Elly Griffiths: Dr. Ruth Galloway 1 – Totenpfad (Hörbuch)

Im Juli vergangenen Jahres hatte ich mir das Hörbuch „Totenpfad“ von Elly Griffiths zugelegt, dann aber keine Zeit gehabt, es auch zu hören. Nachdem Irina im Oktober dem Krimi auch nur eine durchwachsene Bewertung hatte zukommen lassen, habe ich in den vergangenen Monaten erst einmal zu anderen Hörbüchern gegriffen, bevor ich in den letzten Tagen dann doch zum Möbelaufbau diese Geschichte auf den Player gezogen habe. Die Handlung wird aus der Perspektive der 39jährigen Dr. Ruth Galloway erzählt, die als Archäologie-Professorin von der Polizei herangezogen wird, um einen Knochenfund im Salzmoor zu bestimmen. Zu Detective Chief Inspector Harry Nelsons Enttäuschung, der gehofft hatte, dass es sich bei dem Fund um die Leiche eines entführten kleinen Mädchens handeln würde, stellt Ruth fest, dass die Knochen schon seit der Bronzezeit im Salzmoor von Norfolk liegen.

Obwohl sie der Polizei dieses Mal nicht weiterhelfen konnte, wird Ruth in den folgenden Wochen immer weiter in die Ermittlungen rund um die entführte Scarlett (und die vor zehn Jahren ebenfalls entführte Lucy) hineingezogen. Nach und nach beschleicht sie der Verdacht, dass zwischen den Entführungen und den Ausgrabungen, die vor zehn Jahren im Moor stattfanden, eine Verbindung besteht und dass ihr ehemaliger Mentor und ihre damaligen Kollegen vielleicht etwas mit den anonymen Briefen und den Entführungen zu tun haben könnten. Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung habe, was ich noch zum Inhalt schreiben soll, denn obwohl das Hörbuch fast neun Stunden lang war, habe ich nicht das Gefühl, dass in der Geschichte etwas Erzählenswertes passiert.

Die Handlung plätschert so vor sich hin, es wird von Ruth viel über die Ereignisse von vor zehn Jahren nachgedacht, über ihre damaligen (und heutigen) Freunde, über ihr Leben, über ihre Eltern und vor allem darüber, was all die Menschen in ihrer Umgebung über sie denken. Letzteres vor allem deshalb, weil sie mit fast 40 Jahren alleinstehend ist, in einem einsam gelegenen Haus am Rande des Salzmoors lebt, zwei Katzen hat, übergewichtig ist und sich deshalb anscheinend als unfassbare Versagerin sieht, obwohl Ruth sich ständig erzählt, wie sehr sie ihr eigenständiges Leben doch liebt. Diese Passagen, in denen Ruth über ihr Leben und darüber, wie andere über sie denken könnten, grübelt, fand ich unglaublich nervig. Das Ganze steckte so voller Klischees, Vorurteilen und Selbstverachtung von Seiten der Protagonistin, dass ich mich beim Hören ständig aufgeregt habe.

Dazu kam dann noch der kaum vorhandene Krimianteil, der offensichtliche Täter (und die Tatsache, dass er anscheinend niemals von irgendjemandem verdächtigt wurde) und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Figuren, was dazu führte, dass ich ständig drüber nachgedacht habe, ob ich dieses Hörbuch wirklich bis zum Ende hören will. Immerhin kann ich sagen, dass ich – im Gegensatz zu Irina – wenig Probleme damit hatte, dass sich die gesamte Handlung auf die Menschen in Ruths Umgebung konzentriert. Denn auf der einen Seite leben nun mal nicht so viele Menschen am Rande des Salzmoors und auf der anderen Seite scheint es bei den Entführungen Verbindungen zu den archäologischen Ausgrabungen im Moor zu geben und die damals an den Ausgrabungen beteiligten Personen gehören eben auch heute noch zu Ruths Freundeskreis.

Mit ein Grund, warum ich letztes Jahr das Hörbuch gekauft habe, war nicht nur eine allgemeine Krimilust, sondern auch die Sprecherin Gabriele Blum, der ich normalerweise gern zu höre. Doch bei „Totenpfad“ konnte sie auch nicht viel aus der Handlung machen, während ihre – wie ich zugeben muss – stimmige Darstellung von Ruth dafür sorgte, dass ich die Protagonistin noch weniger mochte. Ich finde es wirklich schade, dass dieser Krimi bei mir so gar nicht ankam, denn die Grundidee war wirklich nicht schlecht und das Salzmoor bildete eine wunderbar atmosphärische Kulisse für die Geschichte, aber die Perspektive der Protagonistin und die ereignislose Handlung haben mich beim Hören wirklich genervt.

