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Kelly McCullough: Die zerborstene Klinge

Zu „Die zerborstene Klinge“ von Kelly McCullough wollte ich unbedingt noch auf dem Blog etwas schreiben, weil es lange her ist, dass ich einen Fantasyroman gelesen habe, der sich in meinen Augen so angenehm von der Masse der Veröffentlichungen unterscheidet und trotzdem die Qualitäten klassischer High-Fantasy-Romane aufweist. Blöderweise fällt es mir sehr schwer, die Dinge, die mir so gefallen haben, auch in Worte zu fassen.

Die Handlung verläuft in „Die zerborstene Klinge“ sehr linear. Aral bekommt von der als Dienstmädchen verkleideten Maylien den Auftrag, eine Botschaft zu überbringen. Die Entlohnung für den Job ist überraschend hoch, doch auf der anderen Seite muss sich der Krieger für diesen Job auf ein Grundstück schleichen, das nicht nur in einem besonders gesicherten Viertel liegt, sondern bei dem er auch davon ausgehen kann, dass Grund und Gebäude auf jede mögliche (magische und nichtmagische) Weise geschützt werden. Am Zielort findet Aral nicht nur heraus, dass die dort residierende Baronin Marchon anscheinend in eine ganz schlimmer Sache verwickelt ist, sondern auch, dass ein ehemaliger Freund und Verbündeter noch am Leben – und vermutlich auf die falsche Seite gewechselt – ist.

Nun muss sich Aral (auch unter dem Druck seines Verbündeten, des Finsterlings Triss) entscheiden, ob er seine neu gewonnenen Erkenntnisse ignoriert und sich weiterhin in den Schatten der Stadt – und den Tiefen einer Flasche mit Alkohol – versteckt, oder ob er aktiv wird, in einer politischen Auseinandersetzung Stellung bezieht und sich so gegen seinen früheren Freund stellt. Kelly McCullough wirft den Leser erst einmal in das Geschehen und zeigt nur nach und nach Bruchstücke aus Arals Vergangenheit. Diese erklären nicht nur, warum die ehemalige „Klinge von Namara“ zu einem Söldner geworden ist, der seinen Kummer mit Alkohol betäuben will, sondern beschreiben auch wichtige Elemente der fantastischen Welt, die der Autor für diesen Roman entworfen hat. Eines dieser besonderen Details ist zum Beispiel der Finsterling, eine – in Triss‘ Fall drachenähnliche – Kreatur, die sich durch den Einfluss der Göttin Namara mit Aral verbunden hat und ihn nun statt seines Schattens begleitet.

Kelly McCullough beschreibt seine Welt in der Regel nicht in ausführlichen Worten, sondern lässt sie einfach da sein. So kann man als Leser die Facetten der Stadt Tien innerhalb der Handlung entdecken und erkennt nur anhand kleiner Details wie zum Beispiel dem Warenangebot der Bauern, dass zumindest dieser Teil der Welt von dem Autor mit asiatischen Elementen ausgestaltet wurde. Mir persönlich gefällt es immer besonders gut, wenn mir eine Welt nicht explizit gezeigt wird, sondern wenn sie für die Figuren eben selbstverständlich ist und ich als Leser durch ihre Augen die vertrauten Dinge wahrnehme und mir so eine Vorstellung vom Ganzen machen kann.

Spannend fand ich auch die Art und Weise, in der Götter in dieser Welt eine Rolle spielen. So stand Aral in seiner Funktion als Klinge einst im Dienste einer Göttin – und ohne diese Aufgabe verlor er seinen Halt in der Welt. Nur der Finsterling Triss, der während Arals Ausbildung zur Klinge mit dem Krieger verbunden wurde, bot dem Mann noch etwas Halt. Dabei muss Aral während der aktuellen Ereignisse feststellen, wie wenig er über den Finsterling eigentlich weiß – ich muss gestehen, dass ich sehr neugierig bin, welche Details zu dieser Figur in folgenden Romanen noch zum Vorschein kommen.

