Da ich im Jahr 2022 so wenig Sachbücher gelesen hatte, lohnte es sich nicht eine Liste davon zu veröffentlichen. Aber so ganz wollte ich auf diese „Statistik“ dann doch nicht verzichten, weshalb es also eine gemeinsame Liste für 2022 und 2023 gibt.
Januar 2022
Erika Fatland: Hoch oben – Eine Reise durch den Himalaya
Februar 2022
Jerrelle Guy: Black Girl Baking
Ein vegetarisches Kochbuch, das von der Südstaatenküchen inspiriert wurde, mit der die Autorin aufgewachsen ist, und in dem es zu jedem Rezept eine kleine Anekdote gibt. Ich fand es angenehm, dass Jerrelle Guy häufig auch Variationsmöglichkeiten – zum Beispiel für eine vegane Version – erwähnt hat. Viele Gerichte in diesem Kochbuch fallen unter „Wohlfühlessen“ und sie haben meinem Mann und mir gut geschmeckt. Trotzdem ist mir aufgefallen, dass es eigentlich keines der ausprobierten Rezepte fest in unseren Alltag geschafft hat. Obwohl die Essen einfach zuzubereiten und lecker waren, blieben sie nicht genug bei mir hängen, um mir bei der Erstellung des wöchentlichen Essensplan in den Sinn zu kommen.
April 2022
Nancy Jackman (with Tom Quinn): The Cook’s Tale – Life below Stairs as it really was
Juni 2022
Margaret Powell: Below Stairs
September/Oktober 2022
Anne Lister (and Helena Whitbread): The Secret Diaries of Miss Anne Lister 1 – 1816-1824
Dieses Tagebuch war für mich eine überraschend spannende Lektüre, obwohl Anne Lister den Großteil der Zeit über ihre Familie, ihren Freundeskreis und die Frauen, mit denen sie eine Beziehung hatte (oder hätte haben wollen) gejammert hat. Aber Anne war auch eine sehr interessante Person, mit ihrer Suche nach dem für sie passenden Platz im Leben und einer Gefährtin, die zur ihr passen würde. Außerdem gab es so viele Informationen zu den alltäglichen Dingen wie die Kosten für die großen und kleinen Anschaffungen, Reisen und den Umgang mit Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis. Es gibt noch einen weiteren Band mit ihren Tagebüchern, den ich auch noch unbedingt lesen will.
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Januar 2023
Ronen Steinke: Der Muslim und die Jüdin – Die Geschichte einer Rettung in Berlin
Das Buch hatte ich mir gekauft, nachdem ich online einen Artikel von Ronen Steinke über die Rolle, die muslimische Jazz-Club-Besitzer während des Zweiten Weltkriegs beim Verstecken von Juden in Berlin gespielt haben, gelesen hatte. So gab es in diesem Buch vor allem viele – für mich vollkommen neue – Informationen über das Verhältnis zwischen den jüdischen und muslimischen Gemeinden im Berlin der 1920er Jahre, die ich sehr interessant fand.
Februar 2023
Lily Koppel: The Astronauts Wives Club
Ein Sachbuch über die Ehefrauen der ersten amerikanischen Astronauten und welchen Einfluss die Karriere ihrer Männer auf ihr Leben hatte. Während Lily Koppel sich sehr darauf konzentrierte, wie wenig diese Frauen auf den plötzlichen Ruhm und das Leben mit Journalisten und Paparazzi vorbereitet waren, fand ich vor allem die kleinen Anmerkungen und Anekdoten spannend, die zeigten wie schwierig (und frustrierend) es war als Frau mit eigenen Bedürfnissen und Interessen die Rolle der perfekten 50er-Jahre-Ehefrau zu erfüllen. Dazu gab es so einige Details rund um die Mercury-, Gemini- und Apollo-Missionen, die ich faszinierend fand. Das war unterhaltsam und spannend, auch wenn ich ziemlich konzentriert dabei bleiben musste, um all die verschiedenen Personen auseinanderhalten zu können.
