie Burgis: The Princess Who Flew with Dragons
  23. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  24. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  25. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  26. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  27. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  28. Sarah Beth Durst: Fire and Heist
  29. Louise Erdrich: The Birchbark House
  30. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  31. Christopher Golden/Rachel Autumn Deering (Hrsg.): Hex Life – Wicked New Tales of Witchery (Anthologie)
  32. Jasmine Gower: Moonshine
  33. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  34. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  35. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  36. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  37. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  38. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  39. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  40. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  41. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  42. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  43. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  44. Rachel Hartman: Seraphina
  45. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  46. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  47. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  48. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  49. Tanya Huff: Valor’s Choice (Confederation Novel 1)
  50. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  51. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  52. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  53. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  54. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  55. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  56. Diana Wynne Jones: Power of Three
  57. Diana Wynne Jones: Black Maria
  58. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  59. Celine Kiernan: Geisterpfade
  60. Celine Kiernan: Königspfade
  61. Celine Kiernan: Begone the Raggedy Witches (The Wild Magic Trilogy 1)
  62. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  63. R. F. Kuang: The Poppy War
  64. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  65. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  66. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  67. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  68. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  69. Seanan McGuire: This Ain’t Witchcraft (InCryptid 8)
  70. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  71. Seanan McGuire: Night and Silence (October Daye 12)
  72. Robin McKinley: Sunshine
  73. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  74. Kelly Meding: Stray Magic
  75. Kelly Meding: Stray Moon
  76. Kate Milford: The Boneshaker
  77. Maya Montayne: Nocturna
  78. Marieke Nijkamp (Hrsg.): Unbroken – 13 Stories Starring Disabled Teens (Anthologie)
  79. Bishop O’Connell: The Stolen
  80. Ellen Oh und Elsie Chapman (Hrsg.): A Thousand Beginnings and Endings (Anthologie)
  81. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  82. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  83. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  84. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  85. C.E. Polk: Witchmark (Kingston Cycle 1)
  86. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  87. Philip Reeve: Larklight
  88. Kat Richardson: Greywalker
  89. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  90. John Scalzi: Fuzzy Nation
  91. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  92. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  93. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  94. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  95. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  96. Jordan Stratford: The Woolstonecraft Detective Agency 1 – The Case of the Missing Moonstone
  97. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  98. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  99. Charles den Tex: Die Zelle
  100. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  101. Sarah Tolcser: Song of the Current
  102. Jessica Townsend: Nevermoor -The Trials of Morrigan Crow
  103. Tiffany Trent: Unnaturalist
  104. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  105. Renee Watson: Piecing Me Together
  106. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  107. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  108. Darcie Wilde: A Useful Woman (Rosalind Thorne Mystery 1)
  109. Katherine Woodfine: The Clockwork Sparrow
  110. Xinran: Gerettete Worte
  111. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

93 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo: Poor Economics – Plädoyer für ein neues Verständnis von Armut

Ich muss gestehen, dass ich auf „Poor Economics“ aufmerksam wurde, als bekannt wurde, dass der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis an Abhijit V. Banerjee „und seine Frau“ verliehen wird, wie ein englischsprachiges Wirtschaftsmagazin so schön formulierte. Weil es mich wütend gemacht hat, dass Esther Duflo in dieser Schlagzeile nur als Anhängsel erwähnt wurde, habe ich versucht, etwas mehr über die beiden Wissenschaftler und ihre Arbeit herauszufinden. Dabei bin ich über „Poor Economics“ gestolpert, fand, dass das Buch sehr interessant klingt, und habe es deshalb spontan in der Bibliothek ausgeliehen. Dabei muss ich betonen, dass der Titel im Original schon 2011 veröffentlicht wurde, was ich mir beim Lesen immer wieder ins Bewusstsein rufen musste, weil die meisten zitierten Studien vor 2010 stattfanden. Ein bisschen frage ich mich daher schon, welche der dort dargestellten Informationen sich schon wieder als veraltet herausgestellt haben und welche nicht.

Außerdem muss ich zugeben, dass Wirtschaftswissenschaften so gar kein Thema sind, das mich bislang interessiert hat. Ich habe keinerlei Vorbildung in dem Gebiet, was bedeutet, dass das, was die beiden Autoren in ihrem Buch geschrieben haben, für mich vollkommen neue Wissensfelder betrifft. Umso spannender fand ich, dass ich den verschiedenen Kapiteln in „Poor Economics“ problemlos folgen konnte und die verschiedenen Schlüsse, die Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo aus den diversen Studien zogen, nachvollziehbar und stimmig fand. Wobei mich der rein „wirtschaftliche Blick“ der Autoren auf ein Thema beim Lesen regelmäßig irritierte, weil es mir nun einmal fernliegt, eine Gesundheitsmaßnahme, ein Bildungsangebot oder Ähnliches ausschließlich aufgrund von wirtschaftlichen Erfolgen oder bezüglich der effektivsten Nutzung von Ressourcen zu betrachten. Oder weil ich es unstimmig finde auszurechnen, dass ein Mensch pro Jahr, das er mehr in der Schule verbringt, theoretisch x Prozent mehr Lohn in seinem Leben verdienen wird und sich deshalb dieses „Investment“ in Bildung rentiert. Aber ich gebe zu, dass meine Ansicht, dass Bildung sich immer rentiert, auch wenn am Ende kein „finanzieller Mehrwert“ dabei rausspringt, einer sehr priviligierten Sicht auf die Welt entspringt.

In zehn Kapiteln beschäftigen sich Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo mit der Ursache für Armut, mit den Themen Ernährung und Hunger, Gesundheit und Bildung, Familienplanung und Absicherungen/Versicherungen, sowie mit den Möglichkeiten zu sparen und Unternehmensgründung. All diese Kapitel fand ich so gut und verständlich geschrieben, dass auch jemand wie ich, die sich noch nie mit Wirtschaftsthemen beschäftigt hat, die verschiedenen Probeme, ihre Ursachen und ihre (möglichen) Lösungen gut verstand. Viele Punkte werden mit Beispielen belegt, denen die beiden Autoren im Laufe ihrer Forschung begegnet sind, was sie für mich greifbarer machten.

Was mich besonders fasziniert hat, waren die Dinge, die ich so nicht erwartet hätte. Zum Beispiel wird ganz zu Beginn von „Poor Economics“ erwähnt, dass zwar seit Jahrzehnten sehr viel Geld in die Entwicklungshilfe gesteckt wird, es aber keine gut belegte Forschung dazu gab, welche Maßnahmen wirklich spürbaren Einfluss auf das Leben der Menschen hatten. So ist es unumstritten, dass zum Beispiel Menschen in Krisengebieten kurzfristig mit Nahrung und Wasser beliefert werden müssen, aber lange Zeit hat sich niemand die Mühe gemacht herauszufinden, ob die langfristige Ausgabe von Lebensmittelspenden die sinnvollste Art der Unterstützung wäre. (Ich spoilere mal und verrate, dass es spätestens dann unsinnig ist, wenn ein Teil der Lebensmittelspenden in korrupten Regierungskanälen versickert oder aufgrund schlechter Lagerungsmöglichkeiten von Schädlingen vernichtet wird.)

