J. M. Griffin: Tangled to Death

J. M. Griffin ist (wenn ich nach ihrer Homepage gehen kann) angeblich eine etablierte und erfolgreiche Autorin, allerdings hatte ich noch nie von ihr gehört, bevor ich zu „Tangled to Death“ griff. Und nachdem ich diesen kurzen Roman von ihr gelesen habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich keine weitere Geschichte von ihr lesen werde. Es ist unglaublich, wie lang sich 190 Seiten eines Cozies beim Lesen anfühlen können, wenn man nur noch von allem genervt ist. Protagonistin der Geschichte ist die 24jährige Katie Greer, die vor einem Jahr in eine kleine Stadt in New Hampshire gezogen ist, um dort ein Kunststudio zu eröffnen. Von Anfang an hatte Katie Probleme mit der ältere Flora Middly, die nicht nur der Meinung war, dass Katies „Tangle Art“ keine Kunst sei, sondern auch alles daran setzte, um die Eröffnung des Studios zu verhindern. Als nun Flora erwürgt auf der Bank vor Katies Studio gefunden wird, gehört Katie natürlich zu den Verdächtigen. Katie fürchtet nicht nur die schrecklichen Befragungen durch die Polizei, sondern auch, dass ihre neuen Nachbarn herausfinden, dass sie schon einmal in einen Mordfall verwickelt war.

Obwohl Katie so gar nichts mit der Polizei und dem Mord zu tun haben will, kann sie sich auch nicht beherrschen und steckt natürlich ihre Nase in die Ermittlungen. Was dann der Punkt war, wo ich – nach einem zwar nicht besonders gut geschriebenen, aber ganz netten Anfang – sehr schnell alle Hoffnungen auf eine unterhaltsame Geschichte fahren lassen musste. Ich glaube, ich habe „Tangled to Death“ nur zu Ende gelesen, weil ich dachte, dass es nicht sein kann, dass J. M. Griffin wirklich jedes Element mitnehmen wird, das ich an einem „romantischen Cozy“ hasse. Leider hatte ich mich in dieser Beziehung getäuscht. Der Krimianteil der Handlung ist noch dürftiger, als es der Umfang von 190 Seiten zugelassen hätten. Das Motiv für den Mord ist unglaublich an den Haaren herbeigezogen. Die Tatsache, dass die Autorin auf der einen Seite behauptet, dass in dieser Kleinstadt jeder über jeden tratschen würde und auf der anderen Seite trotzdem niemand wusste, womit die Ermordete ihren Lebensunterhalt bestritt (oder sich wunderte, dass sie ohne erkennbares Einkommen überhaupt überleben konnte), hat mich gleich mehrfach auf die Palme gebracht.

Doch so richtig schrecklich fand ich die Protagonistin Katie und ihren potenziellen „Liebsten“ Detective Jonah Kilbride. Katie ist einer dieser Charaktere, die alle anderen Personen in schrecklich veraltete Schubladen stecken, und äußert regelmäßig Gedanken wie „Nur Frauen verstehen, wie Frauen denken“, „Cops ist ihre Arbeit wichtiger als alles andere“, „alle Cops genießen es, wenn sie andere Menschen einschüchtern können“ und ähnliches. Dieses Schubladendenken plus die unglaublich schrecklichen Erinnerungen, die sie an die Verhöre durch den Polizisten hat, der den Mord an ihren Eltern aufzuklären versuchte, sorgen dafür, dass sie Detective Jonah Kilbride von Anfang an ablehnend gegenübersteht. Dummerweise findet sie ihn aber auch unglaublich attraktiv und ist deshalb ständig stocksauer, weil er seinen Job macht. Was dazu führt, dass sie ihm nur Fragen beantwortet, wenn es ihr passt, ihn ständig aus ihrem Studio wirft und die Hälfte der Zeit Beweismittel unterschlägt, die die Geschichte innerhalb weniger Seiten beendet hätten.

Jonah hingegen benimmt sich von Anfang an wie ein Arschloch, weil er „fühlt“, dass sie ihm was verschweigt. Als er von Katies Vergangenheit erfährt, nennt er sie nicht nur ständig bei ihrem Geburtsnamen – was in ihr schmerzhafte Erinnungen weckt, was sie ihm auch sagt -, sondern scheint es auch noch zu genießen, dass dieser Name bei ihr Unbehagen auslöst. Dazu kommt, dass er sie mehrfach gegen ihren Willen küsst und sie (obwohl er weiß, welche Erfahrungen sie früher mit der Polizei gemacht hat) verbal bedroht. Ich glaube, die Autorin hat Jonah mit diesem Verhalten als besonders „männlich“ darstellen und auf die „wenn er dich neckt, dann mag er dich“-Schiene aufspringen wollen. Für mich hingegen war das Verhalten beider Figuren einfach nur abschreckend, frustrierend und so gar nicht romantisch.

Dass aus Katie und Jonah am Ende auch noch ein Paar wird, lässt sich dann auch nur noch damit erklären, dass sie anscheinend das Gefühl haben, sie dürften nur miteinander Sex haben, wenn sie sich vorher gegenseitig ihre Liebe erklären. Wann und wieso sie sich ineinander verliebt haben, kann mir die Autorin mit ihrer Geschichte aber nicht glaubhaft erklären. Bei all diesen größeren Ärgernissen habe ich das Gefühl, ich müsste die vielen anderen Details, die mich gestört haben, gar nicht mehr erwähnen, auch wenn es davon mehr als genug gab. „Tangled to Death“ war definitiv keine unterhaltsame oder gar vergnügliche Lektüre, und ich kann diesen kurzen Roman nur dann weiterempfehlen, wenn ihr verzweifelt auf der Suche nach einem Cozy sein solltet, über den ihr euch mal so richtig aufregen könnt.

2 Kommentare

  1. Oje, das war anscheinend ein richtiger Fehlgriff, bei dem es sich so gar nicht gelohnt hat, dass du ihn zu Ende gelesen hast. Die Kritikpunkte, die du beschreibst, hätten mich wohl auch ziemlich genervt.

    • Konstanze

      Dabei war der Anfang wirklich nett und einige Zeitlang habe ich mich daran noch festhalten können. Außerdem habe ich eine Weile noch darauf gewartet, dass ich erfahre, was so schrecklich war an den Ermittlungen bei dem Mord an ihren Eltern, aber mehr als dass der Polizist nicht nett war, kam irgendwie nicht raus … Alles seltsam und nervig!

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