„The Moth Keeper“ von K. O’Neill dreht sich um Anya, die in einer kleinen Gemeinschaft in einer Wüste lebt. Anya und ihre Nachbarn gehören zum Nightvillage, also zu den Personen, die nachts wach sind und deren Leben sich um den Night-Flower Tree und all die Produkte, die mit dieser Pflanze zusammenhängen, dreht. Genau genommen beginnt Anya auf den ersten Seiten der Geschichte ihre Ausbildung zum Moth Keeper und lernt unter der Anleitung des aktuellen Moth Keepers Yeolen, sich um die Motten des Moon-Spirits zu kümmern und diesem in der Nacht Gesellschaft zu leisten.
Doch das Leben als Moth Keeper ist einsam und die Tatsache, dass Anya Angst vor der Dunkelheit hat und sich nach der Sonne sehnt, macht ihre Aufgabe nicht einfacher. Dabei hat Anya sich bewusst dafür entschieden als Moth Keeper ihrer Gemeinschaft zu Diensten zu sein. Sie weiß genau, wie wichtig die Motten nicht nur für das Nightvillage, sondern auch für all die Pflanzen und Tiere in der Wüste sind. Das ändert aber nichts daran, dass sie sich allein und ängstlich fühlt, wenn sie in der Nacht die Motten hütet und dafür sorgt, dass diese vor Sonnenaufgang wieder sicher in ihre Behausung zurückgekehrt sind. Ich mochte es sehr, wie K. O’Neill Anyas Zwiespalt zwischen ihrer selbstgewählten Aufgabe und ihrer Sehnsucht nach Gesellschaft und Anerkennung dargestellt hat. Immer wieder wird deutlich, wie jung Anya ist und wie schwer es ihr fällt, um Hilfe zu bitten, obwohl sie welche benötigt.
Trotz aller Sorgen, die Anya sich macht, und trotz aller Einsamkeit, die sie fühlt, ist „The Moth Keeper“ alles andere als eine traurige Geschichte. Es gibt so viele kleine Szenen, die deutlich machen, dass Anya in einer liebevollen Gemeinschaft lebt, in der die Bewohner des Nightvillage füreinander da sind. Auch wenn nicht allen von Anfang an bewusst ist, dass Anya Hilfe benötigt, so ist es unübersehbar, wie viele Personen bereit sind, ihr zur Seite zu stehen, sobald sie es zulässt. Ich mochte all die kleinen und großen Szenen zwischen den verschiedenen Charakteren, sei es mit Anya, die zum Beispiel verzweifelt versucht, ihrer besten Freundin Estell keine Sorgen zu machen, oder mit Anyas Nachbarn, die sich darüber unterhalten, wie sie sich gemeinsam um Anya kümmern können.
K. O’Neills Zeichenstil ist in „The Moth Keeper“ häufig skizzenhafter als in „The Tea Dragon Society“, aber das passt sehr gut zu dieser nächtlichen Welt, in der sich Anya bewegt. Ich mag die Figuren, die auch in dieser Geschichte neben ihrer menschlich anmutenden Gestalt kleine tierische Elemente (wie Ohren, Schnäbel oder Flügel) aufweisen. Und ich finde es großartig, wie K. O’Neill immer wieder in der Geschichte kleine Details zu den Pflanzen in der Wüste aufgreift – hier wird deutlich, wie sehr „The Moth Keeper“ (wie im Nachwort erwähnt) von der neuseeländischen Natur im Tongariro Nationalpark und Kā Tiritiri o te Moana beeinflusst wurde. Auch die Farben, die K. O’Neill für diesen Comic verwendet, sind etwas gedämpfter und dunkler als bei den Teedrachen, aber das passt ganz wunderbar zu der traumartigen Atmosphäre in der Geschichte.
