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Michelle Harrison: A Pinch of Magic

Ich muss gestehen, dass mich das hübsche Cover auf „A Pinch of Magic“ von Michelle Harrison aufmerksam gemacht hat und ich erst im Nachhinein kapiert habe, dass das die Autorin ist, von der ich schon die „Elfenseelen“-Trilogie so sehr mochte. Außerdem sollte ich schon mal darauf hinweisen, dass es nicht die beste Idee von mir war, diese Geschichte im Juli zu lesen, obwohl die gesamte Atmosphäre in „A Pinch of Magic“ nach Herbst und Halloween ruft – bei der Fortsetzung werde ich also erst schauen, wann sie spielt, und sie dann jahreszeitlich passender lesen. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive der Betty Widdershins, deren großer Traum es ist, eines Tages die kleine Insel Crowstone zu verlassen und die Welt zu sehen. Doch als sie an ihrem dreizehnten Geburtstag (der auch noch auf Halloween fällt) heimlich mit ihrer sechsjährigen Schwester Charlie (Charlotte) aufs Festland fahren will, werden die beiden von ihrer Großmutter Bunny erwischt.

Um weitere Alleingänge von Betty zu verhindern, klärt Bunny die beiden Mädchen über den Fluch auf, der seit langer Zeit auf der Familie Widdershins liegt. Dieser Fluch sorgt dafür, dass jedes weibliche Mitglied der Familie, das die Insel Crowstone verlässt, im Laufe eines Tages stirbt. Angesichts dieser Mitteilung kann nicht einmal die Tatsache, dass Charlie, Betty und die sechzehnjährige Fliss (Felicity) zusammen mit dem Fluch auch drei magische Gegenstände geerbt haben, Betty aufmuntern. Stattdessen überlegt sie, dass es doch irgendeinen Weg geben muss, um diesen Familienfluch zu brechen und das Schicksal der Widdershins-Frauen zu ändern – und bei der Suche nach solch einem Weg lässt sie sich auch von all den Gefahren, die auf sie lauern, nicht aufhalten.

Ich mochte „A Pinch of Magic“ wirklich sehr! Mir gefiel die Atmosphäre, die Michelle Harrison in der Geschichte aufbaut, die Trostlosigkeit der kleinen Inselgruppe im Sumpfgebiet vor dem Festland, die Armut, die das Leben der Bewohner von Crowstone durchzieht, den Schatten, den die Gefängnisinsel Repent über die anderen Inseln wirft, und wie all dies erträglich wird durch den Zusammenhalt innerhalb der Familie Widdershins. Das Wirtshaus „Poacher’s Pocket“, das Großmutter Bunny gehört, ist kein wirklich heimeliger Ort, aber es ist das Zuhause und die Zuflucht von Fliss, Betty und Charlie. Ich fand es auch wunderbar zu lesen, wie unterschiedlich die Autorin die drei Schwestern dargestellt hat. So ist Fliss diejenige, die am wenigsten kämpferisch ist und die sich – nachdem sie an ihrem sechzehnten Geburtstag von dem Fluch erfahren hatte – damit abgefunden hat, dass sie den Rest ihres Lebens auf der Insel bleiben wird. Betty hingegen will ihre Träume nicht aufgeben und erkennt erst im Laufe der Zeit, dass die Gefahren, die die Suche nach einer Aufhebung des Fluchs mit sich bringen, nicht nur sie, sondern auch diejenigen, die sie liebt, betreffen könnten.

Neben den tollen Charakteren und der wunderbar-trostlosen Atmosphäre brachte „A Pinch of Magic“ auch noch eine Handlung mit sich, die voller amüsanter, gefährlicher und überraschender Szenen steckt. Von Anfang an steht fest, wer den Fluch über die Familie Widdershins gebracht hat, aber erst im Laufe der Zeit erfährt man die Geschichte und die Beweggründe dieser Person und muss so immer wieder überdenken, wer denn wohl der „Bösewicht“ in der Geschichte ist. Und obwohl die drei Schwestern in lebensgefährliche Situationen geraten, bleibt der Ton in der Geschichte in der Regel heiter genug, dass auch jüngere Leser.innen Freude an der Handlung haben werden. Außerdem ist es wunderbar. von dem Verhältnis der drei Schwestern zueinander zu lesen, gerade weil sie nicht immer nur nett miteinander umgehen, aber trotzdem die gesamte Zeit durchscheint, wie sehr die drei einander mögen und wie wichtig ihnen das Wohlergehen der anderen ist. So freue ich mich jetzt schon sehr auf das Lesen der Fortsetzung – vielleicht sogar gerade deshalb, weil ich mir nicht so recht vorstellen kann, worum sich der nächste Band wohl drehen wird.

