Schlagwort: Zoe Chant

Lese-Eindrücke August 2024

Im August gab es deutlich weniger kühle Tage als im Juli, weshalb ich mich vor allem an eBooks gehalten habe. Dummerweise hat dabei mein „ich lese ungelesene Bücher vom eReader“-Vorhaben dazu geführt, dass ich eine Autorin für mich neu entdeckt habe und deshalb unbedingt ein paar neue Bücher kaufen musste, aber dazu schreibe ich in einem anderen Beitrag noch mehr … 😉

Zoe Chant: Lion on Loan (Shamrock Safari Shifters 1)

In der Regel finde ich die Gestaltwandler-Liebesgeschichten von Zoe Chant (zumindest, wenn sich hinter dem Pseudonym C.E. Murphy verbirgt) nett und lustig, weshalb ich natürlich auch ihre neue Reihe ausprobiert habe. Diese Reihe dreht sich um einen Zoo in Irland, in dem Gestaltwandler in ihrer tierischen Gestalt Urlaub machen und so dafür sorgen, dass es immer wieder besondere Tiere gibt, die Besucher anlocken. Aber so nett und amüsant diese (kurze) Geschichte rund um eine Zooangestellte und einen Löwen-Gestaltwandler war: Ich wünschte, die Autorin würde nicht immer auf InstaLove setzen und ihre Handlung mal auf mehr als zwei Tage verteilen. Ich trauere ein bisschen dem allerersten Roman, den sie in diesem Genre geschrieben hat, hinterher, in dem sich die beiden Protagonisten über Monate hinweg kennenlernten, bevor sie eine gemeinsame Zukunft ins Auge fassten. Aber der hatte ja auch mehr als 150 Seiten … Keine Ahnung, ob ich einen weiteren Band über die Shamrock-Safari-Shifters lesen werde.

G Clatworthy: Bedsocks and Broomsticks (Omensford 1)

Ich muss gestehen, dass „Bedsocks and Broomsticks“ nicht gerade einen anhaltenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Die Geschichte dreht sich um Fi – eine Hexe, deren ungewöhnliche Magie sich rund um Elektrizität dreht und die als IT-Spezialistin arbeitet. Nachdem Fi zum xten Mal ihren Arbeitslaptop zerstört hat, wird ihr gekündigt, was dazu führt, dass ihre Mutter sie für die Organisation eines lokalen Festivals einspannt. Als bei diesem Festival dann eine ältere Hexe ermordet wird und Fi eine Verbindung mit dem Wyrm-Familiar der Verstorbenen eingeht, fühlt sie sich dazu berufen, das Verbrechen aufzuklären. Alles in allem war das ganz nett für vollkommen übermüdete Lesephasen, in denen ich einfach nur ein bisschen Unterhaltung haben wollte. Aber es war nicht interessant genug, um weitere Bände der Autorin in Betracht zu ziehen. Immerhin möchte ich positiv anmerken, dass das mal ein aktueller (fantastischer) Cozy Mystery war, der ganz ohne künstlich aufgepfropfte Liebesgeschichte auskam!

Emily J. Edwards: Viviana Valentine Gets Her Man (A Girl Friday Mystery 1)

Die Viviana-Valentine-Romane sind ein typischer Fall von „mehrere Leute in meiner englischsprachigen Timeline sind davon begeistert, weshalb ich jeden Titel, der günstig (also unter 3 Euro) zu haben war, gekauft habe“. Ich würde mir die Bücher nicht für den aktuellen eBook-Preis (13 bis 16 Euro!) kaufen, aber nach dem Lesen von „Viviana Valentine Gets Her Man“ werde ich die Reihe im Auge behalten. Ich mochte die Protagonistin Viviana, die als Sekretärin für einen Privatdetektiv im New York der 1950er Jahre arbeitete. Als ihr Chef spurlos verschwindet, während zeitgleich eine Leiche in seinem Büro gefunden wird, sieht sich Viviana gezwungen, selbst die Ermittlungen aufzunehmen, was zu einer – für mich angenehm lesbaren – Mischung aus Überforderung und Anwendung von von ihrem Chef erlernten Wissen führt.

Außerdem stehen Viviana ihre Mitbewohnerinnen zur Seite, so dass sie über ein überraschend großes Angebot an unterschiedlichen Ressourcen verfügt, was dafür sorgt, dass sie für die verschiedensten Situationen besser gewappnet ist, als sie es auf sich allein gestellt wäre. Mir gefielen auch all die atmosphärischen Szenen, die mich an diverse sw-Filme aus dieser Zeit erinnerten. Ich muss allerdings zugeben, dass ich den 50er-Jahre-Slang, den Viviana verwendet, anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig fand, und bis die Geschichte nach der ersten Hälfte deutlich an Fahrt aufnahm, hatte ich auch kein Problem, das Buch für ein paar Tage aus der Hand zu legen. Aber nachdem Viviana nun ihren ersten Fall gelöst hat, bin ich gespannt, wie es mit ihr und der Detektivarbeit weitergeht, und freue mich darüber, dass ich noch zwei weitere Bände in meinem Besitz habe.

