Harper Lin: Love and Murder in Savannah (The Southern Sleuth 1)

“Love and Murder in Savannah” von Harper Lin gehört zu den Büchern, über die ich beim Sichten meiner eBook-Bestände gestolpert bin. Ich kann mich nicht mehr erinnern, woher ich den Titel habe, aber ich würde behaupten, dass die beiden Punkte “20er Jahre” und “Protagonistin kann Geister sehen” der Grund waren, wieso ich die Geschichte lesen wollte. Rebecca “Becky” Madeline Mackenzie ist 20 Jahre alt und die Tochter einer gehobenen Südstaaten-Familie, die in Savannah zuhause ist. Was bedeutet, dass sie relativ ungestört in den Tag hineinleben kann, solange sie die Erwartungen ihrer Mutter und der Gesellschaft einigermaßen erfüllt – und natürlich nur bis ein passender junger Mann auftaucht, der sie heiratet. Ungewöhnlich an ihr ist, dass sie von klein auf Geister sehen und mit ihnen reden kann, was mit ein Grund dafür ist, dass sie sich gern auf dem nahegelegenen alten Friedhof aufhält, um Schwätzchen zu halten und zu zeichnen. Von ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit wissen nur ihre beiden besten Freunde (Teddy und Martha), auch wenn Becky diese Kraft immer mal wieder nutzt, um ihren Nachbarn hilfreich zur Seite zu stehen. Erst als bei Marthas Geburtstagsfeier ein junger Mann ermordet wird, muss Becky feststellen, dass nicht alle Geister freundliche Wesen sind, mit denen man unterhaltsame Anekdoten austauschen kann.

Ich muss zugeben, dass diese Geschichte genau genommen nur in die Kategorie “ganz nett” gehört – vor allem, da der Kriminalfall nicht gerade herausfordernd aufgebaut ist. Aber in der Regel ist “nett” ja genau das, was man sucht, wenn man zu einem Cozy greift. “Love and Murder in Savannah” liest sich unterhaltsam, was vor allem an der 20-Jahre-Atmosphäre und dem Südstaaten-Feeling liegt. Becky und ihre Freunde verbringen regelmäßig die Nächte in “Speakeasies”, wo sie tanzen und illegal gebrannten Alkohol trinken. Ansonsten ist Becky vor allem damit beschäftigt, den Plänen ihrer Mutter auszuweichen und sich über ihre unangenehme Cousine Fanny aufzuregen. Außerdem denkt sie regelmäßig darüber nach, wie sie ihre Mutter davon überzeugen kann, dass ihr Bekannter Adam White ein Gentleman ist, obwohl er aus dem Norden stammt und nicht zur oberen Schicht von Savannah gehört. So macht sich Becky anfangs auch vor allem Sorgen um ihre Freundin Martha und den Ruf von Marthas Familie, als bei der Geburtstagsfeier ein Mord geschieht, statt darüber nachzudenken, dass sie ihre Fähigkeiten nutzen könnte, um mehr über die Tat herauszufinden. Ich fand es sehr stimmig, dass die Protagonistin nicht auf den Gedanken kommt, dass sie sich in eine Polizeiermittlung einmischen könnte, sondern aus ihrer begrenzten, privilegierten Perspektive heraus auf den Mord blickt. Erst als sie über genügend seltsame Elemente stolpert, die mit dem Kriminalfall in Verbindung stehen, entwickelt sie etwas mehr Eigeninitiative und überlegt, welcher der bei der Feier Anwesenden verdächtig sein könnte.

Beckys relativ sorglose Sicht auf die Welt führt dazu, dass sich eine gewisse Leichtigkeit durch die Geschichte zieht. Natürlich ist ihr bewusst, dass sie in ihrer gesellschaftlichen und finanziellen Position sehr priviligiert ist, aber ihr persönlicher Alltag wird vor allem von den Kabbeleien mit ihrer Mutter und dem unangenehmen Verhalten ihrer Cousine bestimmt. Wenn Becky über eine Person stolpert, die vermutlich ein Verbrecher ist, dann ist dies für sie nur ein kurzer aufregender Moment, weil sie sich einfach nicht vorstellen kann, dass sie selbst irgendwie in Gefahr sein könnte. Das kann man natürlich kritisch sehen, hat bei mir aber dafür gesorgt, dass sich das Lesen von “Love and Murder in Savannah” stellenweise wie das Anschauen einer Kriminalkomöde aus den 1930er Jahren anfühlte. Auch wenn dieser Roman leider nicht mit den wunderbaren Dialogen mithalten kann, wie sie zum Beispiel in “Der dünne Mann” (“The Thin Man”) zu finden sind, war die Atmosphäre für mich ähnlich und die Charaktere sympathisch genug, um mir ein paar unterhaltsame Stunden zu liefern und dafür zu sorgen, dass ich mir weitere Titel Autorin anschauen werde.

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