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Jennifer Adam: The Last Windwitch

„The Last Windwitch“ von Jennifer Adam hat ein Jahr auf meinem SuB geruht, bis ich den Titel dann im vergangenen Dezember endlich in die Hand genommen habe, weil ich beim Zusammenstellen meiner „Winter-Leseliste“ darüber gestolpert war. Ich weiß nicht, wieso ich dachte, dass die Geschichte „märchenhaft“ sein würde, aber das war sie nicht. Stattdessen bot sie mir die perfekte Mischung aus vertrauten fantastischen Kinderbuch-Elementen und kleinen Dingen, die dem Ganzen eine individuelle Note verliehen, was mir viel Freude bereitet hat. Außerdem habe ich die Protagonistin Brida und sehr viele der Personen, die sie im Laufe der Handlung kennenlernt, wirklich in mein Herz geschlossen. Und ich habe es genossen, von all den verschiedenen Verwendungen für „Alltagsmagie“ in dieser fantastischen Welt zu lesen.

Die Protagonistin Brida ist schon als Baby zu ihrer Pflegemutter „Mother Magdi“ gekommen und hat von ihr gelernt, mit der Magie einer Hedgewitch umzugehen. Doch obwohl Brida von klein auf den Umgang mit Magie gelernt hat, ist sie so schlecht darin, dass sie nicht hoffen kann, die Prüfung zu bestehen, die – wie es für Zwölfjährige in diesem Land üblich ist – das Ende ihrer Lehrzeit markieren würde. Die Tatsache, dass Brida ein Findelkind ist, und dass sie ständig versagt, wenn sie Hedgewitch-Magie anwenden will, sorgen dafür, dass sie sich in ihrem Leben ziemlich fehl am Platz fühlt. Dabei ist ihr bewusst, dass Mother Magdi sie wirklich liebt, immer für sie da ist und sie unterstützt. Ich persönlich fand es sehr schön, von dem Verhältnis dieser beiden Figuren zu lesen. Denn obwohl Brida nicht glücklich ist und das Gefühl hat, dass Mother Magdi ihre Probleme nicht nachvollziehen kann, so ist da doch die ganze Zeit eine sehr stabile Basis aus Zuneigung zwischen dem Mädchen und seiner Pflegemutter.

Neben diesen schönen Szenen zwischen Brida und Mother Magdi gibt es von Anfang an Anzeichen dafür, dass das Leben im Königinnenreich nicht einfach ist. Die Königin hat die alten Bräuche verboten, wie die Anwendung von großer Magie und das Erzählen der alten Geschichten, und mit jedem Jahr, das sie an der Macht ist, finden immer mehr Flüchtlinge ihren Weg in das kleine Tal, in dem Brida lebt. Das Wetter ist unberechenbar geworden, Hungersnöte gehören inzwischen zum Alltag und jeder Anwohner muss fürchten, dass er von einem Spion der Königin aus irgendeinem Grund in Gefangenschaft genommen wird. Wie schlimm die Situation im Land wirklich ist, erlebt Brida erst, als sie das Tal verlassen muss, weil sie vom Jäger der Königin gejagt wird. Und auch wenn für mich beim Lesen von Anfang an klar war, wieso sie die Aufmerksamkeit des Jägers auf sich gezogen hat, so fand ich es schön mitzuerleben, wie Brida erst nach und nach die Gründe dafür (und damit auch mehr über ihre Herkunft) herausfindet.

Spannend fand ich es auch, dass ich mich beim Lesen von „The Last Windwitch“ dabei ertappt habe, dass ich im ersten Drittel ständig darauf wartete, dass Brida ihr Dorf verlässt – einfach deshalb, weil es in ähnlichen fantastischen Kinderbüchern so üblich ist, dass die Autor*innen ihre Protagonist*innen nach einer kurzen Einführung ins Abenteuer schicken. Jennifer Adam lässt sich hingegen viel Zeit, um Brida und ihr Umfeld vorzustellen und um mit kleinen Ereignissen in Bridas Heimatort die großen Entwicklungen in dem Land anzudeuten. Mir hat das gut gefallen, weil es dafür sorgte, dass ich mir bei all den späteren Gefahren, denen Brida trotzen muss, immer sicher sein konnte, dass Mother Magdi und ihre Freund*innen aus der Ferne alles versuchen, um das Mädchen zu finden und sie zu unterstützen. Außerdem lernt Brida – natürlich – im Laufe ihrer Reise neue Personen kennen, die so für sie da sind wie Brida für sie.

Zusammengenommen ergaben all diese Dinge die – eingangs erwähnte – Mischung aus vertrauten und ungewöhnlichen Elemente in der Handlung, die dafür sorgte, dass ich „The Last Windwitch“ wirklich genossen habe. Es gibt so viele kleine Szenen rund um die Traditionen am „Tag der Erinnerung“ und die alltägliche (und die größere) Magie, die ich wunderbar fand. Dazu kommt noch die Entwicklung, die Brida im Laufe der Zeit durchmacht, und wie sie nicht nur mehr über sich und ihre Fähigkeiten herausfindet, sondern auch mehr über die Personen um sie herum. Brida ist eine wirklich liebenswerte Protagonistin, die von Jennifer Adam so geschrieben wurde, dass sie – in meinen Augen – eine stimmige Zwölfjährige ist und die trotzdem versucht, so „erwachsen“, wie es ihr möglich ist, mit den Herausforderungen umzugehen, die ihr begegnen. Ich werde definitiv die Augen nach weiteren Titeln von Jennifer Adam aufhalten! Der einzige Grund, wieso ich von ihr noch nicht „Lark and the Wild Hunt“ gekauft habe, ist, dass ich Hardcover nicht so gern lese und hoffe, dass es von dem Titel noch eine Taschenbuchausgabe geben wird.