„Ghost Squad“ von Claribel A. Ortega habe ich am zweiten Herbstlesen-Wochenende angefangen und das Lesen sehr genossen. Die Geschichte wird aus der Sicht der zwölfjährigen Lucely Luna erzählt, deren Familie aus ihr, ihrem Vater Simon und den unzähligen Geistern ihrer verstorbenen Familienmitgliedern besteht. Diese Geister verbringen den Großteil ihrer Zeit als Glühwürmchen rund um eine besondere Weide im Garten des Hauses der Lunas, doch sie sind auch in der Lage, menschliche Gestalt anzunehmen. Allerdings kann nur Lucely sie in ihrer menschlichen Form sehen, da ihr Vater nach einem traumatischen Ereignis vor einigen Jahren seine Fähigkeit, Geister zu sehen, verloren hat.
Obwohl Lucely und ihr Vater relativ arm sind, da er mit seinen Geister-Touren durch die Stadt nicht gerade viel Geld verdient, wächst Lucely inmitten so vieler (wenn auch zum Großteil schon verstorbener) Familienmitglieder ziemlich behütet auf. Umso erschreckender ist es für Lucely, als sie herausfindet, dass die Bank kurz davor ist, ihrem Vater das Haus wegzunehmen. Als dann noch eine unheimliche Bedrohung ihre Geister verstört, beschließt Lucely gemeinsam mit ihrer besten Freundin Syd, dass nur Magie ihre Familie retten kann. Doch der Zauber, den die beiden Mädchen wirken, scheint die Lage eher noch zu verschlimmern. Von nun an schweben nicht nur Lucelys Geister in Gefahr, sondern die gesamte Stadt scheint von bösen Mächten überrannt zu werden.
Es gibt so einige bedrohliche Elemente und eine Menge unheimliche Schauplätze in „Ghost Squad“, aber trotzdem stehen in der Geschichte vor allem die Freundschaft zwischen Lucely und Syd sowie Lucelys Liebe zu ihrer Familie im Vordergrund. Dabei hat Claribel A. Ortega meiner Meinung nach in ihrem Debütroman ein großartiges Händchen für die verschiedenen Charaktere bewiesen. Lucely und Syd sind ein wunderbares Gespann. Die beiden unterstützen sich gegenseitig, ohne auch nur einen Moment darüber nachdenken zu müssen, und sie beweisen so viel Einfallsreichtum bei ihrer Suche nach Informationen, dass ich viel Spaß hatte, sie bei all ihren (häufig nächtlichen) Abenteuern zu begleiten.
Dann sind da noch die vielen (verstorbenen) Familienmitglieder von Lucely, die alle ihre Ecken und Kanten haben und von mir – selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt in der Geschichte hatten – schnell ins Herz geschlossen wurden. All dieser Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Figuren ist wunderbar zu lesen, sorgt aber auch dafür, dass sich die Handlung nie so richtig bedrohlich anfühlt, obwohl es eine Menge Szenen und Schauplätze in der Geschichte gibt, die das Potenzial für anständige Gruselmomente hätten. Alles in allem hinterließ „Ghost Squad“ bei mir (auch dank der vielen Anspielungen auf den Film „The Goonies“ – inklusive einem Katzen-Sidekick namens „Chunk“) am Ende eher das Gefühl, eine Halloween-Komödie statt einer Gruselgeschichte gelesen zu haben. Aber das war für mich auch vollkommen in Ordnung so, weil ich diese Mischung aus leicht gruseligen und sehr komischen Momenten – ebenso wie die vielen wunderbaren Charaktere und ihr Zusammenspiel – sehr genossen habe.
