Schlagwort: Buchgedanken

Vom Seiten zählen und anderem …

Vor ein paar Tagen bin ich (ich glaube über einen Retweet bei Twitter) über einen Blogpost gestolpert, der die Frage in den Raum stellte, warum Buchblogger sich Leseziele setzen, an Challenges teilnehmen, Seiten zählen und ähnliches tun. Da das keiner meiner üblichen Blogs war, finde ich den Beitrag leider nicht wieder, aber ähnliches Diskussionen gibt es ja immer wieder.

Ich gebe zu, dass es eine Menge Dinge auf Buchblogs gibt, die ich nicht nachvollziehen kann wie zum Beispiel Verlags-Challenges. Und mit großen Buch-bezogenen Plattformen, auf denen ich Listen führen und mich mit anderen Leuten austauschen kann, gebe ich mich auch nicht ab, denn dafür habe ich ja meinen Blog – und mir gefällt es besser, wenn hier alles konzentriert gesammelt wird. Auf der anderen Seite gibt es bestimmt einige Menschen, die nicht verstehen, warum ich jeden Monatsanfang eine SuB-Liste poste, obwohl ich doch eine Gesamtliste unter dem Header verlinkt habe. Aber ich mag es die monatliche Veränderung in meinem SuB auf diese Weise zu dokumentieren und dort kurz über meinen (vergangenen und kommenden) Lesemonat zu schreiben. Und so führt jeder von uns seinen Blog so wie er es richtig und wichtig findet.

Auf jeden Fall hat mich dieser Post vor ein paar Tagen wieder auf etwas gebracht, das mir in den letzten Monaten aufgefallen ist. Ich führe seit sehr vielen Jahren Leselisten und – nachdem Natira mich mal angestupst hatte – ich veröffentliche diese Liste in abgespeckter Form auch als Quartalsstatistik auf diesem Blog. In abgespeckter Form, weil ich davon ausgehe, dass es die meisten Leute nicht interessiert, wie viele Seiten ein Titel hatte, ob es ein SuB-Titel, ein Neuzugang, ein eBook, ein Leihbuch oder ein Bibliotheksbuch war. Das Führen dieser Liste kostet mich gerade mal ein paar Minuten im Monat und ich finde es spannend, was diese Liste mir so über mich verrät. Und oft genug ist sie hilfreich, wenn ich mal wieder nicht weiß, welche Titel ich gelesen habe und wo ich mit einer Reihe weitermachen muss, wenn ich nichts verpassen möchte.

Das Seitenzählen ist eigentlich der unnütze Teil an meiner Liste, aber ich dachte vor ungefähr zwei Jahren, dass es doch interessant sei, wenn ich mal herausfinden würde, wie viele Seiten ich so lese. Parallel dazu habe ich durch meinen Monatsanfangspost auch häufig festgehalten, ob ich einen Monat als „guten“ Lesemonat empfunden habe. Dabei bedeutet ein guter Lesemonat nicht so sehr, dass ich lauter fantastische Titel in die Finger bekommen habe, sondern dass ich das Gefühl hatte, ich könnte mir genügend Zeit zum Lesen nehmen und das Lesen angemessen genießen. Also ein Monat, in dem ich nicht aus irgendeinen Grund mit der Welt (und somit auch mit meinen Büchern) verquer gewesen wäre oder in dem mir die Zeit gefehlt hätte, um mich in Ruhe mit einem Roman hinzusetzen.

Dadurch habe ich herausgefunden, dass meine „Wohlfühlgesamtseitenzahl“ (was für ein Wortgebilde! *g*) bei 5000 Seiten liegt. Lese ich in einem Monat um die 5000 Seiten, dann geht es mir in der Regel gut. Dann habe ich einen Monat erlebt, der mir genug Lesezeit gebracht hat, in dem der Kopf frei genug war, um mich auf eine Geschichte einzulassen, und in dem ich das Lesen entspannt genießen konnte. Nicht immer habe ich in solchen Monaten besonders gute oder mitreißende Romane gelesen, aber zumindest genügend „nette“ Titel, dass ich weiterlesen mochte, statt das Buch unzufrieden zur Seite zu legen und tagelang nicht wieder anzurühren. Außerdem bietet ein solcher 5000-Seiten-Monat auch wieder einigen Stoff für Blogposts und den Austausch mit euch über Bücher, was mir schließlich auch viel Freude bereitet. 5000 Seiten bedeuten auch, dass ich viel Zeit für mich hatte, denn das Lesen ist zwar mein größtes Hobby, aber nicht mein einziges – und ganz kann ich im Laufe des Monats nicht auf das Spielen, Handarbeiten und all die anderen Dinge verzichten.

Ich werde mir jetzt nicht zwanghaft die 5000 Seiten als monatliches Ziel setzen, aber ich finde es interessant und amüsant, wie viel meine gelesenen Seite darüber aussagen, wie es mir in einem Monat ging. Und es bekräftigt mich (mal wieder) darin, dass ich meine Lese- und Auszeiten – wenn irgend möglich – fest in meinen Alltag einplanen muss, damit es mir gut geht.

Wie viel muss ich über einen Autor wissen, bevor ich seine Bücher lesen „darf“?

Dieser Blogtitel ging mir am Sonntag durch den Kopf, als ich auf Twitter Folgendes in meiner Timeline las:

Als Beleg hinterließ Shiku diesen Link: http://brandonsanderson.com/euology-dumbledores-homosexuality/ .

Ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht, ob ich nicht – auch im Rahmen der Challenge, die Elena und Crini anbieten – mal einen Roman von Brandon Sanderson lesen sollte. Diverse Buchblogger sind ganz begeistert von seinen Büchern, er scheint eine Menge unterschiedlicher Facetten abzudecken, und ich habe wieder mehr Lust auf Fantasy und SF, mehr Lust, in dem Bereich neue Autoren zu entdecken. Ich glaube nicht, dass dieser Tweet/dieser Link mich beeinflussen wird, während ich überlege, ob ich mal einen Roman von Sanderson lese. Das hängt wohl eher davon ab, ob ich in den nächsten Tagen Lust habe, mich damit auseinanderzusetzen, welches Angebot die Bibliothek mir da bieten kann und inwieweit es etwas bringt, wenn ich zum Beispiel nur zwei Teile einer längeren Serie lesen würde.