„Die mangelnde Rentabilität der Unternehmungen von Armen erklärt auch, weshalb Mikrokredite offenbar keine radikalen Veränderungen im Leben der Kunden herbeiführen. (…) Wenn die von Armen betriebenen Geschäfte generell unrentabel sind, wird plausibel, warum Kredite, die ihnen die Geschäftsgründung ermöglichen sollen, keine deutliche Verbesserung ihrer Gesamtsituation nach sich ziehen.“ (S. 227)

Erst Mitte der 1990er Jahre wurden (unter anderem von Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo) überhaupt Vergleichsstudien entwickelt, mit denen die Wirksamkeit der verschiedenen Maßnahmen überprüft werden konnten und nicht alle Organisationen und Regierungen waren glücklich mit den Ergebnissen, die bei diesen Studien herauskamen. So ergaben diese Vergleichstudien, dass die beliebten und weit verbreiteten Mikrokredite zwar das Leben derjenigen häufig verbesserten, die sie aufnahmen, dass diese Verbesserung aber relativ gering war, dass nur wenige weitere Menschen davon profitierten und dass selbst bei großzügigen Kreditangeboten in der Regel große Hemmungen bestanden, so einen Mikrokredit aufzunehmen. Zum Teil zeigten diese Vergleichstudien auch auf, dass man gar nicht die Maßnahmen zur Entwicklungshilfe ändern musste, um erfolgreicher zu sein, sondern bestimmte Bedingungen vor Ort. So ist zum Beispiel vielen Landwirten in afrikanischen oder asiatischen Ländern durchaus bewusst, dass sie mit Dünger und besserem Saatgut bessere Ernten einfahren können, aber sie haben kurz vor der Aussaat kein Geld für Dünger und Saatgut.

Dieses Problem könnte theoretisch umschifft werden, wenn sie direkt nach dem Verkauf ihrer Ernte Saatgut und Dünger kaufen würden, aber da zu diesem Zeitpunkt die örtlichen Geschäfte in der Regel diese beiden Produkte nicht anbieten, bleibt den Landwirten nur der Vorsatz, Geld dafür zur Seite zu legen. Doch dieses gesparte Geld wird am Ende nur selten bis zur Saatzeit unangerührt bleiben, weil in armen Haushalten nun einmal regelmäßig (mehr oder weniger ernsthafte) Notfälle auftreten, die Extrakosten verursachen. Wenn aber direkt nach der Ernte diesen Landwirten von Hilfsorganisationen Gutscheine über die gewünschten Produkte (in erster Linie Dünger) angeboten wurden, um ihr Kapital zielbezogen festzulegen, fanden sie in der Regel alternative Möglichkeiten, um mit den Notfällen zwischen Ernte und Saatzeit umzugehen, und so stand ihnen dann zur passenden Zeit der notwendige Dünger zur Verfügung.

Ich muss zugeben, dass dieser „menschliche“ Faktor für mich der faszinierendste Aspekt an den in „Poor Economics“ geschilderten Studienergebnissen war. Am Ende bleibt trotz all der in dem Buch beschriebenen Vergleichsstudien und gewonnenen Erkenntnisse eigentlich auf der einen Seite das Fazit, dass man mit kleinen Maßnahmen schon überraschend viel erreichen kann. Aber auf der anderen Seite steht eben auch die Einsicht, dass man noch immer viel zu wenig über die vielen Faktoren weiß, die Entwicklungshilfe und das Leben der Menschen, die davon eigentlich profitieren sollten, betreffen. Und für mich persönlich steht ein bisschen die Frage im Raum, was sich wohl in den zehn Jahren, die seit der Erstveröffentlichung von „Poor Economics“ verstrichen sind, in diesem Bereich der Forschung noch so getan hat.

Herbstlesen im Oktober (So., 27. Oktober)

Da für den 31. kaum einer Zeit und Interesse angemeldet hat (was bei einem Wochentag mehr als verständlich ist), ist heute also schon der letzte Tag des Herbstlesens 2019. Ich freu mich sehr darüber, dass wir noch einen gemeinsam Sonntag miteinander verbringen können (und verweise vorsichtshalber schon mal auf den Lese-Sonntag am 17. November). Bevor ich noch mehr Sätze mit eingeschobenen Klammerbemerkungen produziere, schiebe ich die gestern angesetzten Brötchen in den Ofen und greife ich dann erst einmal zu meiner Anthologie und schaue, was die nächste Kurzgeschichte mir zu bieten hat. 😉

Update 10:00 Uhr

Die Brötchen sind fertig (wenn sie schmecken, mache ich das nächste Mal nur die Hälfte des Teigs und nehme deutlich weniger Hitze als im Rezept steht), der Abwasch erledigt, die Wäsche von gestern Abend weggeräumt und meine erste Kurzgeschichte des Tages habe ich auch gelesen. Lori M. Lee greift in „Steel Skin“ eine Geschichte der Hmong („The Woman and the Tiger“) auf und erzählt eine SF-Handlung, in der die fünfzehnjährige Protagonistin Yer vor einem Jahr bei einem Aufstand der Androiden ihre Mutter verloren hat. Ihr Vater ist seitdem nicht mehr der Selbe, er ist verschlossen, antriebslos und abweisend, obwohl Yer ihn nun mehr den je benötigt. Richtig unheimlich wird es, als er nach einer Reise zurückkommt und sich noch weniger als zuvor um Yer kümmert, bis in ihr der Verdacht aufkommt, dass die Person, mit der sie zusammenlebt, nicht mehr ihr Vater ist … Ich mochte die Geschichte sehr, sie ist voller Wut und Trauer, Freundschaft und Vertrauen und präsentiert ein wirklich überraschendes und cooles Ende. 🙂

