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Amélie Wen Zhao: Song of Silver, Flame Like Night (Song of the Last Kingdom 1)

und „Dark Star Burning, Ash Falls White“ (Song of the Last Kingdom 2)

„Song of Silver, Flame Like Night“ hatte ich im Januar gelesen, und der Band hatte mir so gut gefallen, dass ich schon beim Lesen den zweiten (und abschließenden) Teil „Dark Star Burning, Ash Falls White“ bestellt habe. Amélie Wen Zhao hat mit diesen beiden Romanen chinesisch inspirierte Fantasy geschrieben, die – wie die Autorin selbst betont – von den Wuxia-/Xianxia-Geschichten beeinflusst wurde, mit denen sie aufgewachsen ist. Die Handlung dreht sich auf der einen Seite um Lan, die seit zwölf Jahren – seitdem ihr Land von den Elantian erobert wurde – als songgirl in einem Teehaus in Haak’gong lebt. Vor dieser Zeit hatte Lan einen anderen Namen, sie hatte eine liebevolle Mutter und wuchs behütet auf. Das einzige, was noch von ihrer Vergangenheit zeugt, ist ein Symbol auf ihrem Arm, dessen Bedeutung Lan bis zum heutigen Tag nicht herausgefunden hat.

Der zweite Protagonist der Geschichte ist Zen, der seit Jahren in der im verborgenen existierenden School of White Pines in den alten (magieähnlichen) Künsten ausgebildet wird. Als Zen Lan vor einem Elantian-Offizier rettet und das Symbol auf ihrem Arm sieht, ist er davon überzeugt, dass sie ein entscheidender Schlüssel im Kampf gegen die Elantian ist. Gemeinsam reisen die beiden zur School of White Pines, wo Lan hofft, mehr über das geheimnisvolle Symbol herauszufinden. „Song of Silver, Flame Like Night“ dreht sich vor allem um die Reise der beiden Figuren, um ihre Ankunft an der Schule und um all die Geheimnisse, die Lan und Zen hüten. Ich mochte diesen Teil unheimlich gern, weil er mich mit all den magischen Elementen, mit den Unterrichtsszenen und den Legenden rund um Dämonen, Götter und Magie an einige meiner (asiatischen) Lieblingsfilme erinnerte. (Und es passte überraschend gut, dass mein Mann zu der Zeit, als ich den Roman las, sehr viele Shaw-Brothers-Filme schaute. *g*)

Lan und Zen sind wirklich sympathische Figuren, und beide haben mit den traumatischen Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht haben, zu kämpfen. Ich mochte es sehr, den beiden dabei zuzuschauen, wie sie einander besser kennenlernen (und ja, wie es sich anscheinend für eine YA-Geschichte gehört, verlieben sie sich im Laufe des Romans ineinander), aber bei all den persönlichen (und romantischen) Elementen dreht sich die Handlung doch vor allem um schwerwiegendere Themen. Amélie Wen Zhao beschäftigt sich in ihrer Duologie damit, was Kolonialismus den Völkern antut, deren Länder erobert werden. Dabei werden nicht nur die Folgen durch den Einmarsch der fremden Elantian, sondern auch die Herrschaft des durch die Elantian gestürzten Kaisers thematisiert. In so vielen Szenen wird deutlich, wie viel Wissen und wie viele Fähigkeiten verloren gehen, wenn ein Volk in eine von außen aufgedrückte Form gepresst wird, statt weiter seinen eigenen Traditionen nachgehen zu können. Immer wieder zeigt die Autorin, wie schwer der Verlust der eigenen Sprache und der eigenen Wurzeln für die verschiedenen Personen wiegt.

Natürlich kommt dadurch auch die Frage auf, wie weit ein unterdrücktes Volk gehen darf, um sich gegen die Unterdrücker zu Wehr zu setzen. Lan und Zen sind da sehr unterschiedlicher Meinung, was zu so einigen Diskussionen (und herzzerreißenden Szenen) führt – wobei ich es mochte, dass die beiden Figuren nicht immer die vernünftigsten Entscheidungen trafen, weil sie sich dadurch wie reale Personen anfühlten, die eben in Ausnahmesituationen nicht immer einen klaren Kopf behalten können. Allerdings hat dieses Element dann auch dafür gesorgt, dass ich die erste Hälfte des zweiten Bandes („Dark Star Burning, Ash Falls White“) nur mit sehr großen Unterbrechungen gelesen habe. Immer wieder gab es Szenen, die ich – gerade weil mir die Figuren so ans Herz gewachsen waren – ungern gelesen habe und nach denen ich erst einmal wieder eine Pause benötigte. Aber ich muss zugeben, dass Amélie Wen Zhao jede dieser Szenen auf eine Art und Weise auflöste, die ich befriedigend fand. Ich bin beim Lesen durch die gesamte Palette an Emotionen gewandert, ich habe all die wunderbar bildhaften Beschreibungen der magischen Momente genossen, ich mochte die chinesisch inspirierte fantastische Welt so sehr und ich habe so viele Figuren ins Herz geschlossen. Ich weiß nicht, ob eine russisch-inspirierte Geschichte mich ebenso überzeugen kann, aber nachdem mir diese beiden Titel so gut gefallen haben, werde ich vielleicht noch einen Blick auf die Debüt-Trilogie der Autorin werfen.

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Anmerkung: Nach dem Lesen dieser beiden Romane und dem Schreiben dieser Rezension habe ich ein paar vereinzelte Aussagen gefunden, die Amélie Wen Zhao vorwerfen, dass sie mit diesen Büchern die Verfolgung der Uiguren durch die chinesische Regierung befürworten würde. Dazu kann ich nur sagen, dass ich auf der einen Seite viel zu wenig Ahnung von diesem Teil der Weltgeschichte habe, und auf der anderen Seite beim Lesen (besonders von „Dark Star Burning, Ash Falls White“) den Eindruck hatte, dass die Autorin aufzeigen will, wie wichtig es ist, all die Traditionen und Kulturen der verschiedenen Völker zu bewahren, und wie verdammenswert es ist, Volksgruppen in die Assimilation zu zwingen oder gar zu verfolgen.