Helen Corcoran: Queen of Coin and Whispers

Ich weiß nicht, ob es an der relativ ruhigen Erzählweise oder an der Menge an Politik und Intrigen lag, aber „Queen of Coin and Whispers“ von Helen Corcoran hat mich beim Lesen immer wieder an „The Goblin Emperor“ von Katherine Addison erinnert. Die Geschichte wird auf der einen Seite aus der Sicht der achtzehnjährigen Aurelia (Lia) erzählt, die nach langen Jahren des Wartens und Vorbereitens endlich die Krone von ihrem Onkel erbt. Als Königin will sie all die Dinge in die Hand nehmen, die ihr Onkel und ihr Großvater haben schleifen lassen, und dafür sorgen, dass die Korruption in ihrem Königreich bekämpft wird. Doch bevor sie wirklich etwas bewirken kann, muss sie erst einmal mit all den Personen fertig werden, die sich an ihre Macht klammern und alles versuchen, um die Pläne der junge Königin zu durchkreuzen. Nur zwei Menschen gibt es, denen Lia wirklich vertraut: Ihren Kindheitsfreund Matthias, mit dem sie sich schon seit vielen Jahren die Reformen ausgemalt hat, die sie vornehmen will, und die junge Xania, die für Lia die Rolle des „Whispers“ (als Leiterin von Lias Spionagenetzwerk) einnimmt.

Xanias Perspektive ist die zweite Sicht, aus der der Leser die Handlung erlebt, und so wissen wir von Anfang an, dass Xania die Position des Whispers in erster Linie annimmt, um möglichst viele Informationen über den skrupellosen und mächtigen Lord Vigrante zu sammeln. Dieser hält nicht nur alle Fäden bei Hofe in der Hand, sondern Xania ist sich auch sicher, dass er für den Mord an ihrem Vater verantwortlich ist. Als Angehörige eines niedrigen Adelshauses kann sich Xania relativ frei am Hof bewegen, und als Mitarbeiterin der Schatzkammer hat sie Einblick in die Finanzen der anderen Personen am Hofe und der wichtigsten Kaufleute des Landes, was ihr einen überraschenden Vorteil als Whispers verschafft. Auf der anderen Seite hat ihr Lia keinerlei Informationen über ihren Vorgänger und seine Agenten beschaffen können, so dass Xania von Grund auf ein neues Spionagenetzwerk aufbauen muss. Beide Frauen sind fest entschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um das überschuldete Königreich auf einen besseren Kurs zu bringen, auch wenn sie hoffnungslos überfordert sind mit all den Aufgaben, die dies mit sich bringt. Dass Lia und Xania dann auch noch Gefühle füreinander entwickeln, macht die Situation definitiv nicht einfacher, denn Emotionen helfen nun einmal nicht, rationale Entscheidungen zu treffen.

Ich mochte beide Protagonistinnen sehr gern habe die Geschichte gern aus ihrer beider Sicht verfolgt. Ich fand die Liebesgeschichte zwischen den beiden jungen Frauen sehr süß zu verfolgen, weil sich diese Beziehung sehr langsam und voller Unsicherheiten (auch aufgrund des großen Machtunterschieds) aufbaut, und hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass dieser Teil der Handlung zu viel Raum einnehmen würde. Denn in erster Linie hat sich Helen Corcoran auf die Situation bei Hof, auf all die Intrigen, die Anschläge und politischen Machtspielchen konzentriert, mit denen Lia und Xania zu kämpfen haben. Dabei gibt es viele Szenen, in denen jemand (qualvoll) zu Tode kommt, die aber trotzdem überraschend gut zu lesen sind, weil sich die beiden Erzählerinnen nicht an den unappetitlichen Details festhalten, sondern sofort darüber nachdenken müssen, welche Konsequenzen das Ableben einer Person nach sich zieht. Und obwohl ich normalerweise keine Schwäche für sehr politische Fantasy habe, fand ich es hier sehr spannend mitzuerleben, wie sich Lia und Xania bei Hof behaupten und wie sie immer und immer wieder von Neuem herausfinden müssen, welche Partei welche Motive für ihr Handeln hat und mit welchen Mitteln jemand vielleicht dazu bewegt werden kann, sich auf die Seite der Königin zu stellen.

Dabei hat die Autorin auch stimmig dargestellt, dass so ein Leben natürlich Spuren bei den Beteiligten hinterlässt. Wenn man ständig von korrupten und skrupellosen Menschen umgeben ist, fällt es nicht immer leicht, die eigenen Ideale und Überzeugungen hochzuhalten, statt sich auf das Niveau seiner Gegner herabzubegeben. So muss sich zum Beispiel Lia im Laufe der Geschichte fragen, ob sie wirklich mit Argumenten und guten Absichten weiterkommt oder ob sie vielleicht doch auf Erpressung und Drohungen zurückgreifen sollte, um endlich etwas bewirken zu können. Und auch Xania muss regelmäßig feststellen, dass man nicht vor unangenehmen Überraschungen geschützt ist, nur weil man einen Menschen gut zu kennen glaubt und viele Informationen über ihn gesammelt hat. Ich mochte diesen Realismus und die Entwicklungen, die die beiden Frauen nehmen, muss aber auch zugeben, dass dies dafür sorgt, dass es für einen stimmigen Abschluss der Handlung auch kein uneingeschränktes „Happy End“ geben konnte. Dieser leicht bittere Beigeschmack am Ende hat aber mein Vergnügen an diesem Geschichte nicht geschmälert, sondern dafür gesorgt, dass ich mich umso mehr über die kleinen positiven Entwicklungen für die Figuren gefreut habe.

4 Kommentare

  1. Das klingt interessant – und ist ein abgeschlossener Roman, wenn ich das richtig verstehe? Ich suche in letzter Zeit mal wieder nach für mich passender Fantasy und das könnte das richtige sein, aber ich möchte gerade ungern eine neue Reihe beginnen.

    • Konstanze

      Ja, der Roman ist in sich abgeschlossen und ein Einzelband – du würdest als nicht in eine neue Reihe starten, wenn du mit der Geschichte beginnst. 🙂 Ich wäre gespannt darauf, was du von dem Roman hältst.

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