Mary Robinette Kowal: The Calculating Stars (Lady Astronaut 1)

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich „The Calculating Stars“ von Mary Robinette Kowal gelesen habe – und normalerweise würde ich mir nach einem halben Jahr nicht noch die Mühe machen, eine Rezension zu schreiben, wenn ich nicht so recht weiß, was genau ich zu einem Buch sagen soll. Denn eigentlich dachte ich, ich hätte nur zwei Sachen zu dem Roman sagen, aber da irrte ich mich wohl … Die eine Sache war, dass mir die Geschichte gut gefallen hat und ich mich darauf freue, dass ich noch ein paar Fortsetzungen vor mir habe. Das andere war, dass die Leseprobe bei mir einen Eindruck hinterlassen hatte, der relativ wenig mit dem eigentlichen Erzählstil der Geschichte gemein hat. Denn die ersten Kapitel erzählen, wie im Jahr 1952 ein Meteorit auf die Erde fällt und die Protagonistin Elma und ihr Mann Nathaniel verzweifelt versuchen, aus einer kleinen Ferienhütte in den Bergen zurück in ein sicheres Gebiet zu kommen. Während die beiden über unwegsames Gelände fliehen, um die kleine Landebahn zu erreichen, wo ihr Flugzeug steht, ist ihnen gleichzeitig bewusst, dass vermutlich ein Großteil ihrer Familien durch den Einschlag des Meteoriten und seine Folgen getötet wurde.

Dieser Teil ist wirklich herzzerreißend, und ich habe beim Lesen mitgefiebert, während Elma und Nathaniel um ihr Überleben ringen, versuchen, irgendwie an Informationen zu kommen und dabei die ganze Zeit Angst um ihre Lieben haben müssen. Was bedeutet, dass ich zu Beginn des Romans einen Haufen Tränen vergossen habe, während danach der Teil der Handlung begann, der erzählt, wie der Alltag nach einer solchen Katastrophe ausschaut. Dieser Teil erstreckt sich über Jahre, während die verschiedenen Parteien an einer Lösung für das Überleben der Menschheit arbeiten – und dabei bewerten sie oft genug die eigenen Interessen höher als das gemeinsame Ziel. Diesen Bruch zwischen der Katastrophe und den folgenden Jahren fand ich wirklich überraschend, aber nachdem ich mich erst einmal darauf eingelassen hatte, dass „The Calculating Stars“ eine weniger emotionale Geschichte als erwartet war, war ich sehr fasziniert von diesem Gedankenspiel rund um die Auswirkungen eines solchen Meteoriten-Einschlags auf eine Gesellschaft, die auf der einen Seite schrecklich konservativ (und rassistisch, mysogyn, ableistisch) ist und auf der anderen Seite kurz vor einem wissenschaftlichen Durchbruch steht, der den Menschen den Aufenthalt im All ermöglicht.

Es war nicht schön zu lesen, mit welchen Widerständen und Vorurteilen Elma zu kämpfen hat – gerade weil sie immer wieder beweist, dass sie sowohl als ehemalige WASP-Pilotin als auch als Computer für das Space-Programm durchaus geeignet ist. Aber gerade weil es eine alternative Realität ist, in der die Geschichte spielt, fand ich all die (leider für Frauen recht alltäglichen) Herausforderungen, mit denen Elma fertigwerden muss, deutlich einfacher zu lesen, als bei realen (historischen oder aktuellen) Ereignissen. Dabei muss Elma nicht nur gegen die Vorurteile angehen, die in einer männerdominierten Arbeitswelt gegenüber Frauen herrschen, sondern auch gegen ihr eigenes (anerzogenes) Verhalten und gegen ihren eigenen verinnerlichten Rassismus. Dabei fand ich es realistisch, dass sie sich mehr als einmal bewusst machen musste, dass sie sich gerade rassistisch gegenüber den Schwarzen Pilotinnen, die sie kennenlernt, verhält, um ihr Benehmen zu ändern. Solche Veränderungen brauchen nun einmal leider Zeit, egal wie sehr wir uns alle wünschten, es würde ein einziger Hinweis auf ein solches Fehlverhalten reichen.

Was ich nach dem Lesen spannend fand, waren die diversen Kritikpunkte, die ich in anderen Rezensionen zu dem Roman gelesen habe. Die hatten dazu geführt, dass ich ursprünglich so viele kleine Punkte in meiner eigenen Rezension aufgreifen wollte, die ich hier nun gar nicht erwähnt habe. Aber ich denke, dass diese Kritikpunkte mehr mit den Personen zu tun hatten, die die Rezensionen geschrieben haben, als mit dem Buch selbst. Wenn jemand es unglaubwürdig findet, dass ein Ehemann liebevoll und unterstützend ist und damit leben kann, dass seine berufstätige Frau keine Kinder möchte, dann tut es mir leid um diese Person. Und wenn jemand kritisiert, dass Elma auf der einen Seite behauptet, dass sie aus einer armen Familie stammt und auf der anderen Seite priviligiert genug war, um zu studieren, dann muss ich daraus schließen, dass die Person all die Passagen rund um Elmas Familie (und die Unterschiede zwischen der armen mütterlichen Verwandtschaft und dem Status ihres Vaters als General) nicht bewusst wahrgenommen hat. Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann vor allem den Umstand, dass Elma schon als Kind ein Mathematik-Genie war. Das ist, wie ich zugeben muss, die Grundvoraussetzung für ihren Lebensweg und somit überhaupt für ihre Rolle in der Handlung, aber es gibt mir mal wieder das Gefühl, dass selbst in fiktiven Geschichten eine Frau schon ein Genie sein muss, um nach den Sternen greifen zu dürfen.

2 Kommentare

  1. Bei mir ist es inzwischen schon 6 Jahre her, seit ich den Roman gelesen habe, und ich bin mir nicht mehr sicher, weshalb es für mich ein 3-Sterne-Buch war. Aber ich glaube, es hing damit zusammen, dass ich mir mit dem Bruch nach dem Einstieg schwer getan habe. Ich fand den weiteren Roman keineswegs schlecht, aber ich hätte viel lieber ohne Zeitsprung weitergelesen. Möglicherweise hätte es für mich daher sogar besser funktioniert, wenn wir die Katastrophe nicht „live“ miterlebt hätten, sondern die Handlung gleich später eingesetzt hätte.
    Ich meine mich auch zu erinnern, dass ich manches nicht ganz logisch/stimmig fand, aber das weiß ich leider im Detail nicht mehr.
    Wirst du die Serie weiterlesen? Ich wäre auf alle Fälle neugierig, was du zu den Folgebänden sagst und ob du meinst, dass man sie auch lesen kann, wenn man sich an den 1. Band nicht mehr so genau erinnert.

    • Konstanze

      Ich denke auch, dass dieser Kontrast zwischen dem Anfang und dem restlichen Roman dem Buch nicht wirklich gut getan hat. Diese ersten Ereignisse wecken einfach Erwartungen, die nichts mit dem eigentlichen Erzählstil zu tun haben. Da hatte ich Glück, dass ich trotzdem die Erzählweise mochte und mich darauf einlassen konnte.

      Den zweiten Band habe ich schon auf dem SuB, auch wenn ich nicht das Gefühl habe, dass ich dringend weiterlesen muss. Ich denke, das wird ein gutes Buch für den frühen Sommer, wenn ich etwas suche, das ich in kleinen Etappen lesen mag. Ich werde dann auf jeden Fall darauf achten, ob sich der Roman auch ohne frische Erinnerungen an den ersten Teil lesen lässt.

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