März 2023
Gail MacColl and Carol McD. Wallace: To Marry an English Lord – Tales of Wealth and Marriage, Sex and Snobbery in the Gilded Age
An „To Marry an English Lord“ reizte mich vor allem der Teil, der sich mit der amerikanischen „höheren Gesellschaft“ beschäftigte, da ich darüber relativ wenig wusste. Gail MacColl und Carol McD. Wallace stellen die Gepflogenheiten der einflussreichen (New-Yorker-)Familien vor und zeigen auf, wie es dazu kam, dass während des „Gilded Age“ so viele amerikanische Erbinnen in britische Adelshäuser einheirateten. Während ich die Unmengen an Informationen zu den verschiedenen Personen, Traditionen und Ereignissen wirklich spannend fand, konnte mich die Art und Weise wie sie präsentiert wurden, nicht ganz so sehr begeistern. Natürlich ist es optisch ansprechender, wenn es immer wieder dekorative Einschübe, Fotos oder Randbemerkungen im Text gibt. Aber regelmäßig sorgten diese Unterbrechungen dafür, dass ich von all den zusätzlichen Informationen so abgelenkt war, dass ich den Faden verlor und zum zweiten (dritten/vierten) Mal den Text anfangen musste, um die Menge an Personen und Namen zuorden und die Ereignisse, um die es in dem Kapitel eigentlich ging, auch wirklich aufnehmen zu können.
April 2023
Ronald Schweppe und Aljoscha Long: Affen im Kopf – Mentale Gelassenheitsstrategien für einen ruhigen Geist
Eine spontane Lektüre, nachdem Birthe während des Lese-Sonntags im April so angetan von dem Titel war. Direkt nach dem Lesen bin ich mir nicht so sicher, was ich von dem Buch halte. Es gab einige Punkte, bei denen ich den Autoren nicht zustimmen konnte, und ein paar Dinge, bei denen ich das Gefühl hatte, ich sollte sie mal versuchen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es zwei Sachen gab, die auch etwas gebracht haben, solange ich sie noch präsent hatte, die aber dann in einer aufreibenden Phase schnell wieder in Vergessenheit geraten waren. Da müsste ich vielleicht noch einen Weg finden, um das auch in Ausnahmesituationen in meinen Alltag zu integrieren.
August 2023
Leo Marks: Between Silk and Cyanide – A Code Maker’s War 1941-45
Wenn ich ganz genau bin, dann habe ich das Buch zwischen Oktober 2022 und August 2023 gelesen, denn die kleine Schrift, die Unmengen an Namen (es gibt Personen in diesem Buch, die mit ihrem Namen, ihrem Spitznamen, ihrem Codenamen und eventuellen weiteren Codenamen bezeichnet werden,) und die Details rund ums (De)Codieren und über den Einsatz von Spionen und Saboteuren und den Kriegsverlauf aus britischer Sicht, sorgten dafür, dass ich in „Between Silk and Cyanide“ nur bei gutem Licht und mit ausreichender Konzentration lesen konnte. Aber das Buch war überraschend unterhaltsam und beinhaltete viele faszinierende Details rund um die Arbeit „hinter den Kulissen der Spionagetätigkeiten“ der Briten im Zweiten Weltkrieg. Vor allem die zweite Hälfte fand ich wirklich spannend zu lesen, weil Leo Marks da in einer Position war, in der er sehr viel über die britischen Spione erfuhr, was zu einigen bedrückenden Momenten beim Lesen führte. Stellenweise war es aber auch ziemlich frustrierend von den Rivalitäten zwischen den verschiedenen Bereichen zu lesen und nachzuverfolgen zu welchen Risiken dies für die Spione hinter den feindlichen Linien mit sich brachte (als ob ihre Aufgabe an sich nicht schon schlimm genug gewesen wäre).
Sarah Kurchak: Work It Out – A Mood-Boosting Exercise Guide for People Who Just Want to Lie Down
Der Untertitel fasst schon sehr gut zusammen, worum es in diesem Ratgeber geht. Sarah Kurchak schreibt mit sehr viel Verständnis darüber, dass es nicht immer leicht ist (regelmäßig) Sport zu machen und darüber welche Methoden die Leser*innen ausprobieren können, um den für sich richtigen Weg dafür zu finden. Viele der Informationen sind nicht gerade neu, aber der Ton ist sehr ermutigend und die Autorin bietet einige Anstöße für Personen mit psychischen oder physischen Problemen, die normalerweise in Sportratgebern nicht angesprochen werden, was mir gut gefallen hat. Außerdem gibt Sarah Kurchak (allgemeine!) Hinweise, welche Sportarten für bestimmte Einschränkungen besser angepasst werden können oder was unter bestimmten Umständen besser gemieden werden sollte. Ich mochte vor allem das Gefühl beim Lesen, dass der Autorin durchaus bewusst ist, dass Sport eine Tätigkeit ist, die nicht jeder Person Freude bereitet. Und den Eindruck, dass es Sarah Kurchak nicht darum geht den Leser*innen Sport als Wundermittel zu verkaufen, sondern als etwas, das einen positiven Effekt auf den Körper und die Psyche haben kann, wenn bestimmte Aspekte beachtet werden.
