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Hwang Bo-Reum: Welcome to the Hyunam-Dong Bookshop

„Welcome to the Hyunam-Dong Bookshop“ von Hwang Bo-Reum habe ich im Juli wirklich genossen. Schauplatz des Romans ist eine neu eröffnete Buchhandlung in einem eher altmodischem Viertel von Seoul. Besitzerin dieser Buchhandlung ist Yeongju, und der Hyunam-Dong Bookshop ist für sie die Erfüllung eines Traums, ohne dass sie sich vorher Gedanken über die alltäglichen praktischen Dinge gemacht hat, die eigentlich dazugehören. Solch eine Grundvoraussetzung für eine Geschichte würde mich normalerweise ziemlich frustrieren, aber hier ist es überraschenderweise für mich kein Problem gewesen. Denn von Anfang an steht fest, dass Yeongju aus einer persönlichen Ausnahmesituation heraus die Buchhandlung gegründet hat und dass sie – zumindest zu Beginn – damit hätte leben können, wenn ihr Laden keine langfristige Zukunft hätte.

Genauere Details über Yeongjus Vergangenheit gibt der Roman erst im Laufe der Zeit preis (auch wenn der Klappentext schon einiges andeutet). Währenddessen lernen wir die verschiedenen Personen kennen, die regelmäßig in der Buchhandlung auftauchen. Viele kleine untereinander verflochtene Episoden erzählen von dem jungen Mann, den Yeongju als Barista für das Buchhandlungs-Café anheuert, von der Kundin, die sich regelmäßig Gedanken um ihren antriebslosen Sohn macht, von den verschiedenen Leser*innen, die auf der Suche nach dem richtigen Buch für sich sind, und von kleinen und größeren Ereignissen, die im Laufe der Zeit rund um die Buchhandlung passieren. Dabei zieht sich durchgehend eine entspannte und wohltuende Atmosphäre durch die Geschichte, die verschiedenen Figuren reden sehr viel miteinander, und immer mal wieder gibt es kleine Momente, in denen spürbar wird, dass sich einer der Charaktere erst einmal gedanklich mit dem auseinandersetzen muss, was eine andere Person im Gespräch gesagt hat.

Wer „Welcome to the Hyunam-Dong Bookshop“ in die Hand nimmt, sollte nicht davon ausgehen, dass es im Laufe des Romans zu großen, einschneidenden Veränderungen im Leben von Yeongju und den anderen Figuren kommt. Stattdessen gibt es viele kleine Momente, die lose miteinander verknüpft sind und in denen man die verschiedenen Charaktere und ihr Leben besser kennenlernt. Sie alle beschäftigen ganz persönliche Probleme, und häufig würde die Lösung dieser Probleme bedeuten, dass die jeweilige Figur die Erwartungen, die sie selbst in sich setzt, die ihre Familie ihr gegenüber hat oder die durch die Gesellschaft vorgegeben werden, enttäuscht. So sind es in der Regel nur sehr kleine Schritte, die von den Charakteren in den verschiedenen Kapiteln gemacht werden, aber gerade diese langsame Entwicklung und dieses Fehlen von „Lösungszwang“ fand ich sehr entspannend und erholsam zu lesen. Dabei hat es natürlich auch nicht geschadet, dass all diese Ereignisse vor der Kulisse einer sehr idealistisch dargestellten Buchhandlung geschehen und dass immer wieder die Liebe zum Lesen oder ein bestimmtes Buch in der Geschichte ein Gespräch oder ein Umdenken bei einer Figur auslösten. Viel mehr gibt es über die Handlung eigentlich nicht zu sagen – der Roman war nett und erholsam, und ich freue mich darauf, ihn irgendwann noch einmal zu lesen.