Neben einer recht vielschichtigen Figurenentwicklung und der tollen Welt hat mir auch gefallen, dass Kelly McCullough weniger auf Actionszenen gesetzt hat – obwohl die natürlich auch vorkommen, da Aral eben von klein auf als Krieger ausgebildet wurde. Stattdessen gibt es viele Szenen, in denen Aral sein Eindringen in gut gesicherte Gebäude plant, sich durch Gebiete voller (magischer) Fallen und Hindernisse schleicht oder einfach sehr viel Geduld aufbringen muss, um irgendwo eindringen zu können. Diese Passagen fühlten sich nicht nur angenehm realistisch an, sondern waren auch spannend geschrieben. Zumindest finde ich es deutlich spannender mitzubekommen, wie jemand über all die Möglichkeiten nachdenkt, die es gibt, um durch eine magisch gesicherte Tür zu kommen, als eine Runde Gemetzel zu verfolgen.

„Die zerborstene Klinge“ erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, für die man anfangs vielleicht etwas Geduld aufbringen muss, um in die Handlung hineinzukommen und die Figuren kennenzulernen. Ich hätte es auch mal schön gefunden, wenn dieser Roman ein Einzelband geblieben wäre. Trotzdem freue ich mich jetzt schon auf den im Dezember erscheinenden zweiten Teil („Die Klinge von Namara“) rund um Aral und Triss und hoffe, dass ich dann mehr Details über die Charaktere und die Welt erfahren werde (und dass der Autor bei seinem Erzählstil bleibt, den ich als so erfrischend anders empfunden habe).

[Übersetzungsirritation] Kelly McCullough: Die zerborstene Klinge

Ich bin gerade auf Seite 130 von „Die zerborstene Klinge“ von Kelly McCullough und stolpere mal wieder über ein Wort. Der Roman bietet bis jetzt eine unterhaltsame Fantasygeschichte mit ein paar nicht so ausgelutschten Elementen und einer interessanten Welt. Ich bin bislang schon über den einen oder anderen Satz gestolpert, bei dem mir der Satzbau etwas zu sperrig war, so dass ich aus dem Lesefluss gerissen wurde, aber das möchte ich der Übersetzerin Frauke Meier nicht ankreiden, da das vermutlich am Originaltext liegt.

Bei folgendem Zitat aber habe ich wirklich ein Problem und vermute, dass da entweder ein falsches Wort oder – wie bei der Gschaftelhuberin – ein spezieller Dialekt verwendet wurde. Die Hauptfigur Aral hatte gerade eine unangenehm Unterredung in einer Kneipe und zieht sich nun auf ein nahe gelegenes Dach zurück.

„Als ich die Straße betrat, gähnte die Sonne dem Untergang schon entgegen, also kletterte ich eine nahe Wand empor und sah mich nach einem Plätzchen um, an dem ich mich windgeschützt niederlegen und auf die Dunkelheit warten konnte. Der Prozess veranlasste diverse Schnittwunden und Blutergüsse, lauthals nach meiner Aufmerksamkeit zu verlangen. In einer Nische mit steilen Wänden, die zwischen zwei Dachgauben auf der Leeseite eines Daches lag, fand ich eine vorübergehende Molle(S. 130)“

 Diese Molle irritiert mich wirklich. Abgesehen davon, dass das Wort „Molle“ nicht zu meinem aktiven Wortschatz gehört, habe ich immer gedacht, dass das so etwas wie „Mulde“ bedeutet. Aber eine „vorübergehende Mulde“ ergibt wenig Sinn. Online habe ich bei einer schnellen Suche als Begriffserklärung  „Backtrog“ und „Bier“ gefunden – oh, und auf italienisch soll molle angeblich „locker“ bedeuten.

Edit: Oh, und da kommt die „Molle“ schon wieder vor:

„Und ich kannte einen passenden Ort, doch den konnte ich nicht aufsuchen, ohne vorher einen kurzen Abstecher zu meiner Hauptmolle im Stall des „Greifen“ zu unternehmen.“ (S. 131)

(Der „Greifen“ ist das Gasthaus, in dem unser „Held“ in den letzten Jahren wohnte.)

Vielleicht kennt ihr ja noch weitere Bedeutungen für „Molle“, die in diesem Zusammenhang etwas mehr Sinn ergeben?