Oh, und für diejenige, die neugierig auf die Geschichte geworden sind, aber keine Bücher auf Englisch lesen mögen: Der Titel der deutschen Ausgabe von „A Pinch of Magic“ lautet „Eine Prise Magie“ und auch die Fortsetzung („A Sprinkle of Sorcery“) ist schon unter dem Titel „Ein Hauch von Zauberei“ auf Deutsch erschienen.

Michelle Harrison: Elfenseele 3 – Jenseits der Ferne

Ein bisschen hat es gedauert bis mit „Jenseits der Ferne“ der dritte Band der „Elfenseele“-Reihe von Michelle Harrison erschienen ist. In diesem Buch übernimmt wieder Rowan „Red“ Fox die Hauptrolle, auch wenn Tanya und Fabian ebenfalls auftauchen und ihren Part zur Handlung beitragen. Doch von Anfang an: Nachdem Rowan im vorhergehenden Band endlich ins Elfenreich gelangt war und dort ihren kleinen Bruder James wiedergefunden hatte, lebt sie nun mit Tanyas Großmutter, Fabian und seinem Vater und der Haushälterin Nell auf Elvesden Manor.

Eigentlich fühlt sie sich sehr wohl in ihren neuen Zuhause und auch der Kontakt zu Rose, die sich im letzten Buch als Rowans Mutter entpuppt hat, wird immer besser. Wobei es auch hilft, dass Rose auf dem Gelände von Elvesden Manor ein kleines Tierheim eröffnen durfte und die beiden so täglich miteinander reden können. Und doch gibt es etwas, was dem Mädchen auf der Seele liegt.

Als sie vor einem Jahr ihre Suche im Elfenreich begann, wurde sie (gemeinsam mit Fabians Vater Warwick) von der Heckenhexe gefangen genommen. Bei ihrem Fluchtversuch hätten die beiden auch den dritten Gefangenen, Eldritch, mitnehmen können, doch da dieser an James Entführung beteiligt war, ließ Rowan ihn an eine Mauer gekettet im Keller der Hexe zurück. Inzwischen aber belastet sie der Gedanke, was wohl aus Eldritch geworden ist und lässt sie keine Ruhe mehr finden. Zusätzlich wird ihr Leben von Sperling, Tino und anderen alten Bekannten durcheinander gebracht. Sperling und seine Freunde gehören dem Coven an, der es sich zur Aufgabe gemacht hat Kinder, die durch Wechselbälger ausgetauscht wurde, wieder aus dem Elfenreich zurück zu holen.

Tino will nicht nur, dass Rowan wieder ihre früheren Aufgaben im Coven übernimmt, sondern hat auch selber gravierende Probleme. So sind einige Mitglieder dieses vertrauten Kreises verschwunden und werden nur wenig später ermordet aufgefunden. Dabei wird deutlich, dass die Täter nicht nur von ihrer geheimen Tätigkeit bei der Rückbeschaffung gestohlener Kinder wussten, sondern auch die jeweilige spezielle Aufgabe der Person in diesem Kreis und ihre jeweilige Schwachstelle genau kannten. Auch wenn Rowan mit diesem Teil ihres Lebens eigentlich abgeschlossen hat, kann sie ihre ehemaligen Verbündeten doch nicht im Stich lassen. Und auch Tanya und Fabian wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die Morde, die so eindeutig mit dem Elfenreich verbunden sind, aufgeklärt werden. Dabei geraten nicht nur die Jugendlichen in Gefahr, sondern auch alle anderen Bewohner von Elvesden Manor.

Obwohl mir auch dieser dritte Band der „Elfenseelen“-Reihe gut gefallen hat und ich Rowan als Hauptfigur lieber sehe als Tanya, so hat mich dieser Teil nicht ganz so mitgerissen wie ich es gehofft hatte. Zum einen denke ich, dass es daran liegt, dass die Handlung – trotz diverser übernatürlicher Gestalten und Vorgänge – in unserer Welt spielt und daran, dass Elvesden Manor eine deutlich geringere Rolle übernimmt, als mir lieb gewesen wäre. Ich habe eben eine ganz besondere Schwäche für die kleinen Bewohner dieses Hauses, wenn man mal von dem schleimigen Langfinger im Abfluss absieht.