Mina V. Esguerra: First Time for Everything (Café Titas 1)

Eine 140-Seiten-Liebesgeschichte zwischen einer Frau um die Vierzig, die zum ersten Mal in ihrem Leben Sex haben will, und ihrem Jugendfreund, der sich bereit erklärt, ihr dafür zur Verfügung zu stehen. Ich fand es nett, mal von einer selbstbewussten erwachsenen Frau zu lesen, die zum ersten Mal mit einem Mann schläft und kein Problem mit ihrer Unerfahrenheit hat. Es ist erschreckend, wie froh es mich macht, wenn ich in Liebesromanen Figuren vorfinde, die vernünftig miteinander kommunizieren, so wie es hier der Fall war. Außerdem war es angenehm zu verfolgen, wie aufmerksam und respektvoll die beiden Charaktere miteinander umgehen, wie wichtig es ihnen ist, dass es ihrem Gegenüber gut geht, und wie sie auch außerhalb des Schlafzimmers gemeinsame Interessen fanden. Das war eine erfrischend andere und überraschend süße Liebesgeschichte, die ich wirklich nett fand.

Satoshi Yagisawa: Days at the Morisaki Bookshop

„Days at the Morisaki Bookshop“ hatte ich irgendwann im Frühling im Angebot als eBook gekauft, weil es regelmäßig in einem Atemzug mit anderen (asiatischen) cozy Romanen erwähnt wird. Leider muss ich zugeben, dass mir diese Geschichte rund um eine depressive junge Frau, der durch eine Auszeit in der Buchhandlung ihres Onkels ein Neustart im Leben gelingt, nicht so ansprechend fand. Theoretisch gibt es ein paar nette Elemente in dem Roman, die aber bei mir keinerlei Emotionen auslösten, da mir die Erzählweise von Satoshi Yagisawa einfach nicht lag. Das könnte vielleicht an der Übersetzung von Eric Ozawa gelegen haben, aber das bezweifle ich, da ich bei anderen aus dem Japanischen ins Englische übersetzen Titeln dieses Problem nicht habe. Außerdem fand ich die Handlung so schrecklich vorhersehbar, dass ich am Ende regelrecht froh war, als ich das (gerade mal 170 Seiten umfassende) Buch endlich beendet hatte.

Sarah Beth Durst: The Spellshop (Hörbuch)

„The Spellshop“ von Sarah Beth Durst habe ich als Hörbuch gehört (sehr schöne Unterhaltung, wenn ich abends im Dunkeln mit der Switch gespielt habe). Gelesen wird die Geschichte von Caitlin Davies, die ihre Arbeit wirklich gut gemacht hat. Ich habe ihr auf jeden Fall gern zu gehört. Die Handlung dreht sich um die Bibliothekarin Kiela, die gemeinsam mit ihrem Assistenten Caz (einer Grünlilie mit sehr viel Charakter, die durch einen magischen Unfall entstanden ist) fliehen muss, als Revolutionäre die Bibliothek in Brand setzen. Auf der kleinen Insel, auf der Kiela geboren wurde, suchen die beiden Zuflucht – voller Angst, dass jemand all die Zauberbücher, die sie in Sicherheit gebracht haben, entdecken könnte.

Die Geschichte ist wirklich niedlich und voller hübscher Elemente, und ich mochte grundsätzlich die Welt, die Sarah Beth Durst für ihren Roman entworfen hat. Ich hatte allerdings ein wirklich großes Problem damit, dass die Handlung in so kurzer Zeit spielt. Gefühlt gelingt es Kiela, das jahrelang ungenutze Cottage ihrer Familie innerhalb von zwei Tagen sauber und bewohnbar zu machen. Binnen einer Woche bringt sie nicht nur den vernachlässigten Garten in Ordnung, sondern eröffnet parallel auch noch einen Shop für Marmelade und freundet sich sich mit einer Handvoll Leute so gut an, dass diese bereit sind, für Kiela große Risiken einzugehen. Ein paar Ereignisse weniger und dafür etwas mehr gemütliches Ankommen auf der Insel hätte mir deutlich besser gefallen. (Und wieso hat Kiela an so gut wie keine Person aus ihrer Kindheit Erinnerungen, wenn ich von ihren Eltern absehe? Das ist absurd – gerade auf einer kleinen Insel, wo selbst ein Kind die meisten Personen kennen sollte …)

Zoe Chant: Librarian Bear (Virtue Shifters 2)

