Schlagwort: Francesca Gibbons

Lese-Eindrücke September 2025

Im September habe ich (wie so oft) deutlich weniger gelesen, als mir lieb gewesen wäre. Aber da unter den gelesenen Titeln einige Bücher waren, zu denen mir „nur“ ein paar Zeilen eingefallen sind, gibt es hier dann doch wieder einige Lese-Eindrücke:

Francesca Gibbons: A Clock of Stars 1 – The Shadow Moth

„The Shadow Moth“ lag seit November oder Dezember 2021 auf meinem SuB, und so wurde es in diesem September wirklich mal Zeit, das Buch zu lesen. Die Geschichte wird aus der Perspektive der elfjährigen Imogen erzählt, die – gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Marie – der titelgebenden Motte in ein fantastisches Land folgt. Dort freunden sich die beiden Schwestern mit dem etwa gleichaltrigen Prinzen des Reichs an und erleben auf der Suche nach einem Heimweg so einige Abenteuer. Es gibt hin und wieder Geplänkel zwischen den drei Kindern, sie müssen eine Menge Gefahren überstehen und treffen auf sehr viele fantastische Wesen. Alles in allem weist „The Shadow Moth“ alle Elemente auf, die zu einer erfolgreichen Portal-Fantasy-Geschichte gehören. Das Ganze wird noch ergänzt von den charmanten Illustrationen von Chris Riddell, die die verschiedenen Charaktere und wichtigsten Situationen liebevoll einfangen. Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht in ihren Bann ziehen. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag, aber bei mir sprang der Funke einfach nicht über. Francesca Gibbons hat so einige hübsche kleine Ideen in ihrem Buch untergebracht, die mir beim Lesen auch aufgefallen sind, aber berührt hat mich nichts von dem, was ich gelesen habe. Wenn der Roman nicht so zügig zu lesen gewesen wäre, hätte ich vermutlich nach 230 von 480 Seiten abgebrochen, weil es mich so wenig interessierte, wie die Handlung weiterging. Immerhin weiß ich nun, dass diese Trilogie nichts für mich ist, und ich habe ein weiteres „älteres“ Buch vom SuB entfernt.

Yukito Ayatsuji: The Mill House Murders

Nachdem ich „The Decagon House Murders“ von Yukito Ayatsuji schon sehr genossen hatte, habe ich natürlich noch einen weiteren Kriminalroman von dem Autor lesen wollen. Die Geschichte in „The Mill House Murders“ teilt sich auf in einen aktuellen Handlungsstrang (28./29. September 1986) und einen früheren Handlungsstrang (28./29. September 1985), wobei Teile des aktuellen Parts aus der Sicht des Hausherrn des Mill House erzählt werden. Es gibt einige Elemente, in denen sich dieser Roman und „The Decagon House Murders“ ähneln. So spielen beide Geschichten in Häusern, die von demselben Architekten gebaut wurden, ihre Besitzer sind eher reich und exentrisch, und die Morde passieren in einer isolierten Umgebung. Dabei fand ich es dieses Mal einfacher, den verschiedenen Hinweisen zu folgen und meine Schlüsse zu ziehen, wobei das nichts daran änderte, dass die Geschichte faszinierend und der Fall knifflig zu lösen war. Genau genommen hatte ich zwar früh einen Verdacht, wer der Mörder sein könnte, aber den genauen Ablauf der Taten und den letzten Kniff hinter all den Vorfällen habe ich dann doch erst relativ kurz vor der Auflösung erraten. Es gibt ein paar Elemente in den Romanen, die ich bei einem aktuellen Titel etwas ärgerlich fände und bei denen man den Geschichten ihr Alter und die Tatsache, dass sie von einem Mann geschrieben wurden, anmerkt – vor allem, wenn es um die eher eindimensionalen Frauenfiguren geht. Aber ich mag die Herausforderungen, die diese Kriminalfälle für mich mit sich bringen, und fühle mich insgesamt sehr gut davon unterhalten.