September 2023
Amy Butler Greenfield: The Woman All Spies Fear – Code breaker Elizebeth Smith Friedman and her hidden life
Eine Biografie über Elizebeth Smith Friedman, die für die USA Codes entschlüsselte und deren Arbeit großen Einfluss auf den Bereich der militärischen und polizeilichen Arbeit in den USA hatte. Spannend fand ich dabei, dass sie eben auch bei Ermittlungen z.B. gegen die Mafia eingesetzt wurde, um die geheimen Nachrichten der Verbrecher zu entziffern. Dabei hat sich Amy Butler Greenfield auf die Tagebücher und Briefe von Elizebeth Smith Friedman (und ihrem Mann William) konzentriert, was ich grundsätzlich interessant finde, und auf die 2008 von der US-Regierung freigegebenen Dokumente „History of Coast Guard Unit #387, 1940-1945“. Aber ich kam nicht immer gut damit zurecht, wie die Autorin die verschiedenen Details den Leser*innen präsentierte und ich habe häufig gedacht, dass ich lieber einen direkten Einblick in die Tagebücher (und in den Bericht über die Arbeit der Küstenwache *g*) hätte. Insgesamt fand ich Elizebeth Smith Friedman und ihr Leben sehr faszinierend und habe durch die Biografie so einiges Neues zum sehr frühen (De-)Coding in den USA gelernt (und eine andere Perspektive zu so einige Ereignissen, von denen Leo Marks in „Between Silk and Cyanide“ erzählte, bekommen).
Ashley „Dotty“ Charles: Outraged – Why Everyone is Shouting and No One is Talking
Ein schmales, aber sehr interessantes Buch, in dem die Autorin der Frage nachgeht, wieso manche Ereignisse online so ein Eigenleben entwickeln, wann Empörung (online) angemessen und wichtig ist, wann sie eher hinderlich ist oder gar das Gegenteil von dem bewirkt, was beabsichtigt war. Ich muss zugeben, dass der Skandal, der bei Ashley Charles die Überlegungen zum Sinn und Nutzen von Online-Aufregung auslöste, an mir ziemlich vorbeigegangen ist, fand es aber sehr spannend und erhellend ihre Überlegungen und Erkenntnisse zu diesem und anderen Themen/Personen zu lesen. Insgesamt gab es sehr viele Anstöße um mein eigenes Online-Verhalten mal unter die Lupe zu nehmen und noch kritischer mit den diversen Themen umzugehen, die mir online so vor die Nase kommen.
Oktober 2023
Lily Koppel: The Red Leather Diary – Reclaiming a Life Through the Pages of a Lost Journal
Ich muss gestehen, dass ich die Tatsache, dass die Journalistin Lily Koppel ein altes Tagebuch in die Finger bekommen hat und dann Kontakt mit der – inzwischen über 90jährigen – Frau aufnehmen konnte, die dieses Tagebuch in den 1930er Jahren geführt hatte, faszinierend finde. Nicht weniger faszinierend war das Lesen dieses Buches, das die Tagebucheinträgen von Florence und die Informationen, die Lily Koppel durch die Interviews erfahren hat, zu flüssig lesbaren Texten kombiniert. In den verschiedenen Kapiteln gibt es so viele Informationen über das Leben und die Gedanken der jungen Florence, ebenso wie viele kleine und größere Details dazu, wie es war als selbstbewusste und künstlerisch interessierte junge Frau im New York der 1930er Jahren aufzuwachsen.
November 2023
Simone Ferriero: The Art of Simz
Ein Artbook mit den Zeichnungen von Simz (Simone Ferriero) und sehr, sehr vielen Texten zum Werdegang und zur Arbeitsweise des Künstlers. Ich mag Simz‘ Hexen mit ihren (Geister)Katzen sehr und fand es spannend mal mehr zu der Person hinter den Zeichnungen zu erfahren und zu sehen wie Simone Ferriero an seine Bilder herangeht.