„The Forgotten Magic“ hat seit dem Frühling darauf gewartet, dass ich das Buch vom SuB ziehe. Der erste Band der neuen Reihe von L. D. Lapinski wird aus der Perspektive des elfjährigen Ed(ward) erzählt, der – ebenso wie seine Väter und seine Zwillingsschwester – zu den Artezans gehört, was bedeutet, dass die Familie in der Lage ist, Magie zu wirken. Wobei Ed und seine Schwester Elodie erst in diesen Sommerferien herausfinden werden, ob sie wirklich über Magie verfügen, und wenn ja, was für eine Magie das sein könnte. Im Laufe der Geschichte gibt es so einige Hintergrundinformationen zu der Magie der Artezans und wieso diese Magie in den vergangenen vierhundert Jahren immer seltener und schwächer wurde, aber erst einmal wird von all den größeren und kleineren magischen Dingen erzählt, die das Leben der Artezans bis heute prägen.
L. D. Lapinski nimmt sich dabei viel Zeit, um Ed und sein Umfeld vorzustellen, wobei vor allem Eds etwas zwiespältiges Verhältnis zu seiner Schwester im Mittelpunkt steht. Gerade weil die beiden Zwillinge sind, kann Ed es nicht so recht nachvollziehen, dass er und Elodie solch gegensätzliche Persönlichkeiten haben. So ist Elodie voller Vorfreude auf das sommerliche Artezan-Camp, das neben ihrem Zuhause abgehalten wird, während Ed schon bei der Vorstellung an all die Menschenmassen von Fluchtgedanken beherrscht wird. Nicht selten ist Ed neidisch auf seine Schwester, während sie gleichzeitig seine beste Freundin und engste Vertraute ist. Dies führt dazu, dass sich eben auch ein nicht so geringer Teil der Handlung darum dreht, dass Ed mit seinen negativen Gefühlen und Impulsen fertig werden und einen klügeren und bewussteren Umgang damit finden muss.
Ich verrate jetzt mal so viel, dass Eds größter Wunsch (nämlich über beeindruckende Magie zu verfügen) in Erfüllung geht und dass ihm danach erst bewusst wird, dass solch eine Magie nicht einfach zu beherrschen ist. Was bedeutet, dass Ed mehr über seine (alb)traumhafte Magie (und sich selbst) herausfinden muss, um mit seinen neuen Fähigkeiten keinen Schaden anzurichten. Während ich sonst häufig Probleme habe, Sympathien für solche Protagonisten zu entwickeln, habe ich es hier überraschend gern verfolgt, wie Ed mit sich selbst ringt. Obwohl Ed sich immer (wissentlich!) unverantwortlich verhält, gelang es L. D. Lapinski, ihn so darzustellen, dass ich sein Verhalten selbst dann nachvollziehen konnte, wenn ich dabei zusehen musste, wie er gerade großen Mist baute. Ich finde es übrigens faszinierend, wie sehr ich mich beim Lesen (und Rezensieren) dieses Buchs auf Eds Charakterentwicklung konzentriert habe, obwohl es so viele wunderbare fantastische Elemente in diesem Roman gibt, die ich erwähnen könnte.
L. D. Lapinski hat mit den Artezans eine interessante Mischung aus vertraut wirkender und überraschender magischer Gesellschaft geschaffen. Außerdem begegnen einem während des Sommercamps so viele Figuren mit ungewöhnlichen (und nicht immer nützlichen) magischen Fähigkeiten. Besonders die Person, die die Kinder beim Umgang mit ihrer neuentdeckten Magie unterstützen soll, aber auch die Väter von Ed und Elodie fand ich wirklich sympathisch, und ich hatte Spaß daran, mir vorzustellen, wie sich ihre fantastischen Fähigkeiten wohl einsetzen ließen. Für mich war „The Forgotten Magic“ genau die passende Mischung aus fantastischen Ideen, amüsanten und nachdenklichen Momenten und einer immer intensiver werdenden unheimlichen Atmosphäre. Auch wenn einige Wendung für mich etwas vorhersehbar waren, habe ich es genossen, Eds Weg dahin zu verfolgen. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band („The Whispering World“), der für März 2025 angekündigt ist, und bin gespannt, wie es mit Ed, Elodie und der Magie der Artezans weitergehen wird.
