Annabelle Sami: Agent Zaiba Investigates 1 – The Missing Diamonds

Bei dem ersten „Agent Zaiba Investigates“-Band von Annabelle Sami weiß ich gar nicht mehr, wie ich auf das Buch aufmerksam geworden bin. Aber die Inhaltsangabe klang nett, und ich teste gern neue Kriminalromane für Kinder bzw. Jugendliche an, weil ich davon eigentlich immer einen Vorrat auf Lager haben mag. Die Handlung wird erzählt aus der Sicht der elfjährigen Zaiba, die mit ihrer Familie (sowie ihrer besten Freundin Poppy) die Mehndi-Feier ihrer älteren Cousine Sam (Samirah) und deren Verlobten Tanvir im Royal-Star-Hotel besucht. Doch nicht nur die gesamte Großfamilie ist in dem Hotel untergebracht, sondern auch eine mysteriöse Berühmtheit, deren Identität Zaiba unbedingt herausfinden will. Denn Zaibas größter Wunsch ist es, einmal eine ebenso erfolgreiche Privatdetektivin zu sein wie ihre Tante Fouzia, und um dieses Ziel zu erreichen, nutzt sie all das Wissen, das sie aus den Romanen rund um die Detektivin Eden Lockett (und dem Eden-Lockett-Detektiv-Handbuch) gewinnen kann.

Gemeinsam mit Poppy und ihrem jüngeren Bruder Ali versucht sie, mehr über die Berühmtheit im Hotel herauszufinden, doch dann verschwindet ein wertvolles Diamant(hunde)halsband, und aus der spielerischen Ermittlung wird schnell ein ernsthaftes Unterfangen – vor allem, da all der Trubel Samis Mehndi-Feier bedroht. Ich muss gestehen, dass mich die Geschichte in der ersten Hälfte des Romans nicht so recht packen konnte. Ich mochte Zaibas pakistanisch-britische Familie, ich fand es nett, wie die drei Kinder durchs Hotel stromerten, und hier und da habe ich etwas schmunzeln müssen. Als dann die Handlung aber etwas mehr anzog, es immer mehr Hinweise auf das Verbrechen gab und man mehr über Zaiba und all die anderen Charaktere erfuhrt, hatte ich wirklich Spaß mit dem Buch. Der Kriminalfall ist zwar nicht gerade herausfordernd (was ich bei einem Buch für eine Zielgruppe zwischen 10 und 12 Jahren auch nicht erwartet hätte), aber so konzipiert, dass man gut mitraten kann. Außerdem mochte ich die ganzen Verweise auf die Eden-Lockett-Geschichten und die Tatsache, dass diese Romane schon Zaibas verstorbener Mutter und ihrer Tante Fouzia viel bedeutet haben, als diese noch Kinder waren.

Überhaupt spielt Zaibas Familie eine große Rolle in der Geschichte, und ihre Verwandtschaft wird so liebevoll (und trotzdem realistisch) dargestellt, dass man am liebsten Teil ihrer Familie sein würde. Ich fand es auch sehr schön zu sehen, dass Zaibas Freundin Poppy und Ali einen wichtigen Part bei den Ermittlungen spielen. Obwohl Zaiba eindeutig die Anführerin ist, würde sie ohne die Hilfe ihrer beiden „Assistenten“ deutlich mehr Fehler machen oder sich – und das sollte keine gute Detektivin! – in Spekulationen verrennen, ohne die bekannten Fakten noch einmal nachzuprüfen. Sowohl Poppy als auch Ali bringen ihre ganz eigenen Interessen und Stärken ein und überwinden im Laufe des Buches immer wieder (größere oder kleinere) Ängste, um die Suche nach den verschwundenen Diamanten voranzubringen. Dabei mochte ich es nicht nur, dass sich die drei immer wieder gegenseitig unterstützen, sondern auch, dass sie sich gegenseitig auf Fehler und Irrtümer aufmerksam machten, ohne dass das zu Zerwürfnissen führte.

Insgesamt hat mir „The Missing Diamonds“ deutlich mehr Freude bereitet, als ich das in der ersten Hälfte des Buches erwartet hätte, und so ist inzwischen auch der zweite Band („The Poison Plot“) auf meinem Wunschzettel gelandet. Zum Schluss muss ich noch die wirklich ansprechenden Schwarz-weiß-Illustrationen von Daniela Sosa (von der auch das Cover ist) erwähnen, die sich durch das gesamte Buch ziehen und mir richtig gut gefallen haben, weil sie Zaiba und all die anderen so lebendig und stimmig darstellen. Man bekommt auf den Bildern nicht nur die verschiedenen Schlüsselszenen präsentiert, sondern auch einen ganz wunderbar atmosphärischen Eindruck von dem eleganten Hotel, der ausgelassenen Mehndi-Feier und den verschiedenen Nebenfiguren, so dass die Zeichnungen die erzählte Geschichte wirklich schön ergänzen.

2 Kommentare

  1. Das klingt wirklich sehr nett. Ich mag Geschichten mit liebevoll gestalteten (Neben-)Figuren sehr gerne. Da ist mir das Genre fast egal. 🙂

    • Hier ist es mir wirklich ganz besonders ins Auge gefallen, weil ich zu viele Krimis für jüngere Leser kennen, in denen die Geschichte nur daran hängt, dass eine der Figuren besonders klug ist – während hier wirklich alle drei ihren Teil zur Lösung des Falls beitragen (und zwischendurch alle drei zeigen, dass sie Schwächen haben). 🙂

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