T. Kingfisher: Hemlock & Silver

„Hemlock & Silver“ ist das aktuellste „märchenhafte“ Buch von T. Kingfisher (Ursula Vernon), wobei die Autorin dieses Mal Schneewittchen-Elemente für ihre Geschichte aufgegriffen hat. Genau genommen wird die Handlung aus der Perspektive von Anja erzählt, die sich von klein auf für Gifte interessiert hat. Als der König nun befürchtet, dass seine einzige noch lebende Tochter vergiftet wurde, bittet er Anja um ihre Expertise. Wie auch sonst bei Ursula Vernons Büchern gibt es viele wunderbare (ältere) Charaktere in dem Roman und noch mehr absurde/gruselige Elemente, was bedeutet, dass ich mich beim Lesen von „Hemlock & Silver“ wirklich amüsiert habe. Aber ich muss auch zugeben, dass mir dieses Mal ein bisschen die Passagen fehlten, die mich sonst beim Lesen innehalten lassen. Die, die ein bisschen tiefer treffen, gerade weil der Großteil der Geschichte faszinierend absurd und amüsant und trotz aller fantastischen Elemente so bodenständig ist. Anja selbst ist ein großartiger bodenständiger Charakter, unbeholfen im Umgang mit Menschen und sehr begeisterungsfähig, wenn es um ihr Spezialgebiet geht, und ich habe ihre Perspektive wirklich gern verfolgt. Aber all die Details rund um Gifte und das Rätsel der Spiegel im königlichen Landsitz haben mir das Gefühl gegeben, dass es weniger Raum gab für anderes. Was nicht bedeutet, dass der Roman schlecht oder enttäuschend war – wie gesagt, ich habe mich beim Lesen sehr gut unterhalten gefühlt! – nur etwas anders, als ich es erwartet hatte. (Mit ein bisschen Abstand frage ich mich, ob mein „Problem“ mit der Geschichte war, dass die Handlung – im Gegensatz zu allen anderen märchenhaften Romane von T. Kingfisher, an deren Erzählperspektive ich mich erinnern kann – aus der Ich-Perspektive erzählt wurde.)

Virginia McClain: Dungeons and Dragon Dating

„Dungeons and Dragon Dating“ von Virginia McClain war der perfekte Roman für die Zeit, die ich Ende September im Zahnarzt-Wartezimmer verbracht habe. Die Geschichte dreht sich um die Feuermagierin Kiara und die Herdhexe Lyra, die – dank eines „Dragon Dating Service“ – gemeinsam auf ein ungewöhnliches Date gehen. Beide Frauen haben in der Vergangenheit Beziehungen gehabt, die sie mit dem Eindruck zurückgelassen haben, dass sie für eine langfristige Partnerschaft nicht geeignet sind, weshalb beide nicht ganz freiwillig an diesem Date teilnehmen. Zu ihrer Überraschung finden Kiara und Lyra sich bei ihrer Verabredung in einem verfluchten Wald mit allerlei Gefahren wieder, die sie nur mit Kiaras Feuermagie und Erfahrung als Abenteurerin und Lyras Einfallsreichtum (und den turnerischen Fähigkeiten, die sie als Burlesque-Tänzerin gewonnen hat) bewältigen können. Die gerade mal knapp 200 Seiten Handlung waren sehr vorhersehbar und brauchten wenig Aufmerksamkeit, aber ich habe mich damit gut unterhalten gefühlt. Kiara und Lyra sind sympathische Charaktere, die Gefahren in dem verfluchten Wald sorgten für ein paar amüsante Szenen, und ich mochte, dass die beiden Frauen miteinander geredet und sich – soweit in dieser Situation möglich – Zeit zum Kennenlernen genommen haben. Ich weiß allerdings nicht, ob ich auf die im kommenden Jahr erscheinende Fortsetzung zurückgreifen würde, wenn ich wieder eine ablenkende Lektüre für eine ähnliche Situation suche. Schließlich wurden für „Hatchets and Heartache“ von Virginia McClain einige „spicy“ Szenen angekündigt – was ich dann doch nicht so gern in der Öffentlichkeit lesen, während ich auf einen unangenehmen Termin warte. 😉