Joseph Elliott: The Good Hawk (Shadow Skye 1)

„The Good Hawk“ von Joseph Elliott lag seit fast vier Jahren auf meinem SuB, bis ich den Roman im Oktober endlich gelesen habe. Die Geschichte beginnt auf der Insel Skye und wird abwechselnd aus der Sicht von Agatha und Jaime erzählt. Beide sind vor einigen Monaten 15 geworden, und beide haben ein paar Probleme mit dem Beruf, der ihnen zu diesem Zeitpunkt zugeteilt wurde. Während Agatha als „Hawk“ die Ansiedlung des Clans Clann-a-Tuath bewachen soll und dabei eines Tages einen gravierenden Fehler begeht, bekommt Jaime, wenn er als „Angler“ (Fischer) aufs Meer fährt, Panikattacken. Doch als ihr Clan überfallen und versklavt wird, sind es diese beiden, die sich per Boot auf dem Weg machen, um die gefangen genommenen Clanmitglieder zu retten.

Das Ganze spielt in einer Vergangenheit, in der Schottland und England seit Ewigkeiten miteinander im Krieg lagen – bis Schottlands Bevölkerung durch eine Seuche fast vollständig ausgelöscht wurde. So ist es für Agatha und Jaime eine besondere Herausforderung, dass sie während ihres Abenteuers das Festland betreten müssen. Beide wissen von der Seuche, die vor einigen Jahren in Schottland wütete, und beide haben die Geschichten über die unheimlichen Schatten gehört, die danach in dem Land zurückblieben. Das bedeutet, dass sowohl Jaime als auch Agatha immer wieder nicht nur mit einer unwirtlichen Umgebung fertig werden müssen, sondern auch mit ihren eigenen Ängsten und Herausforderungen. Im Laufe der Zeit stolpern sie dabei nicht nur über überraschende Verbündete, sondern auch über unnatürliche und gefährliche Wesen.

Dazu kommt, dass Agathas Perspektive so geschrieben (und sie aus Jaimes Sicht so beschrieben) wurde, dass sie wohl eine Person mit Down-Syndrom sein soll – und das sorgt für eine ganz andere Wahrnehmung von vielen Situationen. Das fand ich sehr faszinierend, weil das Mädchen viele Begegnungen ganz anders beurteilt, als es Jaime tut – was natürlich auch Agathas Reaktion auf neue Herausforderungen für ihn immer wieder etwas unberechenbar machte. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass Joseph Elliott Agatha stimmig und voller Respekt gegenüber ihrem Charakter geschrieben hat. Aber wie gut er die Perspektive einer Person mit Down-Syndrom getroffen hat, kann wohl nur eine solche Person beurteilen.

All die Erlebnisse, die Agatha und Jaime durchmachen müssen, hätte ich als Zwölfjährige vermutlich total spannend gefunden. Und auch als erwachsene Leserin habe ich den Roman in gerade mal zwei Abenden durchgelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Am Ende der Geschichte gibt es so einiges Potenzial für weitere Abenteuer für die beiden Figuren. Aber ich muss zugeben, dass ich dann doch nicht so gefesselt von den Erlebnissen war, die Jaime und Agatha durchmachen mussten, dass ich mir die beiden Fortsetzungen noch besorgen würde. Bei diesem Buch macht es sich für mich am Ende doch bemerkbar, dass ich definitiv deutlich älter bin als die anvisierte Zielgruppe (und nicht mehr so viel Freude wie früher an Romanen habe, die in einer ferneren Vergangenheit spielen).

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