Trotzdem veranlassen mich solche Informationen immer wieder zum Nachdenken. Ich frage mich, inwieweit ich überhaupt Wissen über einen Autor haben möchte und inwieweit ich mich davon bei meiner Buchauswahl beeinflussen lassen möchte.

Ich lese geschätzt 150 Bücher im Jahr, dazu kommen Manga, Comics, Hörbücher und Hörspiele. Bei vielen dieser Titeln kann ich gerade mal sagen, dass die Geschichte von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde, bei einigen nicht mal das – entweder weil ein Pseudonym verwendet wurde oder weil das Geschlecht nicht auf den ersten Blick anhand des Namens erkennbar ist. Ich mache mir in der Regel keine Gedanken darüber, was für eine Person hinter einem Buch steht, solange ich die Handlung genießen kann, mir die Charaktere zusagen und ich nicht über Elemente in der Geschichte stolpere, bei denen ich das Gefühl habe, dass da – in meinen Augen – zweifelhafte Gesinnungen durchschimmern. Und selbst dann habe ich erst einmal das Bedürfnis, für mich zu klären, ob solche Aussagen vielleicht im Rahmen der Geschichte zu betrachten sind.

Natürlich gibt es auch Autoren, mit denen ich mich intensiver beschäftige. Bei einigen lese ich zum Beispiel ihre (Auto-)Biografien und finde da vielleicht Informationen, die mich ihre Romane in anderem Licht sehen lassen. Dann wieder gibt es Autoren, bei denen ich das Gefühl habe, ich müsste vielleicht mehr über ihr Leben und ihre Zeit wissen, um ihr Werk besser einschätzen zu können. Bei wieder anderen Autoren, deren Bücher ich besonders mag – nicht nur aufgrund der Handlung, des Humors und der Charaktere, sondern auch, weil ich das Gefühl habe, dass da jemand versucht, mehrere Perspektiven darzustellen oder sich mit Themen außerhalb der sogenannten Norm zu beschäftigen – verfolge ich die Blogs oder Twitteracounts. Hier habe ich oft den Eindruck, dass sie mein Leben nicht nur als Leserin, sondern auch so bereichern, eben weil sie sich kritisch mit Themen auseinandersetzen, die mir persönlich im Alltag nicht regelmäßig begegnen.

Hier und da passiert es mir, dass ich im Nachhinein etwas über einen Autor erfahre, was es mir schwierig macht, weiterhin die Bücher zu lesen. Marion Zimmer Bradley ist so ein Fall. Auf der einen Seite haben ihre Romane (vor allem die Darkover-Bücher) dafür gesorgt, dass ich mit Geschichten aufgewachsen bin, in denen Homosexualität, polyamore Beziehungen und Figuren, die nicht auf ein Geschlecht festgelegt waren, mehr oder weniger selbstverständlich waren, was meine Ansichten zu diesem Thema sehr geprägt hat. Auf der anderen Seite hat Marion Zimmer Bradley nicht nur ihren Mann, Walter Breen, verteidigt, der Kinder missbraucht hat, sondern auch selber Missbrauch betrieben. (Mehr Informationen dazu findet ihr unter Anderem hier: http://www.jimchines.com/2014/06/rape-abuse-and-mzb/ ) Mit diesem Wissen im Hinterkopf fällt es mir schwer, die wenigen Darkover-Romane, die ich noch im Bestand habe, zu behalten.

Und dann stehe ich wieder da und wünschte mir, ich könnte unbelastet an diese Bücher herangehen und mich daran freuen, dass da ein Autor Charaktere außerhalb der sogenannten Norm geschaffen hat …

Reihenlesen

Während ich das Ganze hier geschrieben habe, ist mir aufgefallen, wie viel Fantasy ich wieder lese, und das ist toll! Ich war so viele Jahre lang so unglücklich mit der Auswahl an fantastischen Romanen, dass ich in dem Genre nur meine alten Schätze wiedergelesen und nichts Neues entdeckt habe. Das hat sich in den letzten Jahren definitiv geändert, und ich habe so viele neue Autoren und unterhaltsame Reihen für mich entdecken können. 🙂 

In den letzten Tagen habe ich ein bisschen über meine Art, Reihen zu lesen, nachgedacht. Dabei habe ich festgestellt, dass ich gern Reihen für mich entdecke, bei denen schon einige Teile veröffentlicht wurden. Zumindest dann, wenn es sich um Romane handelt, die nicht so intensiv durch die Buchblogs besprochen wurden, dass ich schon vor dem ersten Anlesen übersättigt bin.

Die Rachel-Morgan-Romane oder auch die Harry-Dresden-Serie gehört zum Beispiel dazu. Beide Reihen habe ich für mich entdeckt, als schon einige Titel davon auf dem Markt waren. Und das gibt mir die Möglichkeit, mir ab und an gleich mehrere Bände davon zu Geburtstag oder Weihnachten zu wünschen oder sie gleich selbst zu kaufen und dann eine intensive Leserunde damit einzulegen. Aktuell hat mich zum Beispiel Harry Dresden wieder im Griff und ich finde es toll, dass ich nach „White Night“ (Samstagabend angefangen, Sonntagabend beendet) heute zu „Small Favor“ greifen kann. Und wenn ich dann noch nicht genug davon habe – was wahrscheinlich ist -, dann liegt da auch noch „Turn Coat“ auf dem SuB.

