Diana Wynne Jones: Wilkins‘ Tooth

Am Wochenende hatte ich mal wieder Lust auf etwas „fluffigere“, kürzere Lektüre und landete beim Blick über meinen SuB bei „Wilkins‘ Tooth“ von Diana Wynne Jones. Dieses Buch der Autorin kannte ich noch nicht, aber es ist mir in den vergangenen Monaten regelmäßig untergekommen, weil in meiner englischsprachigen Timeline immer mal wieder darauf verwiesen wurde. Ein bisschen hatte ich vor dem Lesen den Verdacht, dass man diesen Roman als Kind gelesen haben muss, um ihn so lang anhaltend in Erinnerung zu behalten wie all die Personen, die den Titel erwähnten, und ich fürchte, dass sich dieser Verdacht beim Lesen bestätigt hat, aber das ändert nichts daran, dass „Wilkins‘ Tooth“ eine sehr amüsante Geschichte ist.

Die Handlung wird erzählt aus der Sicht der Geschwister Frank und Jess Pirie, die vor kurzem einen neuen Stuhl ihrer Eltern zerbrochen haben und nun für vier lange Monate kein Taschengeld bekommen werden. Da ihr Vater ihnen auch die Suche nach richtigen Nebenjobs verbietet, gründen die beiden eine  „Vergeltungsgesellschaft“ („Own Back Inc.“). Doch was anfangs nach einer guten Idee klingt, entwickelt sich schnell zu einer deutlich anstrengenderen und komplizierteren Angelegenheit, als die beiden gedacht hätten. So möchten sie eigentlich schon nach dem ersten Auftrag ihre Gesellschaft wieder auflösen, kommen aber nicht so einfach aus der Sache wieder raus. Jeder einzelne Job zieht wieder neue Entwicklungen nach sich, die dafür sorgen, dass Frank und Jess nur noch eine Sache erledigen müssen oder noch ein kleines bisschen mehr verschuldet sind, als sie es zu Beginn der Geschichte schon waren. Dabei hilft es auch nicht, dass sie sich mit ihren Tätigkeiten unabsichtlich in die Geschäfte der örtlichen Hexe gemischt haben und nun auch noch mit dem Unmut dieser Person fertigwerden müssen.

Ich habe Franks und Jess‘ kleine und größere Herausforderungen gern begleitet und mich wunderbar amüsiert, wenn die beiden mal wieder mit den besten Absichten das größte Chaos anstellten. Dabei lernen sie im Laufe der Zeit weitere Kinder kennen, deren Aufträge sie erfüllen sollen und mit denen sie sich dann nach und nach anfreunden, was dazu führt, dass am Ende mehr als ein Dutzend Personen versuchen, gemeinsam gegen die Hexe Biddy Iremonger vorzugehen. Denn die örtliche Hexe, von der Jess‘ und Franks Eltern glauben, dass sie nur eine etwas wunderliche arme Frau sei, wird von Diana Wynne Jones als wirklich schrecklich boshafte, rachsüchtige und machthungrige Person dargestellt, deren Magie deutlich stärker ist, als die beiden Kinder (und der Leser) anfangs ahnen können. Allerdings muss ich zugeben, dass es sich die Autorin hier an manchen Stellen in meinen Augen etwas zu einfach gemacht hat, denn natürlich ist die seltsame ältere Frau, die in einer schäbigen Hütte am Fluss lebt, die Böse, und auch ihr Motiv für ihre Rache an der Familie Adams – mit deren Töchtern sich Jess und Frank anfreunden – ist ziemlich einfallslos.

Auf der anderen Seite ist die Geschichte voller amüsanter Szenen, bei denen man nur zwischen leichter Fassungslosigkeit und hämischer Vorfreude die Pläne der Kinder verfolgt. Bei einer meiner Lieblingsstellen bekommt man als Leser nicht einmal direkt die Vorgänge beschrieben, sondern man bekommt das Ganze nur aus der Perspektive von Jess und Frank erzählt, die anhand der Geräusche und Gesprächsfetzen, die sie hören, erraten, was gerade in den angrenzenden Räumen (und dem Garten und auf dem Dach) alles los ist. Wenn ich so etwas lese und mich dabei so gut unterhalten fühle (und dann noch bedenke, dass „Wilkins‘ Tooth“ wohl das erste Buch war, das sie für Kinder geschrieben hat), dann kann ich Diana Wynne Jones auch die kleinen Dinge verzeihen, die mich beim Lesen gestört haben. Alles in allem war diese Geschichte inklusive dieser wunderbaren Slapstick-haften Pasagen perfekt für ein paar entspannte und unterhaltsame Lesestunden.

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