Nach dem Lesen der Geschichte habe ich die Tatsache genutzt, dass mein Mann heute länger geschlafen hat und mir Musik angemacht und zu meinem Strickzeug gegriffen. Das Tuch habe ich schon vor einer Weile angefangen, hatte aber in letzter Zeit keine Gelegenheit für „Stricken mit ein bisschen mehr Denken als sonst“ und stattdessen in der Regel eher zu den Socken gegriffen, die ich aktuell für meinen Mann stricke. Wenn mein Mann mit seinem Frühstück fertig ist, werden wir wohl erst einmal eine Runde zusammen puzzeln. Den Hellboy hatten wir in der vergangenen Woche beendet und nun haben wir uns als nächstes unser letztes (noch eingeschweißtes) Elzupp! vorgenommen. Da es heute draußen sehr dunkel ist und bestimmt bald wie aus Eimern schütten wird (mein Mittleid gilt den armen Läufern, die heute beim Frankfurt Marathon starten), wird es heute etwas anstrengend für die Augen. Aber wir denken, dass das schon klappt wenn wir einfach vormittags und nachmittags eine Puzzle-Runde einlegen – das bietet mir dann auch die Gelegenheit zu einer relativ normalen Zeit (also für mich) zu frühstücken. 😉

Update 13:00 Uhr

Ich bin wirklich froh, dass ich heute Vormittag gar nicht versucht habe zu Lesen, denn wie immer an Marathon- (oder Triathlon-)Tagen ist es sehr, sehr laut im Viertel inklusive Trillerpfeifen und Kuhglocken, Hubschraubern und Vorausfahrzeugen mit Megafon-Durchsagen. Immerhin ist heute die Spitze der Läufer schon um 11 Uhr an unserer Kreuzung vorbeigezogen und gerade meldete die Polizei über Twitter, dass sie einen Teil der Innenstadt schon wieder für den Verkehr freigibt, also sollte sich die Veranstaltung heute wohl nicht so lang hinziehen.

Was das Puzzle angeht, so wird es dieses Mal besonders spannend, denn wir puzzeln nicht einen Teil der Szene, der auf dem Bild nicht abgebildet ist, wie das sonst bei den Elzzups! der Fall war, sondern wir puzzeln die gleiche Veranstaltung – allerdings 2000 Jahre in der Zukunft. Bislang haben wir gerade mal den Rand gelegt und überall auf dem Tisch Häufchen verteilt, um einen groben Überblick über das Puzzle zu bekommen. Momentan habe ich das Gefühl, wir hätten die Puzzlematte gar nicht rausholen müssen, weil wir mit all den Haufen das Ganze eh nicht mal eben einrollen können, wenn wir den Tisch anderweitig nutzen wollen. *g*

Da mein Magen dann doch noch anfing zu knurren, gab es erst einmal Frühstück. Die Brötchen schmecken überraschend gut, allerdings finde ich die Konsistenz recht schwierig, da nach dem Abkühlen selbst die anfangs knusprige Kruste weich geworden ist. Mal schauen, wie sie sich in den nächsten Tagen machen – ich habe ja genug gebacken, um mich davon bis zur Wochenmitte zu ernähren … Jetzt dreh ich erst einmal eine Kommentarrunde und wärme dabei meine Fuße unter der Sofadecke.

Update 17:00 Uhr

Uff, rund um das letzte Update fing unsere Internetverbindung an zu mucken und so etwas treibt mich ja in den Wahnsinn. Für Technik – egal welcher Art – die nicht reibungslos funktioniert, habe ich so gar keine Geduld. Besonders lästig war es, dass sich dadurch die Kommentarrunde so lange hingezogen hat und ich bei den Blogspot-Blogs mehrfach meinen Namen eingeben und die „ich bin kein Roboter“-Haken setzen musste, bevor mein Kommentar überhaupt gesendet wurde. Jetzt scheint aber alles wieder okay zu sein und ich hoffe, dass es den Rest des Tages dann auch so bleibt.

Da ich mich etwas frostig fühlte und meine (seit Wochen ein winziges Bisschen am Morgen vorhandenen) Halsschmerzen heute einfach nicht verschwinden wollen, bin ich nach der Kommentarrunde auf dem Sofa geblieben und habe mit meinem Mann „Gefangen bei den Pharaonen“ von H.P. Lovecraft (gelesen von David Nathan) gehört. Dazu habe ich weiter an meinem Tuch gestrickt, bis ich genügend Fläche hatte, um mir das Muster richtig anzuschauen. Dann habe ich beschlossen, dass meine Wolle viel zu fein für dieses Muster ist und alles wieder aufgeribbelt. Etwas ärgerlich, aber ich ribbel lieber jetzt auf, als dass ich später mit einem Tuch rumlaufe, das mir nicht gefällt. Dummerweise muss ich mich jetzt auf die Suche nach einem weiteren klarem, nicht zu verspielten Muster machen, mit dem ich den nächsten Versuch für ein Halstuch wagen kann.

Oder ich mache das Muster noch einmal, das ich schon für mein grünes Tuch verwendet habe. Das gefiel mir gut und passt auch zu der Jacke, zu der ich das schwarze Tuch machen möchte, aber auf der anderen Seite finde ich es etwas langweilig zwei gleiche Tücher zu machen. Nebenbei habe ich in der letzten Stunde weiter Kommentare beantwortet und etwas getwittert (wenn mein Mann CivVI kommen regelmäßig blöde Sprüche von ihm, die ich einfach irgendwo festhalten mag :D) und Bilder von flauschigen Katzenbäuchen zugeschickt bekommen. Drückt mir die Daumen, dass ich nicht in den nächsten Tagen krank werde, ich habe keine Lust meinen Grippe-Impftermin am Mittwoch abzusagen.

Update 20:00 Uhr

Nach dem letzten Update habe ich spontan einen ersten Entwurf für einen „Sachbuch-Challenge“-Ankündungsbeitrag (für Anfang Dezember) geschrieben. Seitdem das Thema vor kurzem aufkam, ging es mir nicht mehr aus dem Kopf und ich hoffe, dass ich für das kommende Jahr wieder Leute finde, die mit mir gemeinsam Sachbücher lesen mögen. Vor der Veröffentlichung müsste ich aber noch ein Logo basteln. *g*

Außerdem habe ich ein bisschen an meinem aktuellen Socken gestrickt, während mein Mann (seltsame) Musik gehört hat. Neben habe ich noch ein paar Seiten in „Poor Economics“ (darüber, warum Versicherungsangebote von wirklich armen Menschen so gut wie nie angenommen werden) gelesen und gekocht (und immer wieder ein paar Puzzleteile gelegt :D) und gegessen.

Spitzkohl-Eintopf

Jetzt gibt es erst einmal wieder eine gründliche Blog- und Kommentarrunde und dann geht es mit dem Blücmchen gießen weiter.

Update 23:00 Uhr

Eigentlich wollte ich ja nach dem letzten Update „Animal Crossing“ spielen, aber bislang hat es nur zum Laden meines Speicherstands gereicht und den Rest der Zeit habe ich mit dem Lesen von Updates und dem Schreiben von Kommentaren verbracht. Irre, wie viel ihr heute (mit mir) kommuniziert habt! 😀 Damit meine Blümchen nicht über Nacht welken, werde ich für heute offline gehen, Blümchen gießen und dann ins Bett fallen.

