SuB-Gedanken

Als ich klein war, bestand mein „SuB“ (Stapel ungelesener Bücher) aus den Büchern, die ich für die Woche aus der Bibliothek ausgeliehen hatte. Das war dann auch wirklich ein Stapel, der neben meinem Bett auf dem Fußboden stand, damit ich nach dem Beenden einer Geschichte gleich zur nächsten greifen konnte. Doch inzwischen sind einige Jahrzehnte vergangen, das Angebot an für mich interessanten Büchern ist so viel größer geworden und statt ein einzigen kostbaren Kinderbuchs zu Geburtstag und Weihnachten geschenkt zu bekommen, reicht mein Buchetat für den Kauf von mehrere Titel pro Monat (und ja, auch zu Geburtstag und Weihnachten gibt es von meinen Lieben mehrere Bücher vom Wunschzettel).

In den letzten Jahren ist mein SuB deshalb so groß geworden, dass die Lagerung in Stapeln schon lange nicht mehr reicht, also habe ich erst ein Regalbrett und am Ende den Großteil eines Buchregals dafür freigemacht. Nicht, dass das Verhindern würde, dass trotzdem noch überall in der Wohnung Buchstapel zu finden sind. Allein vom Sofa aus, kann ich gerade fünf Stapel sehen – auch wenn nicht alle davon aus ungelesenen Bücher bestehen. Da gibt es auch noch den Stapel mit Titeln, die ich noch besprechen will, und den Stapel mit Romanen, die nach Genre und Alphabet sortiert, weggeräumt werden müssen.

Grundsätzlich finde ich es schön, dass mein „SuB“ inzwischen so umfangreich ist, dass er keinen übersichtlichen Stapel mehr bildet, und ich finde es großartig, wenn er mit genügend Auswahl für jede Lesestimmung bietet. Trotzdem kommt jetzt natürlich noch ein „Aber“, denn ich habe das Gefühl, dass ich den Überblick verloren habe – was auch daran liegt, dass das SuB-Regal nicht für alle Formate geeignet (und viel zu voll) ist. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich dazu neige meine Suche nach dem nächsten Buch auf die ersten drei Regalbretter zu beschränken, weil die nun mal auf Augenhöhe sind und ich dort in der Regel schon einen Titel finde, den ich anfangen mag. Um das ein bisschen zu ändern, habe ich in diesem Jahr versucht mich gezielter durchs Alphabet zu lesen, und hab dabei ein paar wirklich gute Bücher vom SuB gezogen.

Dabei ist mir wiederum aufgefallen, dass ich so gar kein Gefühl mehr dafür habe, wie lange ein Buch schon auf dem SuB liegt. Mir ist durchaus bewusst, dass ich dazu neige zu Neuanschaffungen zu greifen. Was einerseits gut ist, denn die möchte ich ja schon zeitnah lesen, was andererseits aber auch dazu führt, dass manche Bücher so lange auf dem SuB liegen, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wieso ich die eigentlich lesen wollte …

Also habe ich mir Anfang dieser Woche die Mühe gemacht und meine SuB-Liste mal nach Anschaffungsdatum sortiert. Wobei ich erst seit 2021 eine Jahresübersicht in einer Tabelle führe und deshalb alle früheren Neuzugänge einfach in die Kategorie „vor 2021“ gestopft habe. Tja, und diese Kategorie beinhaltete dann 80 von 152 Büchern und dass über 50% meines SuBs mehr als fünf Jahre alt sind, fand ich dann schon erschreckend. Ein paar dieser Romane habe ich mir bewusst aufgehoben, weil sie von Autor*innen sind, die schon verstorben sind oder nur noch sehr, sehr wenige Titel veröffentlichen. Aber selbst bei diesen Büchern habe ich das Gefühl, dass es so langsam Zeit wird sie zu lesen.

