Eeva-Kaarina Aronen: Der Sommer vor meinem Fenster

Vielleicht hatte mich der Klappentext in die Irre geführt, der von einem Sommer erzählt, in dem eine Rundfunkjournalistin dramatische Ereignisse in ihrer Nachbarschaft beobachtet, aber „Der Sommer vor meinem Fenster“ gehörte zu den Romanen, durch die ich mich regelrecht durchquälen musste. Sprachlich schreibt Eeva-Kaarina Aronen sehr schön, ihre Ausdrucksweise kann man anfangs durchaus genießen, doch irgendwann kommt das Gefühl auf, dass die Autorin so gar nicht zu sagen hat. Oder sich zu sehr bemüht das Gesagte malerisch zu verpacken und dem Leser so die Lust am Text nimmt.

Kapitelweise stellt sie die verschiedenen Nachbarn ihrer Hauptfigur Hagar vor, die von der ihnen nachspionierenden Journalistin auch noch lauter Spitznamen verpasst bekommen haben. Bis ich die verschiedenen Beziehungen und Hintergründe verstanden hatte, hatte ich schon gar keine Lust mehr mich mit diesen Personen zu beschäftigen. Und während ich darauf wartete, dass endlich etwas großes passiert, schiebt Eeva-Kaarina Aronen einen Exkurs über die russisch-finnische Vergangenheit ein.

Dieser Part ist überaus faszinierend, mir waren vorher viele Verbindungen nicht bekannt und ich habe interessiert die Entstehung des russischen Kommunismus und seine Folgen für Finnland verfolgt – nur um dann wieder mit Hagar zusammen auf das Straßenfest der kleinen finnischen Gemeinde hinzuarbeiten. Endlich wird aus den vielen vielen Andeutungen, die seit Anfang des Buches gemacht wurden, ein konkretes Ereignis. Aber inzwischen hat die Autorin mich schon längst verloren. Hagar ist mir unsympathisch und die Vorgänge in ihrer Siedlung sind mir egal und die soooo lange aufgebaute Spannung endete für mich mit einem enttäuschenden kleinen „Puff“. Wenn ich wirklich einmal mehr über finnische und russische Geschichte lernen will, dann suche ich mir ein gutes Sachbuch. Von dieser Autorin hingegen werde ich wohl so schnell kein Buch mehr lesen, denn ich fühlte mich einfach nicht gut genug unterhalten, um die Durststrecken zwischen den interessanteren Teilen mühelos durchzuhalten …

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