Shanna Swendson: Interview with a Dead Editor (Lucky Lexie Mysteries 1)

Nachdem ich in den vergangenen Wochen sehr viele fantastische Geschichten gelesen habe, war mir in den letzten Tagen spontan nach einem gemütlichen Kriminalroman. Trotzdem bin ich dann irgendwie bei einem Cozy gelandet, der zumindest leichte fantastische Elemente beinhaltete, denn in „Interview with a Dead Editor“ von Shanna Swendson kann man den Titel ruhig wortwörtlich nehmen, da nicht nur Personen mit besonderen Fähigkeiten in der Handlung auftauchen, sondern auch Geister eine Rolle spielen. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Alexa „Lucky Lexie“ Lincoln erzählt, die man als Leser zu einem Job-Interview begleitet, bei dem sie über die Leiche des Zeitungsredakteur Paul Odgen stolpert, mit dem sie den Termin gehabt hätte. Die Tatsache, dass sie zu den Verdächtigen gehört, sorgt ebenso wie ein aufziehender Sturm dafür, dass Lexie für ein paar Tage in der kleinen Stadt Stirling Mills bleiben muss – und natürlich kann die Journalistin ihre Neugier nicht so ganz zügeln und beginnt auf eigene Faust zu recherchieren.

Ermutigt wird sie bei ihren Ermittlungen von Jean Jacobs, der Gründerin der kleinen Zeitung in Sterling Mills – genauer gesagt von Jeans Geist, denn die Dame ist schon seit Längerem verstorben. Von Jean erfährt Lexie auch, das der verstorbene Odgen zuletzt an einem Artikel über eine Schülerin gearbeitet hatte, die vor zwanzig Jahren auf ungeklärte Weise ums Leben kam, womit der Verdacht naheliegt, dass der Mord an dem Redakteur mit seinen Recherchen zu tun haben könnte. Aber natürlich ist das nicht die einzige Vermutung, der Lexie nachgeht, und so dreht sich ein Großteil der Geschichte darum, dass die Journalistin mit den Bewohnern von Stirling Mills redet und versucht, mehr über all die Personen, ihre Beziehungen zueinander und eventuelle Verdachtsmomente herauszufinden. Auch mit dem ermittelnden Polizisten, Lt. Wes Mosby, tauscht Lexie sich regelmäßig aus, obwohl sie sich anfangs in seiner Gegenwart recht unwohl fühlt, weil er sie als Verdächtige behandelt.

Obwohl ich den Teil mit den „übernatürlichen Fähigkeiten“ der verschiedenen Charaktere nicht so recht überzeugend fand, gefiel mir „Interview with a Dead Editor“ gut genug, dass ich die Geschichte innerhalb von zwei Tagen gelesen habe. Die Stadt Stirling Mills bietet eine Mischung aus sympathischen und skurrilen Figuren, wobei ich sie alle mit ihren Stärken und Schwächen überraschend glaubwürdig dargestellt fand. Außerdem mochte ich die Protagonistin, obwohl sie in Gesprächen immer wieder dazu neigt, ihrem Gegenüber zu viel zu erklären, um ja niemanden vor den Kopf zu stoßen oder um ihre kleinen „Macken“ zu begründen, damit niemand sie deshalb für seltsam hält. Aber das ist – ebenso wie die vorher erwähnten übernatürlichen Fähigkeiten – nicht so schlimm, dass ich mich groß dran gestört hätte, sondern einfach nur etwas, woran ich mich beim Lesen gewöhnen musste.

Ich mochte, dass Lexie zwar schnell Leute kennenlernte, aber es keine Zu- oder Abneigungen auf den ersten Blick gab. Sie geht offen auf die verschiedenen Personen zu, findet einige davon auch sehr nett, ist aber trotzdem in der Lage, sich zu fragen, ob diese Person vielleicht einen Grund für einen Mord (oder sonstigen Dreck am Stecken) hätte. Auch das Verhältnis von Lexie zu Lt. Wes Mosby gefiel mir, denn beide gehen – auch wenn es für die Journalistin belastend ist, dass sie als Verdächtige behandelt wird – professionell miteinander um, tauschen Informationen aus, wenn es angebracht ist, und das Ganze ist so wunderbar dramafrei, dass ich wirklich angenehm überrascht davon war. Insgesamt hat mich „Interview with a Dead Editor“ zwar nicht umgehauen, aber mir genau das geboten, was ich von einem Cozy erwarte: Eine nette und unterhaltsame Geschichte mit sympathischen Figuren, von denen ziemlich viele ein bisschen verdächtig sind, so dass ich mir beim Lesen immer wieder von neuem Gedanken um mögliche Motive machen konnte.

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