Deborah-Crombie-Lesetag (5) – Das verlorene Gedicht

Auch wenn es immer wieder etwas schwieriger mit der Terminabsprache ist, als wir ursprünglich gedacht haben, führen Sayuri und ich natürlich auch im Oktober unser Deborah-Crombie-Lesen weiter. Inzwischen sind wir beim fünften Roman der „Kincaid und James“-Krimis angelangt und wir freuen uns beide schon sehr auf „Das verlorene Gedicht“. Ich erinnere mich leider noch sehr gut an die Auflösung, aber das hindert mich ja nicht daran einen Krimi zu genießen. In diesem Band dreht sich sehr viel um Duncan Kincaids Ex-Frau und eine Überrschung, die sie für ihn bereithält. Das hier war mein erster und letzter Versuch in diesem Beitrag einen Spoiler zu vermeiden, aber hier schreibe ich ohne weitere Hemmungen, was bedeutet, dass dieser Text nur gelesen werden sollte, wenn ihr das Buch schon kennt oder eh davon ausgeht, dass man es nie lesen wird. 😉

Update 13:00 Uhr

So viel Lesezeit wie geplant, habe ich heute nicht gehabt, da ich einen Anruf bekam, nachdem ich gerade erst zum Buch gegriffen hatte. Aber inzwischen bin ich schon wieder in der Geschichte drin und habe die Szene sehr genossen, in der Duncan seine Ex-Frau Vic(toria) wiedertrifft. Während die beiden gemeinsam in ihrer Küche sitzen bekommt man das Gefühl, dass die beiden jetzt reif genug sind, dass sie gute Freunde werden könnten – was Vics Tod wenig später umso tragischer wirken lässt. Und Nathan. Ich liebe Nathan als Figur wirklich!

Amüsant finde ich immer wieder kleine Nebenbemerkungen, bei denen man merkt wie alt das Buch schon ist – wie zum Beispiel den Satz über die „einzige Nichtraucherkneipe“ in Großbritannien. 😀 Ansonsten genieße ich es gerade sehr all die Charaktere wiederzutreffen und Kit durch die Augen seiner Mutter und die Gespräche zwischen ihr und Nathan kennenzulernen. Ich hatte ganz vergessen, dass Gemma und Vic sich auch getroffen hatten – und wie lange es dauert, bis Vic ermordet wird … Für heute war es das schon wieder, mal schauen, ob ich am Freitag Zeit finde, um weiter mit Sayuri zu lesen, oder ob wir uns für die kommende Woche verabreden müssen.

Update Freitag 10:00 Uhr

Heute geht es also weiter mit „Das verlorene Gedicht“ und ich muss zugeben, dass ich seit Mittwoch immer wieder an den Roman gedacht habe – weniger, weil es mich der Fall beschäftigt, als die all die kleinen und größeren Beziehungen rund um Victoria/Lydia Brooke und die Personen, die sie in Cambridge kennen/kannten. Aber jetzt greife ich erst einmal wieder zum Buch, auch wenn ich es jetzt schon traurig finde, dass ich nur noch wenige Seiten vor mir habe, bis Vic ermordet wird …

Update 12:20 Uhr

Da ich mich noch erinnere, wer der Mörder ist, lese ich natürlich in alle Szenen mit dieser Person etwas hinein, das ich vermutlich beim ersten Lesen nicht so interpretiert hätte. *g* Ansonsten mochte ich die Reaktionen der meisten Menschen auf Vics Tod – was sich jetzt vermutlich seltsam anhört, aber selbst Menschen, die sie nur flüchtig gekannt hatten, mochten sie und waren von ihrer Leidenschaft für ihre Arbeit beeindruckt.

Was Duncans Reaktion auf ihren Tod angeht, so kann ich die Heftigkeit nachvollziehen, mit der er reagiert, aber ich mochte die Auseinandersetzung mit seinem Freund von der Polizei in Cambridge nicht. Duncan und Alec Byrne sind seit vielen Jahren befreundet und es wurde anfangs betont, dass Alec ein guter Polizist sei. Natürlich gefällt es ihm nicht, dass Duncan andeutet, dass seine Kollegen bei Lydias Tod schlampig gearbeitet haben, aber ich sehe keinen Grund, wieso Deborah Crombie Alec auch bei Vics Tod so gleichgültig an die Arbeit gehen lässt. Selbst mit einer professionellen Ermittlung vor Ort, hätte Duncan aufgrund seiner persönlichen Verwicklung genügend Motivation gehabt, um sich auf eigene Faust umzuhören. So hingegen gibt mir die Autorin das Gefühl, als ob sich Duncan als der einzige Polizist sehen würde, der eine Mordermittlung intensiv genug durchziehen würde. Ach, sowas mag ich einfach nicht.