Bei den „Elemental Assassin“-Romanen hingegen reicht es, wenn ich mir ab und an einen neuen Band gönne, denn Jennifer Estep wiederholt immer so viel vom vorherigen Geschehen, dass ich da aufpassen muss, dass ich die Bücher nicht zu schnell hintereinander lese. Trotzdem finde ich es angenehm, wenn ich nach dem Lesen eines Romans die Bestellung des nächsten Bandes tätigen kann, nur um die Gewissheit zu haben, dass er da ist, wenn ich weiterlesen will.

Schwieriger wird es für mich mit den Reihen, bei denen ich auf dem aktuellen Stand bin, wie bei den Krimis von Deborah Crombie, den Witchcraft Mysteries oder den Serien von Seanan McGuire. Den aktuellen Band der Witchcraft Mysteries hatte ich vorbestellt, gleich nach Eintreffen gelesen und mich gut dabei amüsiert. Aber ich habe nun kein Problem damit, dass ich wieder ein Jahr warten muss, bis der nächsten Teil erscheint. Bei dieser Serie habe ich Geduld, weil sie halt nett ist und ich sie zwar weiter verfolgen will, aber nicht so begeistert bin wie von den beiden anderen Beispielen.

Bei den Deborah-Crombie-Krimis und Seanan McGuires Büchern hingegen merke ich, dass ich mir die aktuellen Bände immer etwas aufhebe, obwohl ich mich so darauf gefreut habe. Aber eigentlich ist das auch der Punkt: Ich habe mich darauf gefreut und bin so erleichtert, dass endlich der nächste Band da ist, dass ich die Vorstellung, wieder ein Jahr warten zu müssen, nicht so prickelnd finde. Also lasse ich mir Zeit mit dem Lesen und versuche so, die Wartezeit etwas zu verkürzen. Während ich inzwischen anfange, mich auf die Veröffentlichung des nächsten October-Daye-Bandes zu freuen, der im September veröffentlicht wird, denke ich, dass es so langsam Zeit wird, den Teil aus dem letzten Herbst zu lesen und herauszufinden, wie es October so ergangen ist.

Ich merke auch, dass es mir wichtig ist, dass ich mich – ungefähr zumindest – auf eine regelmäßige Veröffentlichung verlassen kann. Bei den Tamora-Pierce-Romanen ist es für mich nämlich viel schwieriger, endlich mit dem Lesen anzufangen, obwohl ich da inzwischen auch einige auf dem SuB gesammelt habe. Aber die Autorin hat in den letzten Jahren so wenig veröffentlicht und sich überhaupt nicht mehr an angekündigte Termine gehalten (inzwischen gibt es auch keine Aussagen mehr darüber, wann etwas erscheinen soll), dass ich die Reihenfortsetzungen einfach erst mal auf den SuB lege und etwas verdränge, weil ich es frustrierend finde, regelmäßig nach Veröffentlichungsdaten zu recherchieren und doch keine verlässlichen Informationen zu bekommen.

Irgendwie finde ich es ganz spannend, mir Gedanken darüber zu machen, warum ich welche Reihenfortsetzung zu welchem Zeitpunkt lese (mal abgesehen davon, dass ich einfach manchmal auf bestimmte Genres keine Lust habe, obwohl ich mich auf einen Roman sehr gefreut habe). Und nun wäre ich doch neugierig, wie es bei euch damit ist:

Lest ihr jede Fortsetzung sofort? Findet ihr es frustrierend, eine seit Längerem laufende Reihe neu zu entdecken und zu wissen, dass ihr euch noch ganz viele Bände zulegen „müsst“? Wartet ihr grundsätzlich mit dem Lesen der Fortsetzungen, bis ihr einige Teile gesammelt habt, um dann intensiv die Serie weiterlesen zu können? Oder könnt ihr bei euch keine Regelmäßigkeiten feststellen, wenn es ums Reihenlesen geht?

Ich konnte nicht mitfühlen und mir wurde nichts erklärt!

Ich habe „Flügel aus Asche“ von Kaja Evert recht frisch ausgelesen, und wie so oft, wenn ich einen Roman noch nachklingen lassen will, stöbere ich danach in Rezensionen zu dem Buch. Dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen, die mir in letzter Zeit häufiger ins Auge gesprungen sind, wenn es um Fantasygeschichten geht. Kritikpunkte, die – meinem Gefühl nach – mit einem gewissen schmollenden Unterton vorgebracht werden und die ich persönlich nicht unbedingt als nachteilig empfinde.

Auf der einen Seite wird gern angeprangert, dass man mit den Charakteren nicht mitfühlen konnte, dass der Erzählstil für Distanz sorgte und man deshalb auch nichts ins Geschehen abtauchen konnte. Ja, ich lese auch gerne Geschichten, die mich emotional mitnehmen und bei denen ich beim Lesen lache und weine und am Ende gefühlsmäßig ausgelaugt bin. Aber ich brauche diese emotionale Achterbahn nicht bei jedem Buch, das ich lese. Oft genug finde ich es fast noch spannender, wenn ich eher mit dem Verstand als dem Gefühl an eine Handlung herangehen und so andere Details wahrnehmen kann.

Ein weiterer Punkt, der regelmäßig angeprangert wird, ist, dass nicht genug erklärt wurde, dass Magie einfach existiert, ohne dass der Leser über alle Hintergründe aufgeklärt wird, dass die Geschichte einer Welt nicht dargelegt wird, dass … Ganz ehrlich, für mich muss für einen (Fantasy-)Roman kein Weltenbau betrieben werden, der es mit dem eines Tolkien aufnehmen kann. Das kann nämlich auch schnell dazu führen, dass mir vom Autor zu viel über die Welt erzählt wird, denn irgendwie will er ja all die Kleinigkeiten unterbringen, die er sich so mühsam ausgedacht hat. Ich will aber selbst etwas entdecken können und nicht die Handlung zwischen all den tollen Beschreibungen über Warenkreisläufe und das einzigartige Gildensystem suchen müssen.

