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Robin McKinley: Spindle’s End

„Spindle’s End“ von Robin McKinley hatte ich mir ursprünglich für eine Leserunde besorgt, die dann doch nicht zustandekam. Beim Auspacken meiner ganzen Buchkartons fiel mir der Roman dann vor ein paar Wochen wieder in die Hände, und so habe ich ihn nach all den Jahren endlich auch mal gelesen. „Spindle’s End“ ist eine Dornröschen-Variante, und anfangs fand ich die Erzählweise etwas gewöhnungsbedürftig, weil Robin McKinley zu Beginn mehr erklärende Einschübe zum Weltenbau und der Magie einfließen lässt, als ich es von ihren anderen Titeln gewohnt bin. Das ist zwar amüsant zu lesen, sorgt aber auch dafür, dass es ziemlich lange dauert, bis die eigentliche Handlung anfängt.

Die Geschichte spielt in einem Land, in dem so viel Magie präsent ist, dass sie wie eine dicke Staubschicht alles bedeckt und dementsprechend auch viel Einfluss auf alle Lebenwesen und Dinge in diesem Teil der Welt hat. Obwohl die Magie so überpräsent ist, gibt es nur wenige Personen (in der Regel Magier und Feen), die sie bewusst anwenden können. Die Mitglieder des Könighauses gehören nicht zu diesem Personenkreis – denn es ist Gesetz, dass das Land von jemandem regiert wird, der keinerlei Magie besitzt. Bei einem solch magischen Königreich ist es nicht überraschend, dass die Prinzessin und Thronerbin bei ihrer Taufe von einer Fee verflucht wird – ungewöhnlich ist hingegen, dass sie, kurz nachdem der Fluch ausgesprochen wird, von einem Mädchen, das die Gabe hat, mit Tieren zu kommunizieren, in Sicherheit gebracht wird.

Dieses Mädchen ist Katriona, aus deren Sicht die Geschichte zu Beginn auch erzählt wird. Katriona ist eine Waise, die von ihrer Tante aufgezogen wurde, welche wiederum in ihrem abgelegenen Heimatort eine der mächtigsten Feen ist. Gemeinsam mit dieser Tante gelingt es ihr, die Identität der Prinzessin geheimzuhalten und das kleine Mädchen als ihre Cousine Rosie aufzuziehen. Rosie entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einer selbstbewussten jungen Frau, die – dank der ungewöhnlichen Ereignisse rund um ihre Taufe – die Gabe hat, mit Tieren zu sprechen. Obwohl die böse Fee, die sie verflucht hat, sie all die Jahre sucht, sorgt Katriona gemeinsam mit ihrer Tante dafür, dass Rosie eine wunderbare (und sehr gewöhnliche) Kindheit erleben kann. Sie steht Rosie auch nicht im Weg, als diese vom Schmied des Ortes zur Pferdeheilerin ausgebildet wird. Doch mit Rosies herannahendem 21. Geburtstag lässt sich ihre Herkunft nicht länger verbergen, und so muss die junge Frau sich – gemeinsam mit einigen ungewöhnlichen Verbündeten – am Ende gegen die böse Fee stellen, um nicht nur ihr eigenes Leben zu retten.

Robin McKinley konzentriert sich in „Spindle’s End“ lange Zeit darauf, von Rosies Heranwachsen zu erzählen und von all den Dingen, die das Mädchen so liebt und die so gar nicht prinzessinnenhaft sind. Ihre Gewöhnlichkeit und die Tatsache, dass sie mit Tieren kommunzieren kann, sind für Rosie der beste Schutz gegen die Suchzauber der bösen Fee, und so gibt es für den Leser viele kleine Szenen mit den wilden und zahmen Tieren der Umgebung, mit den Menschen im Dorf, die natürlich keine Ahnung von Rosies wahrer Herkunft haben, und mit Rosies kleiner „Pflegefamilie“, die das Mädchen liebt, als wäre es ihr Fleisch und Blut. All diese Elemente werden von Robin McKinley so liebevoll erzählt, dass ich sie gern gelesen habe. Gleichzeitig habe ich mich immer wieder gefragt, wie ein solches Mädchen irgendwann einmal in die Rolle einer Prinzessin schlüpfen soll. Doch natürlich hat die Autorin auch dafür am Ende eine stimmige Lösung gefunden.