13 Kommentare

  1. Neun Stunden lang ist die Lesung?! Respekt, dass du durchgehalten hast! Und mein Beileid! 😀 Ernsthaft, wenn ich das Hörbuch gehört hätte, bei dem ich eben nicht die ganzen Selbstreflektionen und sonstigen ausufernden Überlegungen und Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdbild der lieben Ruth hätte überfliegen bzw. überblättern können, wäre ich vermutlich irre geworden. 😀

    Wirst du dich an einen weiteren Band ranwagen oder ist dir die Lust auf Ruth Galloway – ebenso wie mir – direkt vergangen?

  2. Ich habe halt nebenbei immer gearbeitet, so habe ich das auch durchgehalten. Eigentlich war es sogar ganz praktisch, dass ich beim Möbelzusammenbauen ein Hörbuch auf den Ohren hatte, wo ich nicht das Bedürfnis hatte jedes Mal zu pausieren, wenn ich zum Hammer gegriffen habe. 😉

    Ruths Selbstbild und ihr ständiges Kreiseln um sich selbst und wie andere sie wohl sehen hat mich stellenweise wirklich die Wände hochgetrieben. Bei dem Roman hätte ich vermutlich irgendwann nicht nur die Stellen überblättert, sondern nur noch das Ende angeschaut, um zu sehen, ob ich mit meiner Vermutung bezüglich des Täters recht hatte.

    Ich werde definitiv keinen weiteren Band der Reihe lesen! Wobei ich zugeben muss, dass ich mir die Inhaltsangabe des zweiten Teils angeschaut habe, weil ich wissen wollte, ob da die Schwangerschaft (boah, was für ein bescheuertes Ende mit diesem "ich bin nicht dick, ich bin schwanger"-Gedanken!) schon groß Thema ist.

  3. Tatsächlich kann ich auch mal was zu einer deiner Rezensionen sagen, denn ich habe mir dieses Hörbuch und die weiteren in der Reihe auch angehört. 🙂
    Allerdings höre ich die Dinger auch zum Einschlafen und gehe bei der Auswahl hauptsächlich nach dem Sprecher.
    Mein Fazit zur der Reihe ist tatsächlich ähnlich wie deines, und wenn man mit Verstand zuhört, wird man von Ruth immer nur noch genervter. Wenn man aber nur eine angenehme Stimme braucht, die einen einschlafen lässt, passt es. 😉

  4. @Bibendum: Uiuiui! 😀 Gabriele Blum liest wirklich gut und ich kann mir gut vorstellen, dass ihre Stimme angenehm entspannend zum Einschlafen ist. Ich weiß aber nicht, ob ich einschlafen könnte, während ich mich über Ruth aufrege und bin voller Bewunderung, dass du die Protagonistin so ignorieren kannst beim Hören.

  5. Ich glaube, ich hatte vorher irgendwas gehört, was mich noch mehr aufregte. Da war diese Reihe schon entspannend.
    Ich denke, es war die David Hunter Reihe von Simon Beckett, die mich wirklich maßlos aufregte. Ruth Galloway war ja wenigstens nur am Jammern. 😉

  6. @Bibendum: Oooookay, wenn du meinst. *g* Von den David-Hunter-Romanen habe ich zwei gelesen und fand die eigentlich nicht schlecht, mich hat nur immer die Doppelwendung am Ende geärgert.

  7. Von den Hunter-Romanen habe ich 4,5 gehört. Die liefen alle nach dem gleichen Prinzip ab und irgendwann fragt man sich wirklich, warum er so handelt, wenn er doch so ein schlauer Kerl ist. Er sollte doch aus den letzten Romanen gelernt haben. Das hat mich irgendwie mehr zur Weißglut gebracht als das Gejammer von der Galloway. 😉

  8. @Bibendum: Ah, okay, das hätte mich auch geärgert. Ich habe die ja nach den beiden, die ich gelesen habe, auch nicht weiter verfolgt. Mir war aber nicht bewusst, dass der Autor wirklich immer das selbe Prinzip verfolgt.

  9. Lies die anderen drei einfach nicht. Ich glaube, ich hab die auch nur so lange gehört, weil der Sprecher ganz gut war, aber irgendwann hat das die schlechte Story auch nicht mehr gerettet.

  10. Schade, dass die Hauptfigur so nervig war und der Krimi daher nicht so recht funktioniert hat. Archäologie, Knochenfunde und Verbrechen in der Vergangenheit sind ja Themen, die mich gleich mal neugierig machen, aber die Lektüre scheint sich wohl eher nicht zu lohnen.

  11. @Neyasha: Das waren auch die Themen, die mich zum Kauf des Hörbuchs gebracht haben, und wenn die Erzählweise sich nicht so auf das Seelenleben der Protagonistin konzentriert hätte, wäre es vermutlich sogar unterhaltsam gewesen. Aber da Ruths Art alles überschattet, bin ich froh, dass ich damit durch bin.

  12. Es passiert mir auch leider immer wieder, dass mich ein Buch von den Themen her sehr anspricht und sich dann aber in punkto Umsetzung als Enttäuschung entpuppt.

  13. @Neyasha: Die Möglichkeit besteht bei nicht erprobten Autoren ja immer. Das macht es ja so spannend neue Autoren auszuprobieren. 😉

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