Martha Wells: The Cloud Roads (Books of the Raksura 1)

Vor einigen Jahren dachte ich, ich sollte endlich mal einen Roman von Martha Wells lesen. Da ich normalerweise Fantasy zugänglicher finde als Science Fiction, habe ich mir also „The Cloud Roads“, den Auftaktband der „Books of the Raksura“-Reihe, gekauft. Und dann habe ich das Buch fast sechs Jahre auf dem SuB liegen lassen (ebenso wie den ersten Murderbot-Band „System Red“, den ich 2019 geschenkt bekommen hatte). Nachdem ich im letzten Jahr endlich die Murderbot-Geschichten gelesen und sehr genossen hatte, wurde es jetzt Zeit, „The Cloud Roads“ vom SuB zu ziehen und zu schauen, ob mich Martha Wells mit dieser Reihe ebenso begeistern kann. Das war dann leider nicht der Fall, obwohl ich die Charaktere mochte und den Weltenbau wirklich faszinierend fand.

Martha Wells hat für diesen Roman eine fantastische Welt erschaffen, in der ganz eigene Regeln gelten und die durchgehend von nicht-menschlichen Rassen bewohnt wird (was mir mal wieder bewusst gemacht hat, wie selten das der Fall ist). Der Protagonist Moon ist ein Gestaltwandler, der seit seiner Kindheit allein ist und keine Ahnung hat, zu welcher Rasse er gehört. Da er keine anderen Wesen kennt, die so wie er sind, versucht er immer wieder von Neuem, bei den verschiedenen Groundling-Rassen ein Zuhause zu finden. Doch jedes Mal passiert etwas, das dafür sorgt, dass er verstoßen wird. So auch zu Beginn des Romans, als die Cordans, bei denen Moon einige Zeit gelebt hat, herausfinden, dass er ein Gestaltwandler ist. Doch dieses Mal hat Moon das Glück, dass er kurz darauf über einen Raksura namens Stone stolpert, der den jungen Mann darüber aufklären kann, dass auch er zu dieser Rasse gehört.

Dieses Zusammentreffen führt dazu, dass Moon sich bereit erklärt, Stone zu begleiten, der auf der Suche nach Raksura-Kämpfern für den Indigo Cloud court ist, da dieser von den Fell bedroht wird. Die Fell sind die eine Rasse in den Three Worlds, die von allen anderen gefürchtet wird, da sie jede Ansiedlung, mit der sie Kontakt haben, vernichten (und ihre Anwohner fressen). Doch natürlich ist es nicht so einfach für Moon, sich in eine bestehende Raksura-Ansiedlung einzufinden – vor allem, da es diverse politische Strömungen im Indigo Cloud court gibt, die Moons Auftauchen für ihre Zwecke nutzen wollen. Und dann gibt es noch all die Personen, die gegenüber einem unbekannten Raksura-Einzelgänger misstrauisch sind …

Wie schon gesagt, ich mochte den Weltenbau sehr und fand es faszinierend, wie Martha Wells spannende Details dazu in kleine Begegnungen zwischen Moon und (für mich) neuen Groundling-Rassen einbaute. Dazu kommt der Indigo Cloud court mit all den verschiedenen Raksura-Varianten, die alle ihre ganz eigenen Aufgaben und Fähigkeiten haben. Ich habe mich beim Lesen über all diese ungewöhnlichen Elemente gefreut und mich neugierig auf jede neue Gesellschaft eingelassen, in die ich beim Lesen einen kleinen Blick werfen konnte. Oft hätte ich gern noch mehr über die verschiedenen Orte und Personen erfahren, aber das hätte nicht zu der Dringlichkeit, mit der Moon den Großteil der Handlung über unterwegs ist, gepasst.

Allerdings muss ich zugeben, dass meine Neugier auf mehr Details rund um die Three Worlds dann doch nicht so groß ist, dass ich zu den Fortsetzungen greifen würde, da die Handlung selbst mich deutlich weniger packen konnte als der Weltenbau. Ich mochte Moon und viele der anderen Figuren, die er im Laufe der Geschichte kennengelernt hat. Aber ich fand die Handlung relativ wenig überraschend, und ich war – stellvertretend für Moon – beim Lesen regelmäßig frustriert über all die Dinge, die er nicht wusste und die das Verhalten der anderen Charaktere gravierend beeinflussten. Auch fühlte sich „The Cloud Road“ beim Lesen häufig überraschend altmodisch an, wenn es zum Beispiel um die verschiedenen klaren Rassenmerkmale und um die Gewichtung zwischen Weltenbau und Handlung ging. Was definitiv nichts Schlechtes ist – aber nicht mehr die Art von Fantasy, die ich heutzutage bevorzuge.

2 Kommentare

  1. Erinnert mich etwas an Odo, den Gestaltwandler von Deep Space Nine. Muss auch mal gucken, was Martha Wells sonst noch so geschrieben hat. Ein nächster Murderbot-Teil ist übrigens angekündigt.

    • Konstanze

      Ich muss zugeben, dass Odo nicht die Person wäre, die mir dazu als erstes in den Sinn kommt.

      Und ja, von dem nächsten Murderbot-Band hatte ich schon gehört (und ihn bei meinem Buchhändler vorbestellt *g*).

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