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Sarah Prineas: The Lost Books – The Scroll of the Kings

Seitdem mir die „The Magic Thief“-Reihe von Sarah Prineas vor einigen Jahren so gut gefallen hat, halte ich immer die Augen nach neuen Veröffentlichungen der Autorin offen. Leider gibt es relativ wenige (und vor allem keine aktuellen) Informationen auf ihrer Homepage, so dass es immer ein Glücksspiel ist, ob und wann ich bei meiner Suche über neue Titel stolpere. Bei „The Lost Books – The Scroll of the Kings“ wüsste ich zum Beispiel gern, ob das der Auftakt einer neuen Reihe ist oder ein für sich stehendes Buch. Ich kann zumindest sagen, dass es auch als Einzelband wunderbar funktioniert, auch wenn ich gern noch mehr über den Protagonisten Alex(andren) und die verlorenen Bücher lesen würde.

Zu Beginn des Buches arbeitet Alex als Assistent für Master Farnsworth, den Bibliothekar der Dowager Duchess Purslane. Doch als Master Farnsworth stirbt (und Alex ist sich sicher, dass ein ganz bestimmtes Buch für den Tod des Bibliothekars verantwortlich ist), muss sich der Junge eine neue Stellung suchen. Er ist nicht nur (angehender) Bibliothekar mit Leib und Seele, sondern auch wild entschlossen, dem Geheimnis der gefährlichen Bücher auf die Spur zu kommen. So gibt er sich der Königin gegenüber als sein verstorbener Meister aus und übernimmt – probeweise – die Bibliothek des Schlosses. Auch hier befinden sich so einige gefährliche Bücher, und Alex muss nicht nur herausfinden, was diese Titel zur tödlichen Lektüre macht, sondern auch darum kämpfen, seinen Posten als Schlossbibliothekar zu behalten. Aber er ist nicht der Einzige, der mit Herausforderungen konfrontiert wird, die ein bisschen zu groß für ihn zu sein scheinen. Auch Queen Kenneret – die sich sicher ist, dass ihr neuer Bibliothekar nicht der ist, der er vorgibt zu sein – stehen in „The Lost Books – The Scroll of Kings“ einige Kämpfe bevor, die über die Zukunft des Landes entscheiden können.

Ich fand es spannend, mir beim Lesen Gedanken darüber zu machen, was wohl vor sechzig Jahren passiert ist, dass alle Bibliotheken geschlossen und bestimmte Bücher weggesperrt wurden. Ebenso spannend fand ich es, gemeinsam mit Alex mehr über diese gefährlichen Bücher herauszufinden und über die Dinge, die diese Bücher zu so einer Gefahr werden lassen. Doch vor allem habe ich es genossen, durch Alex‘ Augen die Schlossbibliothek zu entdecken, mir Gedanken über den Zustand der Bücher zu machen und mich mit ihm zu ärgern, wenn er entdeckt, dass jemand sein mühsam erstelltes Katalogsystem durcheinandergebracht hat. Ich mochte den Beschützerinstinkt, den Alex gegenüber den Büchern hatte, und ich mochte seine kurz angebundene und zielstrebige Art, die zu einigen amüsanten Dialogen führte, weil kaum ein anderer Mensch mit seiner „Unhöflichkeit“ umgehen konnte. Ebenso gefielen mir die Passagen, die aus Kennerets Sicht geschrieben waren, weil die junge Königin nach gerade mal vier Monaten im Amt immer noch auf der Suche nach dem richtigen Weg für sich ist. Kenneret arbeitet hart und ist sich der Tatsache bewusst, dass sie als Königin für die schweren Entscheidungen im Land verantwortlich ist, aber um diese zu fällen, muss sie erst einmal herausfinden, wer ein vertrauenswürdiger Berater ist und wer ihr die notwendigen Informationen für ihre Beschlüsse besorgen kann.

Ich habe wirklich eine Schwäche für die eigensinnigen und intensiven Charaktere, die Sarah Prineas für ihre Bücher schafft, und genieße ihre Romane sehr. Ihre Geschichten leben für mich von diesen ganz besonderen Figuren, den ungewöhnlichen Ideen hinter ihren Romanen und von all den kleinen Szenen, in denen man die Charaktere besser kennenlernt und sie ein Stückchen bei ihrem Alltag begleitet. Letzteres macht es schwierig, die Handlung so zusammenzufassen, dass man nicht zu viel verrät, denn auf den ersten Blick scheint nicht so viel in ihren Geschichten los zu sein. Aber ich brauche nicht viele Szenenwechseln oder eine sich über einen langen Zeitraum entwickelnde Handlung, wenn mich diese kleinen Szenen amüsieren und mich mit vielen ungewöhnlichen Details versorgen, die meine Fantasie anregen und in mir den Wunsch wecken, ich könnte ein bisschen Zeit in dieser Welt verbringen, und die mir zeigen, dass sich die Charaktere stetig weiterentwickeln. So ist es wohl nicht überraschend, dass ich gern noch mehr Geschichten über Alex, Kenneret und die vielen verschiedenen Bücher in ihrer (oder anderen) Bibliothek(en) lesen würde, auch wenn die Handlung in „The Lost Books – The Scroll of the Kings“ ein befriedigendes Ende bietet.