Schlagwort: Deborah Crombie

Deborah-Crombie-Lesetag (2)

Da Sayuri und ich beide bis zum Nachmittag relativ wenig zu tun haben, haben wir beschlossen, dass wir heute mit unserem „Deborah Crombie lesen“ weitermachen. Ich hatte ja schon am Montag die ersten Seiten in „Alles wird gut“, dem zweiten Kincaid-und-James-Roman, gelesen und mich darüber gefreut, dass Gemma James in diesem Band eine größere Rolle spielt. Außerdem ist mir das Opfer Jasmine Dent sympathisch – soweit ich das anhand der kurzen Szenen mit ihr (und der Art und Weise wie die Menschen, die mit ihr bekannt waren, über sie reden) beurteilen kann. Wie schon am Montag gilt auch hier: Wer keine Spoiler zu der Krimireihe lesen möchte, sollte diesen Beitrag einfach ignorieren.

Die Handlung beginnt in „Alles wird gut“ relativ gemächlich. Am Anfang gibt es eine Szene mit Jasmine, die darüber nachdenkt, dass es doch ganz gut sei, dass sie den Gedanken an Selbstmord aufgegeben hat. Durch sie wirft man einen ersten Blick auf die Menschen, die in ihrem Leben eine Rolle spielen, nur um kurz darauf – aus der Perspektive von Duncan Kincaid – ihre Leiche zu finden. Da Jasmine Krebs und nur noch wenige Wochen zu leben hatte, geht ihre Pflegerin anfangs von einem natürlichen Tod aus, während Duncan ein komisches Gefühl hat. Durch Jasmines Freundin Margaret erfahren sie von den Selbstmordplänen (und der Verwerfung derselben durch Jasmine), so dass Duncan eine rechtliche Handhabe für eine Obduktion bekommt.

Für den Leser steht natürlich von Anfang an fest, dass Jasmine ermordet wurde, aber es scheint so gar keinen Verdächtigen oder gar ein Motiv zu geben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Opfer eh nicht mehr lange zu leben hatte. Gemma wird von Duncan zu den Ermittlungen (anfangs inoffiziell) zugezogen und lernt ihn so mal von einer etwas emotionaleren und privateren Seite kennen (was zum Glück die eine oder andere Illusion über ihren Vorgesetzten zerstört und ihr zeigt, dass er deutlich mehr Schwächen hat, als sie bislang geahnt hatte). Ich mag, dass ihre Perspektive deutlich zeigt, wenn er ihrer Meinung nach Mist gebaut hat, auch wenn sie das ihm – der nun einmal ihr Vorgesetzter ist und den sie noch nicht besonders gut kennt – nicht direkt sagen kann.

Oh, und ich fand auch die kleine Szene zwischen Duncan und seinem Nachbarn sehr berührend. Die beiden wohnen zwar im selben Haus und waren beide – auf ihre Weise – mit Jasmine befreundet, hatten aber vorher kaum etwas miteinander zu tun. Und dann gibt es da diese eine Szene, in der die beiden zusammen Rosen pflanzen und sich zum ersten Mal ein bisschen unterhalten – dieses vorsichtige und höfliche „Annähern“ über die gemeinsame Trauer war schön beschrieben. Dafür, dass ich schon am Montag etwas über diesen Part geschrieben hatte, ist mir doch noch ganz schön viel erzählenswertes eingefallen. Ich greife jetzt erst einmal wieder zum Buch und steige heute bei Seite 110 wieder in die Geschichte ein.

Update 10:45 Uhr

Mir fällt beim Lesen gerade auf, dass es bestimmte Typen gibt, die Deborah Crombie immer wieder aufgreift wie zum Beispiel den arroganten Schönling aus reichem Haus (der aber keinen Pfennig besitzt, weil seine Familie ihn am Gängelband führt). Überhaupt scheint sie – wenn ich mich recht erinnere – in den ersten Romanen gewisse Vorurteile gegen Menschen mit viel Geld zu haben. Auf der anderen Seite gibt es hier schon so einige Szenen, die für mich so typisch für die Kincaid-und-James-Romane sind, wie zum Beispiel die Befragung einer ehemaligen Nachbarin von Jasmine. Ein kurzes Zusammentreffen zwischen Kincaid und dieser alten Frau und schon hat man das Gefühl eine genaue Vorstellung von ihrem Charakter zu haben, gerade diese Momente mit Figuren, die man spontan ins Herz schließt, mag ich sehr. Ebenso wie die Passagen, die man aus Gemmas Perspektive verfolgt, in denen man immer wieder gut sehen kann, dass sie zwischen Minderwertigkeitskomplexen aufgrund ihrer Herkunft (ihre Familie macht es ihr auch nicht leicht, da sie ihre Berufswahl überhaupt nicht verstehen können und glücklicher wäre, wenn sie wie ihre Schwester Friseurin geworden wäre) und Selbstbewusstsein/Authorität aufgrund ihres Berufes und der damit schon erbrachten Leistungen schwankt.