Manchmal reicht es eben einfach, wenn eine Grundidee interessant ist und keine Widersprüche auftauchen. Ich kann problemlos auch mal Sachen als gegeben hinnehmen und etwas akzeptieren, wenn das Ganze gut geschrieben ist und mir der Autor das Gefühl gibt, dass er sich die Sache gut überlegt hat, statt sie einfach nur in den Raum zu stellen. Wieso erwarten eigentlich so viele Leser, dass die Protagonisten in den Fantasybüchern über alles Bescheid wissen? Wie viele dieser Leser können mir genau erklären, wie das ABS in ihrem Auto funktioniert oder andere physikalische Details unserer Welt detailliert darlegen?

Ich persönlich finde es oft stimmiger, wenn nicht zu viel erklärt wird (und langweile mich auch schon mal, wenn mir zu viele Absätze voller Hintergrundinformationen präsentiert werden) und wenn ich stattdessen eine Welt durch all die Dinge entdecken kann, die für die Protagonisten selbstverständlich sind. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Genre für mich entdeckt hatte, als ein ausführlicher Weltenbau noch eine Ausnahme war und Fantasygeschichten in der Regel noch einfacher (und oft märchenhafter) erzählt wurden als heutige Veröffentlichungen. Versteht mich nicht falsch, ich mag eine gut konstruierte Welt und eine komplexe Geschichte, aber auch ohne diese Aspekte kann mich ein Roman überzeugen, wenn er interessante Figuren aufweisen kann, die Grundidee mich fesselt oder ich die Atmosphäre der Geschichte mag.

Wie ist es bei euch? Könnt ihr eine Geschichte genießen, solange sie genügend interessante Aspekte hat, oder müsst ihr unbedingt mit den Charakteren mitfiebern können? Und besteht ihr darauf, dass euch alle möglichen Details genauer erklärt werden oder könnt ihr auch mal mit Auslassungen leben?

Von Buchstapeln und Buchkartons – Ein erschütternder Einblick

Ich muss gestehen, dass es in meinem Leben schon immer Buchstapel gegeben hat. Aber früher beschränkte sich das auf einen kleinen Stapel mit „in den nächsten Tagen lesen“-Büchern auf dem Nachttisch. Dazu kam dann vielleicht noch ein Stapel mit Bibliotheksbüchern (in der Regel neben dem Bett auf dem Fußboden) und vielleicht noch ein Stapel mit Büchern, die mir von Freunden geliehen wurden. Das war es aber … abgesehen von dem kleinen Stapel mit gelesenen Neuzugängen, die quer vor den anderen Büchern im Regal lagen und darauf warteten, dass ich meine Bestände so umsortierte, dass die Neuzugänge einen festen Platz im Regal fanden.

Alles ganz übersichtlich und einfach bis zu dem Tag, an dem mir der Regalplatz ausging, was kurz vor dem letzten Umzug war. Zu der Zeit quollen meine – schon diverse Male umgezogenen und umgebauten – Regale über, und Schreib- und Wohnzimmertisch wurden mit immer höheren Buchstapeln verziert. Der Umzug sorgte dann dafür, dass ich zum x-ten Mal meinen Bestand durchsortierte und kräftig ausmistete und die Bücher, die ich unbedingt weiterhin behalten wollte, sorgfältig in Umzugskartons verstaute. Der SuB wurde extra gekennzeichnet, aber der Rest – das stand schnell fest – würde längere Zeit in Kartons bleiben, bis wir neue Bücherregale anschaffen und das dritte große Zimmer in der neuen Wohnung in eine „Bibliothek“ umwandeln würden.

Vom Ehemann mit den wichtigsten Infos beschriftet

Wenn ihr bei diesen Fotos aufmerksam hinschaut, dann könnt ihr sehen, dass die Umzugskartons mehrreihig stehen – und zwar nicht nur seitlich, sondern auch in der Tiefe. Dazu kommt, dass einige Kartons inzwischen in keinem so guten Zustand sind (der Inhalt ist zum Glück wohlbehalten, das haben wir vor dem Stapeln kontrolliert) und deshalb bleiben diese Kisten unangetastet bis zu dem Tag, an dem sie durch Bücherregale ersetzt werden. Das aber wird sich noch einige Zeit hinziehen, denn weder finde ich Bücherregale, die meinen Vorstellungen entsprechen (gutes Preis-/Leistungsverhältnis, stabil genug, um Bücher in zwei Reihen pro Brett zu stellen, ohne dass die Böden durchbiegen, flexible Lochung, damit die Bodenhöhe immer wieder neu angepasst werden kann, und dazu Glastüren, um die Bücher vor Dreck und Beschädigungen zu schützen), noch ist der Rest der Wohnung inzwischen in einem Zustand, dass ich sagen kann, dass ein Raum abgehakt ist, wenn man mal von der Küche absieht.

So haben andere Räume erst einmal Vorrang beim Renovieren und Einrichten und ich werde noch eine Weile mit Kartons und Stapeln improvisieren müssen. Das sorgt dann für solche Anblicke:

„Meine“ Ecke des Wohnzimmertischs mit den Büchern (und aktuellen DVDs und Spielen), die ich gerade lese, gelesen und noch nicht umgestapelt habe oder ganz bald lesen will – also eigentlich jetzt oder zumindest heute Abend, alle gleichzeitig oder so ähnlich … Spätestens dann, wenn mein Mann den Fernseher nicht mehr sehen kann, muss ich die Stapel in Angriff nehmen. Ansonsten werden diese Stapel vor jedem angekündigten Besucher radikal zurück ins SuB-Regal gestopft oder umgelagert in einen anderen Raum. Was dann nach ein paar Tagen so aussieht, weil ich ja immer wieder was aus den Stapeln rauszupfen muss:

Und dann gibt es noch die beiden Beistelltische, auf denen ich die Bücher schon mal für das endgültige Verstauen oder Weggeben vorsortiere:

