S. A. Patrick: A Darkness of Dragons (Songs of Magic 1)

„A Darkness of Dragons“ von S. A. Patrick hatte ich relativ spontan Ende letzten Jahres auf meinen Wunschzettel gesetzt, weil ich die Mischung aus „Drachen“ und „Rattenfänger von Hameln“, die der Klappentext versprach, sehr reizvoll fand. Große Erwartungen hatte ich an das Buch nicht, weshalb ich beim Lesen umso erfreuter war, weil ich die Geschichte rundum genossen und nur ungern eine Pause eingelegt habe. Die Handlung beginnt in einem kleinen, verschneiten Dorf in den Bergen, in dem die Bewohner aufgrund einer Rattenplage überaus verzweifelt sind, da die Tiere die Vorräte bedrohen, die die Menschen zum Überleben der Wintermonate benötigen. Als dann ein junger (und halb erfrorener) „Piper“ das Dorf erreicht, scheinen die Vorräte gerettet. Doch der dreizehnjährige Patch ist kein ausgebildeter Piper, sondern nur ein ehemaliger Piper-Lehrling auf der Flucht, und natürlich geht bei seinem Rettungsversuch einiges schief. Wenig später landet Patch für seine aktuellen und früheren Vergehen in dem Gefängnis, in dem auch der berühmte und gefürchtete Rattenfänger von Hameln seit zehn Jahren festgehalten wird, doch natürlich bleibt er da nicht für immer – schließlich ist das gerade mal der Anfang der Geschichte.

Es gibt sehr viele Elemente, die ich an „A Darkness of Dragons“ mochte, wie zum Beispiel die Welt, die sich der Autor dafür ausgedacht hat. Diese ist zwar nicht besonders komplex oder durchdacht, aber mir gefiel die Mischung aus vertrauten „märchenhaft-mitteralterlichen“ Aspekten und der Rolle, die die Piper in dieser Gesellschaft spielen. Sie unterstehen keinem König und können theoretisch von jedem angeheuert werden, um mit ihrer Magie das Leben der Menschen zu verbessern (zum Beispiel bei der Bekämpfung einer Plage oder beim Heilen von Krankheiten) oder zu zerstören (zum Beispiel in Kriegszeiten, wenn die Piper Soldaten mit ihrer Magie stärker und ausdauernder machen oder gar direkt feindliche Truppen mit ihrer Magie töten). Auf der anderen Seite gibt es innerhalb der Piper einen Orden, der unentgeldlich für Recht und Ordnung sorgt, der Gesetze durchsetzt und den Missbrauch von (Piper-)Magie verhindert. Dieser Orden war es auch, der vor gut zehn Jahren dafür gesorgt hatte, dass der Rattenfänger von Hameln für seine Verbrechen an den Menschen und Drachen inhaftiert wurde und nie wieder Magie ausüben konnte. Im Laufe der Geschichte muss Patch erkennen, dass die Gefahr durch den Rattenfänger von Hameln noch lange nicht vorbei ist und dass dieser Verbrecher – nachdem er damals über hundert Kinder und mehr als hundert junge Drachen getötet hatte – die vergangenen Jahre genutzt hat, um weitere Pläne zu schmieden.

So düster viele Elemente – gerade rund um den Rattenfänger – sind, so humorvoll wird die Geschichte vom Autor erzählt. Dabei hatte ich nie das Gefühl, S. A. Patrick würde die geschilderten Schrecken auf die leichte Schulter nehmen, aber es gelingt ihm, von Krieg, Tod, Seuchen und Verrat zu erzählen, ohne dass der Leser den Eindruck bekommt, es gäbe keinerlei Hoffnung mehr – was „A Darkness of Dragons“ trotz dieser Themen zu einer wunderbaren Lektüre für jüngere Leser macht. Gerade die Freundschaft zwischen Patch und den beiden Gefährten, die er auf seinen Reisen findet, ist sehr schön geschildert. Weder Wren (ein Mädchen, das von einem Zauberer in eine Ratte verwandelt wurde,) noch Barver (einem Dracogriff) sind immer die einfachsten Reisegefährten, aber trotz aller Probleme halten die drei zusammen und unterstützen sich gegenseitig, so gut sie können. Keine dieser Figuren ist besonders komplex oder ungewöhnlich, aber es sind liebenswerte Charaktere, deren Erlebnisse ich gern verfolgt habe. So sorgen die Figuren und die Erzählweise dafür, dass „A Darkness of Dragons“ trotz aller dramatischen Ereignisse zu einem wirklichen Wohlfühlbuch für mich wurden.

Erwähnen sollte ich vielleicht noch, dass die Handlung recht geradlinig verläuft und Patch und seine Gefährten den Großteil des Buches über ganz klassisch von einem Ort zum nächsten reisen und dort eine wichtige Begegnung oder ein kleines Abenteuer erleben, was für mich vollkommen in Ordnung war, aber eben nicht gerade eine raffinierte Art ist, eine Geschichte zu erzählen. Mein persönlicher Kritikpunkt ist hingegen, dass die Handlung mit diesem einen Roman noch nicht abgeschlossen ist. Patch, Wren und Barver haben nicht nur ganz persönliche Probleme, sondern müssen auch verhindern, dass der Rattenfänger von Hameln seine aktuellen Pläne verwirklicht, und „A Darkness of Dragons“ erzählt eigentlich nur den Anfang der gemeinsamen Abenteuer der drei. Am Ende des Buches haben Patch und seine Freunde gerade mal eine gute Vorstellung davon bekommen, was wirklich vor sich geht, und ein erstes Scharmützel gegen die Anhänger des Rattenfängers überstanden. Die Geschichte endet damit, dass die drei überlegen, welche Schritte sie als nächstes in Angriff nehmen müssen und es gibt weder vom Verlag noch vom Autor eine genauere Information dazu, wann der nächste Band erscheint und wie viele Teile die Reihe insgesamt bekommen soll. Gerade weil ich das Buch so genossen habe und so viel Spaß mit den Figuren und ihren Abenteuern hatte, würde ich schon gern wissen, wie und wann es mit Patch und seinen Freunden weitergeht und welche düsteren Pläne der Rattenfänger als nächstes verwirklichen will.

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