Dies und Das (2): Der Bibliotheksnutzer als Störfaktor

Ich habe vor ein paar Jahren einen ausführlichen Beitrag darüber geschrieben, was Bibliotheken für mich bedeuteten und wie wichtig sie für mich als Kind und Jugendliche waren. Nach dem Umzug im vergangenen Jahr habe ich mich dann darüber ausgelassen, wie schön es ist, dass die recht neue Stadtteilbibliothek so gut zu Fuß erreichbar ist und dass ich dort immer über Bücher stolpere, die ich lesen mag. Ein Jahr später bin ich über die Nähe zur Stadtteilbibliothek immer noch glücklich und gerade die Roman-Auswahl ist in den vergangenen Monaten deutlich besser geworden – so gibt es zum Beispiel inzwischen ein Regal, wo die Bibliotheksmitarbeiter Krimi-Empfehlungen präsentieren. An diesem Regal bin ich in den letzten Wochen nicht einmal vorbeigegangen, ohne mindestens einen Titel mitzunehmen. Das ist zwar nicht gerade gut für meinen SuB, aber ich entdecke eben gern neue Krimiautoren.

Trotzdem fühle ich mich in dieser Stadtteilbibliothek lange nicht so wohl wie in der alten Zweigstelle, und das liegt an den Mitarbeiterinnen. Es gibt zwei Frauen, die die Stammbesetzung dieser Bibliothek bilden, und beide vermitteln mir grundsätzlich das Gefühl, ich würde sie stören. Egal, ob ich einfach nur meine ausgeliehen Bücher zurückgebe, ob ich um eine Vormerkung bitte (da nur schon ausgeliehene Titel online vorgemerkt werden können) oder ob ich es gar wage, Buchgeschenke abzugeben. Und meine Buchgeschenke sind keine alten verramschten Exemplare, sondern neuwertige Titel, denen man nicht ansieht, dass sie einmal gelesen wurden, deren Veröffentlichung auch nicht besonders lange her ist und die Genres abdecken, die eigentlich ein relativ breites Publikum finden müssten. Alles, was nicht mehr neuwertig aussieht oder wo ich sehe, dass die Bibliothek eh schon diverse Exemplare im Bestand hat, oder wo mir irgendwelche anderen Aspekte einfallen, um den Titel für eine Bibliothek nicht attraktiv zu machen, wandert in den öffentlichen Bücherschrank.

Ich will kein Dankeschön für die Buchgeschenke, ich will keinen Small Talk machen und überhaupt würde ich davon ausgehen, dass ich als Bibliotheksnutzerin relativ pflegeleicht bin (und sei es nur, weil ich selbst einige Jahre für eine Bibliothek gearbeitet habe). Aber ich will mich nicht als Störfaktor fühlen. Ich will nicht das Gefühl haben, dass meine Buchgeschenke nur Arbeit machen, und ich fände es wirklich schön, wenn man sich nicht mitten im Satz von mir abwenden würde, um mit der danebensitzenden Kollegin zu reden. Da mir diese beiden Damen durch ihr Verhalten signalisieren, dass ich nicht willkommen bin, finde ich es auch sehr unangenehm, dass sie von ihrem Sitzplatz den gesamten Raum im Blick haben.

Nachdem ich sie im Laufe des vergangenen Jahres auch mit ein paar anderen Bibliotheksnutzern gesehen haben, kann ich auch behaupten, dass sie dieses Verhalten nicht nur mir gegenüber zeigen. Ich frage mich ja immer als erstes, ob ich was falsch gemacht habe, dass mir so eine Behandlung zuteil wird. Aber inzwischen habe ich so oft erlebt, dass andere Personen, die zum Beispiel eine Frage hatten, einfach im Raum stehengelassen wurden, daher bin ich mir sicher, dass es wirklich nicht an mir liegt. Inzwischen bin ich so weit, dass ich mir wünsche, man könnte die Selbstverbuchung in dieser Zweigstelle nicht nur für die Ausleihe, sondern auch für die Rückgabe von Medien verwenden. Dabei mochte ich immer diesen kleinen Austausch bei der Rückgabe der Bücher in der alten Stadtteilbibliothek. Viel geredet haben wir nie, oft wurde nur ein Gruß oder ein Lächeln ausgetauscht, aber ich habe mich willkommen gefühlt – und das vermisse ich gerade sehr.