Blöderweise liegen da aber auch die Stapel mit geliehenen Büchern (also die, die nicht in der Leihschublade oder in dem Karton unter dem Tisch liegen) oder die Bücher, die ich aufgrund von Recherchezwecken nicht wegpacken kann. Oh, und Reihenanfänge, die ich erst wegpacken will, wenn ich die Folgebände gelesen habe … *seufz* Außerdem ist da noch der Stuhl, auf dem ursprünglich die Bücher gelandet waren, die ich mal wieder lesen wollte, aber da kamen dann noch ein paar englische SuB-Exemplare oder gelesene Bücher hinzu und am Ende sah er so aus:

Bevor ihr euch fragt, wie man denn langfristig so mit seinen Büchern umgehen kann: Kann man nicht! Deshalb gibt es ja regelmäßige Aufräum- und Sortieraktionen, die damit anfangen, dass mein armer Mann Kartons schleppen darf, während ich die Stapel mit in den letzten Monaten gelesenen Büchern, die sortiert und verstaut werden sollen, aus allen Ecken hole und auf dem Schreibtisch deponiere.

Ganz rechts kann man einen Stapel leerer Kartons sehen.

Dadurch kann ich dann auch gleich einen Beistelltisch nutzen, um darauf schon mal weiter zu sortieren:

Die Manga gehen schön schnell …

Die Romane machen mehr Arbeit. 😉

Die so sortierten Titel werden dann sorgfältig in kleine Buchkartons gepackt. Denn die sind nicht nur haltbarer als Umzugskartons, sondern man kann sie auch besser stapeln und bei Bedarf schnell rauskramen und eben durchgucken.

Auf den Deckeln gibt es mehr Details zum Inhalt, damit ich nicht so rumwühlen muss, wenn ich einen bestimmten Titel suchen sollte. Am Ende wird das Ganze dann liebevoll wieder in dem Raum mit den Umzugskartons gestapelt … und die ganze Sache geht von vorne los. Nach dem gestrigen Aufräumen und Sortieren habe ich jetzt einen Umzugskarton voller Bücher, die demnächst zur Bibliothek oder in den Bücherschrank wandern werden. So sieht die Stapel-Lage jetzt eigentlich wieder ganz gut aus. Allerdings sind da gestern Abend schon wieder die ersten Bücher auf dem Wohnzimmertisch aufgetaucht … 😉

Aber ich kenn‘ den Mörder doch schon!

Immer wieder höre ich von Freunden oder lese auf anderen Blogs, dass Krimis nur einmal gelesen werden. Schließlich würde man den Mörder ja schon kennen und deshalb gebe es keinen Grund, das Buch noch einmal zur Hand zu nehmen. Unter diesen Umständen frage ich mich ein bisschen, warum diese Leute nicht einfach nur noch zu Bibliotheksausleihen greifen. Denn wenn ich von vornherein weiß, dass ich einen Roman nur ein einziges Mal lesen werde, dann brauche ich ihn auch nicht zu kaufen.

Für mich ist diese Haltung wirklich unverständlich. Ich lese Bücher gern zum wiederholten Mal. Natürlich ist es gerade bei einem Krimi ein bisschen spannender, wenn man noch mitraten kann und keine Ahnung hat, wer der Täter ist und welche Motivation ihn bewegte. Aber wenn es allein darum ginge, dann würde mir ein Krimi nicht viel bringen. Mir kommt es auch auf die Erzählweise an, darauf, dass ein Autor ein guter Beobachter ist und mir einen atmosphärischen Hintergrund für seine Geschichte bietet. Ich mag bei Krimis, dass sie in der Regel auch als Sozialstudie fungieren, dass sie zum Teil einen überspitzten und ironischen Blick auf die Gesellschaft werfen oder einen besonderen Aspekt kritisch beleuchten.

Und das alles bekomme ich bei einem Krimi nicht in einem trockenen und wissenschaftlichen Ton präsentiert wie bei einem Sachbuch, sondern eingebettet in eine spannende und unterhaltsame Handlung. Vielleicht bietet mit ein Krimi auch Einblick in ein anderes Land (zuletzt sehr schön bei Deon Meyers „Dreizehn Stunden“) oder in eine andere Zeit – wobei ich bei letzterem auch mal „großzügiger“ sein kann, wenn die historische Korrektheit zugunsten der Geschichte übergangen wird (aber dann möchte ich darüber auch in einem Nachwort aufgeklärt werden). Wenn dann noch die handelnden Charaktere sympathisch oder skurril oder einfach nur faszinierend sind, dann bin ich glücklich.

Einen gut geschriebenen Krimi kann ich – ebenso wie jedes andere Buch, das mich auf irgendeiner Ebene besonders anspricht – immer wieder lesen. Da ist es nicht relevant, dass ich die Handlung und die Auflösung schon kenne! Da geht es mir darum, neue Details zu entdecken, die Geschichte vielleicht aus einer anderen Perspektive zu erleben, gerade weil ich die Lösung schon kenne, oder einfach ein Wiedersehen mit bestimmten Charakteren, die mir ans Herz gewachsen sind, zu feiern.

Dann wieder greife ich zu einem schon gelesenen Roman, weil ich in genau diesem Moment einer bestimmten Stimmung nachgeben möchte. Wenn ich ein Buch schon kenne, dann kann ich genau sagen, dass es zu dieser Stimmung passt oder ich kann davon ausgehen, dass es spannend genug ist, um mich von meinem Alltag abzulenken. Habe ich das Gefühl, dass ich in irgendeiner Form trostbedürftig bin, dann lasse ich mich gern in einen englischen Landhaus-Krimi fallen, denn trotz des Verbrechens, das im Mittelpunkt steht, kann ich bei vielen dieser Bücher davon ausgehen, dass mir eine heimelige und idyllische Umgebung geboten wird. All diese Aspekte haben nichts mit der Jagd nach dem Täter zu tun!