Was ich hingegen immer wieder sehr mag, ist, wie Deborah Crombie Beziehungen schildert. Gemma, die sich um Vics Tod Gedanken macht, sich krank meldet und auf eigene Faust ermittelt, weil Duncan nicht in der Lage ist sie mit einzubeziehen. Oder Francesca Ashby, die einen Mann geheiratet hat, der sie vor seinen Gefühlen für seine Ex-Frau Lydia beschützen will, während sie versucht als Puffer für ihn und seine Gefühle zu dienen. Und dazu all diese kleinen Unwahrheiten zugunsten des anderen, um die Person, die man liebt zu schützen, oder auch sich selber vor der Enttäuschung zu bewahren, vor dem „nicht ausreichend“ oder „nicht richtig“ geliebt werden.

Ansonsten finde ich es erschreckend, dass so wenig Leute an Kit zu denken scheinen, wenn es um den Tod seiner Mutter geht. Aber das liegt vermutlich daran, dass diese Personen Vic in der Regel nicht als Mutter, sondern als Kollegin oder als Wissenschaftlerin kennengelernt haben … Oh, und ich mochte es, Gemma aus Sicht von Duncans Mutter zu sehen. Überhaupt mag ich Duncans Eltern – so selten sie in den Romanen vorkommen – sehr, sehr gern.

Für heute war es das erst einmal mit „Das verlorene Gedicht“, für die nächste Deborah-Crombie-Leserunde habe ich in diesem Band noch ungefähr 100 Seiten vor mir – mal schauen, wann Sayuri und ich zum Weiterlesen kommen. 🙂

Update Mittwoch 15:00 Uhr

Kaum hatte ich das Buch wieder aufgeschlagen, kam auch schon die Person vor, die zur Auflösung der Geschichte sorgte. Genau genommen wurde Verity nur erwähnt und wie immer, wenn ich den Namen und die Beschreibung (eine 15jährige, die verschwindet und vermutlich ermordet wurde) lese, muss ich an Agatha Christies Roman „Nemesis/Das Schicksal in Person“ denken – ob Deborah Crombie sich davon inspirieren ließ?  Ich muss zugeben, dass ich die Einführung von Verity zu diesem Zeitpunkt ziemlich schwach von der Autorin finde. Sie hat zwar vorher schon angedeutet, dass Lydia und ihre Freunde in ihrer Collegezeit ein recht „freies“ Leben führten und dass da Dinge vorgefallen sind, die bei Lydia zu Albträumen führten, aber Verity oder überhaupt weitere Personen außerhalb des engen Freundeskreises wurden nie erwähnt. Das führt bei mir dazu, dass ich den Tod von Verity als ein Verlegenheits-Plott-Element empfinde, und nicht das Gefühl habe, als ob Deborah Crombie diesen Teil des Falls gut durchdacht hätte. Wobei ich zugeben muss, dass „Das verlorene Gedicht“ sich auch weniger um den Kriminalfall dreht, als um die Persönlichkeiten von Lydia und Vic und diese beiden Figuren waren es auch, die mich zwischen den einzelnen Leserunden immer wieder beschäftigt haben.

Ansonsten ist mir mal wieder aufgefallen wie unterschiedlich Duncan und Gemma Menschen wahrnehmen. Während Duncan voller Empörung darüber ist, dass Morgan seine Frau geschlagen hat, und nicht über die Tat selber hinaussehen kann, sieht Gemma – die es selbstverständlich ebenfalls unakzeptabel findet, wenn ein Mann (s)eine Frau schlägt, dass die Beziehung zwischen Morgan und Lydia zu diesem Zeitpunkt schon so eskaliert war, dass ein Mensch wie Morgan keinen anderen Weg fand als zur Gewalt zu greifen. Außerdem kann Gemma anerkennen, dass dieser einmalige Akt der Gewalt für Morgan der Punkt war, an dem er die Beziehung zu Lydia beendete und sich stattdessen einer Partnerin zuwandte, bei der er sich sicher vor seinem (und ihrem) Temperament fühlen konnte.

Ein bisschen schade finde ich es, dass man als Leser lange Zeit nichts darüber erfährt, wie Duncan darüber denkt, dass er wahrscheinlich Kits leiblicher Vater ist. Es gibt eine Lücke zwischen „seine Mutter sagt ihm, dass Kit ausschaut wie Duncan als er klein war“ und „Duncan geht davon aus, dass er wirklich der Vater ist, weiß aber nicht damit umzugehen“, bei der ich mir wünschte, wir würden mehr über Duncans Gedanken erfahren, statt nur Gemmas Perspektive zu verfolgen, die sich ebenso wie der Leser fragt, was in Duncan vorgeht.

