Ich finde es einfach wunderbar, dass der seit ein paar Jahren laufende Trend nach „Cozy Alltagsgeschichten“ dafür sorgt, dass so viele (häufig schon etwas ältere) japanische Geschichten ins Englische (oder gar ins Deutsche) übersetzt werden. „The Kamogawa Food Detectives“ wurde im Original 2013 veröffentlicht und beinhaltet sechs Episoden, in denen Personen auf der Suche nach einem ganz bestimmten Gericht sind, weshalb sie die „Food Detectives“ Nagare und Koishi Kamogawa beauftragen. Nagare Kamogawa ist ein ehemaliger Polizist, der nach seiner Pensionierung seine Leidenschaft fürs Kochen zum Beruf gemacht und ein Restaurant eröffnet hat. Währenddessen ist seine Tochter Koishi auf der einen Seite für die Bedienung der Restaurantgäste zuständig und auf der anderen Seite ist sie diejenige, die die Kunden interviewt, die ihren Vater in seiner Funktion als „Food Detektive“ engagieren wollen.
Jeder dieser sechs Kunden hat unterschiedliche Beweggründe, um Nagare Kamogawa zu beauftragen, aber egal, ob es um das Wiederauflebenlassen einer Kindheitserinnerung oder die Suche nach einem ganz bestimmten Rezept geht, so drehen sich die Geschichten doch eigentlich immer nur um den Genuss von Essen und die Erinnerungen, die wir mit bestimmten Gerichten verbinden. Ich muss zugeben, dass mich japanisches Essen so gar nicht reizt (und das nicht nur, weil das vegetarische Angebot in dieser Küche nicht so üppig ist), aber ich liebe es, wenn es in japanischen Romanen/Filmen/Serien ums Essen geht, weil da häufig eine ganz besondere Detailverliebtheit und Wertschätzung durchschimmert. So ist es auch in „The Kamogawa Food Detectives“, was all die Passagen rund um das Essen von Gerichten für mich wirklich angenehm zu lesen macht.
Dazu kommen dann noch die Erklärungen von Nagare, wie es ihm genau gelungen ist, das gesuchte Gericht nachzukochen und welche Faktoren noch eine Rolle gespielt haben, um für den Kunden das gewünschte Erlebnis heraufzubeschwören. Diese Passagen fand ich in der Regel besonders spannend, weil da nicht nur – im Nachhinein dann häufig auf der Hand liegende – Überlegungen zu den Zutaten geteilt wurden, sondern auch Nagares Schlussfolgerungen zu den jeweiligen Kunden. Denn natürlich gibt es bei jeder einzelnen Geschichte Elemente, die von den verschiedenen Kunden nicht erzählt werden, die aber relevant für Nagares Arbeit als „Food Detective“ sind und die er – wie es sich für einen anständigen Romandetektiv gehört – aufgrund winziger Hinweise während der Interviews dann trotzdem in Betracht zieht. So ist „The Kamogawa Food Detectives“ zwar keine klassische Detektivgeschichte, aber es finden sich trotzdem immer wieder dazu passende Elemente in den verschiedenen Kapiteln, was für mich zu wunderbar unterhaltsamen Geschichten rund um die verschiedensten Charaktere und ihre Erinnerungen an ganz besondere Gerichte geführt hat. Ich habe diesen Band so sehr genossen, dass ich mir definitiv auch die im April 2025 erscheinende Fortsetzung besorgen werde.
