Stephanie G. Olson: Still Chosen – Another Unwanted Adventure

„Still Chosen – Another Unwanted Adventure“ von Stephanie G. Olson ist mir zufällig Anfang des Jahres auf Bluesky vor die Nase gekommen. Nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht, weshalb dieser Roman dann meine erste eBook-Anschaffung für 2025 wurde. „Still Chosen“ wird aus der Sicht von Phoebe erzählt, die vor zwanzig Jahren – gemeinsam mit einer Handvoll Gefährten – den bösen Zauberer Zaletor besiegte und danach zur Königin gekrönt wurde. Seitdem war Phoebe damit beschäftigt, ihr Königreich zu führen, und obwohl sie so einiges Gutes für ihre Bevölkerung erreichen konnte, wird zu Beginn des Romans deutlich, wie unbefriedigend und frustrierend dieses Leben für die Protagonistin ist.

Kaum jemand in ihrem Umfeld nimmt sie als reale Person mit Wünschen und Bedürfnissen wahr. Ihre früheren Gefährten haben längst neue Wege eingeschlagen, die „Liebe ihres Lebens“ hat sie wenige Jahre nach ihrer Krönung verlassen, und nur ihr Pflichtgefühl sorgt dafür, dass Phoebe weiterhin so gut, wie sie es vermag, ihren Tätigkeiten als Königin nachkommt. Umso schlimmer ist es für sie, als zwanzig Jahre nach ihrem hart erkämpften Sieg gegen den bösen Zauberer der Göttinnen-Bote Mercury erscheint und von einem erneuten Auftauchen Zaletors berichtet. Da sie immer noch die Auserwählte der Göttinnen ist, ist es auch dieses Mal Phoebe, die sich auf den Weg machen muss, um den Zauberer zu besiegen. Doch Phoebe ist kein Teenager mehr, sie ist älter und zynischer geworden, sie hat in den vergangenen Jahren ihre Magie kaum noch eingesetzt, und zu ihren ehemaligen Gefährten besteht so gut wie kein Kontakt mehr.

Dieser Debütroman von Stephanie G. Olson hat mir beim Lesen wirklich viel Spaß gemacht. In vielen Dingen ist „Still Chosen“ eine klassische Fantasygeschichte, bei der die Protagonistin nach und nach Begleiter für ihre Quest aufsammelt, um am Ende einen Kampf gegen das Böse zu bestreiten. Aber da Phoebe all das schon einmal vor zwanzig Jahren durchgemacht hat und nun deutlich lebenserfahrener und desillusionierter ist, gibt es immer wieder Beobachtungen und Anmerkungen, die kritisch mit dieser Art von klassischer Fantasy umgehen. Dazu kommen all die kleinen amüsanten Momente, in denen der Göttinen-Bote Mercury fassungslos feststellen muss, dass die in der Zwischenzeit gealterte Phoebe nicht mehr klaglos all seinen Anweisung folgt, Probleme damit hat, Nacht für Nacht auf bloßer Erde zu schlafen, und ihre Kontrolle über ihre Magie ziemlich eingerostet ist.

Ich mochte es sehr, wie Phoebe im Laufe ihrer Reise feststellen muss, dass die Personen, die ihr früher am nächsten standen, über Facetten verfügen, die sie damals nicht gesehen hat. Außerdem bekommt sie endlich die Gelegenheit, all die traumatischen Dinge zu verarbeiten, die sie bei ihrer ersten Heldenreise erlebt und nie thematisiert hat. Zudem findet sie in all den Wochen unterwegs Dinge über ihr Königreich heraus, die ihr in ihrer Rolle als Königin verschwiegen wurden und die sie in Zukunft ändern muss – wenn sie denn diese Quest überleben sollte. Für mich ist „Still Chosen“ eine überraschend stimmiger Blick auf die Frage, was wohl der Erwachsenen-Alltag für all die Fantasyfiguren bereithält, die als Jugendliche Heldentaten vollbracht haben – wobei es eben viel darum geht, dass diese „Helden“den Rest ihres Lebens mit den während ihrer Erlebnisse gewonnenen Fähigkeiten und Erinnerungen zurechtkommen müssen.

Alles in Allem sorgen diese Themen weniger für Spannung und dafür mehr für nachdenkliche Momente auf Phoebes Seite. Aber da ich Phoebes Gedanken und Erinnerungen gern verfolgt habe, habe ich mich beim Lesen wirklich sehr gut unterhalten gefühlt. Ich fand es faszinierend, diese Art von Geschichte mal aus einer solch ungewöhnlichen Perspektive zu erleben, und dazu gab es viele amüsante Szenen, die die Handlung auflockerten. Für sich genommen ist „Still Chosen – Another Unwanted Adventure“ streng genommen nur „sehr nett“, aber als Ergänzung zu all die High-Fantasy-Romanen, die ich in meinem Leben gelesen habe, fand ich Stephanie G. Olsons Debüt ungewöhnlich reizvoll. Ich bin auf jeden Fall neugierig, was die Autorin in Zukunft noch für Geschichten veröffentlichen wird.

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