Was den Schluss des Romans angeht, so weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll, dass Nathan am Ende derjenige ist, der den Täter zur Strecke bringt (und das im wortwörtlichen Sinn), auch wenn ihm das gezeigt hat, dass sein Wunsch weiterzuleben deutlich größer ist als er dachte.

Als nächster Band steht dann „Böses erwachen“ an und nach einem Blick auf dem Klappentext muss ich zugeben, dass ich mich an den Roman so gar nicht erinnere. *g*

 

18 Kommentare

  1. Ich wünsche Dir sehr viel Spass 🙂
    Und ich bin sicher, es wird auch wieder einfacher mit der Terminfindung.
    Diesen Freitag vormittag ginge es übrigens bei mir auch noch 🙂

    • Konstanze

      Dankeschön! Viel bin ich noch nicht zum Lesen gekommen, weil meine Mutter prompt gerade anrief, aber gleich greife ich wieder zum Buch!

      Was den Freitag angeht, so kann ich dieses Mal erst Donnerstagabend sagen, ob ich Zeit habe. Es hängt ein bisschen davon ab, wie der heutige Nachmittag und der morgige Tag so laufen. Aber ich versuche das Lesen mit dir einzuplanen! 🙂

    • Konstanze

      Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass wir in den ersten zwei Minuten feststellen, dass es eigentlich nichts zu erzählen gibt, und dann schafft es meine Mutter trotzdem eine Dreiviertelstunde mit mir zu Telefonieren. *g*

      Welcher Zeitraum würde dir denn passen? Dann kann ich morgen schauen, ob und wie ich das am Freitag einrichten kann. 🙂

      • Die Hauptsache ist ja, dass Du Dich am Ende nicht ärgerst 🙂
        Ich bin noch unschlüssig, wie mein Freitag aussieht. Wenn Du Zeit zum Lesen hast würde ich auf eine Heimfahrt in die Heimat verzichten und hätte zwischen 10 und 14:30 Zeit, sonst würde ich wohl schon mittags gegen 12:30 zu meinen Eltern aufbrechen. Noch wissen die aber nichts von ihrem Glück, weshalb ich da noch ganz offen bin. Kann mir einen gemütlichen freien Freitag auch vorstellen 😉
        Außerdem muss ich ja gleich auch schon wieder arbeiten 😀 – da hätte ich mir das ja redlich verdient …

    • Konstanze

      Ähm, ganz ohne ärgern geht es irgendwie nie ab, das lässt sich irgendwie nicht ändern.

      Ich finde ja, dass das klingt, als ob du dringend einen gemütlichen Freitag nötig hättest. 😉 Ich versuche auf jeden Fall am Freitag zwischen 10:00 und 12:30 Uhr Zeit freizuhalten, kann dir aber erst morgen Abend sagen, ob es wirklich klappt (und ob ich es sogar bis 14:30 Uhr hinbekomme). 🙂

      • Ach, das ist einfach so unnötig…

        Auch das es erstaunlich ist, keine Aschenbecher auf dem Schreibtisch des Kollegen zu sehen 😀

        Ich finde Vic sehr sympathisch und das macht es so schwer, zu wissen, was da auf uns zukommt.

        Hab noch einen schönen Tag und ich schicke Dir gemütliche „Regen, der ans Fenster prasselt“–Grüße – vielleicht bis Freitag!

        • Das fällt mir auch immer wieder bei alten Filmen auf: Die Selbstverständlichkeit, mit der geraucht wird! Es ist schon lustig, wie sehr sich das in den vergangenen zwanzig Jahren oder so geändert hat.

          Ja, so geht es mir mit Vic auch. Zum Teil finde ich es tröstend, dass sie in einer Phase in ihrem Leben stirbt, in der sie überraschend zufrieden ist. Sie hat ihren Frieden mit der Trennung von ihrem Mann gemacht, es gibt einen neuen Mann in ihrem Leben, sie hat einen ersten Schritt auf Duncan zugemacht und sie arbeitet an einem sehr, sehr spannenden Projekt. Natürlich wäre es schöner, wenn sie all das weiter hätte verfolgen können, aber so fühlt es sich für mich irgendwie nicht so schlimm an …

          Dankeschön! Und ja, bis Freitag! Von 10:00 bis 12:30 Uhr, wenn du magst. Und wenn du dann noch Luft und Lust hast, kannst du ja noch etwas weiterlesen – im Zweifelsfall muss ich halt in der kommenden Woche etwas aufholen, wenn du mir zu sehr vorauseilst. 😉