Bevor ich weiterlesen kann, muss ich mich erst einmal ein bisschen um die To-do-Liste kümmern, auch wenn ich lieber weiter Zeit mit dem Buch auf dem Sofa verbringen würde. Ich erinnere mich an überraschend viele Details aus „Alles wird gut“ – nur nicht an den Mörder! Mal schauen, ob meine Erinnerung daran wiederkommt, bevor die Geschichte aufgelöst wird, oder nicht. 😉

Update 14:45 Uhr

Möhren, Gurken-Knäcke und Milchkaffee – so langsam hatte ich richtig Hunger. *g*

Zum „Frühstück“ gab es dann die letzten Seiten von „Alles wird gut“ für mich. Ich bin mir nicht so sicher, was ich von der Auflösung halte. Eigentlich hatte man als Leser alle notwendigen Informationen zur Lösung – vor allem, wenn man darüber nachdachte, wer überhaupt eine Gelegenheit gehabt hätte Jasmine mit einer Überdosis Morphium zu ermorden -, aber ich fand das Motiv recht unbefriedigend. Wieso sollte jemand nach so vielen Jahren, wenn man eh schon weiß, dass die Person in wenigen Wochen an einer wirklich scheußlichen Krankheit sterben wird, einen Menschen ermorden? Nicht, dass ich grundsätzlich verstehen würde, was jemanden zum Mord treibt 😉 , aber nach so langer Zeit so zu handeln und als Grund anzugeben, dass man es nicht ertragen hätte, dass Jasmine ihren Frieden mit ihrem Tod und ihrer Krankheit gemacht hätte. Das ist für mich der unstimmigste Part an der Geschichte. Von diesem Teil abgesehen, habe ich mich mit „Alles wird gut“ wieder sehr wohl gefühlt. Gemma und Duncan bekommen so langsam die für sie typischen Charakterzüge verliehen und es ist schön mitzuerleben, wie sie sich besser kennenlernen und zu facettenreicheren Figuren werden, als sie in „Das Hotel im Moor“ waren. Aber vor allem habe ich die kleinen Szenen genossen, für die Deborah Crombie einfach ein Händchen hat und in denen eine Person mit wenigen Sätzen so dargestellt wird, dass man das Gefühl hat, man würde sie mit all ihren Ecken und Kanten kennenlernen und ins Herz schließen. Diese kleinen (Neben-)Figuren, sind diejenigen, die man auch nach dem Lesen noch ein Weilchen mit sich trägt und die der Grund sind, warum der Kriminalteil einem selbst dann stimmig vorkommt, wenn man das Motiv des Täters nicht so ganz nachvollziehbar findet. 😉

Ich werde jetzt erst einmal abwarten bis auch Sayuri den Roman beendet hat und dann schauen wir mal, wann wir den nächsten (fast) freien Tag zum gemeinsamen Lesen finden. Immerhin kann ich sagen, dass durch diese beiden Lesetage in dieser Woche meine Leselust endlich zurückgekommen ist und ich neben dem nächsten Deborah-Crombie-Roman noch ein paar weitere Bücher aus dem Regal gezoge habe, für die ich mir in den nächsten Tagen Zeit nehmen möchte. 🙂

Deborah-Crombie-Lesetag (1)

Ich hatte schon in meinem SuB-Beitrag zum Monatsanfang erwähnt, dass ich in den kommenden Wochen gemeinsam mit Sayuri mal wieder die Krimis von Deborah Crombie lesen möchte. Wir haben uns für heute verabredet, um zu lesen und uns über das Gelesene auszutauschen und wer keine Spoiler zu der Krimireihe lesen möchte, sollte diesen Beitrag einfach ignorieren. Ganz frei kann ich mir heute zwar nicht nehmen, aber zwischen den verschiedenen Verpflichtungen (etwas Arbeit, etwas Haushalt) komme ich definitiv zum Lesen und werde dann hier darüber schreiben.