Zu behaupten, dass ein nochmaliges lesen eines Krimis nichts bringen würde, wenn man die Handlung schon kennt, ist in meinen Augen genauso widersinnig wie die Aussage, dass man keinen Liebesroman lesen müsste, denn man könne ja davon ausgehen, dass sich die Hauptfiguren am Ende schon kriegen werden. 😉

Wie ist es bei euch? Lest ihr Bücher – und vor allem Kriminalromane – noch einmal oder ist das für euch sinnlos, wenn ihr die Handlung schon kennt?

Von Band zu Band

In den letzten Tagen habe ich Band 2, 3 und 4 der „Witchcraft Mysteries“ gelesen und es wirklich genossen, dass ich nach dem Beenden des einen Teils gleich zum nächsten greifen konnte. Ich mag es wirklich, wenn ich eine Serie mal am Stück lesen und mich so richtig in die Geschichten „hineinfallen“ lassen kann. Dabei habe ich aber auch gemerkt, dass es mir nicht so gefällt, wenn die Handlungen der verschiedenen Teile zeitlich zu nah beieinander liegt.

Zwischen der Geschichte von „Secondhand Spirits“ (#1) und „A Cast-Off Coven“ (#2) liegt gerade mal eine knappe Woche, wobei ich das Gefühl hatte, dass es „Anschlussprobleme“ zwischen den beiden Romanen gab. Das kann aber auch an mir liegen, weil ich die letzten Sätze des ersten Bandes (dank des Lesens der Vorschau auf den zweiten Teil) vielleicht falsch interpretiert habe. Aber selbst ohne Anschlussprobleme geht es mir zu schnell, wenn man bedenkt, dass eine eigentlich unbeteiligte Frau innerhalb von zwei Wochen in zwei übernatürliche Mordfälle verwickelt sein soll.

Am Ende von „A Cast-Off Coven“ fährt eine der Nebenfiguren (Max) für einige Wochen weg, kommt aber im Laufe des dritten Bandes wieder – und wenn man sich den Ablauf der Geschichten anguckt, dann war er maximal zwei Wochen unterwegs. Das stimmt weder mit der Aussage, dass er beruflich für „längere Zeit“ wegfahren muss, noch mit dem Gefühl überein, das mir die Autorin bei der Beschreibung von Lilys Gedanken über seine Abwesenheit vermittelt. Außerdem kommt auf den letzten Seiten von „A Cast-Off Coven“ ein Polizist in den Secondhand-Laden und bittet Lily zum Schauplatz eines Mordes – gerade mal eine Woche, nachdem der Fall in diesem Band aufgelöst ist. In „Hexes and Hemlines“ (#3) geht es genau an diesem Punkt weiter, und wieder umspannt die Handlung nur ein paar Tage, während die Geschichte in „In a Witch’s Wardrobe“ (#4) wiederum nur wenige Tage nach Ablauf von Band 3 einsetzt.

Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn die Handlung eines einzigen Bandes auf wenige Tage beschränkt ist. Auch kann ich damit leben, wenn die Geschichte im folgenden Teil mal nahtlos weitergeführt wird. Aber wenn eine ganze Reihe so aufgebaut ist, dann fühlt sich das Ganze für mich nur noch gehetzt und unglaubwürdig an. Solange keine direkte zeitliche Einordnung vom Autor vorgegeben ist und ich nicht genau nachvollziehen kann, wie viele Tage zwischen den Geschichten liegen, fällt es mir deutlich leichter zu akzeptieren, dass eine Romanfigur regelmäßig in Mordfälle verwickelt wird. Gerade nachdem Lily eine „Beziehung“ zur Polizei aufbaut hat, die von beiden Seiten regelmäßig ausgenutzt wird, ist es okay, dass sie immer wieder in Ermittlungen hineingezogen wird. Aber wenn ich – so wie in diesem Fall – genau mitbekomme, dass zwischen dem Anfang von Band 1 und dem Ende von Band 4 nur wenige Wochen vergehen, während Lily von Mord zu Mord wandert, dann macht mich das etwas unzufrieden.

Das ändert nichts daran, dass ich die Serie sehr mag, mich gut unterhalten fühle und mich jetzt schon auf den fünften Band freue, ist mir aber bei dieser Reihe mal so richtig ins Auge gesprungen.

Wie ist es bei euch? Stört es euch auch, wenn solche Ereignisse bei einer Romanreihe so nah beieinander liegen, oder könnt ihr damit – weil das ja eh alles fiktiv ist – gut leben?

Die Winterkatze und der Kindle

Ende Januar dachte ich, dass es Zeit wäre, einen kleinen Rückblick über meine ersten Monate mit dem Kindle zu posten – seitdem hängt die erste Version dieses Blogbeitrags in meinem Entwurfsordner und wartet darauf, dass ich mal meine Gedanken zu dem Thema ausformuliere.

Erst einmal fand ich es spannend herauszufinden, wie mein Kaufverhalten mit dem Kindle ist. Ich gebe zu, dass ich E-Books immer noch nicht als „richtige Bücher“ empfinde und deshalb Hemmungen habe, Geld dafür auszugeben. Zu Weihnachten hatte ich einen Gutschein über 20 Euro für E-Books bekommen und den habe ich für amerikanische Anthologien, Kurzgeschichten und Fantasy-Magazine ausgegeben. Mit vielen dieser Publikationen liebäugle ich schon eine ganze Weile, weil das die einzige Möglichkeit ist, um an einige Veröffentlichungen von ein paar meiner Lieblingsautoren zu kommen.

Außerdem habe ich drei Daisy-Dalrymple-Schnäppchen genutzt. Bis ich mir diese Reihe in den schönen britischen Ausgaben leisten kann, bin ich bereit, jedes 99-Cent-Angebot zu nutzen. Ich finde die Serie unterhaltsam und entspannend, und trotz der einen oder anderen Länge in der Handlung, amüsiere ich mich in der Regel köstlich beim Lesen.