  2. Nur ganz kurz als Bestätigung:
    dann bis morgen – ich freue mich sehr 🙂

    Deine Gedanken zu Vic finde ich sehr passend – das ist tatsächlich tröstlich…

    Vorauseilen werde ich Dir ja kaum, wie die Erfahrung gezeigt hat 😉

    • Fein, ich freu mich auch schon! 🙂

      Ach, wer weiß. Wenn du die zwei Extrastunden gut nutzt und ich morgen genauso unkonzentriert bin wie heute, dann könnte das schon passieren. 😀

  3. Guten Morgen,
    ich sitze auch bereits wieder mit Phoebe auf der Couch und genieße das Buch.
    Ich habe mich schon richtig auf heute gefreut!
    Bin gerade bei Duncans und Gemmas Besuch bei Vic, dem Kennenlernen von Kit, der Gemma seltsam vertraut vorkommt 🙂

    Ich werde um 12:30 meine Sachen packen und für den Nachmittag mit meiner Tochter zu meinen Eltern fahren, daher werde ich heute auch nicht mehr Lesezeit haben als Du.
    Aber heute mache ich bewusst gar nichts nebenher im Haushalt, daher wird es vielleicht klappen, dass ich ein bisschen in den Flow komme …

    Viel Spaß!

    • Wie schön, dass Phoebe dir wieder Gesellschaft leistet! 🙂

      So weit sind wir also gar nicht auseinander. Der Nachklang dieses Besuchs war das Letzte, was ich am Mittwoch gelesen hatte. Ich drücke die Daumen, dass es mit dem Flow beim Lesen klappt! Dir auch viel Spaß!

  4. Ja, wenn man morgens aufs Sofa geht ist Phoebe leicht zu überreden, einem Gesellschaft zu leisten 🙂
    Das hätte ich gar nicht gedacht, ich dachte, Du wärest schon viel weiter. Aber um so besser!

    • Die Folge daraus sollte sein, dass du von nun an jeden Morgen auf dem Sofa verbringst! 😉

      Am Mittwoch wurde ich während meiner Lesezeit von einem Telefonat unterbrochen und heute bin ich diejenige, die ständig nur noch eben in die Küche hüpft und etwas nachschaut oder die Fenster aufreißt und wieder schließt. Normalerweise versuche ich ja dann auch wirklich diese Lesestunden zum Lesen frei zu nehmen, aber heute klappt das nicht ganz so gut. Immerhin habe ich jetzt meine erste Begegnung mit Kits Großeltern hinter mich gebracht – ein Wunder, dass Vic sich trotz der Eltern zu so einer Frau entwickeln konnte!

  5. Ich muss jetzt auch schnell zum Ende kommen, denke aber, dass Du mich überrundet hast: Duncans Eltern habe ich noch nicht erlebt.
    Ich bin gerade an der Stelle, wo Duncan an der Fakultät mit verschiedenen Leuten spricht – es rührt mich, wie traurig diese Beziehung zwischen zwei so grundsätzlich guten und sympathischen Menschen zu Ende ging – es scheint, als hätten sie eigentlich schon gut zusammen gepasst.

    Was Francesca angeht bin ich ganz bei Dir – was für starke Frauen in diesem Roman vorkommen.

    Freue mich schon auf die nächste Runde und wünsche Dir erstmal noch einen schönen Tag weiterhin!

    • So weit bist du von der Szene auf der Beerdigung aber nicht mehr weg – wenn ich etwas abgelenkt bin und du relativ konzentriert lesen kannst, sind wir also gleich schnell mit Deborah Crombie. 😀

      Ich glaube, dass Vic und Duncan erst jetzt zusammengepasst hätten (wobe ihre frühere Beziehung dem im Weg steht), während sie früher noch nicht so weit waren, weil Duncan noch mehr Energie als eh schon in die Arbeit steckte, während Vic noch auf dem Weg zu ihrer Leidenschaft war. Erst jetzt, da er ein besseres Gespür für andere Menschen entwickelt hat, und sie etwas hat, dass sie genauso intensiv beschäftigt wie ihn seine Arbeit, hätte es vielleicht zwischen den beiden klappen können.

      Starke Frauen und „angerissene“ Männer – so viel erfährt man zum Beispiel gar nicht über Adam oder Nathan und doch sind mir beide während der wenigen Szenen sehr ans Herz gewachsen. Vielleicht hätte Deborah Crombie die gesamte Reihe aus Gemmas Sicht schreiben sollen. 😉

  6. Pingback: Herbstlesen im Oktober (Sa., 12. Oktober) – ALLES AUẞER LYRIK

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