Seanan McGuire: Across the Green Grass Fields (Wayward Children)

Auf den sechsten Titel der Wayward-Children-Geschichten von Seanan McGuire habe ich wirklich sehnsüchtig gewartet. Vor allem war ich neugierig darauf, wie es sein wird, eine Geschichte zu lesen, deren Protagonistin bislang noch keine Rolle in den vorhergehenden Veröffentlichungen gespielt hat. So ist „Across the Green Grass Fields“ auch für diejenigen gut lesbar, die keinerlei Vorwissen aus den anderen Wayward-Children-Bänden haben, während die anderen Titel teilweise eng mit den Ereignissen in „Eleanor West’s Home For Wayward Children“ verknüpft sind und gewisser Weise aufeinander aufbauen. Diese Geschichte hingegen dreht sich ausschließlich um Regan, deren Kindheit eigentlich recht schön ist, wenn man davon absieht, dass ihr von klein auf bewusst war, dass ihre beste Freundin Laurel schnell zu ihrer schlimmsten Feindin werden könnte. Einzig Regans Liebe zu Pferden ist ungetrübt von dieser Freundschaft, auch wenn sie sich immer mal wieder fragt, wie lange dies wohl noch so sein wird.

Als dann der Tag eintrifft, an dem sich Laurel gegen Regan stellt, findet diese eine Tür in die „Hooflands“. Die Hooflands gehören zu einer Welt voller pferdeähnlicher Geschöpfe wie Zentauren, Kelpies, Perytons, Einhörnern und vielen mehr. Obwohl die Hooflands kein ungefährlicher Ort sind, findet Regan hier eine Gruppe von Zentauren, die bereit ist, das Mädchen in ihre Familie aufzunehmen. Von Anfang an steht fest, dass es Regans Aufgabe in den Hooflands ist, als Heldin die Welt zu retten, auch wenn noch nicht klar ist, wovor sie die Welt zu retten hat. Für die Zentauren, die Regan aufnehmen, bedeutet dies, dass sie dem Mädchen so viel Sicherheit und Geborgenheit bieten, wie sie können, bis die Zeit für Regans Heldentat kommt. Dank der Zentauren kann Regan in einer geschützten Umgebung und innerhalb einer liebevollen und sie unterstützenden Familie erwachsen werden, und das ist wunderschön zu lesen.

Normalerweise haben die Wayward-Children-Geschichten immer einen bitteren Kern, der die gesamte Erzählung durchdringt. Selbst wenn die Beziehungen zwischen den verschiedenen Figuren wunderschön und die Welten faszinierend und perfekt für die jeweiligen Kinder sind, so gibt es dort Risiken, die kein Kind eingehen sollte. Die Tatsache, dass so viele Kinder ihre Welten wieder verlassen müssen und keinen erneuten Zugang zu ihrer ganz persönlichen Zuflucht finden können, sorgt normalerweise für so viel Kummer und Sehnsucht, dass jede einzelne der Geschichten selbst in den schönen Passagen davon durchdrungen ist. Für Regan hingegen bringen die Hooflands ungetrübte, schöne Jahre und eine „Pflegefamilie“, die sie liebt und fördert. Eine Familie, die ihr Zeit verschafft, um herauszufinden, wer sie ist und was für ein Mensch sie sein will. So weiß Regan ganz genau, worauf sie sich einlässt und welche Risiken sie eingeht, als der Zeitpunkt kommt, an dem sie ihre Heldentat vollbringen muss. Gerade weil sie dieses Wissen um ihre eigenen Identität hat und weil Regan die Hooflands und ihre Bewohner so sehr liebt, kann sie mit Herausforderungen fertig werden, die niemand hätte vorhersehen können.

Das alles macht „Across the Green Grass Fields“ für mich zu dem bislang besten Wayward-Children-Band, obwohl so viel weniger um Regan herum passiert als um all die anderen Figuren, die bislang in den Büchern vorkamen. Ich finde es einfach großartig, wie Regans  Entwicklung beschrieben wird und wie man am Ende das Gefühl hat, dass es fast egal ist, ob sie ihr Leben in den Hooflands weiterleben kann oder nicht, weil sie dort sich selbst gefunden hat und sich auch in den kommenden Jahren nicht wieder verlieren wird. All das Wissen, all das Erlebte und all die Selbsterkenntnis, die sie in dieser magischen Welt gewonnen hat, wird bei ihr bleiben und ihr zukünftiges Leben bestimmen. Die Liebe und die Akzeptanz, die sie von den Zentauren erfahren hat, verschaffen ihr eine Grundlage für die Zukunft, die ich so bei den anderen Figuren nicht gesehen habe, und die die Geschichte (trotz der Ereignisse rund um Regans Heldentat) positiver enden lassen als die anderen Wayward-Children-Bücher. Ich bin gespannt, ob Regan noch einmal in den kommenden Veröffentlichungen der Reihe auftauchen wird und bin – immer wieder von Neuem – hingerissen davon, dass Seanan McGuire jedes Mal einen neuen Ton und einen vollkommen überraschenden Ansatz für ihre Wayward-Children-Geschichten findet.

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