Stephanie Burgis: Good Neighbors (The Full Collection)

Eigentlich hatte Stephanie Burgis nur vier „Good Neighbors“-Kurzgeschichten geplant, als sie die erste Geschichte rund um Mia Brandt und Leander Fabian schrieb. Aber irgendwie sind die folgenden Titel immer etwas länger geworden als die davor und so kommt die „Full Collection“ (die die Texte „Good Neighbors“, „Deadly Courtesies“, „Fine Deceptions“ und „Fierce Company“ beinhaltet) insgesamt auf 254 Seiten. Ich persönlich bin sehr froh darüber, dass die Autorin so viel Spaß beim Schreiben und so viele fantastische Ideen für ihre „Cozy-Spooky Fantasy Rom-Com“ hatte, denn ich habe mich beim Lesen wunderbar amüsiert. (Und ich hoffe sehr, dass sie wirklich irgendwann ihre Überlegung weitere Geschichten in dieser Welt zu schreiben, in denen dann zwei wirklich wunderbare Nebenfiguren als Protagonistinnen auftreten werden, wahr werden lässt.)

Alle vier Geschichten in „Good Neighbors“ werden aus der Sicht der 24jährigen Mia Brandt erzählt, die gerade erst mit ihrem Vater in ein Cottage im Schatten eines unheimlichen Schlosses vor den Mauern des kleinen Städtchen Hapthorn gezogen ist. Mia ist wild entschlossen ein unauffälliges und (zumindest nach außen) respektables Leben zu führen, nachdem sie ihre frühere Heimatstadt nach einem Vorfall (der einen Fackel-schwingenden Mob, einen verletzten Vater und die Zerstörung ihres Geburtshauses beinhaltete) verlassen musste. Von nun an will sie sich nur noch um sich, ihren Vater und ihre Erfindungen kümmern und vor allem möchte sie sich nicht die Mühe machen müssen mit ihren Nachbarn ein „freundschaftliches“ Verhältnis aufbauen zu müssen. Doch ihr neuer Nachbar, der Nekromant Leander Fabian, sorgt dafür, dass die abweisende Erfinderin sich nicht nur mit seinen untoten Minions beschäftigen, sondern langfristig auch eine (widerwillige) Allianz mit ihm schließen muss.

Ich habe es wirklich genossen zu lesen, wie Mia eigentlich immer nur allein gelassen werden will, damit sie in Ruhe an ihren Erfindungen arbeiten kann, und dann kommt irgendwas dazwischen, dass dafür sorgt, dass sie sich in Sachen wie Lokalpolitik einmischen oder einen Nekromanten-Ball besuchen muss. Dazu kommt, dass ihre Allianz mit ihrem Nachbarn es ihr nicht gerade einfach macht damit umzugehen, dass sie sich von dem – überraschend sympathischen und attraktiven – Leander angezogen fühlt. Neben all den amüsanten Momenten, in denen sich die beiden kabbeln, zieht sich durch alle vier Geschichten die Unsicherheit, die beide Figuren empfinden, wenn es darum geht sich auf eine andere Person einzulassen. Die Ereignisse, die dazu geführt haben, dass Leander von einem sadistischen Nekromanten aufgezogen wurde, und die, die dazu geführt haben, dass Mias Vater verletzt wurde und sie ihre Heimatstadt verlassen musste, haben bei beiden Charakteren Spuren hinterlassen. Und obwohl sich sowohl Mia, als auch Leander im Laufe der Zeit darüber klar werden, dass ihr Gegenüber sie nicht verletzten will, gibt es doch immer wieder Momente, in denen sie sich instinktiv zurückziehen.

Diese Mischung aus Humor, sympathischen und realistischen Charakteren und vielen fantastischen Elementen hat dafür gesorgt, dass es mir ziemlich schwer fiel das Buch aus der Hand zu legen, nachdem ich damit angefangen hatte. Ich mochte es sehr, wie Stephanie Burgis klassische Horror-Elemente aufgriff und daraus so eine wunderbare Wohlfühlgeschichte machte. Dabei unterschlägt die Autorin nicht die hässlichen Seiten, die ein Leben als „unnatürliche“ Person haben kann, denn es gibt es eine Menge Menschen in den Geschichten, die alles bekämpfen, was sie als „anders“ oder „beängstigend“ empfinden. Aber selbst die Momente, in denen es gefährlich für die Protagonistin wird, beinhalten so viel Humor, dass sie überraschend unterhaltsam zu lesen sind. Und am Ende findet Stephanie Burgis einen Weg, damit all die Figuren, die ich im Laufe der Geschichten ins Herz geschlossen hatte, in einer guten Nachbarschaft aufgenommen werden. Ich fand es ziemlich spannend zu verfolgen, was sich alles aus dieser ersten kleinen Kurzgeschichten rund um eine abweisende Erfinderin und einen charmanten Nekromanten entwickelt hat und möchte gern irgendwann noch mehr so wohltuende Geschichten rund um all die „guten Nachbarn“ lesen.

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