Skyla Dawn Cameron: Livi Talbot 1-3

Nachdem ich in letzter Zeit so viele fantastische Kinder- und Jugendbücher gelesen habe, hatte ich in den vergangen Tagen spontan Lust auf Urban Fantasy. Aber so richtig konnten mich meine schon gelesenen Reihen nicht reizen, und bei den ungelesenen Titeln auf meinem eReader ging es mir ähnlich, bis ich bei „Solomon’s Seal“, dem ersten Livi-Talbot-Roman von Skyla Dawn Cameron, landete. In der Zwischenzeit habe ich nicht nur den zweiten und dritten Band der Reihe („Odin’s Spear“ und „The Emperor’s Tomb“) gelesen, die beide ebenfalls schon auf meinem eReader schlummerten, sondern mir auch den Band 2.5 („Ashford’s Ghost“) gekauft, damit ich den am chronologisch passenden Punkt der Reihe lesen konnte. Die Geschichten drehen sich um Olivia „Livi“ Talbot, die mit 17 von ihrem (einfluss)reichen Vater aus dem Haus geworfen wurde, nachdem sie schwanger geworden war. Ein paar Jahre hat sie sich und ihre Tochter mit Jobs als Kellnerin durchgebracht, bis ihr Bruder Martin – ein anerkannter Archäologe – sie engagierte, um Zutritt zu dem Haus einer ehemaligen Schulkameradin von Livi zu bekommen, wo er ein ungewöhnliches archäologisches Fundstück vermutete.

Dies war Livis erste Berührung mit magischen Artefakten, die aktiviert wurden, als es vor einigen Jahren einen weltweiten „Pulse“ gab. Seitdem verdient sie ihren Lebensunterhalt als Schatzjägerin, die aus den entlegensten Regionen der Welt (oder auch dem einen oder anderem nicht so entlegenem Museum) Artefakte für ihre Auftraggeber besorgt. Die Arbeit ist gefährlich und wenig vorhersehbar, und genau das gefällt Livi, die von sich behauptet, ein Adrenalin-Junkie zu sein. Möglich sind diese Jobs, weil sich während ihre Abwesenheit ihre Mitbewohnerin Pru um Livis Tochter kümmert, während Livis Bruder Martin einer der größten Gefahrenpunkte für ihr Leben geworden ist, weil er keine Hemmungen hat, sie bei ihren Aufträgen mit radikalen Mitteln aufzuhalten oder gar ihre Beute an sich zu bringen. Ein weiteres Problem sind häufig Livis Auftraggeber, die nicht gerade zu den vertrauenswürdigsten Personen gehören – ein Punkt, mit dem sie sich im Laufe der Zeit immer wieder auseinandersetzen muss und der auch für einige Weiterentwicklungen ihres Charakters sorgt.

Ich mochte beim Lesen diese Schatzjäger-Lara-Croft-Elemente sehr, vor allem da es Skyla Dawn Cameron gelingt, die körperlichen Herausforderungen, die zum Beispiel das Erkunden oder Ertauchen von Höhlen, das Bergsteigen auf verschneiten Gipfeln und dergleichen mit sich bringen, sehr realistisch zu beschreiben. So gibt es immer wieder Passagen, in denen Livi ihre Ausrüstung überprüft, in denen erklärt wird, worauf zu achten ist, wenn eine Person längere Zeit in tiefer Dunkelheit unterwegs ist und welche Orientierungslosigkeit das mit sich bringen kann. Dazu kommen noch all die fantastischen Elemente, die in der allgemeinen Welt, in der Livi lebt, gar keine so große Rolle spielen, die aber bei ihren Aufträgen einen großen Einfluss auf ihr Überleben haben können. So begegnet sie ungewöhnlichen (oder als verstorben geltenden) Tieren ebenso wie zum Beispiel Gestaltwandlern oder einem Dschinn, und ich muss zugeben, dass mich die Autorin hier immer wieder überraschend konnte, was beim Lesen viel Spaß gemacht hat.

Noch ein Punkt, der mir wirklich viel Freude bereitet hat, war, dass Skyla Dawn Cameron bei Livis Abenteuern nicht nur das Erreichen das Ziels, sondern auch immer den Rückweg im Auge hatte. Das ist etwas, was ich bei „Abenteuerfilmen“ oft schrecklich nervig finde, wenn die Charaktere Dutzende Hinternisse überwinden müssen, um ihren „Schatz“ zu finden, der Heimweg aber am Ende gar kein Thema ist, obwohl die Figuren auf ihrem Hinweg alles in Schutt und Asche gelegt haben. Bei den Livi-Talbot-Romanen hingegen steht von Anfang an fest, dass jede eingestürzte Höhle, jede aktivierte Falle, jedes fantastische Wesen, an dem sie sich mit Mühe und Not vorbeischleichen konnte, auf dem Rückweg ein Problem darstellt, das bewältigt werden muss. Es reicht nicht, ein gesuchtes Artefakt in die Hände zu bekommen, sie muss es auch schaffen, heil mit ihrem Schatz wieder nach Hause zu kommen – und das ist manchmal der richtig herausfordernde Teil ihres Jobs.

Der einzige Grund, warum ich mir noch nicht die restlichen drei bislang erschienenen Romane der Reihe angeschafft habe, ist, dass in den Klappentexten zu den kommenden Bänden Punkte erwähnt werden, die ich nicht so gerne lese. (Ganz ehrlich, sag mir, dass die Protagonistin betrogen/verraten wird oder einen großen Verlust erleidet und schon habe ich keine Lust mehr auf die Geschichte …) Auf der anderen Seite hat Skyla Dawn Cameron in den bislang von mir gelesenen Teilen jedes Mal nach ca. einem Drittel der Handlung etwas eingebaut, das mich zumindest bei den ersten beiden Bänden fast dazu gebracht hätte, die Lektüre abzubrechen, was sie dann aber so gedreht hat, dass mir die Geschichte am Ende wirklich Spaß gemacht hat. Außerdem mag ich die Figuren rund um Livi und ihre Hintergründe (ich muss nur ignorieren, dass Zeit in diesen Büchern etwas flexibler gehandhabt wird, was es z.B. Livi ermöglich hat, sich in gerade mal vier Jahren von einer misshandelten Kellnerin in eine weltberühmte Schatzjägerin und Höhlenexpertin zu verwandeln 😉 ) und ich wüsste gern, wie es für die Charaktere in Zukunft weitergeht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.