Es war auch in diesem Jahr wieder wunderbar, mit euch gemeinsam das Herbstlesen zu verbringen. Ich mag es nicht nur, dass dieses bewusste Verbringen des Tages dafür sorgt, dass ich mir wirklich ausgiebige Erholungszeit gönne, sondern ich liebe auch den Austausch mit euch! Es ist immer spannend zu sehen, was euch beschäftigt, was ihr lest und womit ihr eure Stunden verbringt, wenn ihr es euch gutgehen lasst. Also vielen Dank fürs Mitmachen, und vielleicht treffen wir uns im kommenden Jahr ja wieder zum Herbstlesen im Oktober! 🙂

 

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Heutige Mitleserin:

Neyasha
Ina
Sunny
Anette
Natira
Kiya
JED
Sayuri

Herbstlesen im Oktober (Sa., 26. Oktober)

Ich habe gerade mal wieder einen Anfall von „wie schnell die Zeit vergeht“, denn heute bricht schon das letzte Herbstlesen-Wochenende an und ich habe das Gefühl, der Oktober ist einfach so vorbeigeflogen. Immerhin habe ich mir in der vergangenen Woche sehr viele Lesestunden gönnen können (auch in den Bewusstsein, dass die kommende Woche mit all den vielen Terminen mir nicht viel Freizeit bringen wird). Es ging also nicht nur am Freitag weiter mit dem Deborah-Crombie-Lesen mit Sayuri, sondern ich habe auch den erste Band der Beaumont-and-Beasley-Reihe, „The Spellcoats“, ungefähr die Hälfte von „Poor Economics“ und ein paar Kapitel in „The Boneyard“ gelesen, sowie „Brief Cases“ beendet und „A Thousand Beginnings and Endings“ (erneut) angefangen. Mit der Anthologie mache ich auch gleich weiter, bevor es für uns wieder losgeht, weil wir für heute Vormittag eine Frühstücksverabredung mit der ehemaligen Nachbarin haben.

Update 8:45 Uhr

Nicht gerade das beste Cover, um es im Halbdunkeln zu fotografieren …

Die Kurzgeschichte „Olivia’s Table“ von Alyssa Wong hat mir sehr gut gefallen (ich muss mal schauen, was die Autorin noch so geschrieben hat). In der Geschichte wird das chinesische Yu Lan (Hungry Ghost Festival – keine Ahnung, wie das auf Deutsch genannt wird) aufgegriffen, wobei Olivia eine chinesische Amerikanerin ist, die nach dem Tod ihrer Mutter deren Rolle als „Exorzistin“ übernimmt und in einer alten Minenstadt für die Geister ein Festmahl ausrichtet. Während das örtliche Hotel Olivia als Exorzistin engagiert hat, geht es ihr darum die Vorfahren zu ehren, sie auch nach dem Tod noch mit gutem Essen glücklich zu machen und wenn das dazu führt, dass sie Ruhe und Frieden finden, dann ist es gut so. Ich mochte die Geschichte sehr, weil es nicht nur schön diese chinesische Tradition beschreibt, sondern auch Olivias eigenen Weg, um mit dem Tod ihrer Mutter fertig zu werden, und ihre Suche nach einen Platz im Leben.

Jetzt muss ich mich aber so langsam umziehen, damit wir uns pünktlich auf den Weg machen können. Ich melde mich nach der Frühstücksverabredung wieder hier und wünsche euch bis dahin einen schönen Start ins Wochenende! 🙂

Update 14:45 Uhr

Uff, das war heute eine gründliche Frühstücksverabredung mit sehr lästigen Straßenbahnfahrten (dank Sperrung des Hauptbahnhofes hat sich sehr viel Verkehr auf die Straßenbahn verlagert, die wir quer durch die Stadt nehmen müssen) und sehr intensiven und lustigen Gesprächen. Unter anderem haben wir uns über Filme unterhalten, die anscheinend nur ich kenne … Ich gebe zu, dass weder „Die Indianer von Cleveland“, noch „Flammender Sommer“ besondere Kunstwerke oder besonders erinnerungswürdig sind, aber dass weder unsere ehemalige Nachbarin, noch mein Mann diese Filme je gesehen haben, irritiert mich. Das ist ein bisschen wie mit „Bolle“ am vergangenen Wochenende, bei den „Indianern von Cleveland“ war ich mir ebenso sicher, dass die allgemein bekannt sind wie der „Bolle“. 😉

Bevor ich mich jetzt auf dem Sofa einrolle und zum Buch greife, drehe ich erst einmal eine Blog- und Kommentarrunde und kümmere mich um den heute Morgen nicht beendeten Abwasch.

Update 19:00 Uhr

Statt mich direkt nach der Kommentarrunde auf meinen restlichen Abwasch zu stürzen, habe ich mich natürlich vom Internet ablenken lassen und mich intensiv mit einem Artikel über Giulia Tofana beschäftigt – eine Frau, die in der Renaissance über 600 Frauen dabei half, ihre Männer zu vergiften. Ich muss gestehen, ich würde sehr gern mal eine gut geschriebene Biografie über diese Frau lesen, aber da es die nicht zu geben scheint, muss ich mich wohl mit einem englischen Sachbuch über Giftmorde („The Royal Art of Poison“ von Eleanor Herman) begnügen, über das ich bei meiner Suche gestolpert bin und das ich auf meinen Merkzettel gesetzt habe. 😀 Und da ich schon bei meinem Merkzettel war und seit Wochen im Hinterkopf habe, dass ich noch ausprobieren wollte, ob ich meinen Vater in diesem Jahr von „doppelten Geschenken“ abhalten kann, in dem ich für ihn einen Extra-Wunschzettel, habe ich das auch gleich erledigt. Irgendwie erschüttert es mich immer wieder, dass der Mensch, der mir in den 90ern bei jedem PC-Problem zur Seite stand, heutzutage mit den alltäglichsten Dingen im Internet vollkommen überfordert ist (obwohl er das natürlich nicht so sieht und ich deshalb sehr vorsichtig sein muss, wenn ich mich mit ihm darüber unterhalte, warum etwas wohl noch hinhaute).