Ich mochte es sehr, dass es in dieser Dornröschen-Variante zwar die klassischen Elemente wie den Zauberschlaf gab, aber nicht in der vertrauten Märchenversion, sondern als eine Folge des Suchzaubers, den die böse Fee jahrelang einsetzt. Auch gibt es zwar einen Prinzen am Ende der Geschichte, aber nicht für Rosie, die (wenn auch nicht ganz allein) diejenige ist, die selbst gegen die böse Fee kämpft, um sich und ihr Königreich zu retten. Robin McKinleys Dornröschen ist definitiv keine zarte Prinzessin, die in einem von Dornen umringten Schloss auf Rettung wartet, sondern eine mutige junge Frau, die einen ungewöhnlichen und gefährlichen Weg einschlägt, um gegen einen übermächtigen Gegner zu kämpfen und so diejenigen zu retten, die sie liebt.

Ich mochte Rosie ebenso gern wie die vielen Verbündeten, die ihr zur Seite standen. Doch besonders gefallen haben mir all die vielen kleinen, stimmigen Elemente, die sonst in den verschiedenen Dornröschen-Varianten gar keine Beachtung finden. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, welche Folgen ein Fluch hat, der durch eine Spindel ausgelöst werden soll, in einem Land und einer Zeit, in dem die Verarbeitung von Fasern nun einmal zu den überlebensnotwendigen alltäglichen Verrichtungen gehören. Auch wenn ich mich erst auf die ruhigere und ausführliche Erzählweise einlassen musste, habe ich diese Geschichte wirklich genossen – es war schön, mal eine so stimmige Dornröschen-Version zu lesen.

Robin McKinley: Chalice

Robin McKinley lese ich schon sehr lange und kenne doch bislang erstaunlich wenig von der Autorin, obwohl ich jeden Roman von ihr, den ich gelesen habe, sehr mochte. So wurde es zu Weihnachten dringend Zeit mal wieder ein weiteres Buch von ihr auf den Wunschzettel zu setzen und nachdem mir in den letzten Tagen nach ungewöhnlicher Fantasylektüre war, habe ich zu „Chalice“ gegriffen.

Von Anfang an fällt bei „Chalice“ die ungewöhnliche Erzählweise auf, die nicht nur durch viele zeitliche Sprünge, sondern auch die Perspektive etwas ist, worauf man sich erst einmal einlassen muss. Überhaupt lässt Robin McKinley sehr vieles offen, wenn es um die Welt, die Magie und die Traditionen geht, die in „Chalice“ eine Rolle spielen. Aber ich fand es sehr angenehm, dass ich mir so beim Lesen sehr viele Gedanken um all die Kleinigkeiten machen musste, die mir eben nicht auf dem Silbertablett präsentiert werden. Selbst Elemente, die relativ einfach erklärt werden könnten, musste ich mir als Leser selber erarbeiten. So habe ich mich lange gefragt, wie groß wohl das Gebiet ist, um das es sich hier dreht. Die Menschen kennen einander und stehen sich so nah, dass es wie ein Dorf oder größeres Gut wirkt. Aber wenn man sich überlegt wie viele Personen an der Verwaltung des Gebietes beteiligt sind und wie wichtig die einzelnen Positionen sind, dann dreht es sich wohl eher um eine Art kleines Fürstentum. Ich mag es, wenn ich mich so mit den Hintergründen einer Geschichte beschäftigen kann, ohne dass dabei die Figuren oder das Geschehen zu sehr überlagert werden.

Die Handlung dreht sich um ein Gebiet, in dem zeitgleich der „Master“ und die „Chalice“ gestorben sind ohne einen Erben zurückzulassen und nun durch zwei Personen ersetzt werden müssen, die keinerlei Ausbildung für ihre neue Aufgabe erfahren haben. Die neue „Chalice“ wird durch den „Circle“ gefunden, in einem Auswahlverfahren, das angeblich keinen Raum für Irrtümer zulässt – und so steht die Imkerin und „Waldhüterin“ Mirasol von einem Tag auf dem anderen vor einer großen Herausforderung. Als Chalice ist es ihre Aufgabe das Land zusammenzuhalten, mit dem Circle zusammenzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass es allen Lebewesen gut geht.