Es ist schon einige Jahre her, seitdem ich die ersten Teile der Kincaid-und-James-Krimis gelesen habe und gerade den ersten Band („Das Hotel im Moor“) habe ich nicht so oft gelesen wie einige andere Bücher der Reihe, weil der nicht zu meinen Lieblingsteilen gehörten und ich ihn nur als „ganz okay“ in Erinnerung habe. Ich weiß gar nicht, ob ich damals die Reihe überhaupt nach „Das Hotel im Moor“ weiterlesen hätte, wenn ich nicht von einer Freundin gleich die ersten drei Bände geliehen bekommen hätte. Mal schauen, was ich heute so von „Das Hotel im Moor“ halte und ob mir die Geschichte dieses Mal besser gefällt, als ich sie in Erinnerung habe.

Update 11:00 Uhr

Ich finde es lustig, dass ich gleich auf den ersten Seiten über Sätze stolpere, die mich stutzen lasse, weil ich sie nicht mit Duncan Kincaid verbinde. Zu Beginn der Geschichte ist er müde und überarbeitet und dazu passt eine gewisse Frustration darüber, dass man als Polizist nicht weiß, ob die Beweise, die man gesammelt hat, auch wirklich am Ende für eine Verurteilung einer Person ausreichen. Aber ich habe das Gefühl, dass der Kincaid, den ich „kenne“, nicht so verächtlich über Geschworene denken würde, wie man es hier zu Beginn des Buches lesen kann. Außerdem finde ich es spannend, dass er „ehrgeizig“ auf eine Beförderung hingearbeitet hat. Die Motivation stimmt in dem Absatz (er will keinen reinen Schreibtischjob, sondern aktiv ermitteln), aber Ehrgeiz gehört für mich nicht zu seinem Charakter. Immer wieder interessant, dass ich mich so an Kleinigkeiten aufhängen kann …

Die Handlung beginnt in „Das Hotel im Moor“ mit Duncan Kincaid, der nach Monaten voller Überstunden endlich eine Woche Urlaub machen kann und dafür die Reservierung seines Vetters übernimmt, der ein Apartement in einem Timesharing-Hotel gebucht hatte. Gemma James bekommt man auf den ersten Seiten nur kurz als Duncans Untergebene vorgestellt (inklusive der Info, dass sie rothaarig, intelligent, geschieden, zehn Jahre jünger als Duncan und alleinerziehende Mutter ist) – immer wieder schwierig für Autoren die richtige Balance zwischen Informationsvermittlung und natürlichem Gedankenfluß ihrer Protagonisten zu finden. *g* Ich finde es etwas schade, dass die Situation im Hotel dadurch eingeführt wird, dass Duncan gleich beim ersten Betreten unabsichtlich einen Streit zwischen den beiden Geschäftsführern belauscht. Das ist etwas plump gemacht, bei den späteren Büchern geht die Autorin eindeutig raffinierter vor.

Update 14:00 Uhr

Ich mag es immer wieder, wie Deborah Crombie die verschiedenen Charaktere vorstellt. Es geht nicht ganz ohne Klischees bei ihr, aber eine kleine Szene mit einer Frau am Fenster, ein kleiner Moment beim abendlichen Haarebürsten und schon hat man einen guten Eindruck von der Person gewonnen. Manche sind sympathisch, manche definitiv nicht und bei anderen erkennt man schnell, dass sie zwar nicht unsympathisch sind, aber trotzdem keine einfachen Charaktere. Ich mochte das Mordopfer, auch wenn er mit seiner sarkatischen Art bestimmt einige Menschen vor den Kopf gestoßen hat. Mich stört allerdings der örtliche Leiter der Ermittlungen – so ein richtiger Klischee-„Dorfpolizist“: unfähig, unfreundlich und sehr von sich überzeugt. Und natürlich ist er nicht glücklich damit, dass er mit Kincaid einen Mann von Scotland Yard an seinem Tatort hat. Diesen Typ Polizist greifen eigentlich alle Krimiautoren gerne auf, aber das ändert nichts daran, dass ich ihn nicht mag, auch wenn so ein Ermittler natürlich immer einen guten Grund für die Hauptfigur darstellt, um auf eigene Faust zu ermitteln. Hier ist sich Kincaid immerhin bewusst, dass er weder zuständig ist, noch seine Einmischungen erwünscht sind, weshalb er versucht über seinen Vorgesetzten Zugang zu den Ermittlungen zu bekommen. Gemma spielt bis jetzt kaum eine Rolle – noch etwas, das sich zum Glück im Laufe der weiteren Romane ändert.