Irgendwann habe ich mich dann aber doch vom Laptop gelöst (nachdem ich noch eben spontan zwei Hörbücher gekauft und den Download gestartet hatte, obwohl ich gerade so gut wie keine Hörbücher höre,) und mich auf den Abwasch und danach in die Dusche gestürzt. Kochwäsche habe ich auch noch angeworfen und das Abendessen soweit vorbereitet, dass ich nur noch Nudeln kochen und die Sauce aufwärmen muss. Dann wollte ich eigentlich gemütlich mit Tee, Apfel (wir testen gerade jede Woche eine andere aktuelle Apfelsorte, was erstaunlich spannend ist, weil die so unterschiedlich schmecken) und Buch auf dem Sofa versumpfen, aber irgendwie gab es schon wieder Kommentare zu beantworten. *g* Jetzt werde ich aber die Zeit bis zum Kochen nutzen und wirklich meine Nase in meinen Roman stecken. Da ich wieder einen spontanen Anfall von Cozy-Lust habe, aber euch nicht schon wieder einen Agatha Christie zumuten will, habe ich mich für den vierten (?) Her-Royal-Spyness-Band „Royal Blood“ entschieden. Ich habe von der Reihe noch mehrere Bände auf dem SuB und es gibt noch diverse Fortsetzungen, die ich noch nicht besorgt habe, so dass ich da nicht befürchten muss, dass mir der Nachschub in den nächsten Jahren ausgeht. 😉

Update 22 Uhr

Brötchenteig … der wegen der darin befindlichen Haferlocken so klumpig aussieht. *g*

Wenn man bis 20 Uhr Kommentare schreibt, schiebt sich das Abendessen irgendwie ein bisschen nach hinten. Und wenn man dann noch während des Kochens feststellt, dass die einkaufende Person heute vergessen hat Knäcke für mein Frühstück zu besorgen, dann wird es notwendig noch eben einen Teig für „Übernachtbrötchen“ anzusetzen. Das Rezept habe ich vor einigen Wochen irgendwo gefunden und für den „Notfall“ notiert, hätte aber nicht gedacht, dass ich es so schnell einmal ausprobieren würde. Aber Mehl, Haferflocken, Wasser und Trockenhefe habe ich nun mal immer im Haus und wenn die Brötchen morgen was werden, dann wäre das ziemlich cool.

Linsen-Bolognese ist auch nicht gerade das fotogenste Essen. 😉

Nach dem Abendessen habe ich dann noch meine tägliche Runde „Animal Crossing“ absolviert – so langsam geht es auch in dem Spiel in Richtung Halloween, was bedeutet, dass meine Nachbarin mich mal wieder darüber aufgeklärt hat, was ich am 31. zu tun habe. 😉

Uuuund dann habe ich es doch noch geschafft endlich meinen Roman aufzuschlagen! Georgie hat nach den Ereignissen im vergangenen Band kein neues Engagement gehabt (nachdem ihre Idee eines Begleitservices für Theaterbesuche diverse Herren auf vollkommen absurde Ideen gebracht hatte – sehr seltsam! :D). Es ist nebelig und kalt in London und Georgie fühlt sich ziemlich einsam im Stadthaus ihrer Familie. Trotzdem ist die Aussicht darauf, dass ihr Bruder mit seiner Frau (die zu erwarten scheint, dass Georgie das Haus vorbereitet) sich in den nächsten Wochen dort einquartieren, noch unangenehmer für Georgie als die Einsamkeit. Außerdem fürchtet sie sich ein bisschen davor, dass Queen Mary wieder einen Auftrag für sie geplant hat, der ihr Leben aufregender machen wird, als ihr lieb ist (und als sie sich finanziell leisten kann). Stellenweise wird Georgie schon sehr naiv dargestellt, aber grundsätzlich mag ich die Krimis sehr gern, finde sie amüsant und bin neugierig auf den Fall. Es gibt eindeutig schlechtere Cozies. 🙂

Update 23:50 Uhr

Auch wenn ich mich wiederhole: Wo ist der Tag hin? Seit dem letzten Update habe ich noch ein bisschen gelesen und ein bisschen kommentiert und nun hüpfe ich am Besten ins Bett, bevor ich wieder etwas finde, dass die nächsten Stunden frisst. 😉 Ich hoffe, ihr habt eine gute Nacht! Bis morgen! 🙂

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Heutige Mitleserinnen:

Neyasha
Sunny
Natira
Ina
Anette
JED

Deborah-Crombie-Lesetag (6) – Böses Erwachen

Inzwischen sind Sayuri und ich schon beim sechsten Kincaid-und-James-Roman angekommen und als ich in der vergangenen Woche online den Klappentext der aktuellen Ausgabe las, konnte ich so gar nichts mit der Inhaltsangabe anfangen. Meine ältere Ausgabe hingegen beinhaltet nicht nur die Erwähnung eines „Straßenmusiker“ (bei dem ich mich frage, ob ich die richtige Figur im Kopf habe), sondern auch den Namen des Opfers und der sorgt dafür, dass ich mich zumindest erinnern kann, dass ich die Geschichte früher mochte. Ich bin gespannt, welche Erinnerungen im Laufe der ersten Kapitel noch hochkommen oder ob es dieses Mal so sein wird, als ob ich den Roman zum ersten Mal lesen würde. 😉

Update 11:45 Uhr

Es ist für mich jedes Mal wieder von neuem faszinierend, wie Deborah Crombie mit wenigen Worten einen Charakter kreiert, der für mich lebendig wird. Auf den ersten Seiten von „Böses Erwachen“ schafft sie das für mich mit George Brent, der nur seine Hündin ausführen will, bevor der Tag noch heißer wird, und dabei eine Leiche findet. Die wenigen Absätze aus seiner Sicht führen dazu, dass es mir schrecklich leid tut, dass gerade er diese Leiche finden muss. Auf der anderen Seite bin ich mir sicher, dass seine Hündin Sheba und seine verwitwete Nachbarin sich gut um ihn kümmern werden. 🙂 Außerdem mochte ich sehr die ersten beiden Szenen mit Gemma (die all ihren Mut zusammengenommen hat, um eine Klavierlehrerin aufzusuchen,) und Duncan (der auf dem Weg ist, um einen Tag mit Kit zu verbringen, der immer noch nicht weiß, dass er Duncans Sohn ist). Während Gemma Angst vor ihrer eigenen Courage hat, ist Duncan richtig glücklich darüber, dass er Zeit mit Kit verbringen kann und dass sie sich in den letzten Monaten so gut verstanden haben. Das ist ebenso schön zu lesen wie die Pläne, die er sich beim Anblick eines bunten Marktes für einen gemeinsamen Ausflug mit Kit und Gemma überlegt.

