Elena Favilli und Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls – 100 außergewöhnliche Frauen

Um „Good Night Stories for Rebel Girls“ von Elena Favilli und Francesca Cavallo bin ich lange Zeit herumgeschlichen, weil ich befürchtete, dass ich nicht in die allgemeinen Lobpreisungen einstimmen können würde. Das Buch stellt 100 außergewöhnliche Frauen vor, wobei jeder einzelnen Person eine Doppelseite gewidmet ist. Diese Doppelseiten bestehen aus einer Dreiviertelseite mit Text (inklusive eines „Zitats“ oder einer hervorgehobenen Passage aus dem Text) und einer Illustration, die die betreffende Frau zeigen soll. Dabei wurden sehr viele unterschiedliche Künstlerinnen für diese Darstellungen engagiert, so dass der Betrachter in den Genuß sehr vieler unterschiedlicher – von abstrakten bis fotorealistischen – Stilrichtungen kommt. Nicht jedes dieser Porträts hat mir gefallen, aber ich mochte die Vielfalt, die man so als Leserin geboten bekam.

Ebenso groß ist auch die Bandbreite bei der Auswahl der vorgestellten Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gebieten, Ländern und Zeiten stammten. So finden sich in „Good Night Stories for Rebel Girls“ Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen, Kriegerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen oder Sportlerinnen aus allen Teilen der Erde, ebenso wie historische oder gar legendäre Figuren, wobei es über letztere so gut wie keine Fakten zu erzählen gibt, sondern nur der Mythos beschrieben wird, der sich um diese Person rankt. Insgesamt überwiegt verständlicherweise die Zahl der Frauen, die in den letzten 150 Jahren lebten. Bei manchen Einträgen habe ich mich gefragt, ob die dargestellte Frau wirklich eine „Vorbildfunktion“ einnehmen kann, aber das hängt vermutlich davon ab, wie man ein Vorbild definiert, und wenn es nur darum geht, dass die jeweilige Person etwas Ungewöhnliches oder Wichtiges erreicht hat oder als eine der ersten Frauen eine bestimmte Position eingenommen hat, dann kann man wohl alle vorgestellten Personen dieser Kategorie zuordnen.

Mein größtes Problem mit dem Buch war die Frage, für welche Zielgruppe es eigentlich gedacht ist. Für erwachsene Leserinnen fand ich die Einträge oft zu unbefriedigend – gerade bei den Frauen, über die ich schon einiges wusste, war ich oft frustriert, weil aus meiner Sicht wichtige Elemente ausgelassen wurden. Welche Dinge wurden also bei Texten zu den Frauen ausgelassen, die ich vor dem Lesen des Buches noch nicht kannte? Außerdem fand ich die Texte unausgewogen, denn auf der einen Seite haben sich die Autorinnen um eine einfache Sprache bemüht, auf der anderen Seite Vokabular verwendet, das man einer jungen Leserin erst einmal ausführlich erklären müsste. Ich verstehe, dass es gerade bei den verschiedenen wissenschaftlichen Fachgebieten eine Herausforderung ist, eine vereinfachte Beschreibung dafür zu finden, aber bei anderen Passagen hatten die Autorinnen anscheinend keine Hemmungen, etwas wegzulassen oder um den betreffenden Punkt drumherum zu schreiben, um eine Information leicht verständlich darzustellen.

Trotz all meiner Kritikpunkte fand ich „Good Night Stories for Rebel Girls“ unterhaltsam zu lesen und wie immer, wenn ich über solch eine Ansammlung von Kurzporträts stolpere, hatte ich ständig das Bedürfnis, nach weiteren Details zu den verschiedensten Frauen zu suchen. Es empfiehlt sich also, neben dem Buch auch gleich einen Onlinezugang bei der Hand zu haben, damit die Liste der nachzuschlagenden Frauen nicht während des Lesens zu lang wird. Nur schade, dass es keine Literaturempfehlungen am Ende des Buches gab, auch wenn das für meinen Geldbeutel vermutlich ganz gut ist. Wer Inspirationen für weitere Recherchen über außergewöhnliche Frauen sucht, ist mit diesem Buch ebenso gut bedient, wie jemand, der eine abwechslungsreiche und interessante Lektüre für eine kurze Pause „zwischendurch“ sucht.

2 Kommentare

  1. Oh, du hast es jetzt auch gelesen. 🙂
    Bei einigen Kritikpunkten (Vorbildfunktion) stimme ich dir absolut zu, andere (Zielgruppe) haben mich nicht gestört. Ich fand es echt nett, so einen Überblick zu bekommen und habe ebenso wie du parallel immer wieder online weitergesucht und gestöbert.

    • Konstanze

      Was ich fast am meisten vermisst habe, war ein Literaturverzeichnis am Ende. *g* Grundsätzlich muss ich aber zugeben, dass ich bei solchen Portrait-Sammlungen immer ziemlich nörgelig bin, weil in der Regel Personen dabei sind, die mir gut vertraut sind und bei denen ich Informationen vermisse – was mich dann wieder besonders aufmerksam (im Prinzip auf „Fehlersuche“) werden lässt, wenn es um die anderen Einträge geht. 😉

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