Auch der Master ist auf magische Weise mit dem Land verbunden und entstammt normalerweise der Blutlinie des vorhergehenden Masters ab. Doch aufgrund der Tatsache, dass der verstorbene Master sich nicht gut mit seinem jüngeren Bruder vertrug, wurde dieser zu den Priestern des Feuers geschickt und ist nun eigentlich nicht mehr für seine neue Aufgabe geeignet. Er ist tief mit dem Feuer verbunden und weniger Mensch als Element, trotzdem will er alles versuchen, um dem Gebiet die Unruhe zu ersparen, die mit einem Wechsel der Blutlinie einhergehen würde. So sind sowohl Chalice als auch Master sehr unsicher in ihrer neuen Aufgabe und es hilft nicht, dass die Menschen in ihrer Umgebung ihnen kein besonders großes Vertrauen entgegen bringen. Zu sehr hängt die Sicherheit aller und das Wohl des Landes davon ab, dass die beiden wichtigsten Positionen von Menschen gehalten werden, die dafür sorgen können, dass das Land ausgeglichen ist und die Magieflüsse gleichmäßig fließen.

Mir hat vor allem die ruhige Erzählweise gefallen und die Tatsache, dass mir die Geschichte Raum und Zeit zum Nachdenken gelassen hat. Ausnahmsweise konnte ich das Buch gut aus der Hand legen, weil so viele Kleinigkeiten in mir nachhalten und die Langsamkeit der Handlung mich nicht drängte noch eine und noch eine Seite zu lesen bis ich wusste wie es endete. Dann sind da auch all die kleinen Szenen zwischen Master und Chalice, die beide auf ihre Weise das Beste für ihr Land wollen und doch so unsicher sind, ob sie ihrer Aufgabe gerecht werden. Obwohl auch Mirasol immer wieder Angst vor dem Feuer in ihrem Master hat, so ist er es doch, mit dem sie sich relativ offen über all die Dinge austauschen kann, die sie beschäftigen.

Aufgrund der Perspektive ist man als Leser sehr nah bei Mirasol, bekommt ihre Selbstzweifel mit, ihre Unwissenheit und all die großen und kleinen Unannehmlichkeiten, die mit ihrer neuen Position einhergehen. Ich mag es immer wieder, dass Robin McKinley bei solchen Beschreibungen ein Händchen für Details beweist, die meinem Gefühl nach sonst oft untergehen. So bemerkt Mirasol an einer Stelle an, dass sie mit allen möglichen Problemen gerechnet hat, aber nicht mit den Rückenschmerzen, die die Arbeit als Chalice mit sich bringen. Als Waldhüterin ist sie nicht gerade untrainiert, aber das lange Stehen während der Sitzungen – da sich die Chalice bei der Ausübung ihrer Pflichten traditionsgemäß nicht hinsetzen darf – beansprucht ihren Körper ganz anders als ihre frühere Arbeit.

Und dann gibt es noch all die Szenen rund um die Bienen, den Gewinn von Honig und die Beschreibungen des unterschiedlichen Geschmacks der verschiedenen Honigsorten. Mirasol ist die erste Chalice, deren Magie mit Honig verbunden ist, und dementsprechend wichtig sind die Bienen und die Imkerei für sie. Dabei ist ihr schon bewusst, dass kaum jemand sich in der Nähe ihrer Bienen wohlfühlt und die meisten Menschen Angst vor den Insekten haben. Doch für sie bedeuten die Bienen und ihr stetiges Summen Geborgenheit – und so ist es auch passend, dass die Chalice und ihre Bienen sich im Laufe der Zeit ungewöhnlich entwickeln und eine immer größere Rolle bei der Erhaltung ihres Landes einnehmen.

Da eigentlich relativ wenig in dem Roman passiert und die Geschichte von den kleinen Momenten und Entwicklungen lebt, ist es schwierig mehr über die Handlung zu schreiben. Aber wer von euch sich mal auf eine etwas andere Fantasygeschichte einlassen mag, sollte einen Versuch mit „Chalice“ wagen.