Und dann werden sehr viele Figuren neu in die Handlung eingeführt, so viele, dass ich zu kaum einem der neuen Charaktere eine Beziehung aufbauen konnte. Außerdem wird schnell deutlich gemacht, dass nicht alle Mitglieder des Coven eine reine Weste haben – wobei der Verräter in diesem Kreis in meinen Augen so offensichtlich war, dass in dieser Beziehung keine Spannung bei mir aufkam. Zuletzt störten mich noch ein wenig die beiden „Liebesgeschichten“, die hier und da in der Handlung durchschimmern. Trotzdem habe ich das Lesen dieses Romans genossen, auch wenn sich das bislang vielleicht nicht so angehört hat.

Michelle Harrison hat eine spannende Grundsituation geschaffen und vor allem fand ich es interessant noch mehr über Rowans Zeit auf der Straße und über das Geschäft mit Kindern/Wechselbälgern zu erfahren. Vor allem der Versuch des Coven einem Jungen zu helfen, dessen Mutter anscheinend nicht mehr wie früher ist, hat mir einen fesselnden Einblick in die Schwierigkeiten dieser Aufgabe geboten. Außerdem habe ich die Vorbereitungen für die Endschlacht genossen, ebenso wie das Wiedersehen mit den schon vertrauten Figuren (nur auf die Haushälterin Nell könnte ich verzichten, die nervt mich doch ziemlich). „Jenseits der Ferne“ ist in meinen Augen zwar nicht ganz auf dem Niveau der früheren Romane, aber immer noch ein tolles Buch.

Michelle Harrison: Elfenseele – Zwischen den Nebeln

Mit „Elfenseele – Zwischen den Nebeln“ veröffentlicht der Loewe-Verlag den zweiten Band von Michelle Harrison. Über „Hinter dem Augenblick“ hatte ich ja schon im Dezember geschrieben und da mir das Buch so gut gefallen hatte, musste ich natürlich auch die Fortsetzung lesen! Im ersten Teil stand Tanya im Mittelpunkt, ein Mädchen, dass mit der Gabe gesegnet (oder sollte man besser sagen verflucht) war Feen und Elfen sehen zu können. Aufgrund dieser Fähigkeit geriet sie immer wieder in Schwierigkeiten, lernte aber auch einige Menschen kenne, die ebenfalls die übernatürlichen Wesen sehen konnten – und ihr helfen wollten. Rowan „Red“ Fox zum Beispiel hat Tanya viel darüber beigebracht, wie sie sich vor den Übergriff der Feen und Elfen schützen könnte.

Am Ende von „Hinter dem Augenblick“ gelang es Red nach einer dramatischen Auseinandersetzung mit dem „kleinen Volk“ sogar das Elfenreich zu betreten, etwas, was sie schon seit über einem Jahr versuchte. Damals musste Red nach einem Autounfall, der ihre Eltern das Leben kostete, mit ihrem kleinen Bruder zusammen in einem Heim leben. Als dort Kinder verschwinden und durch Wechselbälger ersetzt werden, versucht Red alles, um ihren Bruder James zu beschützen – doch vergeblich!

Nachdem James von den Feen geraubt wurde, sammelt seine Schwester so viel Informationen wie möglich über die übernatürlichen Wesen und findet heraus, dass sie vielleicht eine kleine Chance haben könnte, ihren Bruder aus dem Elfenreich zu befreien. Doch dafür muss sie selber in diese magische Welt gelangen. Als ihr das letztendlich gelingt, fällt sie der Heckenhexe in die Hände, die ihre ganz eigenen unheimlichen Pläne mit dem Mädchen hat.

Mir gefiel „Zwischen den Nebeln“ noch besser als der erste Teil, da sich die Autorin noch mehr auf die düsteren Seiten der britischen Volksmärchen konzentriert hat. Zwar wird der eine oder andere Teil von Reds Aufgabe im Feenreich etwas einfach gelöst, aber dafür werden die Charaktere vielschichtiger beschrieben und der Hintergrund des Mädchens wird schön ausgearbeitet. Im Vergleich zu Tanya, deren Leben doch bislang immer sehr glatt verlief, zeigt Red viel mehr unterschiedliche Seiten ihres Charakters. Sie ist durch das Leben auf der Straße misstrauisch geworden, wirkt manchmal hart und erschreckend skrupellos – und wird doch die ganze Zeit nur von ihrer Liebe zu ihrem kleinen Bruder angetrieben.

