Laura Powell: The Last Duchess (Silver Service Mystery 1)

Es gibt diese Geschichten, in die man sich schon auf den ersten Seiten verliebt, und „The Last Duchess“ von Laura Powell gehört für mich eindeutig dazu. Ich habe mich in Pattern verliebt, die schon als Dreizehnjährige eine der besten Schülerinnen in „Mrs. Minchkin’s Academy of Domestic Servitude“ ist. Wie es sich für eine zukünftige Kammerzofe gehört, ist Pattern ein unauffälliges Mädchen, das es beherrscht, vollkommen im Hintergrund zu verschwinden. Außerdem ist Pattern berühmt dafür, dass sie jeden Flecken entfernen kann, dass ihre Nähte geradezu unsichtbar sind und auch für die neusten Frisuren beweist sie ein gutes Händchen. Trotzdem ist es überraschend, dass gerade sie und nicht eine der älteren Schülerinnen von der Baronin von Bliven ausgewählt wird, um der Großherzogin von Elffinberg als Kammerzofe zu dienen.

So verlässt Pattern Jahre vor Beendigung der Schule London, um auf dem Kontinent in der Stadt Elffinheim ihre Stellung anzutreten. Ihre neue Arbeitgeberin ist nicht nur ungefähr so alt wie Pattern, sondern ebenfalls eine Waise, und so sollte man ja theoretisch davon ausgehen können, dass die beiden Mädchen genügend Gemeinsamkeiten finden, um – natürlich nur, soweit es der professionelle Rahmen erlaubt – eine freundschaftliche Beziehung zueinander zu finden. Doch die junge Großherzogin ist fest davon überzeugt, dass ihr Personal und auch ihr Onkel, der das Herzogtum bis zu ihrer Volljährigkeit regiert, auf ihr Leben abgesehen haben. Dass Pattern fremd in Elffinheim ist und keine Ahnung von den lokalen Gepflogenheiten, der Geschichte des Landes und seinen Legenden hat, hilft ihr auch nicht dabei, ihre neue Aufgabe mit der angestrebten Perfektion zu meistern.

Laura Powell hat mit Elffinberg ein sehr ungewöhnliches Herzogtum geschaffen. Gegründet wurde das Land von einem walisischen Prinzen, der in der Mitte Deutschlands (das anscheinend noch in mehrere Fürstentümer aufgeteilt ist) eine neue Heimat fand, nachdem er sein Geburtsland aus nicht näher bekannten Gründen verlassen musste. Berühmt ist Elffinberg für seine Porzellanherstellung, aber das ist auch schon das Einzige, was das Land regelmäßig verlässt – was auch daran liegt, dass die Einwohner nur dann ausreisen dürfen, wenn sie eine offizelle Erlaubsnis der Herzogsfamilie dafür bekommen. Schon früh keimt im Leser der Verdacht, dass hinter der freiwilligen Isolation, die sich das Land auferlegt hat, tiefere Gründe liegen und dass diese vielleicht sogar mit dem mysteriösen Verschwinden von Kindern zu tun haben, das Elffinberg seit einige Zeit plagt.

Ich sagte schon, dass ich mich auf den ersten Seiten in Pattern verliebt habe, weil das Mädchen so wunderbar liebenswert und patent ist. Trotz aller Herausforderungen, die Patterns neue Stellung mit sich bringt, versucht sie ihr Bestes für die Großherzogin zu geben. Das bedeutet nicht nur, dass sie sich um die Kleidung und die Räumlichkeiten ihrer Dienstherrin kümmert, sondern auch ihre Ängste und Sorgen ernst nimmt und eine Lösung dafür findet – sogar dann, wenn die junge Großherzogin sich mal wieder von ihrer anstrengenderen Seite zeigt. Dabei findet Pattern schnell heraus, dass ihre neue Arbeitgeberin gar nicht so paranoid ist, wie anfangs befürchtet, sondern dass wirklich fürchterliche Dinge in Elffinberg vorgehen, die zum Tode der Großherzogin führen könnten.

Richtig mitermitteln kann man bei der Geschichte als Leser nicht, weil man die Handlung aus Patterns Perspektive erlebt und diese nun einmal nicht über alle notwendigen Informationen verfügt. Aber es hat mir Spaß gemacht, mir Gedanken darüber zu machen, welche Motive welche Person haben könnte und welche Folgen eine Handlung für das Herzogtum, seine zukünftige Regentin oder für ihre treue Kammerzofe haben könnte. Außerdem habe ich es genossen, Patterns ungewöhnliche Lösung für eine ganz besonders große Herausforderung am Ende der Geschichte mitzuerleben. Denn zum Schluss wird „The Last Duchess“ noch einmal richtig dramatisch, obwohl der Roman vorher vor allem von all den vielen kleinen Szenen lebt, in denen man verfolgen kann, wie Pattern Fuß in ihrer neuen Stellung fasst oder doch so langsam das Vertrauen der Großherzogin gewinnt. Nachdem mir „The Last Duchess“ beim Lesen so viel Freude bereitet hat (und die Leseprobe zum nächsten Teil schon so nett beginnt), habe ich direkt im Anschluss die Fortsetzung „The Lost Island“ auf die Wunschliste gesetzt.

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