Robin McKinley: Rose Daugther

Nach dem Märchen-Tag (und dem ganzen Schreiben über Robin McKinley) und da ich dringend noch ein November-Buch für die English-Challenge benötigte, habe ich am letzten Wochenende zu „Rose Daugther“ gegriffen. Der Roman entstand zwanzig Jahre nach „Die Schöne und das Ungeheuer“ und ist ebenfalls eine Neuerzählung dieses Märchens. Aber diese Version zeigt deutlich, wie sehr sich die Sicht der Autorin innerhalb dieser Zeit auf das klassische Märchenmotiv verändert hat.

Die Geschichte beginnt mit den Kindheitserinnerungen von Beauty. Ihre Mutter stirbt als die Kleine fünf Jahre alt ist, aber sie erinnert sich noch immer genau an das Parfüm, welches die schöne und beliebte Frau immer umgeben hat. Auf der Suche nach der Blume, die einen solchen Duft hervorbringt, entwickelt das kleine Mädchen eine Schwäche für Gärten. Aber nicht nur als Quelle für Blumen, sondern auch als ruhiger Zufluchtsort vor all den Dingen, die von ihr erwartet werden, und vor dem Trubel in ihrem wohlhabenden Elternhaus, genießt sie die Nähe der Blumen.

Nach dem Tod der Mutter wird jede Zauberei vom Vater verflucht und von der Familie fern gehalten, da er den Wahrsagern und Hexen vorwirft, dass sie seine Frau vor dem Unglück nicht gewarnt haben. Und während irgendwann wieder der Alltag einzieht, träumt Beauty regelmäßig einen schrecklichen Albtraum, in dem sie einen langen Korridor entlangläuft an dessen Ende ein Ungeheuer auf sie wartet, und ruft beim Aufwachen nach ihrer Mutter. Einzig im Garten, wo sie heimlich unter der Anleitung eines alten Gärtners den richtigen Umgang mit Pflanzen lernt, fühlt sie sich wohl.

Nicht nur in dieser Beziehung unterscheidet sich Beauty sehr von ihren beiden älteren Schwestern: Lionheart, die älteste, ist sehr mutig, während Jeweltongue, die mittlere, besonders redegewandt und klug ist. Aber beide Schwestern gehen nicht sehr gnädig mit ihrer Umwelt um und so ist es Beauty, die die „ausgedienten“ Pferde und Jagdhunde von Lionheart in bessere Hände vermittelt und die verängstigte Dienstboten tröstet, wenn diese Opfer von Jeweltongues spitzer Zunge wurden.

Kurz vor der Doppelhochzeit von Lionsheart und Jeweltongue mit zwei angesehenen Adeligen wird bekannt, dass ihr Vater pleite ist (auch aufgrund der Tatsache, dass er in den letzten Jahren keine Geschäfte mehr mit Magiekundigen gemacht hat). Die Männer brechen die Verlobungen, die Dienstboten laufen davon und die Schwestern geben ihr Bestes, um mit der Situation fertig zu werden. Lionsheart übernimmt die Küche, Jeweltongue kümmert sich um den restlichen Haushalt und Beauty versorgt den Vater, der zusammengebrochen ist, und versucht einen Überblick über die finanzielle Lage zu bekommen. Letztendlich bleibt ihnen nur der Umzug in ein kleines Häuschen auf dem Land, welches den Schwestern von einer alte Frau vererbt wurde.

Falls ihr jetzt das Gefühl habt, ich hätte hier eine endlose Inhaltsangabe geschrieben: Die bisher aufgeführte Handlung findet auf den ersten 25 Seiten des Buches statt und ich finde es großartig, wie es Robin McKinley gelingt die Familie und ihre Eigenarten hier so klar zu charakterisieren. Aber man bekommt auch einen guten Einblick in diese Welt, in der Kräuterhexen, Zauberer, Wahrsager und Astrologen zum normalen Alltag gehören und in der die in Märchen und Sagen erzählten Geschichten etwas sind, was der Großmutter (oder deren Großmutter) passiert ist und was deshalb im Kern auf jeden Fall wahr sein muss, auch wenn es inzwischen mehrere Varianten einer Erzählung gibt.

