Helenka Stachera: Fin and the Memory Curse

Nachdem „Fin and the Memory Curse“ von Helenka Stachera fast zwei Jahre auf meinem SuB lag, habe ich das Buch in diesem Oktober endlich gelesen. Dabei habe ich den Roman so sehr genossen, dass ich überlege, mir nun auch noch die Debütveröffentlichung („The Ice Whisperers“) der Autorin zu besorgen, obwohl Eiszeit-Geschichten mich – selbst wenn sie fantastisch sind – wenig interessieren. „Fin and the Memory Curse“ spielt im Jahr 1866 und wird aus der Perspektive von Fin erzählt, die vor elf Jahren in Zeitungspapier eingewickelt und in der Gesellschaft eines Jack Russell Terriers auf den Stufen von Ma Stump gefunden wurde. Gemeinsam mit zwei weiteren Waisenkindern (George und Snot) wird sie von Ma Stump aufgezogen und lernt schnell, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Als sie eines Tages Blutegel, die sie frisch für einen Apotheker gefangen hat, abliefern soll, begegnet sie Lady Worth, die in Fin ihre verloren geglaubte Nichte Magdalena Kaminski erkennt.

So findet sich Fin von einem Tag auf den anderen in einem Schloss am Rande des Marschlands wieder und muss sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sie von einer adeligen polnischen Familie abstammt, die vor ca. 25 Jahren in England Fuß gefasst hat. Es ist nicht so ganz einfach für Fin, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, obwohl ihre Cousine Emily und ihr – gerade erst aus Polen angereister – Cousin Eryk wirklich nett zu sein scheinen. Aber ihre Tante Lady Worth ist eine kühle und abweisende Person, die in allen Belangen auf den unheimlichen Arzt Doktor Hunt hört, und dann ist da noch der Fluch, der seit Jahrhunderten auf der Familie liegt. Was den Fluch – und eventuellen Schutz davor – angeht, so will ich nicht zu viel verraten, aber Helenka Stachera hat sich dafür von den Legenden ihres polnischen Vaters inspirieren lassen.

So lernt Fin eine Menge von ihrem Cousin Eryk über die wahre Natur des Fluchs, die Personen, die damit verbunden sind, und all die Schutzmaßnahmen, die in seinem polnischen Dorf gegen solch ein übernatürliches Böse angewandt wurden. Ich mochte diese unheimlichen Elemente in der Geschichte sehr, aber noch mehr mochte ich es, wie Fin sich damit auseinandersetzt. Sie verspürt anfangs verständlicherweise keinerlei Loyalität gegenüber einer Familie, die sie nicht kennt, während sie sich gleichzeitig nach der – nicht immer gewaltfreien, aber immerhin vertrauten – Umgebung, in der sie aufgewachsen ist, sehnt. Doch die Freundschaft, die zwischen Fin, Eryk und Emily entsteht, und die Erkenntnis, dass dieser Fluch nicht nur in der Vergangenheit schon so viel Unglück verursacht hat, sondern auch in Zukunft Personen darunter leiden werden, wenn nicht jemand dem Ganzen ein Ende bereitet, sorgen bei Fin für überraschend große Motivation, gegen diesen Fluch vorzugehen. Und Fin ist – gerade weil sie nicht von der seit langer Zeit in der Familie der Kaminskis verbreitenden Legende beeinflusst wurde – genau die richtige Person, um den Fluch zu brechen.

Es ist nicht einfach für Fin, sich in ihrer neuen Familie zurechtzufinden, aber ich habe gern verfolgt, wie sie die verschiedenen Familienmitglieder kennenlernte und für sich herausfand, wer nicht nur vertrauenswürdig ist, sondern mit wem sie auch in Zukunft verbunden sein will. Außerdem gefiel es mir, dass Fin zwar den Kaminskis eine Chance geben will, aber nicht das Gefühl hat, sie müsse dankbar sein oder sich gar vollständig verstellen, um den Erwartungen von Lady Worth gerecht zu werden. Dabei hat Helenka Stachera ein wirklich gutes Händchen für all die kleinen Dinge, die für Fin zu überwältigend sind, während sie die ersten Tage im Haus ihrer Familie verbringt. Fin hat keine einfache Vergangenheit, und sie sieht nicht ein, dass sie sich dafür schämen soll. All das hat dafür gesorgt, dass ich ihre Perspektive wirklich gern verfolgt habe. „Fin and the Memory Curse“ ist ein wunderbar atmosphärischer Roman voller unheimlicher Elemente und Bedrohungen und voller sympathischer Charaktere, die ihr Bestes geben, um die Personen in ihrem Umfeld zu beschützen – und er hat mir einfach Spaß gemacht.

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