Karen Abbott: The Ghosts of Eden Park …

… The Bootleg King, the Women Who Pursued Him, and the Murder That Shocked Jazz-Age America

Karen Abbott erzählt mit „The Ghosts of Eden Park“ die Geschichte des Schwarzbrenners George Remus, der als Sohn deutscher Einwanderer während der Prohibition Millionen verdiente, bis es der Staatsanwältin Mable Walker Willebrandt gelang, ihm das Handwerk zu legen. Die damit verbundenen Veränderungen in George Remus‘ Leben führten im Jahr 1927 zu einem Mord im Eden Park in Cincinnati und zu einem der aufsehenerregendsten Prozesse in der Geschichte der USA. Für ihr Buch über George Remus konnte Karen Abbott auf unglaublich viele Originaldokumente wie Prozessprotokolle, Ermittlungsakten, Tagebücher, Zeitungsartikel u. ä. zurückgreifen und so viele Aussagen und Gespräche wortwörtlich zitieren, was die Lektüre dieses Sachbuchs zu einem wirklich spannenden Erlebnis macht. (Auch wenn ich zu Beginn die ganzen Namen und Informationen ziemlich überwältigend fand, die einem hier präsentiert wurden.)

Die Autorin teilt „The Ghosts of Eden Park“ in drei Abschnitten, die die wichtigsten Punkte in George Remus‘ Leben erzählen. So beschreibt der erste Abschnitt George Remus‘ Werdegang vom Apothekerlehrling über seine Tätigkeit als Anwalt bis zu seiner sehr erfolgreichen Karriere als Schwarzbrenner, die dafür sorgte, dass er vor Gericht und im Gefängnis landete. Und da es nicht möglich ist, die Geschichte von George Remus zu erzählen, ohne auf sein Privatleben einzugehen, erfährt der Leser auch viel über die Personen, die in seinem Leben wichtig waren – allen voran seine zweite Frau Imogene. Der mittlere Teil des Buches dreht sich um die Folgen, die Imogenes Bemühungen um eine Scheidung auf George Remus‘ Leben hatten, um Georges Reaktion darauf, dass Imogene ein Verhältnis mit Franklin Dodge (einem ehemaligen Ermittler der Staatsanwaltschaft) hatte, und um den Mord, der am Ende dieses „Dreiecksverhältnisses“ stand. Der letzte und kürzeste Abschnitt konzentriert sich auf den folgenden Mordprozess, der in den USA zu einem vorher so noch nicht gekannten Schauspiel wurde.

Da Karen Abbott – bis sie zu dem Mord selbst kommt – in „The Ghosts of Eden Park“ nicht erwähnt, wer ermordet wird, habe ich diese Information auch aus meiner Rezension rausgehalten, obwohl online natürlich problemlos herauszufinden ist, wer das Opfer war. Aber für mich war das Lesen dieses Sachbuchs gerade deshalb so spannend, weil ich vorher nichts über George Remus und den Mord wusste. Die Geschichte dieses Mannes ist stellenweise so unfassbar, dass ich sie in einem Roman als unglaubwürdig und „zu viel“ abgetan hätte, aber da das Leben von George Remus nun einmal so verlief, fand ich es wirklich faszinierend, seinen Werdegang zu verfolgen. Auch von Mable Walker Willebrandt hatte ich vor diesem Sachbuch nichts gehört, und ich hätte gern noch mehr über diese Frau erfahren, die trotz einiger Umwege in ihrer Ausbildung und ihrer angeborenen Schwerhörigkeit sehr jung zur Staatsanwältin ernannt wurde und dadurch so viel (politischen) Einfluss hatte.

Außerdem gefiel es mir, beim Lesen immer wieder über kleine Informationen zu stolpern, die mir vorher noch nie untergekommen waren. So gab es in den 1920er Jahren keine Richtlinien oder Vorgaben für das Engagieren von Ermittlern der Staatsanwaltschaft, was dazu führte, dass zum Beispiel jemand wie „Steward McMullin“ Prohibitionsagent werden konnte: „A prospective Prohibitions agent could even have a record of his own, as in the case of the pseudonymous „Steward McMullin“, the first agent to kill a bootlegger in the line of duty. When McMullin – who hat been convicted of murder, falsifying checks, and armed robbery – received his agent badge, he was still doing time in New York’s Dannemora State Prison.“ (Seite 35/36) Oder ich bin an Details hängengeblieben, die ich einfach absurd fand, auch wenn sie mir schon länger bekannt waren, wie zum Beispiel die Tatsache, dass eine Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA einflussreiche Positionen einnehmen konnte (wie die Position einer Staatsanwältin), aber nicht wählen durfte (da das bundesweite Wahlrecht für Frauen erst 1920 eingeführt wurde).

Insgesamt fand ich „The Ghosts of Eden Park“ wirklich spannend zu lesen, und das nicht nur, weil George Remus, Mable Walker Willebrandt und all die anderen erwähnten Personen interessant waren, sondern auch, weil es Karen Abbott gelungen ist, eine Geschichte von illegalen Geschäften, Liebschaften, Mord und Prozessen so zu erzählen, dass mich nicht nur das Wohlergehen der verschiedenen Parteien interessierte, sondern ich für mich auch viele Elemente der amerikanischen Geschichte neu verknüpfen konnte. Ich habe auf überraschend unterhaltsame Weise viel beim Lesen dieses Buches gelernt – und das ist genau das, was ich von einem Sachbuch erwarte.

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