Im Februar gab es dann bis jetzt noch zwei Spontankäufe. Einmal habe ich mir „The Magic Thief 3 – Found“ gegönnt, weil ich nach dem Lesen des zweiten Teils bei einer nächtlichen Rechercheaktion so frustriert darüber war, dass der dritte Band anscheinend doch nicht auf Deutsch veröffentlicht wurde. Und dann habe ich mir vor ein paar Tagen den „I Captured The Castle/The Secret Garden“-Doppelpack gegönnt, nachdem ich Birthes Rezension zu dem ersten Roman gelesen hatte. („The Secret Garden“ kann ich ebenfalls für die Challenge nutzen und die Geschichte wollte ich schon lange mal im Original lesen).

Klingt ja alles noch ganz kontrolliert, oder was meint ihr?

Blöderweise gab es da noch die Null-Euro-Feiertagsangebote, bei denen ich mich aber ganz gut zurückgehalten habe, und die ebenfalls kostenlosen Klassiker. Im Januar hatte ich die tolle Idee, mich mit der BBC-Liste durch die englischsprachigen Klassiker zu wühlen, und packte an einem Abend von „Alice in Wonderland“ bis „Wuthering Heights“ fünfzehn Bücher auf den Kindle (und ich bin mir sicher, dass ich die meisten davon niemals im Original lesen werde *ohje*). Anfang Februar hingegen habe ich meiner Trash-Leidenschaft nachgegeben, nachdem ich feststellte, dass es 47 kostenlose deutschsprachige Edgar-Wallace-Romane im Angebot gab. Schon ein Blick auf die Titel zeigte, dass das nicht gerade seine besten Werke sind, aber ich bin mir sicher, dass ich sie alle lesen werde. 😀

Außerdem gibt es da noch die ungefähr 160 Titel, die der Vorbesitzer auf dem Kindle gelassen hat und die ich in den letzten Monaten immer wieder durchstöbert und genutzt habe. Sehr lustig finde ich die ganzen Vampirromane, auch wenn ich weiß, warum der Vorbesitzer so viele davon heruntergeladen hat (so ein Studium kann schon zu ungewöhnlicher Lektüre führen), und es gibt noch einen Haufen Krimis und – tadaa – englischsprachiger Klassiker, die ich auch noch durchstöbern könnte.

Bei so viel Auswahl ist es kein Wunder, dass ich auch einiges mit dem Kindle gelesen habe, aber ich finde es immer noch nicht so befriedigend wie mit einem „richtigen“ Buch. Ich nehme den Kindle häufig mit in die Küche, weil ich da neben dem Kochen lesen kann, ohne dass ich mir Gedanken um zuschlagende Bücher, Fettflecken oder Ähnliches machen muss. Mehr als die Hälfte meiner gekauften E-Books habe ich innerhalb weniger Tage gelesen – deutlich schneller als die Romane, die erst einmal auf dem SuB landen – und oft greife ich zum Kindle, wenn ich mich nicht entscheiden kann, welches „richtige“ Buch ich als nächstes lese. Und ja, mir ist bewusst, dass es seltsam ist, dass ich die E-Books dann als „Lückenfüller“ nutze.

Wenn ich in den nächsten Tagen unterwegs bin, dann kommt der Kindle mit, und ich freu mich schon, dass ich mit dem Gerät keinen Mangel an Lesestoff befürchten muss. Aber trotzdem werden zwei bis drei (Bibliotheks-)Bücher ebenfalls in meiner Tasche landen – und sei es nur, damit ich nicht von der Akkukapazität des Kindle abhängig bin. 😉

Noir-itäten

Ich habe gerade einen Roman angelesen, bei dem ich schon in dem Moment, in dem ich sagte „Da kann ich mal reingucken.“ wusste, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Einen Fehler, den ich immer wieder begehe und der mir schon so einige Bluthochdruck-fördernde Stunden bereitet hat.

Bei „Blutige Nacht“ gab es zwei Punkte, die mich dazu brachten, wider besseres Wissen zu handeln: 
1. Es gibt da einen vampirischen Privatdetektiv (und der Autor hat für die Fernsehserie „Moonlight“ geschrieben, die ich sehr nett fand) und irgendeine kleine, dumme Ecke meines Gehirns verknüpft vampirische Privatdetektive mit guten, düsteren und spannenden Geschichten – und nein, ich weiß nicht, wo mein Gehirn diese Verbindung herholt. 
2. Es gab da dieses Stichwort im Katalog, dieses eine, mit dem man mich immer erwischt: Humphrey Bogart!
Und ja, man merkt dem Roman an, dass er eine „hardboiled novel“ erzählen will, aber leider versagt der Autor in dieser Beziehung. Die Geschichte wäre vermutlich wesentlich unterhaltsamer, wenn Trevor O. Munson seinen eigenen Stil dafür gefunden hätte. So hingegen störe ich mich bei jeder gelesenen Seite an der unstimmigen Atmosphäre, an den gewollt coolen Dialogen und an den Charakterbeschreibungen. Gerade eben erst habe ich einen Traum verfolgen dürfen, in dem mich der Autor über die Exfrau des „Helden“ aufgeklärt hat.
Die Dame war eine ehemalige Kleinstadtschönheitskönigin, die hoffte, dass sie in Hollywood als Schauspielerin landen würde. Kurz nach ihrer Ankunft in der Filmmetropole während der 40er-Jahre verliebt sie sich in einen Musiker, einen richtigen „bad boy“, und heiratet ihn, nachdem er ihretwegen angeschossen wurde. Ihn bringen seine Schmerzen zu Morphium und Heroin, bei ihr ist es ihre Neugier, und so geht es mit dem sympathischen Pärchen weiter bergab …  
Ganz ehrlich, ich will so etwas in einem Roman dieses Genres nicht lesen! Von einem Sam Spade hätte man höchstens erfahren, dass er mal verheiratet war und dass er nicht darüber reden will. Ganz eventuell hätte man noch den Namen der Frau erfahren, aber nur dann, wenn es einen besonderen Anlass dafür gegeben hätte. Die Figuren, die von Chandler, Hammett oder Woolrich erschaffen wurden, sind sehr sparsam mit Auskünften über ihre Vergangenheit, und gerade das macht auch einen Reiz dieser Charaktere aus. Alles, was relevant ist, ist, dass diese Personen integer sind und dass sie strengere Regeln befolgen als die (korrupte) Gesellschaft, in der sie agieren. Und selbst wenn es für sie von Nachteil ist, so halten sie sich an ihre Prinzipien. Es sind nicht immer „gute“ Menschen, aber es sind vertrauenswürdige Menschen.
Bei moderneren Versuchen, eine solche Geschichte zu erzählen, wird – meiner Ansicht nach – viel zu viel Gewicht auf die Historie einer Figur gelegt, statt sie einfach für sich stehen zu lassen. Ich erwarte zwar, dass sich ein Autor Gedanken darüber gemacht hat, aber die soll er mir doch bitte nur dann mitteilen, wenn es für die Handlung unabdingbar ist. Ich muss nichts über die Kindheit in Armut wissen, über den viel zu strengen Stiefvater – oder was auch immer es für Probleme in der Vergangenheit gab -, und vor allem möchte ich nicht alles auf dem Silbertablett serviert bekommen, als könnte ich nicht selbst denken. Ich will mir meine Gedanken über eine Figur machen können – und manchmal sind es ja gerade die Auslassungen, die einen Charakter so unvergesslich und reizvoll machen!