Longchance heißt der kleine Ort, in dem die drei Schwestern mit ihrem Vater landen, und angeblich gab es vor langer, langer Zeit dort mal eine Schlacht zwischen Zauberern, was dazu führt, dass sich keine Kräuterhexe an diesem Ort ansiedelt, weil die Überreste der Vergangenheit zu Albträumen und anderen unangenehmen Dingen führen. Aber das „Rose Cottage“, welches die Schwestern geerbt haben, besitzt einen ganz eigenen Charme und zu ihrer Überraschung findet Beauty ein große Anzahl dorniger Büsche im Garten des Häuschen, welche sich als wunderbar duftende Rosen herausstellen und zu denen sie eine ganz besondere Bindung entwickelt. So ist es auch ihre Liebe zu Rosen, die dazu führt, dass ihr Vater nach einer unglückseligen Reise in die alte Heimatstadt, einem Schneesturm und dem lebensrettenden Aufenthalt in einem verzauberten Schloss, seine jüngste Tochter einem schreckenserregenden Biest überlassen muss …

Diese Variante ist deutlich „fantasylastiger“ als „Die Schöne und das Ungeheuer“, so hat Beauty zum Beispiel die Gabe Pflanzen und Blumen wachsen zu lassen, ihre Mutter hatte einen kleinen übellaunigen Hausdrachen und in dieser Welt existieren Rosen normalerweise nur in den Gärten von Zauberern, denn nur mit Magie bringt man sie zum Blühen. Aber gerade diese liebevollen fantastischen Einfälle machen für mich diese Variante des Märchens zu etwas besonderem. Und auch der Schluss, der ein wenig von der klassischen Version abweicht, ist so wunderbar – und in meinen Augen so viel stimmiger -, dass es sich allein schon deshalb lohne würde, diesen Roman zu lesen.

Es fällt mir wirklich schwer konkreter auf die ganzen schönen Elemente dieses Buches einzugehen. Am einfachsten lässt sich für mich der Unterschied zwischen „Die Schöne und das Ungeheuer“ und „Rose Daughter“ zusammenfassen, wenn ich es so beschreibe:

„Die Schöne und das Ungeheuer“ ist ein wunderschönes Märchen mit liebenswerten Figuren, die für eine solche Geschichte angenehm realistische Züge haben. Aber durch das ganze Buch zieht sich eine Harmonie, die mich ein wenig an einen Disney-Zeichentrickfilm erinnert. Bei „Rose Daughter“ fühle ich mich viel mehr an einen Ghibli-Anime erinnert. Es gibt unheimlich viele vertraute Elemente, die man aber mit ganz neuen Augen entdecken kann. Die Handlung bekommt ganz neue Facetten, die Magie gehört zum Alltag der Menschen und hat doch nichts von ihrem Zauber verloren, der ganze Roman ist von einer ganz besonderen Atmosphäre durchdrungen und dann nimmt sich Robin McKinley immer wieder Freiheiten in dieser „Neuerzählung“ heraus, die ihre Version zu etwas ganz eigenständigem machen.

Am Ende habe ich nicht das Gefühl, dass das Paar den Rest ihres Lebens in einer rosaroten märchenhaften Glückseligkeit verbringen wird, sondern dass Beauty und ihr Beast in Zukunft Höhen und Tiefen vor sich haben, die sie – so wie jedermann – gemeinsam durchstehen müssen. Und diese Vorstellung finde ich deutlich realistischer und damit auch viel schöner als die märchenhafte Variante …

Oh, und was das Englisch angeht, so schreibt Robin McKinley wirklich gut verständlich, aber durch Beautys Liebe zur Gärtnerei kam ich hier und da doch an  meine Grenzen, wenn es um die Bezeichnungen von Pflanzen ging. Die muss man aber jetzt auch nicht unbedingt alle komplett verstehen, um der Handlung problemlos folgen zu können, abgesehen davon, dass ich es nicht immer so einfach finde, wenn es z.B. darum geht den passenden Baumnamen im Deutschen zu finden, da einem die diversen Wörterbücher da gerne mehrere Varianten anbieten.