Barbara Hambly: Gefährten des Todes (James Asher 2)

Nachdem ich „Jagd der Vampire“ gelesen hatte, bot es sich an, gleich mit dem zweiten James-Asher-Band von Barbara Hambly weiterzumachen – schließlich mochte ich sowohl die Erzählweise als auch die Handlung sehr und war schon mal in der Welt drin. „Gefährten des Todes“ spielt ein Jahr nach „Jagd der Vampire“ und beginnt damit, dass James Asher am Londoner Bahnhof einen ihm bekannten österreichischen Spion im Gespräch mit dem Vampir Lord Ernchester beobachtet. Mit Ignace Karolyi verbindet James eine gemeinsame Geschichte, da der Österreicher ihn bei einem seiner früheren Einsätze wochenlang gejagt hatte, um die Informationen zurückzubekommen, die James für seine Regierung an sich gebracht hatte. Obwohl James nicht mehr als Spion für Großbritannien arbeitet, erschüttert ihn die Vorstellung, dass sich die österreichische Regierung – gerade angesichts der Unruhen in Europa im Jahr 1908 – mit einem (oder gar mehreren) Vampiren verbünden könnte. Kurzentschlossen folgt er dem Österreicher und dem Vampir quer durch Europa, um mehr über die Beziehung zwischen Karolyi und Ernchester herauszufinden.

Ich mochte an „Gefährten des Todes“ nicht nur diese Mischung aus Spionage-Roman und Vampirgeschichte, sondern auch die Tatsache, dass ein Großteil der Handlung aus der Sicht von Lydia Asher erzählt wird. Lydia bekommt von James ein Telegramm, das ihr grob den Grund für seine unerwartete Abwesenheit erklärt, und ist in der Lage, aus den wenigen Wissensbrocken, die ihr zur Verfügung stehen, den Schluss zu ziehen, dass James in Österreich in eine Falle laufen wird. Da sie keine Ahnung hat, wie sie allein ihren Mann gegen Spione und Vampire schützen kann, tritt sie an Don Simon heran und bittet ihn um Hilfe. Doch so ganz unproblematisch ist es für die junge Frau nicht, mit einem Vampir zu reisen – nicht nur, weil er nur bei Nacht reisen kann, sondern auch, weil Don Simon sehr strikte (und in Lydias Augen vollkommen überholte) Anstandsregeln einhält, während er mit einer Dame unterwegs ist. Dazu kommen für Lydia die Angst um ihren Mann James und natürlich das Wissen, dass jede Person, mit der sie redet, jemand sein könnte, der nicht nur für ihren Mann, sondern auch für sie Gefahr bedeutet.

Die Handlung in „Gefährten des Todes“ beginnt in London und zieht sich dann über Paris und Wien bis Konstantinopel, wobei die Autorin selbst die Städte, in denen sich die Protagonisten nicht so lange aufhalten, wunderbar atmosphärisch beschrieben hat. Dabei konzentriert sich Barbara Hambly nicht auf die glamourösen Seiten der Metropolen, sondern vor allem auf das Leben in den Seitengassen, auf die Stimmung, die durch die angespannte politische Situation herrscht, und auf das Machtgefälle zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Eine kleine Fahrt von dem gemieteten Haus, in dem Lydia mit ihrer Reisegruppe untergekommen ist, zur britischen Botschaft reicht der Autorin dabei schon aus, um dem Leser ein eindringliches Bild von der Stadt und ihren Bewohnern zukommen zu lassen. Dazu kommen dann noch die Charaktere, die rund um die britischen Botschaften der verschiedenen Städte eine Rolle spielen, und bei denen deutlich wird, dass es nicht immer so einfach ist, die gegnerischen Seiten beim „Großen Spiel“ zu definieren.

Dadurch, dass viele Passagen in „Gefährten des Todes“ aus Lydias Sicht erzählt werden, lernt man nicht nur diese Figur, sondern auch Don Simon besser kennen. Der Vampir wirkt in dieser Geschichte zwar nicht menschlicher (keiner der Vampire in Barbara Hamblys Roman wirkt menschlich, auch wenn Lord und Lady Ernchester sich ihre gegenseitige Zuneigung bewahrt haben), aber durch die mit Lydia verbrachte Zeit bekommt man eine Vorstellung von seinen Vorlieben und Abneigungen und von den vielfältigen Herausforderungen, die die Existenz als Vampir mit sich bringt. Neben der tieferen und spannenden Ausarbeitung der schon vertrauten Charaktere mochte ich sehr den Spionage-Anteil der Geschichte, der nicht nur mit großartigen Schauplätzen und wunderbar skrupellosen Antagonisten aufwartet, sondern auch mit genau der richtigen Mischung aus unerwarteten Verbündeten und noch überraschenderen Feinden. „Gefährten des Todes“ hat mir wirklich Spaß gemacht (und ich kann zusätzlich noch anmerken, dass man der Handlung auch problemlos folgen kann, wenn man über zwei Wochen hinweg nur hier und da ein paar Minuten an dem Roman liest 😉 ).

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