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A. G. Slatter: The Path of Thorns

Nachdem mir „All the Murmuring Bones“ schon so gut gefallen hatte, hat sich A. G. Slatter (Angela Slatter) mit „The Path of Thorns“ auf meine Auto-buy-Liste gesetzt. „The Path of Thorns“ wird aus der Sicht von Asher Todd erzählt, die als Gouvernante von der Familie Morwood engagiert wird. Von Anfang an steht fest, dass Asher in dem Herrenhaus der Morwoods ihre eigenen Ziele verfolgt und dass diese Ziele unter anderem mit ihrer verstorbenen Mutter zu tun haben. Doch um ihre Vorhaben umzusetzen, muss Asher erst einmal Beziehungen zu den verschiedenen Familienmitgliedern aufbauen und Informationen zu den Morwoods und früheren Ereignisse rund um die Familie sammeln. Wie schon bei „All the Murmuring Bones“ geht es in diesem Roman weniger darum, voller Spannung der Handlung zu folgen, sondern um all die kleinen (und häufig düsteren) Details, die die Autorin in ihre Geschichte eingebaut hat.

Asher lernt so viel über die Vergangenheit der Morwoods und die Geschichte des von ihnen verwalteten Gebiets, indem sie den Märchen lauscht, die ihr die Kinder der Familie erzählen. Auch mit der Großmutter der Kinder liest Asher immer wieder fantastische Sagen, die viel über die Magie des Landes verraten oder in denen die Gouvernante Informationen zu Personen oder Zaubern findet. Dabei ist der gesamte Roman von einer düster-märchenhaften Atmosphäre durchdrungen, die dafür gesorgt hat, dass ich viele Passagen bewusst langsam genossen habe. Es gibt so viele fürchterliche Aspekte in dieser Geschichte, die von den Figuren als Teil ihres Lebens hingenommen werden. Und die Personen, die versuchen, sich zu wehren oder ihr Leben zum Besseren zu wenden, verlieren dabei in der Regel einen Teil ihrer Menschlichkeit. Auch Asher ist eine ziemlich skrupellose Person, die von ihrer Vergangenheit gezeichnet wurde, ohne dass sie dabei unsympathisch wäre.

Ich finde es wirklich faszinierend, dass ich beim Lesen so oft den Kopf geschüttelt und mir gedacht habe, dass Asher etwas auf gar keinen Fall machen sollte, ohne dass ich dabei die Geduld mit ihr (oder der Geschichte) verloren habe. Angela Slatter hat es geschafft, dass ich selbst die Handlungen von Asher, die ich von Anfang an verurteilte, im Rahmen ihres Charakters verstehen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass Asher aufgrund ihrer Vergangenheit nicht anders handeln konnte, und das finde ich wirklich beeindruckend von der Autorin. Angesichts all der vielen Elemente, die mich wirklich begeistern konnten, konnte ich auch gut damit leben, dass die eine oder andere „überraschende“ Entdeckung etwas vorhersehbar war. Ich habe die Atmosphäre zu sehr genossen, um mich davon enttäuschen zu lassen – vor allem, da die Art und Weise, in der diese Dinge enthüllt wurden, dann wieder mit stimmigen Szenen für die beteiligten Figuren einherging. Für mich bieten die Romane von Angela Slatter eine perfekte Mischung aus menschlichen Abgründen, toxischen Familien, düsteren Märchen und (keltischer) Folklore, faszinierenden Charakteren und liebevollen kleinen (Alltags-)Details. Nur gut, dass ich neben dem Roman „The Briar Book of the Dead“ auch noch ein paar Kurzgeschichten-Sammlungen von der Autorin zu entdecken habe.