Auch Tanya und Fabian wird in diesem Buch wieder eine Rolle zugestanden, da neben dem magischen Reich auch wieder das Herrenhaus Elvesden Manor zum Schauplatz der Geschichte wird – und ich sollte noch erwähnen, dass die Handlung auch verständlich ist, wenn man „Hinter dem Augenblick“ nicht gelesen hat, wobei so einige Anspielungen mit diesem Vorwissen eher zu genießen sind. Insgesamt bietet „Zwischen den Nebeln“ eine schöne Mischung aus traurigen Geschehnissen, fantastischen Elemente, niedlichen, bedrohlichen und hilfsbereiten magischen Wesen und vielen kleinen amüsanten Szenen.

Wenn es der Autorin gelingt diese Qualität zu halten (oder gar noch besser zu werden) und weiterhin so schöne und märchenhafte Geschichten zu erzählen, dann freu ich mich jetzt schon auf alle noch kommenden Romane von Michelle Harrison.

Michelle Harrison: Elfenseele – Hinter dem Augenblick

Solange sie denken kann, ist Tanya in der Lage Feen und Elfen zu sehen (ich bin mir nicht ganz sicher, ob die deutsche Übersetzung da wirklich dem Original entspricht, aber ich verwendet mal weiter die im Buch verwendeten Begriffe). Als sie ein Kind war, fanden ihre Eltern es noch niedlich, wenn sie ihnen von all den unsichtbaren Gestalten erzählte, doch je älter Tanya wird, desto mehr Ärger bekommt sie durch diese Fähigkeit.

Die Elfen haben angefangen sie zu piesacken, um das Mädchen daran zu hindern den anderen von ihnen zu erzählen – und je mehr Schabernack diese Wesen treiben, desto wütender wird ihre Mutter darüber, dass Tanya soviel kaputt macht und die Schuld dann immer auf nichtexistierende Gestalten schiebt. So ist es kein Wunder, dass Tanya dazu verdonnert wird, die Ferien bei ihrer Großmutter zu verbringen, in einem alten und fast verfallenen Haus in den Tiefe der Grafschaft Essex.

Auch hier wimmelte es von Elfen und Kobolden, was das Leben für Tanya nicht einfacher macht. Doch nach einigen unheimlichen Vorfällen beschließt sie zusammen mit Fabian, dem Sohn des Verwalters, mehr über die übernatürlichen Wesen herauszufinden – genauso wie über das geheimnisvolle Verschwinden der Morwenna Bloom, die vor 50 Jahren in den Henkerswald hinter dem Anwesen von Tanyas Großmutter ging und nach diesem Tag nie wieder gesehen wurde.

Michelle Harrison ist mit „Elfenseele“ ein wirklich spannender und unterhaltsamer Jugendroman gelungen. Auch wenn man meinen könnte, dass die dreizehnjährige Tanya vielleicht im Laufe der Zeit besser mit den Elfen hätte umgehen können, so bezaubern mich die verschiedenen Wesen und ihre unterschiedlichen Eigenschaften. So unangenehm es sein muss, wenn ein „Abflussbewohner“, ein lurchartiger Elfe, einem ständig glitzernde Sachen aus dem Badezimmer stahl, so nett ist die Idee einer Herdfee, die dafür sorgt, dass der Tee immer warm ist. Letztere würde ich gern einladen bei mir zu wohnen – auch wenn die vier Katzen wohl zuviel für sie sein müssten. 😉

Aufbauend auf den verschiedenen (britischen) Feensagen spinnt die Autorin eine fantastische Geschichte rund um die dreizehn Schätze des Feenreichs, die Menschen, die die übernatürlichen Wesen sehen können, Wechselbälger und den Übergang in das magische Reich. Auch wenn sich die Handlung eher langsam entwickelt, so hat es mir gefallen, dass ich nur selten vorhersagen konnte, in welche Richtung die Geschichte gehen würde. Und obwohl Michelle Harrison am Ende sehr viele verschiedene Hinweise zu einem stimmigen Gesamtbild verknüpft hat, so bleibt noch genug zu erzählen für eine (hoffentlich ebenso gelungene) Fortsetzung. Die ist übrigens für den englischsprachigen Markt schon angekündigt und soll im Januar unter dem Titel „Thirteen Curses“ erscheinen. 🙂