Michelle Harrison: A Sprinkle of Sorcery

Nach dem Lesen von „A Pinch of Magic“ von Michelle Harrison hatte ich mir vorgenommen, darauf zu achten, dass ich den nächsten Band rund um die Widdershins-Schwestern zur passenden Jahreszeit lese. Aber dann hatte ich so große Lust auf „A Sprinkle of Sorcery“, dass ich das Buch noch im September angefangen habe, obwohl die Handlung im Mai spielt. 😉 Allerdings fand ich es dieses Mal nicht so schlimm, dass ich den Roman nicht zur passenden Jahreszeit las, denn von Frühling spürt man in der Geschichte nicht viel, ist doch die Atmosphäre auf Crowstone (und all den anderen Inseln) düster genug, um in den Herbst zu passen. Und da die Handlung von „A Sprinkle of Sorcery“ ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Band gut lesbar ist, gibt es hier auch keine Spoiler zu „A Pinch of Magic“.

Die Geschichte beginnt an einem Abend im Wirtshaus „The Poacher’s Pocket“, während die dreizehnjährige Betty Widdershins und der Rest der Familie darauf warten, dass ein potenzieller Käufer für das Gebäude auftaucht. Doch bevor die Abendfähre an der Insel anlegt, erklingen die Gefängnisglocken von der Nachbarinsel Repent herüber. Schnell macht die Neuigkeit die Runde, dass zwei Gefangene von der Insel Torment geflüchtet sind, und kurz darauf findet die sechsjährige Charlie (Charlotte) ein etwa gleichaltriges und vollkommen durchnässtes Mädchen versteckt im Hinterhof. Schnell sind sie und Betty sich einig, dass sie Willow vor den Wächtern, die jedes Haus der Insel durchsuchen, in Sicherheit bringen müssen. Doch natürlich läuft dann etwas schief, und so müssen Betty und ihre ältere Schwester Fliss (Felicitas) mitansehen, wie die Großmutter Bunny und die kleine Charlie von zwei Wächtern abgeführt werden.

Gemeinsam mit Willow machen sich die beiden Mädchen auf, um ihre Familienmitglieder zu retten, und erleben dabei einige fantastische Abenteuer auf See. Ich liebe es, wie Michelle Harrison dabei eine sehr düstere und realistische Welt rund um die Inselgruppe in den Marschen schafft und auf der anderen Seite immer wieder Märchen und eine kleine Prise Zauberei in die Geschichte einwebt. Während sich der erste Band um einen Fluch drehte, der auf den Frauen der Familie Widdershins lag, so sind hier die Angelpunkte der Geschichte vor allem das Schicksal der entführten Charlie und das von Willow, die alles daran setzt, die Unschuld ihres Vaters zu beweisen, bevor dieser hingerichtet werden kann. Dabei spielen Irrlichter eine große Rolle in Willows Leben. Ich fand es großartig, wie die Autorin diese schon im ersten Band in die Handlung eingebaut und hier – mit einigen ungewöhnlichen Facetten versehen – wieder aufgenommen hat.

Auch in „A Sprinkle of Sorcery“ ist die Atmosphäre durchgehend ziemlich düster, denn Betty und ihre Schwestern machen sich die ganze Zeit über Sorgen, sie hungern und frieren, und sie müssen mit Entführern, Piraten und Hexen fertigwerden. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, man würde beim Lesen in lauter Hoffnungslosigkeit versinken, da die Mädchen einfach wunderbar mutig und einfallsreich sind. Immer wieder gibt es Szenen, die einfach nur amüsant sind (Betty als Piratenkapitän-Geist ist mein absoluter Lieblingsmoment in dem Buch gewesen), oder in denen die Zuneigung zwischen den Schwestern wirklich herzerwärmend zu lesen ist. So gut mir „A Pinch of Magic“ gefallen hat, so denke ich, dass ich „A Sprinkle of Sorcery“ noch besser fand. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich einfach den richtigen Zeitpunkt für den Roman gewählt hatte, oder daran, dass mir all die Seefahrt- und Piratenelemente so viel Freude bereitet haben, aber ich kann diese Geschichte mindestens ebenso sehr empfehlen wie den ersten Band. Und ich freue mich sehr darüber, dass der dritte Band („A Tangle of Spells“) im Original gerade für Anfang Februar 2021 angekündigt wurde.

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