14 Kommentare

  1. Eva-Maria H.

    Das Gefühl hatte ich neulich in der Stuttgarter Bibliothek aber das liegt bestimmt auch dran, dass hier sehr viel los ist.

    Bei meiner Bibliothek hier in Bietigheim kann ich das niemals sagen, die ist aber auch kleiner. Was nicht unbedingt daran liegen mußt.

    Wir haben hier am Ort eine schöne Bibliothek ABER die Besatzung gefällt mir nicht. Unser Wohnort hier hat ca. 12.000 Einwohner und die Bibliothek ist nicht groß aber es ist die Besatzung.

    Lieben Gruß Eva
    wünsche dir ein schönes Wochenende

  2. @Eva: Wenn hier viel los wäre, würde ich auch noch verstehen, wenn die Mitarbeiterinnen ab und an abweisend reagieren würden. Aber das Kundenaufkommen – zumindest in den Zeiten, in denen ich da bin,- ist hier doch recht überschaubar. Es ist so bedauerlich, wenn man ungern in eine schöne Bibliothek geht, weil man sich einfach nicht erwünscht fühlt.

  3. Sowas finde ich immer sehr schade und leider kommt so etwas doch sehr häufig vor, wo mit Kunden gearbeitet wird. Ich merke auch immer wieder bei unseren Aus- und Fortbildungen, das es manchen Bibliothekarinnen an Kundenfreundlichkeit oder überhaupt dem Bewusstsein dafür mangelt – während andere wiederum ganz darin aufgehen und die Lesevorlieben aller Stammbesucher kennen.
    Ich muss zugeben, dass ich selbst kein Fan von Bibliotheken bin, in denen man ständig im Blickfeld ist – ganz unabhängig von der Freundlichkeit der MitarbeiterInnen. Wenn man sich dann noch als Störfaktor fühlt, ist so etwas doppelt unangenehm.

    Was die Bücherspenden betrifft, ist das doch eigentlich simpel: Entweder sie nehmen welche an (in den Büchereien Wien etwa werden nur in den wenigsten Zweigstellen welche genommen) oder eben nicht. Und wenn sie welche nehmen, dann sollen sie nicht so tun, als wäre ihnen das lästig.

  4. @Neyasha: Ich hatte ja auch Kollegen, die am Liebsten ohne jeglichen Kundenkontakt gearbeitet hätten. Aber normalerweise mischt sich das in einer Zweigstelle dann so weit, dass man mal die freundliche Mitarbeiterin und mal die weniger entgegenkommende Person erwischt. Aber hier gibt es niemanden, der netter mit den Nutzern umgeht.

    Was die Bücherspenden angeht: So dachte ich bis kurzem auch. Ich habe ja auch extra bei der neuen Zweigstelle gefragt, ob sie überhaupt welche annehmen (obwohl alle zur selben Bibliothek gehören und das ja normalerweise von der Hauptstelle aus geregelt wird). Bei uns waren Bücherspenden früher etwas tolles – vor allem für die Zweigstellen, die die erste Wahl hatten, wenn bei ihnen etwas abgegeben wurde.

  5. @Anette: Ich fühle mich auf jeden Fall deutlich weniger wohl und greife in letzter Zeit dann eher auf die Onleihe zurück, um die Zweigstelle zu meiden. Aber das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein – vor allem, weil dann das Stöbern, was ja für mich auch zum Bibliotheksbesuch gehört, wegfällt.

  6. Das ist echt schade, wenn man dann gar nicht mehr gern in die Bibliothek gehen möchte. Ich merke bei mir auch, dass ich nicht mehr so viel gehe, weil meine Lieblingszweigstelle für mich nun einerseits ungünstiger liegt als früher und ich außerdem mittlerweile dort einige Bibliothekarinnen von meinem Job kenne. Ich möchte aber nicht als Mitarbeiterin des Dachverbandes in die Bibliothek gehen, sondern als Privatperson.
    Und die kleine Zweigstelle bei mir ums Eck ist mir einfach zu klein (zu wenig Auswahl und zu sehr das Gefühl der "Beobachtung").

    Daher greife ich auch mehr auf die Onleihe zurück, obwohl ich das Stöbern in der Bücherei liebe.

