Schlagwort: Sachbuch-Challenge 2020

Tupoka Ogette: exit RACISM – rassismuskritisch denken lernen

Eigentlich hatte ich ja die Sachbuch-Challenge für dieses Jahr geplant, um mal meinen Sachbuch-SuB in Angriff zu nehmen, aber bevor ich das tun kann, musste ich erst einmal die aus der Bibliothek ausgeliehenen Bücher vor Ablauf der Ausleihzeit lesen. „exit RACISM“ von Tupoka Ogette hatte ich irgendwann im vergangenen Herbst vorgemerkt, und da so viele Menschen den Titel lesen wollten, hat es bis Ende Dezember gedauert, bis ich das Buch in die Finger bekam. Irgendwie finde ich es schön, dass sich so viele Personen mit diesem Thema auseinandersetzen. Denn auch wenn die meisten Menschen, die ich kenne, nicht bewusst rassistisch sind, sind wir doch alle mit einem allgemeinen Alltagsrassismus aufgewachsen, der es notwendig macht, dass wir immer wieder über unser Verhalten und unsere Vorurteile nachdenken.

Tupoka Ogette hat sich beim Schreiben von „exit RACISM“ an den von ihr durchgeführten Anti-Rassismus-Seminaren orientiert, was das Buch zu einer sehr guten Lektüre für Personen macht, die gerade anfangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Dabei startet sie mit einer Erklärung zum „Happyland“ – ein Begriff, den ein Seminarteilnehmer von ihr geprägt hat, als er sein Leben vor dem Anti-Rassismus-Seminar (als er sich dank seiner Ignoranz noch in einem „Happyland“ wähnte) mit seinem Leben danach verglich. Trotz seiner Kürze (das Buch umfasst gerade mal 130 Seiten) geht die Autorin mit „exit RACISM“ auf viele verschiedene Themen rund um Rassismus in Deutschland ein. Sie macht nicht nur deutlich, wo und wie Schwarze Personen und People of Color in Deutschland tagtäglich mit Rassismus konfrontiert werden, sondern auch, welche Folgen das für das Leben der von diesem Alltagsrassismus betroffenen Personen hat.

Dabei ist der Ton, den Tupoka Ogette verwendet, freundlich und sogar regelrecht verständnisvoll, sie wirft den Leser.innen den vorhandenen Rassimus nicht vor, sondern fordert dazu auf, das eigene Denken und Verhalten anhand der verschiedenen Fakten und geschilderten Situationen zu überdenken. Immer wieder gibt es Stellen in dem Buch, an denen Raum für diese Reflexionen geboten wird, an denen Fragen gestellt werden, die einen dazu bringen sollen, dass man seine eigenen Gefühle und Gedanken zu den eben gelesenen Passagen überdenkt. Dem vorangestellt wurden die fünf Phasen, die normalerweise ihre Seminarteilnehmer durchlaufen, wenn sie mit dem Thema Rassismus konfrontiert werden. Diese Phasen sind Happyland, Abwehr, Scham, Schuld und Anerkennung, so dass man jederzeit überprüfen kann, in welcher Phase man sich während des Lesens befindet.

Ergänzt werden viele der Kapitel durch QR-Codes, die einen mit der dementsprechenden App zu Videos bringen sollen, die Interviews oder Dokumente zeigen, die das jeweilige Thema vertiefen. Da ich leider kein Gerät besitze, mit dem ich die Codes hätte auslesen können, waren diese für mich nicht nutzbar. Ich habe allerdings ein paar der Videos durch die Nutzung der Suchmaschine finden können – habe mir aber nicht bei allen die Mühe gemacht, weil ich normalerweise den Laptop bewusst außer Reichweite halte, wenn ich lese, damit ich mich auf meine Lektüre konzentrieren kann. Die QR-Codes aber sind auf jeden Fall eine gute Möglichkeit für Menschen, die gern mehr als nur eine Zusammenfassung oder ein Zitat aus einer Dokumentation oder einem Interview sehen möchten, um einen intensiveren Eindruck zu bekommen. Insgesamt bietet „exit RACISM“ dem Leser ein gutes Fundament, um sich über die Geschichte des Rassismus in Deutschland und über die Auswirkungen von Rassismus (nicht nur für die Betroffenen) zu informieren, um über sein eigenes Verhalten nachzudenken und aktiv gegen den (häufig unbewussten) Alltagsrassismus in seinem eigenen Leben und seinem Umfeld angehen zu können.

Sachbuch-Challenge 2020

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Sachbuch-Challenge ins Leben gerufen, um mal all die Sachbücher in Angriff zu nehmen, die ich seit längerer Zeit auf dem SuB liegen hatte. Wenn ich ehrlich bin, dann hat die Challenge vor allem dazu geführt, dass ich auf neue Sachbücher aufmerksam wurde, die ich mir dann gekauft oder in der Bibliothek ausgeliehen hatte. Auf der anderen Seite stieg so wirklich die Zahl meiner gelesenen Sachbücher und die Challenge-Auswirkungen hielten auch nach den Jahren 2014 und 2015, in denen die Challenge stattfand, an.

Inzwischen ist es aber wieder so, dass ich einen Haufen interessanter Sachbücher angesammelt habe, für die ich mir in den letzten Monaten nicht genügend Zeit genommen habe. Da es immer netter ist, wenn es Leute gibt, mit denen ich mich über meine Lektüre austauschen kann, dachte ich mir, dass ich auch im kommenden Jahr wieder eine Sachbuch-Challenge anbieten kann. Vielleicht gibt es ja unter euch welche, die mitmachen mögen. So wenig Sachbuchleser.innen gibt es unter den Buchblogger.innen ja nicht.

Die Regeln für die Challenge lauten wie folgt:

  • Die Challenge beginnt am 01.01.2020 und endet am 31.12.2020.
  • Das oben eingefügte Logo kann selbstverständlich mitgenommen und für eigene Beiträge zur Sachbuch-Challenge verwendet werden.
  • In diesem Zeitraum sollen mindestens acht Sachbücher gelesen werde.
  • Jedes gelesene Sachbuch soll auf dem Blog rezensiert oder zumindest mit einem einigermaßen aussagekräftigen Leseeindruck bedacht werden.
  • Als Sachbuch gilt jedes Buch mit einem nicht-fiktiven Inhalt (Biografien, Reiseberichte, Fachbücher, Kochbücher, Ratgeber usw.) unabhängig von der angestrebten Zielgruppe (also auch Kinder-Sachbücher).
  • Wer ebenfalls Lust auf die Sachbuch-Challenge hat, der sollte sich bitte mittels eines Kommentars unter diesem Beitrag anmelden und mir einen Link zu einer Challenge-Übersichtsseite hinterlassen, auf der die Fortschritte im Laufe des Jahres vermerkt werden.

Es geht mir nicht darum, dass wir uns gegenseitig mit den Mengen an gelesenen Sachbüchern erschlagen, sondern um den (hoffentlich regelmäßigen) Austausch, um das Lesen der gehorteten Schätze und natürlich auch irgendwie um das Neuentdecken von interessanten Titeln. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn wir uns wieder gegenseitig zum Sachbuch-Lesen inspirieren könnten!

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Teilnehmer.innen:

Anette
Ariana
Caroline
Daniela
Helma
Kerstin
Kiya
Konstanze
Lisa (Verrückt nach Büchern)
Lisa (Lieschen liest)
Martin
monerl
Natira
Neyasha
Rike
Rosa
Sayuri