„Librarian Bear“ von Zoe Chant (C.E. Murphy) ist der zweite Teil der Virtue-Shifters-Serie, und nachdem ich den ersten Band, „Timber Wolf“, im vergangenen Jahr als so wohltuend und erholsam empfand, hatte ich den zweiten Teil vorbestellt, sobald die Autorin ihn auf Twitter angekündigt hatte. Die Handlung wird abwechselnd aus den Perspektiven von Sarah und Matthew erzählt. Sarah ist die Leiterin der Bibliothek in Virtue und hat für einen Monat einen Archivar finanziert bekommen, der die alten Unterlagen ordnen soll, die in den Tiefen der Bibliothek aufbewahrt werden. Dieser Archivar ist der Bären-Gestaltwandler Matthew, der den Job in Virtue als Überbrückung nutzen will, bis er in wenigen Wochen seinen Traumjob in Chicago antreten wird.

Beide Charaktere fühlen sich von Anfang an zueinander hingezogen und zeigen dies ihrem Gegenüber auch. Dabei wird in jeder Szene deutlich, dass die beiden die Grenzen des anderen respektieren und alles dafür tun, damit sich der andere nicht unwohl mit der gezeigten Aufmerksamkeit fühlt. Ich liebe diesen freundschaftlich-respektvollen Umgang, den die Figuren in den Virtue-Shifter-Romanen miteinander pflegen, und wünschte mir wirklich, dass mehr Autorinnen kapieren, dass Charaktere, die miteinander reden und sich (relativ) langsam aneinander annähern nicht nur romantisch, sondern auch sexy sein können. Das große Hindernis in dieser sich anbahnenden Beziehung besteht in der Tatsache, dass Matthew ja nur für einen Monat in Virtue ist. Was mich als „Problem“ für eine Liebesgeschichte gestört hätte, wenn Matt und Sarah nicht im Laufe der Handlung darüber reden würden, ob sie sich auch eine Fernbeziehung vorstellen könnten.

Außerdem gibt es noch eine Landerschließungsfirma, die in Virtue Fuß fassen und dafür die Ranch von Rachels Freundin enteignen lassen will. Um dieser Firma Einhalt gebieten zu können, muss Sarah eine Abschrift des Gründungsdokuments der Stadt finden (ich hoffe, dass das mehr Sinn ergibt, wenn man sich mit US-Recht auskennt 😉 ), was natürlich den beiden Charakteren viel Zeit gibt, um gemeinsam in Archiven zu wühlen. Dieser Handlungsstrang führt dazu, dass sich Sarah und Matt mit der Geschichte der Stadt und den Besonderheiten einiger Einwohner beschäftigen müssen. So kommt es, dass der Gestaltwandler-Anteil der Reihe in „Librarian Bear“ eine entscheidende Rolle spielt, während er in „Timber Wolf“ nur ein amüsantes, aber definitiv nicht notwendiges Element war. So fühlt es sich an, als ob die Autorin in diesem Band mehr in ihrer Urban-Fantasy-Welt angekommen wäre, was mir gut gefallen hat.

Wenn ich etwas an „Librarian Bear“ kritisieren müsste, dann wäre es die unglaublich umfassende Kompetenz von Sarah. Sie ist nicht nur eine hervorragende Bibliothekarin, die nebenbei eine tägliche Kinderbetreuung in ihrer Bibliothek aufgebaut hat, das örtliche Jugendtheater mit Kostümen versorgt und diverse gemeinnützige Organisationen leitet, sondern sie näht auch all ihre Kleidung perfekt selbst und wartet und repariert ihr altes Auto. Trotzdem hat sie nebenbei noch genügend Zeit, um mit Matt stundenlang alte Papiere zu durchwühlen und die alteingesessenen Familien abzuklappern und auszufragen. Das war alles ein bisschen viel und nur deshalb erträglich, weil diese Protagonistin trotz allem überraschend sympathisch war. Außerdem lese ich solche Romane nicht für ihren Realismus, sondern für ihre wohltuende Wirkung, und so konnte ich über die überperfekte Sarah hinwegsehen und stattdessen den wunderbaren Umgang der beiden Hauptfiguren miteinander und die amüsanten kleinen Szenen zwischen diesen beiden Charakteren und all den Nebenfiguren genießen.