  7. @Neyasha: Wäre es bei dir eine Lösung stattdessen in die Hauptstelle zu gehen? Die ist bei uns so groß, dass man nicht nur wunderbar unbeobachtet unterwegs ist, sondern es auch eine automatische Rückgabe außerhalb der Öffnungszeiten gibt. Wenn die nicht eine halbe Stunde mit der Straßenbahn entfernt wäre, würde ich dahin wechseln. So aber müsste ich mir nicht nur extra eine Fahrkarte kaufen, sondern würde auch allein für den Hinweg länger benötigten, als für den gesamten Besuch inklusive Hin- und Rückweg bei der Zweigstelle um die Ecke.

    Nur gut, dass es die Möglichkeit der Onleihe gibt!

  8. Echt traurig, was du da berichtest. Kein Wunder, dass du dich da nicht wohlfühlst. Wahrscheinlich haben diese Personen ihren Beruf nicht aus Freude am Dienst am Kunden ergriffen … und da das vermutlich öffentlicher Dienst ist, herrscht auch recht wenig Druck in Richtung Kundenfreundlichkeit. Aber wahrscheinlich wären sie am jammern, wenn die Zweigstelle wegen mangelnder Auslastung schließen müsste.

    Naja, viel machen kannst du wahrscheinlich wirklich nicht. Ich würde wahrscheinlich aus Prinzip mal einen Beschwerdebrief an die Hauptstelle schicken, auch wenn es vermutlich nichts ändern wird.

  9. @Elena: Die meisten Personen, die ich in dem Beruf kenne, haben ihn wegen der Bücher ergriffen. Die Nutzer sind – je nach Charakter – ein netter Bonus oder ein Übel, dem man nicht entkommen kann. 😉

    So weit, dass ich einen Beschwerdebrief schreibe, ist es nicht. Sie haben mir nichts getan, ich fühle mich nur nicht wohl mit ihnen … und ich weiß, was solche Briefe in behördenähnlichen Strukturen anstellen können.

  10. Tatsächlich gehe ich momentan meistens in die Hauptstelle, da die von der Arbeit aus gut zu erreichen ist und auch die längeren Öffnungszeiten für mich praktisch sind. Dort ist es aber immer etwas schwieriger, die Bücher zu ergattern, die ich gern möchte und insgesamt finde ich halt die andere Zweigstelle viel gemütlicher. Naja, vielleicht fahr ich demnächst doch mal wieder hin. In letzter Zeit habe ich ohnehin weniger ausgeliehen, da ich einerseits viele ebooks gelesen habe und andererseits meinen SuB abbauen wollte.

  11. @Neyasha: Wie ist es denn bei euch mit Vormerkungen? Hier kann ich mir jedes verfügbare Exemplar in jede Zweigstelle liefern lassen, ohne dass es etwas kostet. Wenn du dir also bestimmte Titel vormerken und in der Hauptstelle zurücklegen lässt, müsstest du ja nach und nach deine Wunschbücher ausleihen können – und es bleibt trotzdem genügend Raum zum Stöbern übrig.

    Das mit dem SuB versuche ich auch gerade wieder. Dummerweise kommen mir da ein bisschen die alten Schätzchen dazwischen, die ich in den letzten Tagen ausgepackt habe. *g*

  12. Vormerken kostet etwas – ohne Gebühr gabs anscheinend Probleme, dass ständig Bücher durch Vormerkungen "blockiert" waren und dann noch nicht mal abgeholt wurden. Daher merke ich halt immer nur Bücher vor, die ich unbedingt lesen möchte und sonst nur schwer ergattern kann. Und in den Zweigstellen hatte ich meist auch nicht so das goße Problem, die Bücher auch spontan zu bekommen.

    Das mit den alten Schätzchen verstehe ich. Ich habe jetzt auch mal wieder einen Reread dazwischen geschoben, weil die letzten Tage so stressig waren und ich Wohlfühllektüre wollte, bei der ich wusste, was mich erwartet.

  13. @Neyasha: Ah, das ist schade! Bei uns ist es kostenlos, dafür hat man nur eine Woche, um das zurückgelegte Buch auch aus der Bibliothek abzuholen.

    Dafür sind Rereads wirklich perfekt! Ich habe gerade die gesamten Enchanted-Forest-Titel (plus Anthologie, in der auch ein paar Kurzgeschichten dazu veröffentlicht wurden,) gelesen. weil ich genau so eine Art von Geschichte brauchte. 🙂

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