Im kommenden Jahr werde ich also nicht nur versuchen meine Neuzugänge zeitnah zu lesen, sondern auch mehr alte Titel vom SuB ziehen. Ich hoffe nur, dass das dann nicht zu dem gleichen Ergebnis wie in diesem Jahr führt, wo ich nach dem Lesen einiger älterer SuB-Titel prompt lauter Fortsetzungen auf die Wunschliste setzen musste, damit ich die endlich angefangenen Reihen bald weiterlesen kann. 😉

9 Kommentare

  1. Kenne das Problem 😉 Ich hab deswegen ja die Rache des SuB eingeführt, allerdings hab ich auch unglaublich viel auf meinem „uralten SuB“… Und noch 100 Bücher mehr…

    • Mein SuB ist gerade sogar etwas kleiner als im Durchschnitt, was überraschend nett ist. Aber er ist definitiv älter, als mir lieb ist. Ein solch durchgeregeltes Vorgehen, wie du es durchziehst, würde ich nicht auf die Reihe bekomme. Dafür ist mein Lesen zu sehr stimmungsabhängig und ich ertappe mich zu oft dabei, dass ich gerade genau das nicht lesen mag, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. *g*

  2. Puh, das war sicher eine ziemliche Arbeit, die Titel alle nach Anschaffungsdatum zu sortieren!

    Ich bin ja, nachdem ich zwischenzeitlich mal einen größeren SuB hatte, wieder ungefähr an dem Punkt, dass meiner aus einer Handvoll eigener Bücher plus dem aktuellen Stapel aus der Bibliothek besteht. Ich kann gut nachvollziehen, dass du gern nach Stimmung ein Buch aus einer großen Auswahl aussuchst, aber mich stresst es eher, wenn ich zuviele ungelesene Bücher habe. Und selbst bei meinem kleinen Stapel passiert es mir noch, dass manche Bücher viel zu lange liegenbleiben (und ich dann das Interesse an ihnen verliere).

    Ich bin gespannt, wie es dir im nächsten Jahr mit deinem Vorhaben geht, mehr alte Titel vom SuB zu lesen. Hoffentlich findest du für dich eine gute Mischung aus Neuzugängen und älteren Anschaffungen.

    • Es ging zum Glück, Neyasha. Da ich meine Lese-Listen in einem Dokument habe, konnte ich die über die Suchfunktion recht schnell einem Jahr zuordnen (und was nicht zuzuordnen war, war eben älter als 2021).

      Ich hatte meinen SuB ja mal auf unter 60 reduziert und dann festgestellt, dass mir das eigentlich zu wenig war. Aber ich lese ja im Jahr auch mehr als 150 Bücher, so dass ein großer SuB theoretisch kein Problem sein sollte … nur dass er das nun doch ein bisschen ist. *g*

      Immerhin kann ich sagen, dass ich bei den älteren Titeln, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, so einige dabei hatte, die mir sehr gut gefallen hatten. Ich gehe also davon aus, dass selbst bei den „SuB-Leichen“ noch eine Menge Geschichten dabei sind, die ich immer noch mögen werde.

      • Das ist sehr erfreulich, dass du auch bei älteren Titeln noch viele dabei hattest, die dir gut gefallen haben. Ich verliere relativ schnell das Interesse an Büchern, die zu lange auf meinem SuB liegen, aber wenn ich sie dann endlich mal lese, mag ich sie oft erstaunlich gern.

        • Ich „übersehe“ die älteren Titel auch gern, weil die Neuzugänge ja doch so viel reizvoller zu sein scheinen. Mal schauen, wie das im komenden Jahr wird, wenn ich noch gezielter ältere Titel vom SuB ziehe.

  3. Mein SuB an „echten“ Büchern ist wirklich klein, das dürften so um die 10 Bücher sein. Aber auch da gibt es welche, die da tatsächlich schon seit Jahren liegen. Aber das wäre mal eine gute Idee, aus den zwei kleinen Fächern nur noch eines zu machen und die anderen wirklich zu lesen.
    Bei den eBooks habe ich völlig den Überblick verloren. Das dürfte in die 1000 gehen…

    PS: Alles gute fürs neue Jahr!

    • Konstanze

      Das ist wirklich ein kleiner SuB – ich glaube, mich würde das beunruhigen, was aber auch daran liegt, dass ich viele englischsprachige Bücher aus Großbritannien beziehe und dann mit zwei bis drei Wochen Lieferzeit rechnen muss.

      Was die eBooks angeht, so sind es gar nicht so viele ungelesene, die da auf meinem eReader liegen, aber es sind immer noch mehr als mir lieb ist. Wobei ich die auch seit ca. fünf Jahren in der Liste mit Neuanschaffungen erfasse und mich das inzwischen den Großteil der Zeit davon abhält großzügig bei günstigen/kostenlosen Titeln zuzugreifen. In der Regel habe ich damit nämlich deutlich weniger Freude als ich beim Runterladen erwartet hatte. 😉

      Danke, Helma! Das wünsche ich dir auch! 🙂

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