Schon auf den ersten Seiten stellt Deborah Crombie mit wenigen Sätzen die Entwicklung der Docklands da. Die Arbeiter und Farmer, die früher dort lebten, und die Baufirmen, die in den 90er Jahren der Gegend einen ganz neuen Schwerpunkt verliehen haben. Sehr schön die Beschreibung des Supermarktes, der für eine gehobenere Schichte geplant zu sein scheint, aber (noch?) vor allem von Arbeitern genutzt wird. Dass es sich bei der Toten um Annabelle Hammond handelt, wird schon lange vor der Identifizierung der Leiche deutlich, und obwohl die Autorin wie immer schöne „Vorstellungsszenen“ geschrieben hat, wurde es mir am Anfang fast ein wenig viel mit all den neuen Charakteren, die sich Gedanken über Annabelle machten. Es fühlte sich an, als ob ich die selbe Stunde des selben Samstags immer wieder erlebte, ohne dass es weiterging. Wobei Letzteres vermutlich an mir liegt und weniger an dem Buch, da ich den Vormittag über auf eine Lieferung gewartet habe und mich das immer unruhig macht. Aber da meine Gemüsekiste gerade geliefert wurde, kann ich mich jetzt in Ruhe mit Frühstück und Buch auf dem Sofa einrollen und mich in den nächsten Stunden etwas intensiver mit der Geschichte befassen.

Update 13:30 Uhr

So richtig klappte es heute nicht mit dem konzentrierten Lesen, aber trotzdem habe ich das Gefühl, ich bin wieder in der Handlung drin. Ich erinnere mich an die Atmosphäre des Romans und bestimmte Szenen kommen mir auch vertraut vor (wie der Moment, in dem Reg und der Vater der Toten zusammen Tee trinken und sich Reg Gedanken über die richtige Art des Teeaufbrühens macht), aber ich habe keine Erinnerungen an noch kommende Szenen. Ich bin mir nur sicher, dass der Straßenmusikant (der bislang vor allem in den Gedanken anderer vorkam) nichts mit dem Mord zu tun hat und in gewisser Weise selber ein Opfer ist. Ansonsten frage ich mich, was Deborah Crombie mit der Figur von Janice Coopin beabsichtigt hat. Es fühlt sich an, als ob die Autorin sich nicht entscheiden konnte, ob diese Polizistin nun sympathisch sein sollte oder nicht, und wie so oft denke ich, dass Duncan ihr gegenüber etwas aufmerksamer sein könnte. Er bemerkt zwar, dass es für sie nicht schön ist, dass er ihr bei dieser Ermittlung vor die Nase gesetzt wird, hat aber kein Gefühl dafür, dass es für sie als Frau noch einmal ein Stück schwieriger ist, obwohl er inzwischen durch Gemma doch genügend Einblicke in das Leben als Polizistin bekommen haben müsste.

Ein wenig schmunzeln musste ich bei der Beschreibung der Wohnung von Annabelle, da Gemma feststellt, dass alles ein bisschen zu ordentlich ist und nichts darauf hinweist, dass das Opfer irgendeiner Tätigkeit nachgegangen sei, bevor sie das Haus verließ. Wenn ich so über den Rand meines Buches blicke, dann sehe ich bei mir genau das Gegenteil davon (und bekomme spontan Lust ein paar der angefangenen Sachen jetzt sofort weiter zu machen). *g*

Update 15:00 Uhr

Heute ist einer dieser Tage, an denen sich mein Gehirn mit allem möglichen beschäftigt und viel zu wenig mit dem Buch vor meiner Nase. (Ein Teil meines Gehirns hat sich zum Beispiel mit der Frage beschäftigt, ob es sich lohnen würde, wenn man After-Eight-Stückchen dünn mit Mürbeteig ummantelt, um Kekse darauf zu backen, oder ob sich die Schokolade mit der Minzfüllung einfach bei der Wärme im Ofen verabschieden würden. Und nein, ich weiß nicht, wieso mir das gerade heute in den Sinn gekommen ist …) Aber zurück zu „Boses Erwachen“: Inzwischen hat der Straßenmusiker (Gordon Finch) nicht nur einen Namen, sondern ist auch zum ersten Mal von der Polizei verhört worden. Was zu der Frage führt, was wohl zwischen ihm und Gemma vor einiger Zeit vorgefallen ist, was uns als Leser bislang vorenthalten wird.

Ansonsten schwanke ich zwischen Faszination und Erschütterung, wenn es um das Verhältnis der verschiedenen Personen zu Annabell geht. Auf der einen Seite hat sie ihre Angestellten anscheinend sehr unterstützt und sie ermutigt das Beste aus sich herauszuholen und sich mehr zuzutrauen, auf der anderen Seite scheint sie die Leute in ihrer Nähe regelmäßig verletzt zu haben (ohne dass sie es wollte oder es sie kümmerte?). Was mich erschüttert, ist die Verherrlichung ihrer Person, die anscheinend schon vor ihrem Tod stattfand. Für ihren Vater war sie die perfekte Tochter und ihre Schwester Jo konnte da nicht mithalten, für ihren Verlobten schien es klar zu sein, dass Annabell diejenige war, die die Regeln aufstellte, die die Entscheidungen traf und deren Launen jederzeit nachgegangen werden müsste. Es kann für Annabell nicht einfach gewesen sein, diesem Ideal ihres Vaters/ihrer Umgebung zu entsprechend, und damit zu leben, dass dies natürlich auch (negative) Reaktionen in ihrem Umfeld hervorgerufen hat.

Außerdem hatte ich ganz vergessen, dass es eine Verbindung zwischen William Hammond und Lewis Finch gibt – zum Großteil ist es wirklich, als ob ich den Roman noch gar nicht kennen würde. Ansonsten bin ich ziemlich verärgert mit Duncan, weil er Kit gegenüber so rücksichtslos ist und ihn (und seine Versprechen Kit gegenüber) vollkommen über die Arbeit vergessen hat. Das ist mehr als nur „er ist nicht ans Vatersein gewöhnt“, das ist rücksicht- und herzlos. Auch wenn ich vermute, dass das von Deborah Crombie so aufgebaut wurde, damit Duncan Kit endlich sagt, dass er sein leiblicher Vater ist.

Für heute war es das auf jeden Fall mit dem Deborah-Crombie-Lesetag für mich. Der Staubsauger und das Badezimmer rufen nach mir und auch sonst stehen noch ein paar weitere Punkte auf der To-do-Liste, die ich erledigen möchte, damit ich den Samstag entspannt genießen kann. 🙂

Mittwoch, der 6. November
Update 10:30 Uhr

Irgendwie bin ich heute nicht in den Tritt gekommen und renne ein bisschen hinter meiner Terminplanung hinterher, aber jetzt ist es soweit, dass die dringensten Vormittagssachen erledigt sind, mein Tee fertig gezogen ist und ich mich für eine Weile mit dem Buch aufs Sofa zurückziehen kann. Ich muss zugeben, dass ich mich seit Ende Oktober gar nicht mehr mit dem Roman beschäftigt habe und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass mich dieses Mal die Figuren (noch) nicht so gepackt haben, oder einfach daran, dass gerade in jeder freien Minute Bücher verschlinge und deshalb so viele Charaktere und Geschichten zwischen mich und „Böses Erwachen“ kamen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Handlung weitergeht, denn es bleibt dabei, dass ich mich an erstaunlich wenig Dinge erinnern kann. 🙂