Ich mag euch nicht!

Nein, der Titel bezieht sich natürlich nicht auf  meine Blogleser – die mag ich nämlich sehr -, sondern auf Buchcharaktere. Es passiert ja häufiger, dass man mit einer Figur in einem Roman nicht warm wird, aber so extrem wie in den letzten Tagen ist es mir schon lange nicht mehr passiert.

Auf der einen Seite habe ich gestern zum dritten Mal „Ein verzauberter Sommer“ von Juliet Hall angelesen und musste wieder einmal feststellen, dass ich die Figuren in dieser Geschichte nicht leiden kann. Vom Klappentext her hatte ich eine ganz normale „Frau erbt Gebäude und lernt darüber mehr über die Vergangenheit ihrer Familie“-Geschichte erwartet, also etwas Nettes und Unterhaltsames zum Entspannen. Vermutlich passt der Roman auch in diese Schublade, aber ich hege den Verdacht, dass ich es nie genau herausfinden werde, weil ich die drei Frauenfiguren von Anfang an nicht leiden kann. Da gibt es die sizilianische Großmutter Flavia, die niemals über ihre Kindheit oder Familie in Sizilien geredet hat, die Tochter Tess, die als alleinerziehende Mutter in einem Job festhängt, der sie langweilt, und die eine Beziehung mit einem verheirateten Mann hat, und die Enkelin Ginny, die ich bislang noch als irgendwie schwammig und pubertär empfinde.

Und weil ich diese drei Frauen, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, einfach nicht leiden kann, mag ich auch den Roman nicht weiterlesen. Ich bin gerade mal auf Seite 86 (von ca. 570), Tess ist erst seit ein paar Stunden in Italien (und guck mal an, auch da sind mir schon Personen über den Weg gelaufen, die ich auf Anhieb als unsympathisch empfand) und ich bin absolut nicht neugierig darauf, wie es weitergeht. Dabei wird es – wenn ich den Amazon-Rezensionen glauben darf – noch spannende Entwicklungen samt manipulierender Italiener, Mafia und Familiendrama geben …

Apropos Familiendrama: Auch bei „Mit freundlicher Anteilnahme“ gab es so gut wie keine Figur, die mir sympathisch war. Trotzdem habe ich das Buch vor ein paar Tagen sehr zügig durchgelesen, weil ich wissen wollte, worauf der Autor Erling Jepsen mit seiner Geschichte hinauswollte. Gestolpert bin ich über den Autoren bei der Blogparade zum Jahresende von den BuchSaiten – irgendein Teilnehmer hatte Erling Jepsen als Neuentdeckung angepriesen und vor allem die subtile Spannung in einem anderen Titel gelobt. In meiner Bibliothek habe ich nur „Mit freundlicher Anteilnahme“ vorgefunden und hatte mich von vornherein darauf eingestellt, dass ich in erster Linie ein Familiendrama und erst in zweiter Linie „Spannung“ zu erwartet hätte.

Dabei habe ich gerade die ersten Kapitel von „Mit freundlicher Anteilnahme“ schnell gelesen, weil ich neugierig auf die Handlung und die Personen war. Der Roman beginnt mit dem Tod des Vaters der Hauptfigur, und man erfährt schnell, dass dieser seinen beiden jüngsten Kindern schon vor Jahren das Haus verboten hat. Letztendlich dreht sich die gesamte Geschichte rund um das Thema „Missbrauch/Misshandlung“, und obwohl ich keinen einzigen Charakter ausstehen konnte, war ich neugierig auf die Hintergründe in dieser Geschichte. Ich wollte mehr über die Kindheit des Protagonisten wissen, über sein Verhältnis zu seinen Geschwistern, über seine Mutter – und am Ende beschäftigte mich die Frage, ob man den Tod des Vaters als Mord einstufen muss. Mit dem Ende des Romans war ich nicht glücklich, und ich werde wohl keinen weiteren Titel des Autors lesen, aber ihm ist es gelungen, seine unsympathischen Figuren so interessant zu gestalten und seine Handlung so spannend aufzubauen, dass ich das Buch in einem Nachmittag gelesen habe.

Lustigerweise arbeiten beide Autoren (soweit ich das nach den wenigen Kapiteln bei „Ein verzauberter Sommer“ sagen kann) grob gesagt mit denselben Methoden. Beide deuten viel an, verzögern die Herausgabe von Informationen und wechseln immer wieder die Perspektive, aber handwerklich liegen Welten zwischen den beiden Geschichten …