Zoe Chant: Timber Wolf (Virtue Shifters 1)

„Timber Wolf“ von Zoe Chant (das ist ein Gruppen-Pseudonym – in diesem Fall ist die Autorin C.E. Murphy) ist der erste Band einer neuen Reihe, die sich um mehrere Gestaltwandler in der kleinen Stadt Virtue dreht. Ich muss zugeben, dass ich momentan anscheinend eine Schwäche für Bücher habe, in denen nicht viel passiert (wie schon in „A Magical Inheritance“). Denn wenn man die Handlung in „Timber Wolf“ zusammenfassen will, reicht es zu sagen, dass sich die Geschichte um Mab Brannigan dreht, die gemeinsam mit ihrem vierjährigen Sohn in ein geerbtes Farmhaus gezogen ist, um dann festzustellen, dass das Gebäude dringend restauriert werden muss, um bewohnbar zu sein. Bevor sie jedoch die dringendsten Dinge in Angriff nehmen kann, verschwindet der engagierte Handwerker mit ihren wenigen Ersparnissen. Zum Glück kehrt zu diesem Zeitpunkt der Gestaltwandler Jake Rowly nach Virtue zurück, wo er aufgewachsen ist. Jake ist nicht nur Tischler, sondern auch auf der Suche nach einer Unterkunft, so dass er und Mab sich darauf einigen, dass er ihre Scheune bewohnen kann, während er ihr hilft, das Haus wieder in Ordnung zu bringen.

Das ist im Prinzip die gesamte Handlung. Jake wohnt in der Scheune und renoviert das Haus, Mab arbeitet in ihrem Job, kümmert sich um ihren Sohn Noah und hilft in ihrer „freien“ Zeit Jake mit den Handwerksarbeiten. Das Ganze erstreckt sich über mehr als fünf Monate, und in diesen fünf Monaten lernen sich die beiden sehr gut kennen und lieben. Natürlich gibt es noch ein kleines bisschen Ärger mit einem örtlichen Makler, der Mabs Grundstück kaufen will, und auch ihr Ex-Freund, der der Vater von Noah ist, taucht kurz noch einmal auf, aber das ist eigentlich gar nicht relevant. Die Autorin konzentriert sich auf die sehr langsam ablaufende Liebesgeschichte zwischen Mab und Jake, die sich zwar auf den ersten Blick anziehend finden, aber beide gute Gründe haben, es erst einmal bei einer Freundschaft zu belassen. Das führt zu einigen sehr niedlichen und amüsanten Szenen und zu sehr vielen Momenten, in denen Jake zeigen kann, dass er kein Problem damit hat, wenn eine Frau für sich selbst einsteht, Entscheidungen trifft und eben keine Hilfe von einem großen, männlichen Typen haben will, nur weil der zur Verfügung steht.

Abgesehen von ein paar winzigen Szenen, in denen Jake in Wolfsform agiert, und diversen (unterhaltsamen) Dialogen zwischen Jake und seinem Wolf spielt es eigentlich auch keine Rolle, dass Jake ein Gestaltwandler ist. Ich fand es wunderbar erholsam, dass die Tatsache, dass Jake sich in einen Wolf verwandeln kann, überhaupt kein Drama hervorruft und so gut wie kein Thema in der Geschichte ist. Diese Fähigkeit ist angeboren und hindert ihn in keiner Weise daran, ein ganz normales Leben zu führen, seinem Handwerk nachzugehen, Liebeskummer zu haben oder einen gemütlichen Abend mit Kochen zu verbringen. Auch Mab fand ich als Figur sehr sympathisch. Sie zeigt zwar regelmäßig Unsicherheiten (dank einer früheren toxischen Beziehung, die ihr einiges an Selbstbewusstsein genommen hat), aber sie steht trotzdem auf eigenen Beinen, kümmert sich allein um all ihre Probleme und scheut auch vor Auseinandersetzungen nicht zurück. Dabei passiert es schon mal, dass sie eine falsche Entscheidung trifft, aber auch das ist kein Drama in diesem Roman, sondern eben etwas, das halt passiert und mit dem man dann umgehen muss.

Wenn ich einen Kritikpunkt an „Timber Wolf“ suchen müsste, dann ist es die Tatsache, dass die beiden Protagonisten ein bisschen sehr oft in Gedanken an den (nicht nur körperlichen!) Vorzügen des anderen hängen. Da die Handlung aber nun über mehrere Monate geht und es sehr lange dauert, bis die beiden sich näherkommen, gibt es eben auch viel Raum für solche Passagen. Aber grundsätzlich hat mich das nicht gestört, weil ich diese dramafreie Geschichte, den respektvollen Umgang zwischen Mab und Jake und all die hübschen kleinen Szenen mit den verschiedenen (Neben-)Charakteren so nett, unterhaltsam und erholsam fand. Erholsam ist, glaube ich, wirklich das passendste Wort für diesen Roman. Ich freue mich jetzt schon darüber, dass davon eine ganze Reihe angekündigt wurde, die in Virtue spielen wird, weil ich mir sicher bin, dass ich auch in Zukunft immer wieder Bedarf an erholsamen und wohltuenden Lesestunden haben werde. Und wenn ich dann mehr über die bislang kennengelernten Nebencharaktere in dieser Geschichte erfahren werde, ist das umso schöner.