Update 12:00 Uhr

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich wieder in der Geschichte drin war. Vor allem sind mir zwei Dinge durch den Kopf gegangen: Wie einsam all diese Figuren sind, selbst wenn sie Familien und Freunde haben, zu denen sie regelmäßig Kontakt haben. Jeder von ihnen gibt mir das Gefühl, er müsse einen Teil seiner Selbst verbergen, um den Erwartungen und Ansprüchen seiner Umgebung zu genügen. Auf der anderen Seite ist da Annabell, die den Menschen, mit denen sie zusammen war, das Gefühl gab, dass sie ihnen nur einen kleinen Teil ihrer selbst zeigen würde, dass sie sich und ihr Verhalten nie an die Erwartungen und Ansprüche ihrer Umgebung anpassen würde. Immer wieder fällt dabei das Wort „Egoismus“, aber fast nie schwingt dabei ein bitterer Unterton bei, sondern eher Bewunderung dafür, dass sie so konsequent in ihrem Verhalten war.

Ansonsten hänge ich mit meinem Kopf ein bisschen bei der Frage, was Gemma mit Gordon Finch verbindet und wieso sie mit Duncan nicht darüber reden mag. Gemma und Gordon haben keine Beziehung miteinander und doch ist da etwas Persönliches, das über die gemeinsame (und auf Gemmas Seite unausgesprochene) Liebe zur Musik hinaus zu gehen scheint. Duncan hingegen darf sich nun damit herumschlagen, dass Ian McClellan wieder eine Rolle in Kits Leben spielen will. All diese Erwachsenen, die für den Jungen wichtig sein wollen, aber nicht wirklich bereit sind ihren Alltag so weit umzukrempeln, dass Kit auch darin Platz findet, machen mich gerade ziemlich wütend. Ebenso wenig bin ich darüber glücklich, dass Duncan Gemma so von seinem Leben ausschließt, weil es bei ihm gerade nicht so gut läuft. Dieses Zurückziehen und Schweigen in einer Beziehung macht es für beide doch nur schwieriger …

Freitag, der 8. November
Update 10:30 Uhr

In den kommenden ein oder zwei Stunden wird es bei mir noch nicht so viel mit dem ungestörten Lesen, da ich unter anderem die Lieferung der Gemüsekiste erwarte und noch einen Kuchenteig im Ofen hatte. Außerdem muckt mein Körper ein bisschen, nachdem ich gestern die Treppe vor unserer Wohnungstür auf eher unkonventionellere Weise hinter mich gebracht habe. Zum Glück ist mir kaum etwas passiert, aber längere Zeit in der selben Position sitzen mag meine rechte Schulter seitdem so gar nicht, was das gemütliche Einrollen auf dem Sofa etwas erschwert. Was „Böses Erwachen“ angeht, so hinterlässt dieser Roman selbst beim Lesen bei mir relativ wenig Eindrücke. Vielleicht liegt das daran, dass ich schon weiß, wie es mit Kit und Duncan ausgehen wird, oder daran, dass ich Gordon Finch zwar mag, aber nicht das Gefühl habe, als ob er jemals wieder eine Rolle spielen wird, weil er einfach ein Mensch ist, dessen Prioritäten keine tieferen Bindungen zu anderen Menschen zulassen. Ich mag die Geschichte, aber sie klingt nicht so in mir nach wie die anderen Deborah-Crombie-Romane. Trotzdem bin ich neugierig darauf, wie es nun weitergeht und welche Spuren Gemma und Duncan letztendlich zum Täter (an den ich mich weiterhin nicht erinnern kann) führen. Ich glaube, am Ende bleiben zu Annabell bei mir vor allem die Sätze der Nachbarin Rachel hängen, die bedauert, dass Annabell durch ihren frühen Tod nicht die Gelegenheit hatte ihrer Schönheit zu entwachsen.

Update 12:30 Uhr

Sehr viel habe ich bislang nicht gelesen, dafür ist der Kuchen aus dem Ofen und ich habe mir noch einen Apfel-Milchreis zum Frühstück angesetzt … Bei „Böses Erwachsen“ ist bislang auch nicht so viel Neues passiert, allerdings habe ich gerade Brandy, die neue „Freundin“ von Martin Lowell, kennengelernt. Sie ist sehr jung, hat blondgefärbte Haare und trägt während einer sommerlichen Hitzewelle einen Minirock, ein bauchfreies Top und ein Nabelpiercing. Das wäre ja nicht bemerkenswert, wenn nicht sowohl Duncan, als auch Gemma abfällige Bemerkungen über Brandy machen würden, bei denen klar gesagt wird, dass Brandy selber Schuld ist, wenn Männer sie anglotzen, weil sie das mit ihrer Kleidung provoziert. Solche Bemerkungen machen mich wütend und ich hatte von Deborah Crombie eigentlich mehr erwartet, vor allem nachdem die Autorin im dritten Band der Reihe genau diese „Falle“ umgangen hatte, in dem sie Connors Freundin Sharon zwar auf den ersten Blick „billig“ wirken ließ, aber dann durch die weiteren Gespräche zwischen Duncan und ihr zeigte, was für ein Unrecht Sharon mit solch einer schnellen Verurteilung angetan wurde. Brandy hingegen wird wohl keinen weiteren Raum im Roman mehr einnehmen … Überhaupt muss ich bei diesem Band einen beklagenswerten Mangel an liebenswerten Nebenfiguren feststellen, wenn man von George Brent und Jos Nachbarin Rachel absieht, aber beide gehen etwas unter zwischen all den Personen, die direkter mit Annabell zu tun hatten.

Update 15:00 Uhr

Beim Fotografieren ist mir eben mal wieder aufgefallen, wie nichtssagend die Cover der Deborah-Crombie-Romane doch gestaltet wurden. Dabei hätte man bei diesem Band so schön einen alten Speicher, einen Teil der Themse oder ähnliches verwenden können, um die Stimmung der Geschichte aufzugreifen. Selbst ein altes Herrenhaus, wie das in dem William und Lewis die Kriegsjahre verbracht haben, wäre passender gewesen als dieses nichtssagende Gebäude. Aber nun gut, nur weil ich die Cover wenig ansprechend finde, wird der Verlag wohl nicht anfangen eine 25-Jahre-alte Verkaufsstrategie zu ändern. 😉

Es hat eben ein bisschen gedauert, bis ich mich wirklich in Ruhe aufs Sofa setzen und lesen konnte, aber da ich wusste, dass ich Sayuri mal wieder davon geeilt war, fand ich es heute auch nicht so schlimm, dass ich von Paketboten, Gemüselieferanten und all den anderen Kleinigkeiten, die ich „nur kurz“ eben erledigt habe, abgelenkt wurde. Was „Böses Erwachen“ angeht, so finde ich es schwierig über Gemmas „Beziehung“ mit Gordon zu lesen. Ich kann verstehen, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt, ich kann aber nicht verstehen, dass sie damit nicht umgehen kann. Letztendlich sind es einfach nur ein gut aussehender Mann und seine Musik und ich vermute, dass Letzteres der Hauptgrund für die Anziehung ist, die sie reizen. Aber bislang war Gemma zu professionell, um private Elemente so sehr in ihre Arbeit einfließen zu lassen, und diese Professionalität vermisse ich hier. Ebenso passt es für mich nicht, dass sie sich wie Duncan in den vergangenen Romanen benimmt, statt wie die Gemma, die ich bislang kennengelernt habe.