Knäckebrot mit Gurke an Roman 😉

Die ersten knapp 100 Seiten von „Das Hotel im Moor“ habe ich bislang in kleinen Pausen zwischen der Arbeit gelesen, aber jetzt gönne ich mir erst einmal eine Stunde „Frühstückspause“, um etwas länger am Stück lesen zu können, bevor ich weiter meine To-do-Liste abarbeite. 😉

Update 16:00 Uhr

Das „etwas länger am Stück lesen“ habe ich dann mal spontan auf fast zwei Stunden ausgedehnt, als ich merkte, dass ich nicht mehr so viele Seiten vor mir hatte und so langsam die Erinnerungen an die Auflösung wiederkamen. Der Kniff mit den beiden „Ablenkungsopfern“ ist relativ alt, aber er sorgt immer wieder für Spannung, weil man beim Lesen die ganze Zeit die Opfer, die möglichen Gründe für ihren Tod und natürlich ihr Umfeld im Hinterkopf behält.

Etwas seltsam fand ich Duncans Bedürfnis nach Nähe. Ich hatte das für „Das Hotel im Moor“ (mir fällt gerade auf, dass nicht einmal ein Moor erwähnt wurde, da hat der deutsche Verlag wohl unabhängig vom Inhalt nach etwas stimmungsvollem gesucht *g*) gar nicht so in Erinnerung, auch wenn eine gewisse Melancholie und Sehnsucht – gerade in den ersten Bänden, bevor er mit Gemma eine Familie gründet – schon zu seinem Charakter gehört. Aber hier hatte ich das Gefühl, er würde jede Frau, mit der er sich gut versteht und die er zusätzlich auch noch attraktiv findet, als potenzielle Partnerin in Betracht ziehen – selbst bei der Ärztin, die verheiratet und zufrieden in ihrer Ehe ist.

Der Krimi leidet definitiv an ein paar Kinderkrankheiten, aber grundsätzlich ist da schon viel von dem drin, was ich bei der Autorin schätze. So hat sich „Das Hotel im Moor“ zügig lesen lassen und mich gut unterhalten, ich mochte viele Figuren und die Art und Weise, wie sie beschrieben wurden, und auch Duncan und Gemma (in den wenigen Szenen, in denen sie vorkam,) zeigten schon eine Menge Züge, die ich an ihnen mag und die die Basis für die Entwicklung der beiden Charaktere (in den kommenden Bänden) bilden.

Es war schön endlich mal wieder ein Buch (so ziemlich) am Stück zu lesen, auch wenn ich mich jetzt definitiv auf meine To-do-Liste stürzen muss, damit ich bis 17 Uhr hoffentlich fertig werde. Ich weiß nicht, ob ich vor dem abendlichen Kochen noch einmal zum Buch greifen werde, aber ich denke, ich werde heute Abend noch mit dem zweiten Deborah-Crombie-Band („Alles wird gut“) anfangen. Der Roman liegt eh bereit, da ich die ersten beiden Bände als Doppelband habe, und ich habe große Lust auf die Geschichte im zweiten Teil. 🙂

Update 22:00 Uhr

Sehr dunkles Foto einer Kartoffel-Zucchini-Zwiebel-Frittata

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mit der To-do-Liste und dem Abendessen fertig war, aber in der letzten Stunde habe ich noch in „Alles wird gut“ gelesen und knapp 100 Seiten geschafft. An diesen zweiten Band der Kincaid-und-James-Krimis erinnere ich mich noch sehr gut, denn hier beginnt für mich das Zusammenspiel zwischen Duncan und Gemma, das für mich die Romane von Deborah Crombie so lesenswert macht, und man lernt die beiden Protagonisten deutlich besser kennen als in „Das Hotel im Moor“ (was bedeutet, dass vor allem Gemma endlich mal ein paar gute Szenen bekommt). Außerdem mag ich das Opfer sehr, denn auch wenn man Duncans Nachbarin Jasmine nur in einer kurzen Szene am Anfang kennenlernt, so dreht sich doch die gesamte Geschichte um sie. Bei jedem Gespräch wird deutlich, was für eine wichtige Rolle sie im Leben der wenigen Menschen gespielt hat, denen sie nahe stand, und wie viel Bedeutung es für diese Menschen hat zu erfahren, ob sie eines natürlichen Todes (natürlich nicht!), durch eigene oder durch fremde Hand gestorben ist. Das einzige, was mich bislang irritiert, ist, dass Duncan immer Jasmines Kater Sid(hi) vergisst – aber nun gut, noch ist er kein Katzenmensch. 😉

Ich werde für heute mit dem Lesen aufhören und nur noch ein bisschen „Animal Crossing“ spielen, bevor es (relativ) früh ins Bett geht. Mir hat das gemeinsame Lesen viel Vergnügen bereitet und ich habe endlich mal wieder ein Buch gelesen. Mal schauen, wann Sayuri und ich Zeit finden, um damit weiterzumachen. 🙂