Sarah Jean Horwitz: The Dark Lord Clementine

„The Dark Lord Clementine“ von Sarah Jean Horwitz saß im vergangenen Jahr so lange auf meinem Merkzettel, dass ich keine Ahnung mehr habe, wie ich über den Titel gestolpert bin. Aber ich bin sehr froh, dass ich das Buch am Ende des Jahres dann geschenkt bekam, denn ich habe das Lesen sehr genossen – es ist so eine wunderbare Geschichte, die mich vor allem während der ersten Kapitel sehr an die britischen Kinderbücher erinnerte, die ich schon als Kind so geliebt habe. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Clementine, deren Vater als Dark Lord über ein Schloss inklusive angrenzendem Dorf in dem Gebirgszug „Seven Sisters“ herrscht. Für Clementine ist es ganz selbstverständlich, dass ihr Leben von all den dunklen Machenschaften ihres Vaters, von Zaubern, Flüchen und ähnlichem beherrscht wird, und alles in allem würde ich behaupten, dass sie trotzdem eine relativ gute Kindheit genießen darf. Doch dann trifft ein Fluch ihren Vater, der dafür sorgt, dass dieser nach und nach … ähm … weggeschnitzt wird. Während Clementine anfangs nur all die anfallenden Aufgaben rund ums Schloss übernehmen muss, die nun nicht mehr durch die Magie ihres Vaters abgedeckt werden, wird sie im Laufe der Zeit immer mehr in die Rolle des Ersatz-Dark-Lords gedrängt.

Doch so richtig gut erfüllt Clementine diese neue Rolle nicht, obwohl sie seit ihrer Geburt vor zwölf Jahren darauf vorbereitet wurde. Als ihr Vater dann noch monatelang nicht in der Lage ist, den Fluch zu brechen, der auf ihm liegt, beschließt das Mädchen, dass es selbst einen Weg finden muss, um mehr Informationen über die „Whittle Witch“ zu finden und natürlich eine Möglichkeit, den Fluch aufzuheben. Bei all ihren Versuchen, mehr über die Hexe zu erfahren, lernt Clementine so einige Personen kennen, die ihr – wenn auch nicht immer aus uneigennützigen Gründen – zur Seite stehen. Außerdem erfährt sie so viel mehr über das Leben außerhalb des Schlosses und wie es sich für die Dorfbewohner anfühlt, dass ein böser Lord alle Aspekte ihres Lebens bestimmt. So kommen ihr im Laufe der Zeit Zweifel, ob sie wirklich ihr Leben als Dark Lord verbringen will – und wenn Clementine ihren Vater heilen würde, dann würde das bedeuten, dass all das, was sie neu gelernt hat, umsonst gewesen wäre und sie wieder in alte Gewohnheiten verfallen müsste.

Es gibt viele amüsante Aspekte an dieser Geschichte, angefangen beim sprechenden schwarzen Schaf über die Gruppen ungewöhnlicher Ritter und beweglicher Vogelscheuchen bis hin zu Clementines Haaren, die ganz eigene Ansichten über die passende Farbe zum jeweiligen Zeitpunkt haben. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Elemente, die einen nachdenklich oder traurig machen, wenn auch nie so sehr, dass ich das Buch hätte aus der Hand legen wollen. Denn selbst in den Kapiteln, in denen es ums Sterben geht, gibt einem Sarah Jean Horwitz die Gewissheit, dass am Ende schon irgendwie alles gut ausgehen wird. So habe ich all die Höhen und Tiefen in Clementines Leben genießen und gespannt die verschiedenen Wendungen in der Handlung verfolgen können, ohne dass ich mir zu viele Sorgen um die Zukunft dieses sympathischen Charakters hätte machen müssen. Clementine und all die anderen Figuren in „The Dark Lord Clementine“ sind mir beim Lesen wirklich sehr ans Herz gewachsen, und ich mochte diese Mischung aus melancholischen Momenten, skurrilen Elementen und Humor so sehr, dass ich in absehbarer Zeit auch noch einen Blick auf „The Wingsnatchers“, den ersten Teil der Carmer-and-Grit-Serie der Autorin, werfen werde.

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