Ansonsten fand ich es schön Irene kennenzulernen, auch wenn sie nur sehr wenig Raum einnahm, und dass Madelaine Wade (aus „Kein Grund zur Trauer“) noch einmal auftauchen durfte. Außerdem fand ich die Szenen berührend, in der Gordon und Lewis endlich einmal miteinander reden und endlich das ausgesprochen wird, was die ganze Zeit bei jedem Gespräch der beiden mit der Polizei mitschwang (nämlich, dass sie befürchteten, dass der jeweils andere der Mörder sein könnte). Was die Auflösung des Falls angeht, so habe ich inzwischen das Gefühl, dass ich die nach dem Lesen einfach jedes Mal wieder verdränge. So eine unschöne Geschichte, so viel verschwendetes Leben, so große unrealistische Erwartungen und so viele Jahre Kummer, obwohl das eine oder andere leicht hätte geklärt werden können. Oh, und irgendwie hatte ich gedacht, dass der Tee eine größere Rolle spielen würde – vielleicht weil das der Teil ist, der am unberührtesten von der ganzen Geschichte bleibt …

Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)

Der dritte Band der Dalemark-Reihe von Diana Wynne Jones führt den Leser in eine Vergangenheit von Dalemark zurück, in der es noch Könige gab. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Tanaqui, die die vierte von fünf Geschwistern und eine hervorragende Weberin ist. So ist es auch kein Wunder, dass sie ihre Geschichte in zwei Mäntel (Spellcoats) einwebt, so dass nur diejenigen, die die Webmuster zu lesen wissen, davon erfahren. Dabei erzählt der erste Mantel, wie alles in dem kleinen Dorf am Fluss begann, in dem Tanaqui gemeinsam mit ihren Geschwistern und ihrem Vater aufgewachsen ist, und wo die übliche Ruhe von einem Tag auf den anderen durch eine Gruppe Flüchtlinge gestört wurde. Diese Flüchtlinge berichteten von Krieg, und kurz nachdem diese Menschen über den Fluss gesetzt hatten und weitergezogen waren, kamen auch schon die ersten Soldaten, um Männer (und Jungen) anzuwerben, die für den König in den Kampf ziehen sollten.

Nachdem Tanaquis Vater im Krieg getötet wird und ihr ältester Bruder fast seelenlos zurückkommt, werden die Geschwister aus dem Dorf vertrieben und reisen den Fluss entlang bis zum Meer. Für Tanaqui und die anderen ist das eine beschwerliche Reise voller Gefahren in einem Gebiet, das von Hochwasser und Krieg zerstört wurde. Im Laufe ihrer Reise lernen sie, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügen und dass die Unsterblichen (the Undying), die schon in „Drowned Ammet“ eine große Rolle spielten, sie vor der Magie der „Heiden“ aus dem Norden schützen können – wenn Tanaqui und ihre Geschwister denn auf die Zeichen und Hinweise der (beinahe) göttlichen Wesen hören. Doch es ist nicht so einfach, mit den Unsterblichen zu kommunizieren und herauszufinden, welcher Weg für Tanaqui und die anderen der richtige ist.

Ich mochte sehr, dass man dadurch, dass Tanaquis Spellcoats die wahre Geschichte erzählen müssen, um ihre Magie zu wirken, das Gefühl bekommt, man könne der Erzählerin vertrauen – auch wenn es ihr oft genug nicht leicht gefallen ist, von all ihren Irrtümern und kleinlichen Gedanken zu erzählen. „The Spellcoats“ erzählt von der Entstehung Dalemarks, von den alten Mächten, die in dem Land aktiv sind/waren, und von der Herkunft der einen oder anderen Figur, die man bislang nur als Sagengestalt kennengelernt hat. Mir gefiel an Tanaquis Erzählstimme nicht nur, dass ich ihr als Erzählerin vertrauen konnte, sondern ich mochte auch, dass sie – trotz all der besonderen Fähigkeiten, über die sie verfügt, – eine ganz normale und sympathische Figur war. Sie liebt ihre Geschwister und ist doch oft ungeduldig mit ihnen oder ärgert sich über ihr Verhalten, sie vermisst ihre Eltern und wünscht sich regelmäßig, es gäbe jemanden, der sich um sie kümmern würde. Doch da es niemanden gibt, der ihr die Arbeit aus der Hand nimmt, und ihre Geschwister immer wieder jemanden brauchen, der sich um sie kümmert, nimmt sie die Angelegenheiten regelmäßig selber in die Hand. Nicht immer sind ihre Entschlüsse die klügsten, aber gerade das sorgt ja auch dafür, dass man ihrer Geschichte so gerne folgt und sich voller Spannung fragt, ob sie wohl am Ende ihre Aufgabe erledigt bekommt oder nicht.

Ich finde es immer schwierig, eine Reihe so zu lesen, dass die Ereignisse nicht chronologisch stattfinden, weil das oft genug dazu führt, dass man als Leser Dinge erzählt bekommt, die man schon kennt. Hier hingegen muss ich zugeben, dass es sich für mich richtig anfühlt, die Romane in der Veröffentlichungsreihenfolge zu lesen. Die Handlung von „Cart und Cwidder“ lässt sich ohne weitere Hintergründe (meinem Gefühl nach sogar besser) genießen, während ich vermutlich mit dem Wissen um die Vergangenheit Dalemarks, um die Unsterblichen und vielleicht sogar um die Herkunft des Barden Osfameron eine ganz andere Sicht auf die Geschichte gehabt hätte. So hingegen habe ich das Gefühl, dass ich als Leser gemeinsam mit der Welt von Dalemark wachse und im Laufe der Romane immer mehr Details und Hintergründe entdecken kann. All das macht mich auf jeden Fall sehr neugierig auf den Band „The Crown of Dalemark“, mit dem die Serie ihren Abschluss findet.